
Die Gegner im späteren chinesischen Bürgerkrieg
Im Jahre 1911 endete die zweitausendjährige Herrschaft chinesischer
Kaiser über China. Ein Jahr später wurde die Chinesische
Republik ausgerufen. Die Republik umfasste ein riesiges Territorium.
Da
sich in den ersten Jahren nach Entstehung der
Republik aber weder eine stabile zentrale Regierung noch ein neues einheitliches
politisches System herausbildeten, lag die reale Herrschaft bei vielen sogenannten
Kriegsherren. Diese beherrschten, häufig
gestützt auf militärische Macht und verharrend in der alten gesellschaftlichen
Ordnung, nur einzelne Regionen. Sie nutzen ihre Position oftmals auch nur ausschließlich
zum eigenen Vorteil aus.
In dieser Situation des gesellschaftlichen Stillstandes
und politischen Machtvakuums entwickelte sich ab 1919 eine nationalistische
Bewegung. Vertreter dieser Nationalbewegung forderten, dabei auf westliches
Gedankengut zurückgreifend, den Bruch mit den althergebrachten Denk- und
Herrschaftsstrukturen sowie die Modernisierung der
chinesischen Gesellschaft forderte.
Aus ihr bezogen aber auch jene
Kräfte ihre Legitimation und Bedeutung, die in der chinesische
Nationalpartei, die Kuomintang (KMT),
und in der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh),
in den folgenden Jahrzehnten die Geschicke des Landes bestimmten.
Die
Kuomintang
Die schon 1912 gegründete Kuomintang
(KMT) hatte sich unter ihrem Gründer, den als "Vaters der chinesischen
Revolution" bezeichneten SUN YAT-SEN,
zunächst die nationale Erneuerung auf
die Fahnen geschrieben. Die Erneuerung Chinas sollte dabei auf den "Drei
Grundlehren..." des Gründers der Kuomintang beruhen:
Da man das chinesische Volk aber als noch nicht reif für eine solche politische
und gesellschaftliche Modernisierung ihres Landes hielt, wollte man zunächst
durch eine Art Erziehungsdiktatur
diese Reife erreichen.
Mit diesem Programm war die KMT anfangs dennoch wesentlich
erfolgreicher als ihr politischer Widerpart.
Die
Kommunisten
Gleichfalls im Jahre 1921 wurde von 12 ebenfalls westlich
geprägten Delegierten die Kommunistische
Partei Chinas (KPCh) gegründet. Deren
Einfluss im Land nahm aber erst durch ein Bündnis mit den Kuomintang zu,
das Mitte der 20er Jahre auf Vermittlung der Sowjetunion zustande gekommen war.
Da beide Parteien letztlich für die politische
Einheit und die Modernisierung Chinas
eintraten, kämpften sie in den 20er Jahren des 20. Jh. im sogenannten
Nordfeldzug von 1926 bis 1927 auch noch gemeinsam gegen die lokalen Kriegsherren
im Lande.
Beginnende Auseinandersetzungen
zwischen Kuomintang und Kommunisten in den 20er Jahren
Seit ihrer Gründung
hatte es aber auch politische Spannungen zwischen
beiden Gruppierungen gegeben. Diese führten dann 1927 zur alleinigen Machtübernahme
der KMT in weiten Teilen Chinas.
An ihrer Spitze stand nach dem
Tod von SUN YAT-SEN der sehr autoritäre und rechts gerichtete CHIANG
KAI-SHEK. Als neuer Führer griff CHIANG vor allem auf die diktatorischen
Aspekte im Programm seines Vorgängers zurück.
Seine ehemaligen Verbündeten
in der links gerichteten KPCh bekämpfte er mit Gewalt und drängte sie
schließlich in eine kleine Region im Norden des Landes zurück.
Die politische Macht der Kuomintang stützte
sich vor allem auf das Großbürgertum in den Städten und auf die
ländlichen Großgrundbesitzer. Das noch in den drei Grundlehren genannte Ziel der Bewegung, die Durchführung sozialer
Reformen zur nationalen Erneuerung, wurde zunehmend aus dem Auge verloren.
Äußere
Einflüsse in den 30er Jahren
Die Auseinandersetzungen im Inneren
Chinas wurden auch von ausländischen Mächten beeinflusst:
Schon seit Anfang der 30er Jahre hatte das zur Großmacht
aufstrebende Japan Teile Chinas besetzt.
In der rohstoffreichen Mandschurei wurde der von Japan abhängige Satellitenstaat Manchuko gegründet. Nach weiteren Vorstößen
japanischer Truppen entwickelte sich im Jahre 1937 der chinesisch-japanische
Krieg, der erst 1945 mit der Niederlage der Japaner im Zweiten Weltkrieg
endete.
Da sich sowohl die Kuomintang als auch die chinesischen Kommunisten
am Kampf gegen den äußeren Aggressor beteiligten, ebbten die Kämpfe
zwischen ihnen in diesen Jahren zunächst ab, hörten aber nie ganz auf.
In dieser Zeit konnten die Kommunisten unter ihrem neuen Vorsitzenden MAO ZEDONG auch wieder an Stärke gewinnen. Sie gewannen auch wieder viele Sympathien der Bevölkerung zurück. Das hatte vor allem zwei Gründe:
So kam es, dass viele Chinesen zu der Auffasung gelangten, allein die Kommunisten würden den Kampf um nationale Unabhängigkeit mit der Lösung der drängendsten sozialen Fragen verbinden.
Die Ausgangslage
1945
Obschon die KPCh in den von
ihnen beherrschten Gebieten bis 1945 deutlich an Unterstützung und Stärke
gewonnen hatte, waren die Kuomintang noch immer
deutlich im Vorteil. Sie beherrschten gut zwei Drittel des Landes mit 70 %
der Bevölkerung.
Als der
Zweite Weltkrieg beendet war und sich Japan aus China zurückziehen musste,
füllten deshalb auch die Kuomintang das Vakuum. Das war auch die Ursache
für die wiederaufflammenden alten Rivalitäten, die vorher durch den Krieg verdeckt worden waren.
Die Kommunisten, gestärkt durch ihr militärisches Engagement gegen Japan, forderten sowohl
die Beteiligung an den Friedensverhandlungen als auch die Beteiligung an der neuen
Regierung. Beide Forderungen wurden aber von der bisherige Regierung unter CHIANG
KAI-SHEK nicht erfüllt, weshalb ein Bürgerkrieg
unabwendbar erschien.
Verhandlungen zwischen den verfeindeten Gruppierung, die auf Druck der UdSSR und USA zustande gekommen waren, scheiterten.
Beide Großmächte hatten kein
Interesse an einem Bürgerkrieg in diesem wichtigen und schwer zu kontrollierenden
Land, verfolgten aber unterschiedliche Strategien:
Offener Bürgerkrieg
Aufgrund
der gekennzeichneten Vorbehalte verlief der mit großer Verbissenheit geführte chinesische Bürgerkrieg zwischen 1946 und 1949 in mehreren Phasen und
weitgehend ohne äußere Einflussnahme:
Die verbliebenen Truppen CHIANG KAI-SHEKS flüchteten auf die Insel Taiwan,
wo ihr Anführer am 1. März 1950 die Republik China gründete.
Der Umschwung und der Sieg der Kommunisten im
Bürgerkrieg hatte auch politische Ursachen.
Das sich traditionell
auf die Oberschichten stützende Kuomintang-Regime regierte vor allem durch Unterdrückung und mit Korruption. Hinzu kam, dass die undisziplinierten Regierungstruppen durch
Plünderungen, Zwangsrekrutierungen und andere Gewaltmaßnahmen die Bevölkerung
terrorisierten. Das führte dazu, dass vor allem gegen Ende des Krieges
immer größere Teile der Bevölkerung und selbst viele Angehörige
der Truppen der Regierung die Unterstützung versagten.
Den Kommunisten kam dagegen ihre seit den 30er Jahren verfolgte Orientierung
auf die Bauernschaft zugute. Auf dem Lande vollzog sich eine regelrechte Agrarrevolution. Die bisherige
ländliche Oberschicht wurde unter zumeist brutalen Umständen enteignet
und verlor so ihre gesellschaftliche Bedeutung. Die große Zahl der kleinen
landarmen und landlosen Bauern profitierte dagegen von den Enteignungen. Damit
standen immer größere Teile der Bevölkerung hinter den Kommunisten,
die schließlich als neue Machthaber aus dem Bürgerkrieg hervorgingen.
Gründung der Volksrepublik China
MAO ZEDONG rief am 1. Oktober
1949 in Peking die Volksrepublik
China aus.
Deren Gründung führte auch zu weltweiten
Veränderungen:
Schien die neue Volksrepublik anfänglich das
Lager der Sowjetunion zu stärken, so änderte sich das bald. Im Laufe
der Jahre verstärkte sich die traditionellen Rivalitäten zwischen sowjetischen
und chinesischen Kommunisten immer mehr. Es wurde zunehmend deutlicher, dass mit
dem großen und bevölkerungsreichen China eine neue
Weltmacht heranwuchs.
Während der Herrschaft MAOS (bis 1976) starben - je nach Schätzung - 44 bis 72 Millionen Menschen an den Folgen politischer Kampagnen, diktatorischer Machtausübung und verfehlter Wirtschaftspolitik.