
Während der langen Regierungszeit LUDWIGS XIV. (1661-1715) stand die Außenpolitik im Zeichen der Vorherrschaft (Hegemonie) Frankreichs in Europa. Der 30-jährige Krieg hatte die Position der Habsburger, die in Österreich und Spanien (samt den spanischen Niederlanden) herrschten, geschwächt. Zudem war Frankreich mit den nach Österreich vordringenden und 1683 Wien belagernden Türken verbündet, zu deren Abwehr viele Fürsten des Deutschen Reiches Hilfstruppen bereitstellten. Diese Situation wollte LUDWIG XIV. nutzen, um die Grenzen seines Königsreiches bis zum Rhein auszudehnen.
Er bediente sich dazu diplomatischer, juristischer und nicht zuletzt
militärischer Mittel. Durch Unterstützungsgelder (Subsidien)
warb er unter den Feinden seiner Feinde neue Bündnispartner an. Seine
Hofjuristen machten mit teils fadenscheinigen Begründungen dynastische
Erbansprüche auf vakante Herrscherposten geltend, die LUDWIG
XIV. in sogenannten Erbfolgekriegen
durchzusetzen versuchte. Dabei konnte er sich auf das größte
und zugleich am besten ausgerüstete (stehende) Heer
Europas stützen, dessen 200 000 Soldaten in ständiger
Kriegsbereitschaft gehalten wurden.
LUDWIGS XIV. Kriege gegen die Niederlande
Seinen ersten kleineren Feldzug unternahm LUDWIG XIV. im sogenannten Devolutionskrieg (Krieg
um die Amtsnachfolge) gegen die spanischen
Niederlande. Bereits ein Jahr vor Beginn seiner Regentschaft hatte
der Monarch durch die Heirat der spanischen Prinzessin MARIA THERESIA
den französischen Einfluss auf Spanien begründet. Nun erhob
er im Namen seiner Frau Ansprüche auf die unter spanischer Herrschaft
befindlichen südlichen Niederlande. Das französische
Heer marschierte 1667 in diese
Gebiete ein, sah sich aber durch den Widerstand der angrenzenden Vereinigten
Niederlande und ihrer Verbündeten zum Abschluss eines Friedensvertrages
genötigt. Im Frieden
von Aachen erhielt Frankreich 1668 lediglich die Stadt Lille und ihr Umland als Kriegsbeute zugesprochen.
Um den Widerstand der Niederlande zu brechen und das französische Staatsgebiet im Nordosten zu erweitern,
griff die Armee LUDWIGS 1672 ein zweites Mal an. Vor dem Ansturm der französischen
Truppen zogen sich die Niederländer unter Führung von WILHELM VON ORANIEN (dem späteren englischen König) erst
hinter die Deiche zurück, die sie dann durchstießen, um Frankreich
am weiteren Vormarsch zu hindern. Geschützt durch das Wasser, gelang
es ihnen, eine europäische Koalition, der sich auch Spanien und das
Deutsche Reich anschlossen, zu schmieden, die der französischen Armee
entgegentrat. Daraufhin lenkte LUDWIG XIV. ein und ließ in Nimwegen
Friedensverhandlungen führen. Durch den 1678 unterzeichneten Frieden
von Nimwegen gewann Frankreich auf Kosten Spaniens die Freigrafschaft
Burgund (Franche-Comté) hinzu, während die Vereinigten Niederlande
keine Gebietsverluste erlitten.
Es schlossen sich weitere kleine, durch juristische Kunstgriffe begründete
Eroberungen an, die als Réunion - als Abrundung und Vervollständigung des französischen
Territoriums - verbrämt wurden. Dazu gehörten:
Der Pfälzische Erbfolgekrieg
Ein neuer Krieg entzündete sich 1688 wiederum aufgrund von Erbstreitigkeiten.
Nach dem Tod des pfälzischen Kurfürsten KARL II. wollte
LUDWIG seine Schwägerin LISELOTTE
VON DER PFALZ als Nachfolgerin durchsetzen. Dazu ließ er seine
Truppen in die Pfalz einmarschieren. Vom französischen Kriegsminister
FRANCOIS MICHEL LE TELLIER wurde der
Pfälzische Erbfolgekrieg als Zerstörungsfeldzug deklariert,
bei dem die Städte Worms, Speyer, Heidelberg und Mannheim in Schutt
und Asche gelegt und ihre Bewohner vertrieben wurden. Angesichts der brutalen
französischen Kriegführung bildete sich bald ein neues Bündnis europäischer Staaten. Angeführt von WILHELM VON ORANIEN, der 1689 zum König Englands
gekrönt worden war, zwang dieses Bündnis Frankreich schließlich
zum Rückzug aus der Pfalz. Im Frieden von Rijswijk musste Frankreich 1697 erstmals Gebiete
(u. a. Lothringen und Luxemburg) abtreten.
Der Spanische Erbfolgekrieg
Als 1700 der letzte Habsburger auf dem spanischen Thron verstarb, rief
LUDWIG dessen Universalerben PHILIPP
VON ANJOU zum spanischen König
aus. Daraus entwickelte sich der
Spanische Erbfolgekrieg, da auch die österreichischen
Habsburger Ansprüche auf die spanische Krone erhoben. Auf
dem Spiel standen nicht nur die Machtverhältnisse in Europa, sondern
auch die von Spanien eroberten amerikanischen
Kolonien, die je nach Ausgang des Krieges entweder Frankreich oder
Österreich zufallen würden. Durch die Übernahme des spanischen
Kolonialbesitzes hätte Frankreich die Vorherrschaft des holländischen
und englischen Handels brechen können.
In Europa musste sich das mit Bayern
und dem Erzbistum Köln verbündete Frankreich gegen die Große
Allianz (England, Österreich, die Niederlande, dann auch Preußen,
Portugal und Savoyen) behaupten, in Übersee
führte es den Krieg gegen die Kolonialmacht England. Die französische
Armee erwies sich den alliierten Truppen und dem Geschick der englischen
und österreichischen Feldherren JOHN CHURCHILL (Herzog von Malborough)
und PRINZ EUGEN VON SAVOYEN-CARIGNAN nicht gewachsen.
Nach der verheerenden Niederlage von
Oudenaarde 1708 war LUDWIG XIV. zu
weitreichenden Zugeständnissen bereit, um Frieden zu schließen.
Diese schlossen sogar den Verzicht auf die spanische Erbfolge und die
Rückgabe der in den vorausgegangenen Kriegen eroberten Gebiete ein.
Das Blatt wendete sich jedoch, als 1711
durch den Austritt Englands die Große
Allianz zerbrach. Die Friedensverträge
von Utrecht (1713) und Rastatt (1714) sicherten dem französischen
Favoriten PHILIPP die spanische Krone. Allerdings musste Frankreich
deutliche Einbußen hinnehmen. Teile des französischen
Kolonialbesitzes gingen an England
über. Österreich erhielt
bedeutende spanische Besitzungen (u. a. die spanischen Niederlande und
Mailand) zugesprochen. Außerdem verboten die Friedensverträge
eine Vereinigung Spaniens mit Frankreich. Der Friedensschluss entsprach
vor allem dem englischen Bestreben, Frankreich nicht allzu sehr zu schwächen,
um in Europa ein stabiles Machtgleichgewicht (balance of power) zu erhalten.
Die absolutistische Hegemonialpolitik LUDWIGS
XIV. - also sein Streben nach europäischer Vorherrschaft
- hatte Frankreich trotz zahlreicher, äußerst kostspieliger
Kriege nicht wesentlich mehr als einen riesigen
Schuldenberg eingetragen. Neben dem habsburgischen Österreich,
dessen Einfluss in Europa nicht entscheidend abgenommen hatte, entstanden
neue europäische Großmächte
- in erster Linie England, später
auch Preußen - mit denen sich Frankreich arrangieren musste.
Zudem erweiterte bereits der Spanische Erbfolgekrieg die Konfliktfelder
über die europäischen Grenzen hinaus. Neue kriegerische Auseinandersetzungen
außerhalb Europas zeichneten sich durch die englische
Kolonialpolitik in Nordamerika
und Indien ab.