


Entdeckung
und Erforschung Australiens und der Südsee
Die pazifische Inselwelt, das heutige
Ozeanien, die nahezu die halbe
Erdkugel umschließt, wurde vor ihrer Erforschung in Europa nebulös
als Südsee bezeichnet. Vor
dem 16. Jh. waren den Europäern allerdings die Südsee und
Australien ebenso wenig bekannt wie der amerikanische Kontinent.
Die vollständige Entdeckung und Erkundung dieses Raums der Erde bedurfte
im Unterschied zur Erschließung der Neuen Welt des bedeutend längeren
Zeitraums von über dreihundert Jahren. Sie begann im 16. Jh.
und war erst Anfang des 19. Jh. abgeschlossen.
Beteiligt waren dabei alle bekannten europäischen Expansionsnationen,
also zunächst die Spanier und Portugiesen, denen die Holländer,
Briten und die Franzosen folgten.
Die Motive und Zielsetzungen der europäischen
Ausbreitung in der Südsee sind die gleichen wie bei der Kolonisierung
Amerikas:
Eine scheinbar wirklichkeitsnahe Grundlage erhielten die Hoffnungen
auf ein Eldorado im Pazifik durch das Wiederaufleben der bereits aus der
Antike bekannten Vorstellung von der Existenz einer terra
australis incognita, eines bislang unbekannten Südlandes.
Der Glaube an dieses Südland gründete
sich auf eine Vorstellung, die noch bis ins 18. Jh. hinein Allgemeingültigkeit
besaß: Den wesentlichen umfangreichen Landmassen auf der Nordhalbkugel
der Erde müsse auf der Südhalbkugel ein stabilisierendes Gegengewicht
entsprechen, eben der Südkontinent.
Zur Untermauerung der Vermutung wurde häufig auch der im Alten Testament
enthaltene Mythos vom Goldland Ophir auf
die Inselwelt des Pazifik übertragen. Man hoffte, dort jenes Land
zu finden, aus dem König Salomo ungeheure Mengen an Gold, Diamanten
und Elfenbein für seinen Tempelbau in Jerusalem herbeigeschafft hatte.
Im 16. Jh. waren es vor allem Portugiesen und Spanier, z. B. der Weltumsegler MAGELLAN, die auf der Suche nach dem Südland
Stück um Stück der pazifischen Inselwelt erkundeten.
Im 17. Jh. übernahmen dann
die Holländer die Initiative.
So erforschte der holländische Seefahrer ABEL
TASMAN auf mehreren Reisen die Nordküste Australiens und entdeckte
die nach ihm benannte Insel im Süden Australiens und die Küste
Neuseelands. Im Pazifik erreichte er die Tonga- und Fidschiinseln und
erkundete auch die Küste Neuguineas.
Ein anderer Holländer gelangte um die Südspitze Amerikas herum
in den Pazifik. Hier entdeckte er am Ostersonntag 1722 die deshalb sogenannte Osterinsel, deren geheimnisvolle
Kollossalstatuen (Bild 2) den
Wissenschaftlern noch heute Rätsel aufgeben.
Trotz vieler Entdeckungsreisen war bis Mitte
des 18. Jh. die Südsee immer noch ein Meer voller Geheimnisse.
Und zu den ungelösten Rätseln der Zeit gehörte immer noch
die Frage nach der Existenz eines riesigen Südkontinents. Dieser
Zustand sollte sich erst im Zusammenhang mit den Reisen des Briten JAMES
COOK in die Südsee und um die Erde wesentlich verbessern.
James Cook und das Ende der terra
australis incognita
Der britische Seefahrer JAMES COOK wurde am 27. Oktober
1728 in der Grafschaft Yorkshire geboren. Mit 18 Jahren wurde er
Seemann und trat der Kriegsmarine bei, in der er es bis zum Seeoffizier brachte.
Der auch als Kartograf sehr begabte COOK unternahm im Auftrag der britischen Krone drei
Weltreisen. Diese
waren mit einer intensiven Forschungstätigkeit in der Südsee
verbunden, deren Ergebnisse ihn bald berühmt machten.
Die erste Weltreise
Auf der Reise von 1768 bis 1771 mit dem umgebauten Kohlefrachter "Endeavour"
sollte er astronomische Berechnungen für die kartografische Aufnahme
des Südpazifiks durchführen. Außerdem sollte er zur Mehrung
der Seegeltung von Großbritannien bis zum geheimnisvollen Südkontinent vorstoßen.
Die Fahrt führte ihn um Kap Hoorn in den Stillen Ozean. Auf der
Insel Tahiti beobachtete er den Durchgang
der Venus vor der Sonne, um die Entfernung zwischen Erde und Sonne berechnen
zu können. Auf der Suche nach dem Südkontinent entdeckte er
den Charakter Neuseelands als Doppelinsel und fand die Durchfahrt zwischen der Nord- und Südinsel,
die Cook-Straße. Dann segelte
er westwärts und erreichte die Ostküste Australiens, die er als Erster erforschte, weil hier eine britische Strafkolonie entstehen
sollte.
Was er aber nicht entdeckten konnte, war der gesuchte Südkontinent.
Dafür war die Ausbeute an sehr präzisen topografischen und
hydrografische Erkenntnissen über den bereisten Raum sehr groß.
Die zweite Weltreise
Auf dieser Reise wurde COOK von einer Gruppe bekannter Gelehrter, u. a.
vom deutschen Naturforscher GEORG FORSTER, begleitet. Es war eine echte
Weltumseglung. Dabei umrundete
COOK, u. a. im Unterschied zu MAGELLAN, erstmals die Erde in östlicher
Richtung:
Mit den Schiffen "Resolution" und "Adventure" stach
er 1772 in See und segelte an der afrikanischen
Westküste nach Süden. Vom Kap der Guten Hoffnung aus
überquerte er den südlichen Polarkreis
und näherte sich bis auf 75 Seemeilen den Landmassen der Antarktis.
Anschließend kreuzte er auf verschiedenen Breiten im Pazifik, ohne
auch nur Land, geschweige denn einen Kontinent zu finden. Damit war die
Vermutung von einem Südkontinent
endgültig widerlegt.
Dann nahm COOK Nordkurs, besuchte Tahiti und Neuseeland und stieß
dann erneut über den südlichen Polarkreis nach Süden vor,
bis auf 71° 10´ südliche
Breite - so weit wie niemand zuvor. Hier wurde er von Packeis
und einer meuternden Mannschaft gestoppt und zur Umkehr gezwungen. Auf
der Rückfahrt entdeckte er noch die Inseln Neukaledonien und die
Neuen Hebriden und traf nach etwa mehr als drei Jahren 1775 wieder in
Großbritannien ein.
Die dritte Weltreise
Die von 1776 bis 1780 dauernde Reise stand ganz im Zeichen der Suche nach
der Nordwestpassage, der
Durchfahrt vom Pazifik zum Atlantik im Norden Nordamerikas.
COOK stach wiederum mit der "Resolution" Richtung Pazifik in See und entdeckte dort zunächst Christmas
Island, die Weihnachtsinsel, heute Kiritimati, und die Hawaiinseln.
Dann segelte er an der Küste Amerikas und Alaskas entlang nordwärts
in die Arktis. In der Beringstraße zwang ihn Packeis jedoch wiederum zur Umkehr mit Zwischenstation auf Hawai.
Dieser zweite Besuch auf Hawai endete für ihn allerdings tragisch:
Bei durch Tabubverletzungen der Mannschaft ausgelösten Kämpfen
mit den Einwohnern fand er am 14. Februar 1779 den Tod.
Seine Mannschaft unternahm nach seinem Tod einen erneuten Vorstoß
in die Arktis, scheiterte aber wiederum und kehrte 1780 nach Großbritannien
zurück.
Fazit
JAMES COOKS Erforschung des pazifischen Raums bewies endgültig, dass
der legendäre Südkontinent nicht existiert. Außerdem hatte
er fast alle Inseln und Inselgruppen Ozeaniens besucht und viele neue
entdeckt. Das und der Bericht GEORG
FORSTERS über die zweite Reise
erweiterten das "Bild" der Europäer von Ozeanien gewaltig.
Außerdem entkleideten sie es vieler Mystifizierungen.
Weitere Entdeckungsreisen nach COOK führten dazu, dass der pazifische
Raum bis Mitte des 19. Jh. als nahezu bekannt gelten konnte und das Entdeckungszeitalter
der Südsee zu Ende war.
Andererseits markierten diese Reisen auch einen Wendepunkt
in der Geschichte Ozeaniens. Aus der Entdeckungsgeschichte wurde die Kolonialgeschichte.