




Scheitern
der Blitzkriegsstrategie
Im Winter 1941/42 fraß sich die deutsche
Kriegsmaschinerie an der Ostfront fest. Es war eine heikle Lage entstanden, denn
der Nachschub für die über 1 000
Kilometer lange Front stockte und die im Juni 1941 bereitgestellte Ausrüstung
war zum größten Teil verbraucht. Die deutsche Offensive kam schließlich
im Oktober 1941 vor Moskau zum Stehen, während
gleichzeitig der harte russische Winter anbrach,
für den die Wehrmacht nicht ausgerüstet war. Außerdem begann die
Sowjetunion mit einer Winteroffensive,
was die Wehrmacht teilweise zum Rückzug zwang. Das "Unternehmen Barbarossa",
mit dem HITLER die Sowjetunion in einem Blitzkrieg
niederwerfen wollte, war damit gescheitert und ein langer Krieg zeichnete sich
ab. Jetzt musste nicht nur ein neues militärisches Konzept gefunden, sondern
auch Wirtschaft und Gesellschaft auf einen längeren Krieg vorbereitet werden.
Totale Kriegswirtschaft
Für
den Russlandfeldzug war die deutsche Rüstungsindustrie nicht ausgebaut worden,
es waren nur andere Schwerpunkte als vorher gesetzt worden. So war zum Beispiel
die Produktion von Panzern und Artillerie ausgeweitet worden, während die
Zahl der hergestellten Bomben sank. Das lag im Wesentlichen darin begründet,
dass die Landstreitkräfte für den
Russlandfeldzug um über 40 Divisionen auf 180 Divisionen aufgestockt wurden.
Viele Arbeiter wurden deshalb zum Wehrdienst eingezogen, ihre Arbeitsplätze
wurden mit Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern aus den eroberten Gebieten besetzt. Um die Rohstoffknappheit zu überwinden, wurden auch die besetzten Gebiete rücksichtslos ausgebeutet
und die dortigen Unternehmen zur Produktion von Kriegsmaterial für Deutschland
gezwungen.
Mit dem Scheitern der Blitzkriegsstrategie
musste auch das bisherige Kriegswirtschaftssystem geändert werden, das nur auf diese Strategie ausgerichtet worden war. Im
Dezember 1941 befahl HITLER auf Anregung des Reichsministers für Bewaffnung
und Munition, FRITZ TODT, die Zentralisierung, den Ausbau und die Rationalisierung der deutschen Kriegswirtschaft. Die Ausrüstung der Wehrmacht wurde genormt
und standardisiert, die Produktion in die leistungsfähigsten Betriebe verlagert,
neue Rüstungsunternehmen gegründet und die Konsumgüterindustrie zurückgefahren. Nachdem TODT im Februar 1942 ums Leben gekommen war, wurde
der Architekt ALBERT SPEER an die Spitze des
Rüstungsministeriums berufen und mit der Umsetzung der Rüstungspläne
betraut.
SPEER schuf ein wirkungsvolles Lenkungssystem, die "Zentrale
Planung", eine Behörde, die kollegial organisiert war. In den
Jahren von 1942 bis Mitte 1944 stieg die Rüstungsproduktion um rund 300 Prozent an. Um den steigenden Bedarf an Arbeitskräften zu befriedigen, wurde am 27. Januar 1943 die "Verordnung über die
Meldung von Männern und Frauen für Aufgaben der Reichsverteidigung"
erlassen. Alle Männer zwischen 16 und 65 Jahren sowie alle Frauen
zwischen 17 und 45 Jahren wurden von den Arbeitsämtern erfasst
und konnten zum Arbeitsdienst herangezogen
werden.
Zu den perfiden Tatsachen
gehört dabei, dass auch die arbeitsfähigen Häftlinge in den Konzentrationslagern zur Arbeit gezwungen wurden. Die SS, die die Todesmaschinerie verwaltete, verlieh
KZ-Häftlinge gegen eine Gebühr von
4 bis 8 Reichsmark (RM) pro Tag an die Industrie. Bei einer durchschnittlichen
Lebensdauer eines Häftlings von neun Monaten, so die menschenverachtende Rechnung der SS, wurde ein "Reingewinn" von
1430 RM pro Person "erwirtschaftet". Dazu kamen noch einmal 200 RM
aus der Verwertung der Leiche, denn den Ermordeten
wurden zum Beispiel die Goldzähne heraus gebrochen und aus ihren Haaren Filzeinlagen
für Wehrmachtsstiefel hergestellt.
"
Wollt
ihr den totalen Krieg?"
Auch die deutsche Bevölkerung musste
nun für einen langen Krieg mobilisiert werden, denn unter dem Eindruck der Blitzsiege der Wehrmacht über Polen und
Frankreich, hatten viele Menschen der NS-Propaganda geglaubt, die einen schnellen Sieg gegen die Sowjetunion versprochen hatte. Als
die Soldaten im Winter 1941/42 nicht wie versprochen siegreich nach Hause zurückkehrten,
musste der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, JOSEPH
GOEBBELS, erklären, warum der Krieg nun länger dauern würde. Außerdem
musste die Bevölkerung für den Arbeitseinsatz und für Spenden von Winterbekleidung für
die Soldaten an der Ostfront begeistert werden.
Die Mobilisierungskampagnen erfolgten in mehreren Phasen: nach dem Scheitern des Blitzfeldzuges gegen die
Sowjetunion 1941/42, nach der Niederlage in Stalingrad Februar 1943 und nach den
verheerenden Bombenangriffen auf die deutsche Rüstungsindustrie im Frühjahr
1944. Wurde die Bevölkerung 1942 noch mit Sieges- und Sondermeldungen über Erfolge der Wehrmacht
überschüttet, brachte die Vernichtung einer ganzen deutschen Armee in Stalingrad eine Wende in der Kriegspropaganda.
Der Nimbus der Unbesiegbarkeit der deutschen
Wehrmacht war endgültig verloren gegangen und GOEBBELS entschied sich nun,
die Bevölkerung mit nackten Tatsachen zu konfrontieren. In Zukunft seien
keine stürmischen Erfolge mehr zu erwarten und erst recht kein baldiger "Endsieg",
sondern jeder Einzelne müsste nun größte Opfer bringen.
Am 18. Februar
1943 inszenierte GOEBBELS seine berühmt-berüchtigte
Befragung des deutschen "Volkes" im Berliner Sportpalast.
Im Verlauf seiner Rede versetzte er die Zuhörer in einen fanatischen Begeisterungstaumel, als er fragte:
"Wollt ihr den totalen Krieg? Wollt ihr ihn, wenn nötig, totaler und radikaler, als wir ihn uns heute überhaupt noch vorstellen können?"
Tatsächlich konnte sich kaum einer etwas unter einem "totalen Krieg" vorstellen, der nämlich die Zivilbevölkerung vollständig in den Krieg mit einbezog. Totaler Krieg bedeutete ständig steigende Arbeitsleistungen, Kürzungen der Lebensmittelrationen, Verzicht auf alle Annehmlichkeiten und viele andere Maßnahmen und Repressionen sowie den Terror des Bombenkrieges, der viele deutsche Städte in Schutt und Asche legte.
Der militärische Verlauf des Krieges
Die Ostfront
Südfront
Für HITLER war der Krieg in Nordafrika
immer nur ein Nebenkriegsschauplatz gewesen, weshalb das Afrikakorps
unter Generalfeldmarschall ERWIN ROMMEL nur
unzureichend mit Nachschub versorgt wurde. Dennoch war es den deutschen Truppen
im Sommer 1942 gelungen bis nach El Alamein
in Ägypten vorzustoßen. Aber die
britische Gegenoffensive unter dem Oberbefehl von BERNARD LAW MONTGOMERY warf
die deutsche Front bis Benghasi zurück.
Da im November 1942 amerikanische
und britische Truppen in Algerien und Marokko gelandet waren, musste ROMMEL nun
einen Zweifrontenkrieg führen,
konnte der Übermacht jedoch nichts entgegensetzen. Die letzten deutschen
und verbündeten italienischen Streitkräfte kapitulierten am 13. Mai
1943. 250 000 Männer gingen in Gefangenschaft.
Nach diesem Sieg bereiteten die Alliierten unverzüglich eine Landung in Italien vor, um eine Südfront in Europa zu eröffnen. Im Juli begannen die Alliierten Sizilien
zu erobern, was zum Sturz des faschistischen Regimes von BENITO
MUSSOLINI führte. Im Oktober 1943 trat Italien dann aufseiten der
Alliierten in den Krieg ein.
Deutschland musste Italien
nun mit eigenen Truppen verteidigen und konnte die Alliierten noch bis Mai 1944
aufhalten. Danach machte die alliierte Offensive große Raumgewinne. Die
Poebene konnte noch über den Winter 1944/45
gehalten werden, aber der Zusammenbruch der
deutschen Front in Italien war nur noch eine Frage von wenigen Wochen. Am 29. April
1945 kapitulierten die deutschen Truppen in Italien.
Westfront
STALIN hatte schon seit Beginn der Zusammenarbeit (1941) mit den westlichen Alliierten
auf eine Invasion in Frankreich gedrängt,
um seine Truppen im Osten mithilfe einer Westfront
zu entlasten.
Aber die alliierte Invasion
(D-Day) begann erst nach gründlicher Vorbereitung am 6. Juni 1944 in der Normandie.
Innerhalb weniger Tage war der deutsche Widerstand an der Küste gebrochen,
der Atlantikwall, der vor einer Invasion schützen
sollte, hatte die Alliierten nicht aufhalten können. Bereits am 12. Juni
standen rund 330 000 alliierte Soldaten auf französischem Boden, am
29. Juli waren es schon 1,5 Millionen. Mit dieser Streitmacht begann
ein Bewegungskrieg, der bis Anfang
September 1944 zur Beifreiung Frankreichs führte.
Am 16.
Dezember 1944 befahl Hitler noch eine deutsche Offensive in den Ardennen,
die das Kriegsglück noch einmal wenden sollte, jedoch nach 60 Kilometern
Geländegewinn stecken blieb. Im März 1945 überschritten die Alliierten
mit 85 Divisionen den Rhein und begannen
ihren Vormarsch im Reich. Die Wehrmacht konnte der Offensive ebenso wenig Widerstand entgegensetzen wie das letzte Aufgebot des "Volkssturms".
Schon am 25. April vereinigten sich amerikanische und sowjetische Truppen
bei Torgau an der Elbe.
Nach wenigen Tagen
waren auch die letzten Widerstandszentren beseitigt. Am 4. Mai 1945 erfolgte
die deutsche Kapitulation an der britischen Front in Nordwestdeutschland, am 7. und 8. Mai in
Reims bzw. Karlshorst für alle deutschen Truppen.