
Die
Pariser Kommune
Das französische Kaiserreich war nach der Niederlage im Deutsch-Französischen
Krieg 1870/71 und der Abdankung NAPOLEON III. zusammengebrochen. Die
Art der Kriegführung und die antinationale Politik der bürgerlichen
Regierung führten 1871 zu einer erheblichen Verschärfung
der innenpolitischen Situation in Frankreich. Das war vor allem in
Paris der Fall. Die Bevölkerung
empörte sich hier über den raschen Friedensschluss mit Deutschland,
dessen Folgen für Frankreich nahezu allein das französische Volk
tragen sollte.
Am 26. Februar 1871 wurde im Schloss von Versailles der Vorfrieden
mit Deutschland unterzeichnet. Die reaktionäre bürgerliche
Regierung Frankreichs beschloss danach Maßnahmen, um die Kriegslasten
auf das Volk abzuwälzen. So wurden u. a. die Soldzahlungen an
die Nationalgardisten eingestellt und die sofortige Zahlung aller Mietrückstände
verlangt. Das Kommando über die Pariser Nationalgarde übertrug
die Regierung reaktionären Offizieren.
Als Antwort auf die volksfeindlichen Maßnahmen der Regierung schuf
sich die Nationalgarde in
Paris ein Führungsorgan, das Zentralkomitee der Nationalgarde. Die
Absicht der französischen Regierung, am 18. März 1871 die Nationalgarde
zu entwaffnen, führte zum Aufstand der Arbeiterschaft von Paris und
der Nationalgarde.
Die Nationalgarde besetzte in Paris die wichtigsten öffentlichen
Gebäude, wie das Polizeipräsidium, die Ministerien, Bahnhöfe
und Kasernen. Auf dem Rathaus
von Paris wurde die rote Fahne der Revolution gehisst. Nach dem siegreichen Kampf übernahm in der
Stadt das Zentralkomitee der Nationalgarde die Macht und schrieb Wahlen für die Pariser
Kommune aus.
Am 26. März 1871 wurden in den 20 Bezirken der französischen
Hauptstadt 86 Stadträte gewählt. In einer feierlichen Kundgebung
übernahm dieser Rat der
Kommune zwei Tage später offiziell die Regierungsgewalt. Dieser
revolutionäre Gemeinderat strebte mit seinem Manifest
vom 19. April programmatisch die Umwandlung Frankreichs in
einen Bund souveräner Gemeinden (Kommunen) an. Die Souveränität
der Gemeinden sollte vor allem darin bestehen, dass allein in ihre Hände
sowohl die gesetzgebende (legislative) als auch die ausführende (exekutive)
Gewalt gelegt werden sollte.Die Kommune führte weiter die allgemeine
Volksbewaffnung ein. Sie übergab die von ihren Besitzern stillgelegten
Betriebe an Arbeitergenossenschaften und trat für eine begrenzte Vergesellschaftung der Produktion ein.
Weiterhin proklamierte sie die Trennung von
Staat und Kirche sowie die volle Gleichberechtigung der Frauen. In den Reihen der Kommunarden kämpften deshalb auch viele
Frauen an der Seite ihrer Männer. Im Rat der Kommune gab es aber
heftige Auseinandersetzungen über das Ausmaß der revolutionären
Umwandlungen. Dennoch kennzeichneten die Zielstellungen die Pariser Kommune
nicht nur als Aufstand gegen die harten Friedensbedingungen, sondern auch
als politischen und sozialen Aufstand.
Die Niederschlagung der Kommune
Im Gegensatz zum Staatsapparat des in der Französischen Republik
nach Abdankung des Kaisers herrschenden Bürgertums regierte der Rat
der Kommune im Interesse des Volkes.
Das musste zwangsläufig der reaktionären bürgerlichen Regierung
missfallen, die sich nach Versailles zurückgezogen hatte und mit
dem deutschen Reichskanzler BISMARCK in Verbindung stand. Das gemeinsame Ziel beider Regierungen war die schnelle
Beseitigung der Volksregierung in Paris, um ein Übergreifen der Kommune
auf ganz Frankreich zu verhindern.
Um die notwendigen Truppen zur Niederschlagung
der Kommune aufstellen zu können, wandte sich der Chef
der bürgerlichen Regierung THIERS
an BISMARCK und bat diesen um Hilfe.
BISMARCK bot der französischen Regierung an, mit deutschen Truppen
gegen die Revolutionäre in Paris vorzugehen. Dieses Angebot lehnte
die französische Regierung jedoch aus nationalen Gründen ab.
Sie bat vielmehr darum, die Beschränkungen des Friedensschlusses
nach dem Deutsch-Französischen Krieg für die Zahlenstärke
der französischen Armee aufzuheben. Damit hoffte sie, die benötigten
Truppenkontingente aus eigenen Kräften bereitstellen zu können.
BISMARCK stimmte einer Verstärkung der Truppen auf 130 000 Mann
zu. Auf seine Empfehlung hin entließ Deutschland sogar eine beträchtliche
Anzahl kriegsgefangener Soldaten für die Aufstellung der französischen
Regierungstruppen aus der Gefangenschaft. Ferner sollten die Regierungstruppen
ungehindert den noch bestehenden Belagerungsring
der deutschen Armeen um Paris passieren und ungehindert in die Stadt vordringen
können.
Am 21. Mai 1871 war es dann so weit:
Nach einem gescheiterten Vorstoß der Kommunarden nach Versailles
stürmten die von Marschall MacMahon
geführten und modern ausgerüsteten Regierungstruppen
Paris. Acht Tage später hatten dann die überlegenen Truppen
nach verlustreichen blutigen Straßenkämpfen die letzten Kommunarden
überwunden. Die Rache
der Regierung war furchtbar.
Etwa 20 000 Kommunarden, Männer wie Frauen, wurden standrechtlich
erschossen. Mehr als 10 000 Kämpfer der Kommune mussten ins Gefängnis,
wurden verbannt oder zur Deportation verurteilt.
Die Pariser Kommune konnte also nur durch die unmittelbare Hilfe von BISMARCK
besiegt werden. Das gemeinsame Interesse von
ihm und der französischen Regierung bestand darin, mit allen Mitteln
eine demokratische Regierung mit Vertretern der Arbeiterklasse in Frankreich
zu verhindern.
Im Gegensatz zu BISMARCK bekundete AUGUST
BEBEL in einer Rede vor dem Deutschen Reichstag am 25. Mai
1871 seine Solidarität mit den geschlagenen Kommunarden.