


Kurze
Vorgeschichte
Die 18. Dynastie hatte nach außen
die größte Macht und nach innen die größte Pracht
Ägyptens entfaltet. Ägypten hatte mit entschiedener Expansion
sich ein Weltreich geschaffen. Relativ modern war auch die innere Form des
Staates. Im Neuen Reich gab es
keine Stände mehr. An Stelle der Gaufürsten und niederer Lehensträger
waren Beamte getreten. Zum Beispiel nahmen Priester und Militärs entscheidenden
Einfluss auf den König. Die Völker um das östliche Mittelmeer
waren in vieler Hinsicht miteinander verbunden. Ägypten
hielt sich relativ abseits, war aber durch die dynamische Einheit des Alten
Orients einbezogen. Man tauschte Handelswaren aus, aber auch Menschen wurden
gehandelt.
In der Reihe der Vorgänger von RAMSES II. ging 1292 v. Chr. die Pharaonenwürde
an den Wesir PRAMESES, einen Mann, der nicht dem Adel angehörte. Von
der zweithöchsten Position stieg er als RAMSES I. auf den Thron und
leitete die 19. Dynastie ein. Er regierte
nur 16 Monate, dann übernahm sein Sohn SETHOS I. die Macht. Auf ihn
folgte RAMSES II.
Familiengeschichte
Das gesamte Geburtsdatum von RAMSES II. ist nicht bekannt. Verschiedene
Chronologien gehen von 1304/03 v. Chr. aus, andere von 1290 oder 1279
v. Chr. Letzteres Jahr wird aber in den meisten Fällen als Krönungsjahr
angegeben. In dieser Biografie gehen wir vom Geburtsjahr 1304/03 aus.
Der spätere König
RAMSES II. wird also 1304/03 v. Chr. als Sohn des Pharaos SETHOS I.
vermutlich in Memphis geboren. Seine Mutter TUJA war die Große Königliche
Gemahlin, die wie eine Göttin verehrt wurde.
1212 v. Chr. stirbt der wohl mächtigste Pharao RAMSES II. in seiner
Residenzstadt Ramsesstadt (hebr. Pi-Ramesse) und wird im Tal
der Könige beigesetzt.
Pharao RAMSES II. wurde als "ruhmreiche Sonne Ägyptens", als "Goldgebirge", als "vollkommenes Abbild des Re" und auch als "Sonne aller Länder" bezeichnet.
Die ersten Jahre RAMSES II.
Der Vater von RAMSES II., SETHOS I.,
war im Militär groß geworden und erwies sich als tatkräftiger
und energischer Herrscher. 1291 v. Chr. wurde er zum König (Pharao)
gekrönt. SETHOS I. begann die Nordgrenzen Ägyptens zu stabilisieren
sowie die sich bekriegenden Beduinen am Horusweg zu befrieden. Gleichzeitig
sicherte er die Verbindung und die wichtige Handelsroute nach Norden.
RAMSES II. wuchs seit jüngster Kindheit ganz in militärischer Tradition seiner Familie auf. Der Junge besaß einen unbeugsamen Willen und ein gebieterisches Auftreten. Auf einer Weihinschrift am Eingang des Tempels von Abydos wird RAMSES als das! Wunderkind präsentiert. Schon als Kind kannte er die Städte in den Provinzen von Kanaan, Charu und Djahi, die Provinz Upe (Südsyrien) und die Festungen, die im Land Amurru zurückerobert werden mussten. Mit gerade einmal 10 Jahren führte der junge Prinz einen Trupp Soldaten an, als er 13 Jahre alt war, wurde er von seinem Vater mit zu einem Feldzug gegen Libyen genommen. Mit 14 Jahren durfte RAMSES zusammen mit seinem Vater an einem Feldzug gegen die verhassten Hethiter teilnehmen, um die Provinz Amurru und die Stadt Kadesch wieder unter ägyptische Kontrolle zu bringen. Interessant ist, dass RAMSES zwischen dem 6. und 7. Jahr der Herrschaft SETHOS I. zum Mitregenten ernannt wurde. 1282/80 v. Chr. erhebt SETHOS I. seinen Sohn RAMSES zum Kronprinzen.
Thronbesteigung König RAMSES
II.
Als König SETHOS I. stirbt, wird er mit großem Pomp im Tal
der Könige beigesetzt.
Im Jahr 1279 (eventuell auch erst 1278) v. Chr. findet die Thronbesteigung
des Königs RAMSES II. in Memphis statt. RAMSES II. oder auch "RAMSES
der Große" der 19. Dynastie herrschte von 1290 bis 1224 v.
Chr. sechsundsechzig Jahre über Ober- und Unterägypten und bestimmte
dessen Geschicke. Die Macht
der Ägypter während der Ramessidenzeit (19. und 20. Dynastie)
war angeschlagen. Der Wiederaufbau der verlorenen Macht und die Verteidigung
des Landes waren innenpolitisch als auch außenpolitisch zum einem
wichtigen Thema geworden.
RAMSES II. verstärkte als nächstes seine Streitmacht.
Außerdem nahm er zahlreiche Ausländer in seine Dienste auf.
Das waren Scherden, Libyer, Nubier, Amoriter, eingebürgerte Kriegsgefangene.
Der Pharao hatte begriffen, wie instabil die Verhältnisse der Bündnisse
mit den Stammesfürsten in den
Ostländern waren.
Während seiner Regierungszeit bewältigte RAMSES II. mittels
drei von ihm aufgestellten "Strategien" ein gewaltiges Bauprogramm.
Seine neue Hauptstadt
Ramsesstadt (hebr. Pi-Ramesse) errichtete er im Delta anstelle der
einstigen Hyksosstadt Auaris. Der Standort war strategisch gut gewählt,
sowohl als Knotenpunkt für den Handel als auch militärisch zwischen
Ägypten und der asiatischen Welt. Von Ramsesstadt konnte man bedeutend
besser als von Theben aus die Entwicklung
in Syrien, Palästina und Mesopotamien überwachen und wenn nötig
einschreiten.
Das Opet-Fest
SETHOS I. starb im Alter von etwa 50 Jahren. Eine von RAMSES II. erste
Aufgabe war nach Theben zu reisen und am Opet-Fest teilzunehmen. Hier vollzog der Pharao seine wichtigsten religiösen
Pflichten.
Das Opet-Fest fand zu der Jahreszeit statt, in der der Gott
Amun gestorben war und die Welt vom Chaos bedroht wurde. Der Amun,
der in Karnak lebte, war ein Himmelsgott.
Der Pharao und die Priester führten eine Prozession an, die eine goldene Statue des sterbenden Himmelsgottes Amun aus dem
Allerheiligsten Karnaks zu einer Barke trug. Dieses Boot wurde hinter
der Königsbarke flussaufwärts zum Tempel
Luxor getreidelt. An den Rudern saßen zwar die hohen Würdenträger,
wie es die Zeremonie verlangte, aber die eigentliche Arbeit leisteten
am Ufer die Soldaten und Bauern an den Zugleinen.
In Luxor wurde die Statue in den Tempel geleitet, wo sie etwa zwei Wochen
blieb. Während dieser Zeit wurden an ihr geheime Verjüngungsrituale
vollzogen. Der Pharao leitete die Rituale, die zugleich seine eigene Ka-Seele erneuerten. Denn sie bestätigten
auch den Pharao in seinem Recht als Herrscher und Vermittler zwischen Gott und Menschheit.
Nach den Feierlichkeiten fuhr der Pharao auf seiner Barke nach Norden
in die heilige Stadt Abydos, Hewimat des Totengottes
Osiris. Sein Vater hatte dort einen aufsehenerregenden Tempel bauen lassen. Das er noch unvollendet war, entsetzte RAMSES: Ein
Sohn sollte Wert auf die Wünsche des Vaters legen, verkündete
er und spornte die Bautätigkeit an, damit es auf immer heißen
werde: Sein Sohn hat seinen Willen verewigt! Anschließend ließ
RAMSES seinen eigenen Namen und sein Bild an vielen Stellen im Tempel
seines Vaters anbringen.
Die Schlacht bei Kadesch und der erste
Friedensvertrag der Welt
Um 1275 v. Chr. überschritt RAMSES II. die ägyptische Grenze
und erreichte nach einem Monat Schabtuna südlich von Kadesch gelegen.
Kadesch war eine strategisch wichtige
Stadt im Norden. Mit einer großen Streitmacht von 20 000 Mann marschierte
RAMSES II. nach Norden und provozierte eine Konfrontation mit dem Hethiterkönig
MUWATALLIS.
Der Hethiterkönig
MUWATALLIS hatte ein sehr großes Aufgebot von hethitischen und
alliierten Truppen unmittelbar bei Kadesch aufmarschieren lassen.
Die Kampfhandlungen der ägyptischen Soldaten
waren in einer aussichtslosen Lage. Durch schlechte Aufklärung auf
ägyptischer Seite gelang den hethitischen Streitwagen ein Überraschungsangriff
auf RAMSES' Hauptdivision. Die ägyptischen Soldaten stoben entsetzt
auseinander. RAMSES fand sich allein und verlassen. Dennoch sprang er
in seinen Streitwagen und verkündete seinem schlotternden Schildträger:
Ich werde mich auf sie stürzen wie ein Falke,
werde sie töten, niedermetzeln und zu Boden strecken!
Ob es stimmt, ist heute nicht mehr mit Sicherheit nachvollziehbar, da
nur die Version des Pharaos überliefert ist.
Angeblich soll der Pharao mit seinem Generalstab das Waffenstillstandsangebot
angenommen haben, um ein Desaster für die ägyptische Armee abzuwenden.
Diese Schlacht bei Kadesch
am Orontes wurde vielfach dargestellt in Wandmalereien und auch dichterisch
besungenen.
Nach mehreren Zügen RAMSES II. nach Asien schloss sich eine Friedensperiode
von etwa 60 Jahren an. Diese wurde im 21. Regierungsjahr RAMSES II. durch
den Staatsvertrag
mit dem Hethiterreich abgesichert.
Der um 1259 v. Chr. abgeschlossene Vertrag
zwischen RAMSES II. und dem Nachfolger von MUWATALLIS, dem Hethiterkönig
HATTUSILIS war der
erste Friedensvertrag der Welt.
Der Vertrag beendete auf Dauer die Auseinandersetzungen zwischen beiden
Staaten, verpflichtete sie zu gegenseitiger Waffenhilfe
bei Angriffen und Aufständen und regelte die Auslieferung
politischer Flüchtlinge. Die Allianz zwischen den beiden seither
verfeindeten Völkern konnte durch die Heirat mit einer hethitischen
Prinzessin, die als Große königliche Gemahlin nach Ägypten
kam und eine spätere zweite Heirat gefestigt werden.
Dieser sehr umfassende Friedensvertrag blieb in babylonischer und ägyptischer
Abschrift erhaltenen.
RAMSES II. und die Frauen
RAMSES II. Hauptgemahlin war NOFRETIRI; neben ihr stand ISISNOFRET, die Mutter seiner Söhne
CHAEMWASET und MERENPTAH (vierter und dreizehnter Sohn RAMSES II.). Beide
spielten eine historische Rolle. Neben den Großen Königlichen
Gemahlinnen besaß RAMSES II. natürlich eine große Anzahl
Königlicher Nebenfrauen, unter ihnen waren Ägypterinnen, aber
auch fremdländische Frauen. Das waren meist Frauen aus asiatischen
Ländern, die nach Vertragsabschlüssen an den Hof des Pharaos
gelangten. Diese schenkten ihm eine Vielzahl von Nachkommen.
Um den Friedensvertrag mit den Hethitern noch zu festigen, wurden im 34. und im 40. Regierungsjahr zwei hethitische
Prinzessinnen mit dem Pharao vermählt.
RAMSES II. und seine Kinder
In einem nubischen Tempel wird RAMSES
II. als Vater von 111 Söhnen und 51 Töchtern dargestellt. Einige
seiner Söhne waren am ägyptischen Hof angesehene Persönlichkeiten,
die hohe Ämter inne hatten. Als der bekannteste unter ihnen dürfte
wohl CHAEMWASET gelten. Er war Oberpriester
des Ptah in Memphis und ein bedeutender Ritualpriester des Landes. Als leidenschaftlicher Archäologe restaurierte er mehrere
alte Denkmäler und hatte Interesse an der memphitischen Nekropole.
Sein dreizehnter Sohn MERENPTAH wurde nach dem Tod RAMSES II. mit etwa 50 Jahren der nächste Pharao.
RAMSES II. – einer der größten
Bauherren
PHARAO RAMSES II. war einer der größten Bauherren Altägypten. Seine enorme Bautätigkeit kann heute noch bestaunt werden.
Ramsesstadt (auch hebr. Pi-Ramesse)
mit dem Kern des alten Auaris im Ostdeltal ließ er als Hauptstadt
unter Verwendung von Kunstwerken seiner Vorgänger aus ganz Ägypten
ausbauen. Im Zentrum errichtete er seinen Palast mit prachtvollen Gärten und verschiedenen Tempeln, die Göttern
geweiht waren. Am linken Nilufer in der Nähe von Theben baute er
sich seinen "Totentempel" – Ramesseum. Der Ausbau der Königsgräber, gelegen auf der Westseite
des Nils, gegenüber von Karnak, Luxor und Abydos wurde vervollständigt.
In Luxor ließ der König
unter anderem den großen Pylon vor dem Tempel Amun-Hotep III. errichten.
Das wohl faszinierendste und bekannteste Bauwerk von RAMSES II. ist Abu
Simbel. Dort werden zwei Tempel
erbaut. Der eine war Amun geweiht, der zweite Tempel gehörte seiner
Frau Nefertiri. Die Front seines Tempels bildeten vier Statuen, die RAMSES
II. als Amun darstellen.
Hier steht Re, als Mann mit einem Falkenkopf, der sich auf zwei Hieroglyphen
stützt. In Abu Simbel ließ RAMSES die bedeutendsten Ereignisse
seiner Regierungszeit in Stein meißeln. Im Allerheiligsten des Tempels
befinden sich vier Sitzstatuen, eine davon ist RAMSES selbst.
Um die Goldproduktion im
Wadi Allaki in Nubien zu intensivieren, wurde durch RAMSES II. die Wasserversorgung
auf dem Weg zu den Goldminen verbessert. Der Brunnen, den er graben ließ, konnte wiederentdeckt werden. Weiterhin baute
er zahlreiche Tempel in Nubien, in Gerf Hussein, in Wadi el-Sebua und
in Derr. Bei Kalabscha konnte der Felsentempel Beit el-Wali wiedererrichtet
werden.
Die Mumie des Pharaos befindet
sich im Ägyptischen Museum in Kairo.