Zwanzigster Juli
Der zwanzigste Juli
1944 ist in die Geschichte als Datum des Attentatsversuchs auf HITLER
durch Vertreter des militärischen deutschen Widerstandes eingegangen.
Das Ziel des Attentates
war, den Sturz des NS-Regimes herbeizuführen und die Wiederherstellung
rechtsstaatlicher Verhältnisse sowie die sofortige Beendigung des
aussichtslosen Krieges zu ermöglichen.
In der militärischen Führung bildeten sich bereits 1938 oppositionelle
Kräfte, die aber durch die außenpolitischen Erfolge nicht wirksam
werden konnten. Angesichts der Niederlagen der Hitlerdiktatur an allen
Fronten ab 1943 aktivierten im Oberkommando des Heeres um den General
FRIEDRICH OLBRECHT (188-1944) und den Oberst CLAUS GRAF SCHENK VON
STAUFFENBERG ihre Bemühungen zur Sammlung von Gleichgesinnten, um
HITLER zu beseitigen. Sie hatten Kontakte zu Admiral CANARIS (1887-1945)
dem Chef des Amtes Ausland/Abwehr und dessen Stellvertreter Generalmajor
HANS OSTER (1888-1945) sowie zum Generalmajor HENNIG VON TRESKOW
(1901-1944) an der Ostfront und zum General CARL-HEINRICH VON STÜLPNAGEL.
Der militärische Widerstand suchte und fand auch Verbindungen zum
sozialdemokratischen und bürgerlichen Widerstand.
Eine kaum bekannte, bzw. wenig beachtete Aktivität im Rahmen des
Attentats vom 20. Juli 1944
erfolgte durch den Militäroberbefehlshaber CARL-HEINRICH VON STÜLPNAGEL
(1886-1944), dessen Adjutanten den Oberstleutnant CAESAR VON HOFACKER
(1896-1944), ein Schwager des Hitler-Attentäters Graf STAUFFENBERG,
und unter Mitghilfe von HANS OTTFRIED VON LINSTOW (1899-1944). Beide
hatten seit Sommer 1943 intensive Kontakte zur militärischen Opposition
in Berlin und vor allem zum Komitee
"Freies Deutschland" im Westen. Dieses Komitee hatte sich
zum politisch-organisatorischen Zentrum deutscher Antifaschisten in Frankreich,
Belgien und Luxemburg entwickelt. Der Präsident des Komitees OTTO
NIEBERGALL traf sich seit Ende 1943 mehrmals mit CAESAR VON HOFACKER.
Sie vereinbarten die Zusammenarbeit
mit dem Ziel, das NS-Regime zu stürzen.
Als die Nachricht vom Attentat auf HITLER Paris
erreichte, veranlasste CAESAR VON HOFACKER seinen Chef den General CARL-HEINRICH
VON STÜLPNAGEL die Verhaftung aller Gestapobeamter,
Führer des Sicherheitsdiensts (SD) und SS-Angehöriger zu
befehlen. General CARL-HEINRICH VON STÜLPNAGEL erteilte den Befehl
zur Festnahme des genannten Personenkreises. In der Nacht zum 21. Juli 1944
erfolgte in Paris die Verhaftung von 1200 Gestapo- und SS-Leuten. Ein Standgericht sollte umgehend ein Urteil über sie fällen.
Als das Scheitern des Attentats in Paris bekannt wurde, schlug CAESAR VON
HOFACKER vor, eigenständig den Krieg im
Westen zu beenden. Der Oberbefehlshaber Feldmarschall HANS-GÜNTHER
VON KLUGE lehnte den Vorschlag beim Besuch General STÜLPNAGELS in seinem
Hauptquartier, dem Schloss von La Roche-Guyon, ab und befahl ihm, die verhafteten
Gestapo- und SS-Schergen aus der Haft zu entlassen. Diese befanden sich
ab 22. Juli 1944 wieder in Freiheit. KLUGE riet dem General zwar noch, sich
Zivil anzuziehen und unterzutauchen, STÜLPNAGEL verweigerte sich jedoch
diesem Vorschlag. Generalfeldmarschall WILHELM KEITEL beorderte den General
am 21. Juli unverzüglich nach Berlin zur "Berichterstattung".
Der General ließ sich in seinem Kraftfahrzeug in die Reichshauptstadt
fahren. Er ließ bei Verdun anhalten und schoss sich mit seiner Dienstwaffe
in den Kopf und erblindete infolge dieses Selbstmordversuchs.
Das Nichtbefolgen eines eigenständigen Schrittes den Krieg im Westen
zu beenden führte dazu, dass CARL-HEINRICH VON STÜLPNAGEL und
CAESAR VON HOFACKER zum Tode verurteilt und am 30. August 1944 bzw. am 20. Dezember 1944 im
Gefängnis Berlin-Plötzensee hingerichtet wurden.