

Das
Reich der Inka
Vor rund 500 Jahren erlebte im Inka-Reich eine der großartigsten indianischen Hochkulturen
in Amerika ihre Blütezeit. Kernland des Inka-Reiches, das sich an der
südamerikanischen Westküste über 4000 km vom Gebiet des heutigen
Ecuador im Norden bis weit nach Süden in die Andenregion Chiles erstreckte,
war das heutige Peru. In den
peruanischen Anden zeugen noch heute eindrucksvolle Denkmäler vom hohen
kulturellen Niveau der Inka.
Im peruanischen Andenhochland lag auch seine Hauptstadt
Cuzco. Dieser Name bedeutet in einer Sprache der Inka "Nabel".
Damit wird die überragende Bedeutung dieser Anfang des 16. Jahrhunderts größten indianischen Stadt
Südamerikas unterstrichen.
Das Inka-Reich war ein perfekt organisierter Zentralstaat
mit bis zu 12 Mio. Einwohnern. An seiner
Spitze stand ein mit großer Machtfülle ausgestatteter Inka, der
als Sohn des Sonnengottes galt. Den Adelstitel Inka durften nur die männlichen Nachkommen weniger
Familien tragen, die zu den Gründern des Inka-Reiches zählten.
Aber auch das mächtige Inka-Reich widerstand im 16. Jh. nicht dem Ansturm
goldhungriger spanischer Eroberer. Von 1531 bis 1533 wurde es, mit
der Eroberung von Cuzco und der Ermordung des letzten Inka-Herrschers beginnend,
von 167 spanischen Söldnern in die Knie gezwungen.
Die Vernichtung des Inka-Reiches
Bündnis der Eroberer und die
Eroberung von Cuzco
Die spanischen Eroberer
hatten bald, nachdem sie den Boden Amerikas betreten hatten, von einem
sagenhaften Goldland erfahren, das sie Eldorado nannten. Das löste bei ihnen einen regelrechten Goldrausch aus.
Auf der Suche nach diesem Eldorado betraten die Spanier, die vom Goldreichtum
der Inka erfahren hatten, erstmals 1527 peruanischen Boden.
Ihr
Anführer FRANCISCO PIZARRO (Bild 3)
hatte sich mit anderen Spaniern zur Ausbeutung des an Gold reichen Landes
verbündet. In einem Vertrag war sogar festgelegt worden, wie groß
die jeweiligen Anteile an der Beute sein sollten, die im Reich der Inka
zu erwarten war.
Die Provokation
Die wenigen, zahlenmäßig weit unterlegenen, aber besser bewaffneten
Spanier mit ihren den einheimischen Indianern unbekannten Pferden wurden
als von den Göttern gesandte Wesen betrachtet. Sie waren von ATAHUALPA ohne Feindseligkeit empfangen worden. Deshalb bedienten sie sich einer
Provokation, um sich des Inka-Herrschers zu bemächtigen. Aus dem Bericht
eines Begleiters von PIZARRO erfahren wir:
In der Inka-Stadt Cajamarca bat PIZARRO den Inka um ein Zusammentreffen
auf dem dreieckigen Hauptplatz der Stadt. Als sich der Inka und sein Gefolge
dort einfanden, war jedoch von den Weißen nichts zu sehen. Lediglich
einer der Spanier, ein Dominikanermönch namens VINCENTE DE VALVERDE,
erschien in Begleitung eines indianischen Dolmetschers.
Der Mönch hielt in seiner linken Hand ein Kreuz, in seiner rechten
eine in Leder gebundene Bibel. Er ging auf ATAHUALPA zu und forderte ihn
auf, sich dem mächtigen König jenseits des Meeres, der ihn und
seine Kameraden hergesandt habe, zu unterwerfen. Weiter erklärte
er, er wolle ihm und seinem ganzen "heidnischen" Volk den einzig
wahren Glauben verkünden. Der offensichtlich verdutzte ATAHUALPA
erfuhr aus dem Munde dieses Mönches auch vom Papst im fernen Rom,
der der Stellvertreter Gottes auf Erden sei. Dieser Papst, so fuhr VALVERDE
fort, habe dem spanischen König das Recht zugesprochen, Amerika und
die Völker, die es bewohnten, zu beherrschen.
Der Inka hielt dem Mönch entgegen:
"Euer Kaiser mag ein großer Fürst sein: Ich zweifle nicht daran, wenn ich sehe, daß er seine Untertanen so weit übers Meer geschickt hat. Und ich bin willens, ihn als meinen Bruder zu behandeln. Was den Papst angeht, von dem ihr gesprochen habt, so muß er wahnsinnig sein, wenn er davon redet, Länder zu verschenken, die ihm nicht gehören. Was meinen Glauben betrifft, so werde ich ihn nicht ändern. Euer Gott wurde, wie ihr mir sagt, von eben den Menschen getötet, die er geschaffen hat. Aber mein Gott schaut noch immer auf seine Kinder herab."
(zitiert nach: Die Welt der Indianer. Geschichte, Kunst, Kultur von den Anfängen bis zur Gegenwart. 4. Aufl. München 1998, S. 131)
Auch die von VALVERDE überreichte Bibel musste dem Inka unverständlich und unnütz erschienen sein, weshalb er dem Mönch die Heilige Schrift der Europäer voller Zorn vor die Füße warf. Damit hatten die Spanier den Anlass erreicht, den sie schaffen wollten. VALVERDE gab das Angriffssignal mit dem Ruf:
"Tötet die heidnischen Hunde, diese gottlosen Indios!"
Das Massaker und die Ermordung des
Inka
Von drei Seiten stürmten nun die bis an die Zähne bewaffneten
Soldaten PIZARROS den Stadtplatz von Cajamarca. Außerdem schossen
die Spanier mit ihren beiden Kanonen auf die Indianer. Das den Indianern
unbekannte Geschützfeuer und die sich aufbäumenden Pferde verursachten
ein heilloses Durcheinander.
6000 Mann der Leibwache ATAHUALPAS
wurden getötet. PIZARRO schlug sich schließlich mit einem Elitetrupp
zu ATAHUALPA durch und nahm ihn gefangen. Damit war der Sieg
der Spanier perfekt.
Bei allem stand das Heer des Inka nur wenige hundert Meter vor der Stadt,
griff aber nicht ein. Durch die Gefangennahme ihres Sonnensohns waren
die Heerführer und Soldaten des Inka wie vom Schock gelähmt.
PIZARRO erpresste von seinem Gefangenen große Mengen Gold als Lösegeld,
indem er ihm Leben und Freiheit versprach. Das nützte ATAHUALPA aber
alles nichts.
In einem Scheinverfahren befand PIZARRO den Inka u. a. für "schuldig",
Für diese Vergehen wurde ATAHUALPA zum Tode
durch Verbrennen auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Gleichzeitig
bot man ihm einen "großzügigen" Tausch an. Wenn er
sich taufen ließe, also zum Christentum übertrete, würde er nicht verbrannt, sondern "nur"
erdrosselt werden. Und so geschah es auch:
Am 19. August 1533 verkündete die Totenglocke das Ende des letzten
Inkaherrschers. Seine letzten
Worte sollen der Überlieferung nach gewesen sein:
"Sie wollen Gold. Sie winseln um Gold, sie schreien um Gold, sie zerfleischen einander um Gold."
Die Ermordung ATAHUALPAS läutete zugleich das Ende des größten altamerikanischen Reiches ein. PIZARRO zog mordend und brandschatzend durch Peru und nahm die Hauptstadt Cuzco und zerstörte sie und weitere Inka-Städte.