


Der Nil - Geografisches
Der
Nil ist mit einer Lauflänge von 6671
km der längste Fluss der Erde. Sein Einzugsgebiet
besitzt mit 2,87 Mio. km² die achtfache Größe Deutschlands (Bild 1).
Der Nil entsteht aus zwei großen
Quellflüssen:
Zwischen
Karthum und Assuan durchbricht der Nil sechs Höhenzüge aus harten Gesteinen
und bildet Stromschnellen, die als Katarakte
bezeichnet werden. Nördlich von Kairo mündet der Strom mit dem Nildelta
ins Mittelmeer.
Im bis zu 20 km breiten und bis
zu 350 m in die felsigen Wüstengebiete eingetieften Niltal und im Nildelta ist inmitten lebensfeindlicher Wüsten
in rund 5000 Jahren eine der größten Flussoasen der Erde entstanden.
Leben
spendender Nil
Der Nil hatte schon als Lebensader
zur Herausbildung der Hochkultur des Alten Ägypten
beigetragen. Diese Hochkultur entstand
um 3000 v. Chr. und umfasste etwa das Gebiet vom 1. Nilkatarakt im Süden
bis zum Nildelta am Mittelmeer im Norden.
Die Bedeutung des Nils für das Alte Ägypten und seine Bevölkerung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. In einem Land, wo es praktisch nie regnete, ernährte der Nil das Land im wahrsten Sinne des Wortes. Er bot Wasser und damit Nahrung und war auch die wichtigste Verkehrsader. Ohne ihn wäre das Land eine ebensolche Wüste wie die Wüsten, die sich beiderseits der Flussoase ausdehnen.
Besonders Leben spendend wirken sich seit alters her
die großen jahreszeitlichen Schwankungen des Wasserspiegels des Flusses
aus. Die mit ihnen verbundenen Hochwässer und Trockenzeiten konnten allerdings schon
die Bewohner des Alten Ägypten in Zeit und Umfang ziemlich genau voraussagen:
Die Regenzeiten im Hochland von Äthiopien und in Äquatornähe speisen
die Quellflüsse des Nil. Dadurch bewirken sie, dass der Strom im Sommer und
Herbst anschwillt und von Mitte August bis Ende September das ganze Tal überflutet.
In der Niedrigwasserzeit der ersten Jahreshälfte fällt der Wasserstand
vor allem am Unterlauf erschreckend auf etwa ein Fünfzigstel ab.
Dieser Wechselrhythmus von Hoch- und Niedrigwasser
bestimmte auch das Leben der Menschen im Alten Ägypten:
Der Ackerbau war die Hauptnahrungsquelle der Ägypter. Während der Nilschwelle wurden die Felder regelmäßig überflutet und mit Nilschlamm bedeckt.
Die gewaltigen Mengen des sehr fruchtbaren Schlammes führten der Blauen Nil
und der Atbara aus den Vulkangebieten Äthiopiens heran. Sie erneuerten die
Fruchtbarkeit der Äcker.
Die
Menschen überlisten den Fluss
Bei Niedrigwasser erreichte der Wasserstand des Nil kaum noch die Felder. Sie drohten deshalb auszutrocknen.
Die ägyptischen Bauern hatten jedoch schon vor Jahrtausenden gelernt, mit
ausgeklügelten Bewässerungssystemen die wechselnden Wasserstände zu überlisten:
Man zog Kanäle durch das Land, um Wasser auf sonst unfruchtbare Flächen
zu leiten.
Außerdem wurden verschiedene Schöpfvorrichtungen erfunden, die man heute immer noch bei ägyptischen Bauern besichtigen kann.
Auf Papyrus gemalte Bilder zeigen auch das Schaduf als Schöpfgerät. Bei ihm hängt am einen Ende einer Stange ein Eimer
und am anderen ein Gegengewicht, um das Schöpfen zu erleichtern.
Später benutzte man dann
den Tambour, um Wasser zu schöpfen. Mit
diesem vom berühmten Griechen ARCHIMEDES erfundenen und deshalb als "Schraube
des Archimedes" bezeichneten Gerät konnte das Wasser auch über
kurze Strecken transportiert werden.
Es gab auch sogenannte Nilometer, die
den Wasserstand des Flusses maßen und sogar aufzeichneten. Dadurch konnten
Beamte im Alten Ägypten den ungefähren Umfang der Ernten voraussagen
und die Abgaben an den Staat bestimmen.
Das dem Nil und der Wüste abgerungene
Land erbrachte reiche Ernten und war eine Grundlage für den Reichtum Ägyptens.
Die Nahrung der Ägypter bestand neben Haustieren und Geflügel auch aus
den Fischen, die der Nil reichlich spendete.
Die große Bedeutung des
Flusses für das Land veranlasste später den griechischen Geschichtsschreiber
HERODOT zu den Worten: Ägypten sei "Ein
Geschenk des Nils".
Für die Herausbildung
der Hochkultur hatte das Land neben dem Nil aber noch mehr zu bieten:
In den Trockengebieten jenseits des bebauten Landes fand man für Bauten,
Statuen und Gefäße geeignete Gesteine, vom harten Kalkstein bis zum
durchsichtigen Alabaster. Daneben kamen viele für Schmuck geeignete Halbedelsteine,
wie Achat, Jaspis oder Karneol, vor. Auch an Kupfer für Werkzeuge und Gefäße
fehlte es nicht. Vor allem kam aber reichlich Gold aus der Wüste im Osten
und später aus Nubien im Süden.
Die Wüsten spendeten außerdem
Natron und Schwefel, den man zur Mumifizierung brauchte.