
HAMMURAPI und seine Zeit
HAMMURAPI
(1728-1686 v. Chr.) gehörte zu den großen Herrschergestalten des
Alten Orients. Unter ihm stieg Babylon
zur führenden Macht in Mesopotamien auf.
In sinnvoller Verknüpfung
von Bündnispolitik und Feldzügen gelang es ihm, alle Teilherrscher Mesopotamiens
zu unterwerfen und ein Reich zu schaffen, das fast das gesamte Mesopotamien
zwischen Euphrat und Tigris umfasste (Bild 1).
Im Inneren schuf HAMMURAPI mit Unterstützung seiner Beamten einen zentralisierten
Staat mit der Hauptstadt Babylon.
Unter
HAMMURAPIS Königsherrschaft blühen die Städte, Landwirtschaft,
Handwerk und Handel auf, und auch die Wissenschaften, z. B. die Astronomie, Medizin
und die Mathematik, erleben einen großen Aufschwung. Der eigentliche Ruhm
HAMMURAPIS wurde aber durch eine Gesetzessammlung
begründet.
Die Gesetzessammlung
des HAMMURAPI
Aus der altbabylonischen
Zeit sind eine ganze Reihe Gesetzestexte, königliche Erlasse und Rechtssammlungen
überliefert worden. Sie vermitteln häufig einen sehr genauen Eindruck,
wie sich die Herrscher die rechtliche Situation in ihrem Lande wünschten.
Die bekannteste und zweifellos umfangreichste Gesetzessammlung ist die von HAMMURAPI,
der sogenannte "Codex Hammurapi".
Die Gesetzesstele
In ihrem oberen
Teil zeigt die Stele HAMMURAPI in ehrfurchtsvoller
Haltung vor Schamasch, der ihm den Herrscherstab
als Insignie der Macht überreicht. Schamasch war der babylonische Gott der
Sonne und des Lichts. Die Babylonier glaubten, die Sonne bringe alles auf der
Erde ans Licht. Deshalb war Schamasch nicht nur der Gott der Sonne und des Lichts,
sondern auch der Hüter bzw. Gott des Rechts. Darunter befinden
sich dann drei Textblöcke in Keilschrift (Bild 2):
Alle Regelungen, Historiker bezeichneten sie später als Paragrafen, sind entsprechend dem Prinzip der Wiedervergeltung formuliert: Sie beginnen mit "wenn (dieses oder jenes so geschieht), dann (wird das mit dieser oder jener Strafe vergolten)". Dieses Prinzip soll an einigen Paragrafen auf der Gesetzesstele verdeutlicht werden, die auch den Rechtsgrundsatz "Auge um Auge, Zahn um Zahn" verständlich werden lassen:
Die Gesetze HAMMURAPIs berührten nicht alle Bereiche des Lebens. Sie waren vor allem Fragen des Zusammenlebens in der Gemeinschaft und der Beziehungen der Menschen zum König zugewandt, die im Reich HAMMURAPIS von besonderer Aktualität und Brisanz waren.
Unter diesen Gesichtspunkten wurden Rechtsfälle im Kodex behandelt, wie solche
Neu war der "Codex Hammurapi" nicht nur wegen des
Umfangs und der Vollständigkeit der Sammlung, sondern auch wegen seiner Verbreitung
über das ganze Land. Fragmente, d. h. Reste von Stelen mit Zeilen
der Gesetzessammlung HAMMURAPIS wurden nämlich auch an anderen Orten Babyloniens
ausgegraben. Es muss folglich mehrere gleichartige Exemplare der Gesetzesstele
gegeben haben, mit denen wahrscheinlich die Gesetze im ganzen Reich verbreitet
werden sollten, um die Willkür der Richter und der Rechtsprechung einzuschränken.
Die
Gesetzessammlung wirkte aber auch in
der Zeit. So wurden Abschriften von Gesetzestexten HAMMURAPIS auf Tontafeln
gefunden. An diesen Funden, die zu Lehrzwecken oder auch aus literarischem Interesse
angefertigt wurden, konnte nachgewiesen werden, dass der "Codex Hammurapi"
wenigstens 1500 Jahre lang für die Rechtsprechung von Interesse war.