Die Teilung Koreas
Als im Jahre
1950der Koreakrieg begann, war Korea ein
geteiltes Land. Der 38. Breitengrad trennte den südlichen vom nördlichen
Teil des Landes. Diese Teilung hatte eine Vorgeschichte:
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts war die koreanische Halbinsel faktisch eine
Kolonie Japans geworden. Japan war als eine
der Achsen-Mächte im Zweiten Weltkrieg
mit Deutschland verbündet. Während des Krieges setzte sich Japan im
pazifischen Seekrieg vor allem mit den USA auseinander, die das Land 1945 auch
zur bedingungslosen Kapitulation zwangen.
Die Teilung
Koreas in zwei Staaten war eine direkte Folge des Zweiten Weltkrieges und
des beginnenden Kalten Krieges. Nach dem Zusammenbruch Japans besetzten 1945 sowjetische
Truppen den nördlichen Teil und amerikanische Truppen den südlichen
Teil Koreas. Die Demarkationslinie war willkürlich
am 38. Breitengrad gezogen worden.
Ähnlich wie in
Deutschland führte die Teilung und militärische Besetzung durch Siegermächte
mit so unterschiedlichen Gesellschaftsordnungen, wie es die Sowjetunion einerseits
und die USA andererseits waren, auch in Korea zu gegensätzlichen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in den beiden Teile des Landes:
Die alliierten Siegermächte hatten sich noch während
des Zweiten Weltkrieges auf einen einheitlichen und unabhängigen Staat Korea
geeinigt. Alle Bemühungen zur Verwirklichung wurden aber, als sich 1946 der
Kalte Krieg und die Ost-West-Spaltung abzeichneten, fallen gelassen.
Von der UNO anberaumte freie Wahlen unter internationaler
Aufsicht konnten 1948 nur im Süden des Landes stattfinden. Im Norden wurden
dagegen Wahlen nach Einheitslisten abgehalten, die nur die Wahl zwischen Mitgliedern
der tonangebenden Kommunisten zuließen.
Im August 1948 wurde dann
die Republik Korea gegründet, die meist
als Südkorea bezeichnet wird.
Im September folgte dann die Gründung der Demokratische
Volksrepublik Korea nach, die mehr als Nordkorea bekannt ist. Die USA und die Sowjetunion begannen danach langsam, ihre Truppen
abzuziehen.
Nun bestanden also auf der koreanischen Halbinsel zwei unabhängige Staaten. Diese repräsentierten gegensätzliche Gesellschaftsordnungen, waren in die unterschiedlichen gegnerischen Staatenblöcke des Kalten Krieges eingebunden und von Anbeginn ihrer Existenz miteinander verfeindet. Damit waren Konflikte vorprogrammiert.
Der Koreakrieg
Die strengstens bewachte,
nahezu undurchlässige Grenze zwischen den beiden Welten bildete weiterhin
der 38. Breitengrad. Trotz Spaltung gab es jedoch unter der Bevölkerung
in beiden Teilen des Landes den verbreiteten Willen zur Einheit. Wohl auch, um
diese Stimmung für eigene Ziele auszunutzen, überschritten am 25. Juni 1950 Truppen
Nordkoreas den 38. Breitengrad. Wenig später nahmen sie die Hauptstadt Seoul ein und besetzten große
Teile des Landes. Der Koreakrieg hatte
begonnen.
Ein wechselvolles Kriegsgeschehen
Das mit Südkorea verbündete Amerika rief nun die Vereinten Nationen (UNO) an. Die UNO verurteilte dieses Vorgehen
Nordkoreas umgehend, und nur einige Tage später wurde der Einsatz von Militär
gegen die Angreifer beschlossen. Die UN-Truppen rekrutierten sich aus mehreren ihrer Mitgliedstaaten.
Das mit Abstand größte
Kontingent entsandten aber die USA, die mit General MACARTHUR auch deren Oberbefehlshaber stellten.
Die
schon bis in den äußersten Süden der koreanischen Halbinsel vorgerückten
militärischen Einheiten Nordkoreas wurden von den Truppen
MACARTHURs schon bald zurückgedrängt. Die UN-Truppen überschritten
dabei den 38. Breitengrad und drangen im Norden bis an die chinesische Grenze
Nordkoreas vor.
Das wiederum führte dazu, dass sich China,
das erst 1949 kommunistisch geworden und mit der Sowjetunion verbündet war, bedroht fühlte. Ursache dafür war
u. a., dass eines der Hauptzentren der Industrie Chinas, die Mandschurei,
direkt hinter der nordkoreanischen Grenze lag.
Chinesische
Militäreinheiten griffen nun direkt in den Krieg ein. Sie rückten
schnell in Nordkorea ein und im Januar 1951 zusammen
mit Nordkoreanern wiederum über den 38. Breitengrad vor. Dabei
wurde erneut Seoul eingenommen.
Eine Gegenoffensive der UN-Truppen im März
1951 vertrieb die chinesischen und nordkoreanischen Truppen aber bald wieder aus
der Hauptstadt. Diesmal verfolgten aber die Truppen MACARTHURs den Gegner nur
noch bis zum 38. Breitengrad.
Die gegnerischen Seiten begannen Friedensverhandlungen, die sich bis 1953 hinzogen. Im Juli 1953 wurde
endlich ein Friedensvertrag unterzeichnet.
Bis zum Vertragsabschluss hatte der mit großer Grausamkeit und von beiden
Seiten mit chemischen und biologischen Waffen geführte Krieg viele
Opfer gefordert. Allein unter der Zivilbevölkerung hatte es schätzungsweise
fast zwei Millionen Tote gegeben. Etwa die gleiche Zahl wird für verwundete,
vermißte oder getötete Soldaten angegeben.
Internationale
Folgen des Koreakrieges
Der Koreakrieg beschleunigte in beiden großen Blocksystemen die Überlegungen zu einer Politik der Stärke. So wurden nach Beendigung
des Krieges auf beiden Seiten umfangreiche Militärprogramme aufgelegt. Es
begann eine Entwicklung, die heute als Rüstungswettlauf bezeichnet wird. In den folgenden Jahrzehnten wurden in Ost und West Unmengen
der verschiedensten Waffen angehäuft.
Die verbündeten Staaten
auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs rückten in der Folge des Koreakrieges
außerdem militärisch enger zusammen. So spielte der Krieg auch in der
Diskussion um die westdeutsche Wiederbewaffnung eine
entscheidende Rolle. Sowohl in Deutschland, wo das Schicksal des geteilten Korea
häufig mit dem deutschen verglichen wurde, wie auch in vielen westeuropäischen
Ländern wurden viele Vorbehalte gegen die Wiederbewaffnung Deutschlands durch
den Krieg im fernen Osten abgebaut.
Allerdings machte der Koreakrieg auch
die wachsenden Risiken von Kriegen sehr deutlich.
Der amerikanische Oberbefehlshaber MACARTHUR hatte sich während der militärischen
Auseinandersetzungen für den Einsatz von Atomwaffen gegen das mit der Sowjetunion verbündete
China ausgesprochen. Außerdem hatte er die Besetzung der Mandschurei gefordert.
Beides hätte aber unkalkulierbare Risiken mit sich gebracht, bis hin zur
möglichen Konfrontation der beiden Führungsmächte USA und Sowjetunion,
die damals bereits über Atomwaffen verfügten.
Das zunehmende Bewusstwerden dieser Risiken veränderte aber auch die Sichtweisen in der Welt auf solche kriegerische Konflikte und ihre Gefahren. So entließ der amerikanische Präsident TRUMAN seinen General MACARTHUR mit den Worten:
"Wir versuchen einen Weltkrieg zu verhindern, nicht ihn zu beginnen."
Damit zeigte TRUMAN, dass er die Gefahr verstanden hatte, auch wenn die Entlassung
des Generals noch weitere Gründe gehabt haben mochte. Präzise politische
Abwägung hatte gegen militärisches
Abenteurertum die Oberhand behalten.
Schließlich hatte TRUMAN
auch erkannt, dass man, um eine unkalkulierbare kriegerische Entwicklungen zu
verhindern, das gegnerische Territorium nicht unmittelbar bedrohen durfte. So
einigte man sich in Korea am Ende, des Krieges auf eine Grenzlinie zwischen Süd-
und Nordkorea, die fast genau der der Vorkriegszeit am 38. Breitengrad entsprach.