Die
Glaubenslehre des Islam
Der Koran, das heilige Buch des Islam,
verlangt dem gläubigen Moslem fünf Pflichten ab. Diese als Säulen
des Islam bezeichneten Verpflichtungen erkennen alle Muslime
an, unabhängig davon, in welchem der stark durch die Glaubenslehre
des Islam geprägten Länder Afrikas und Asiens sie leben (Bild 1).
Die Pflichten sollen dabei nicht nur für den Einzelnen gelten, sondern
auch Richtschnur für die Politik von Regierungen sein. Die Regierung
eines islamischen Staates muss sich deshalb heute noch daran messen lassen,
inwieweit sie sich mit ihren Entscheidungen an den Koran hält. Insofern
gibt es für viele Muslime keine Trennung von Staat und Religion. Andererseits
gibt es aber auch Staaten, z. B. die Türkei, in denen mehrheitlich
Muslime leben, Staat und Religion aber strikt auseinandergehalten werden.
Die fünf Säulen des Islam
Die Bekenntnisformel, Schahada
Die erste Pflicht des Muslim ist es, die Schahada zu sprechen. Dieses Glaubensbekenntnis lautet:
"Ich bezeuge, es gibt keine Gottheit außer Gott; ich bezeuge, Mohammed ist der Gesandte Gottes."
Die Verwendung des Wortes "Gott" ist unter Muslimen umstritten, weil für viele aus seiner Verwendung nicht präzise erkennbar ist, welcher Gott angesprochen wird. Für die Muslime ist dieser über allem stehende allmächtige Gott Allah. Der Wille Allahs wurde von MOHAMMED verkündet und im Koran niedergeschrieben. Insofern ist MOHAMMED der Prophet Allahs.
Das Gebet, Salat
Der Muslem ist verpflichtet, fünfmal
täglich ein Gebet zu verrichten,
das von allem Muslimen nach einer festgelegten Formel gesprochen wird.
Dazu ruft der Muezzin vor Sonnenaufgang, am Mittag, am Nachmittag, am
Abend und vor Einbruch der Dunkelheit alle Gläubigen vom Minarett
des islamischen Gotteshauses,
der Moschee, auf. Jeden Freitag
ruft er dabei die Gläubigen zur gemeinsamen Andacht direkt in die
Moschee. An den übrigen Tagen kann auch an anderen Orten gebetet
werden, z. B. am Arbeitsplatz oder in häuslicher Umgebung. Die Muslime verrichten das Gebet im Wechsel von Stehen, Beugen und Niederwerfen
(Bild 2). Das ist zugleich sichtbarer
Ausdruck der Unterwerfung unter den Willen Allahs. Das Gesicht ist beim
Beten nach Mekka gewandt, der heiligen
Stadt des Islam, die auf der Arabischen Halbinsel im heutigen Saudi-Arabien
liegt.
Vor dem Gebet wäscht sich der Muslem mit Wasser. Deshalb befinden
sich in den Vorhöfen der Moscheen auch Brunnen oder Wasserbecken.
Notfalls kann er die Waschung aber auch mit Sand ausführen.
Die Pflicht zur Almosengabe, Zakat
Zakat ist die sogenannte Almosensteuer,
die von MOHAMMED in Anlehnung an christliche und jüdische Sitten
geschaffen wurde und die der Erhaltung der Städte, Dörfer und
Gemeinden diente. Die Steuer bzw. das Almosen wird von den wohlhabenden
Muslimen entrichtet, wodurch der Reichtum "gereinigt" werden
soll.
Heute dient sie neben der Unterstützung der Bedürftigen auch
politischen und missionarischen Zwecksetzungen und wird auch zur Finanzierung
militärischer Vorhaben verwendet.
Das Fasten im Monat Ramadan, Saum
Während der Fastenzeit essen,
trinken oder rauchen alle Gläubigen, d. h. alle volljährigen
Frauen und Männer, einen Monat lang vom Tagesanbruch bis zum Sonnenuntergang
nicht. Erst zur Nachtzeit ist es erlaubt, etwas zu sich zu nehmen.
Muslime sagen über den Sinn des Fastens:
"Während unseres Fastens unterdrücken wir jeden Augenblick aufs Neue unser Verlangen und unsere Begierde und bezeugen, indem wir dies tun, dass Gottes Gesetz den Vorrang vor unseren menschlichen Trieben hat. Dieses Pflichtbewusstsein und diese Geduld, die ununterbrochenes Fasten einen vollen Monat lang in uns erwecken, helfen uns, unseren Glauben zu festigen. Die Strenge und Disziplin, die dieser Monat von uns abverlangt, bringt uns in direkte Berührung mit den Tatsachen und dem Ernst des Daseins und hilft uns, unser Leben während der übrigen Zeit des Jahres ganz auf die richtige Unterwerfung unter Gottes Willen auszurichten."
Das Fasten wird von den Muslimen
von einem weiteren Gesichtspunkt aus als bedeutsam gesehen: Der Koran
verpflichtet alle Gläubigen, ohne Ansehen ihres Standes, zum Fasten.
Das hebt die grundsätzliche Gleichheit aller Menschen hervor und
trägt zur Schaffung eines Gefühls der brüderlichen Verbundenheit
bei.
Der Fastenmonat Ramadan ist der
neunte Monat des islamischen Mondjahres, das 11 Tage kürzer ist als das Sonnenjahr. Jeder islamische Monat
verschiebt sich also im Vergleich zu denen des Sonnenjahres um 11 Tage
nach vorn. Der Ramadan kann folglich im Laufe der Jahre durch alle vier
Jahreszeiten wandern.
Die Wallfahrt nach Mekka, Hadjdj
Einmal in seinem Leben ist jedem muslimischen Mann, der körperlich
und finanziell dazu in der Lage ist, die Pilgerfahrt
nach Mekka vorgeschrieben. In Mekka soll er die Kaaba, besuchen. Sie ist das Hauptheiligtum des Islam, das lange vor MOHAMMED
erbaut wurde, und das Zentrum der islamischen
Welt. Im schwarz verhüllten Gebäude ist ein Meteorit,
der Hadjar al Aswad (schwarzer Stein), eingeschlossen.
Vorgeschriebener Zeitpunkt für die Pilgerfahrt ist der letzte Monat
des Jahres. Die Gläubigen hüllen sich in ein Pilgergewand: zwei
um den Körper geschlungene Tücher und Sandalen. In Mekka angekommen,
umschreiten sie mit unbedecktem Kopf siebenmal die Kaaba und besuchen
dann weitere heilige Stätten, die mit dem Wirken MOHAMMEDS verbunden
sind.
Die "sechste Säule"
Den bisher gekennzeichneten fügen streng gläubige Muslime nicht
selten eine sechste Säule des Islam hinzu: die Verpflichtung zum "Heiligen Krieg" (Dschihad).
Die Verpflichtung ruft die Muslime zum Kampf um Gottes Willen gegen die
Ungläubigen und zur Ausbreitung des Islam auf. Sie geht auf den Propheten
MOHAMMED und die Entstehungszeit des Islam zurück. Der Prophet hatte
sie nach seiner Flucht aus Mekka in Medina
heftig propagiert. Er hatte verkündet, wer im Kampf für den
Glauben sterbe, komme ins Paradies. Das war eine der Ursachen für
den unglaublichen Siegeszug des Islam im 7. und 8. Jh., der viele
Teile Asiens, Afrikas und Europas erfasste.