

Die Neuerungen in der Produktion ermöglichten die Mechanisierung ganzer Fertigungsabschnitte als ersten Schritt des Übergangs von
der Manufaktur zur fabrikmäßigen Produktion von Gütern.
Im weiteren Verlauf der Industrialisierung wurde mit dem Einsatz von Dampfmaschinen die Muskelkraft des Menschen
als Antriebsquelle ersetzt.
Der immer breitere Einsatz neuer Maschinen und Anlagen in den Fabriken
führte zu einer bedeutenden Steigerung der Produktion und zur Erhöhung
der Qualität ihrer Erzeugnisse.
Mutterland Großbritannien
Als Ursprungsland der industriellen
Revolution gilt Großbritannien.
Das Land war im 18. Jahrhundert der
weltweit bedeutendste Hersteller von Textilien. Den Grundstoff Wolle lieferten
große Schafherden, die auf den ausgedehnten Weideflächen der
Britischen Inseln gehalten wurden. Die Baumwolle für die Herstellung
von Tuchen kam aus den Kolonien, denn
England verfügte in dieser Zeit noch über einen riesigen Kolonialbesitz.
Die meisten Erfindungen und technologischen Neuerungen kamen deshalb
auch in der englischen Textilindustrie zum Einsatz und führten dort zu einem gewaltigen Produktivitätszuwachs.
Die Vielzahl kleiner Manufakturen, in denen noch an handbetriebenen Spinn-
und Webstühlen produziert wurde, musste immer mehr großen,
mit neuen Maschinen ausgerüsteten Fabriken Platz machen. In ihnen
ließen sich in arbeitsteiliger Groß-
und Massenfertigung bedeutend mehr Textilien viel schneller und
viel billiger herstellen.
Dort, wo die Unternehmen die günstigsten Standortbedingungen vorfanden,
entstanden große
Industriestädte. So entwickelten sich z. B. die englischen Ortschaften
Leeds und Manchester zu bedeutenden Zentren der Textilindustrie. Viele
Menschen, die in den ländlichen Gebieten in großer Armut lebten,
wanderten in die Städte ab, was zu ihrem weiteren raschen Wachstum
führte.
Während die Städte einerseits Arbeit und Brot boten, verschärften
sich in ihnen die sozialen
Gegensätze bzw. Klassenunterschiede zwischen der großen
Zahl besitzloser Arbeiter und den wenigen, meist reichen Besitzern der
kapitalistischen Betriebe.
Brutale Ausbeutung und soziale
Missstände, wie niedrigste Löhne, Arbeitszeiten von bis
zu 17 Stunden, Kinderarbeit und menschenunwürdige Wohnverhältnisse,
die heute als Manchester-Kapitalismus bezeichnet werden, führten zum wachsenden Widerstand der Proletarier
und zur Gründung von Gewerkschaften. Diese erkämpften in der Folgezeit bedeutende Verbesserungen der Arbeits-
und Lebensbedingungen.
Der Aufschwung der Textilindustrie und die Revolutionierung
des Verkehrswesens führten auch zu Entwicklungen im Bergbau
und in der Eisen- und Stahlindustrie:
Die wachsende Nachfrage nach Maschinen sowie der Brücken-, Schienen-
und Eisenbahnbau forderten zum einen die rasche Steigerung der Kohle-
und Eisenerzförderung, zum anderen die rasche Entwicklung der Hütten-
und Stahlindustrie. Grundlage dieser Entwicklungen waren die reichen
Kohle- und Eisenerzlagerstätten in Mittelengland. Hier wurden auch
die ersten Hochöfen des Landes errichtet. Das war wiederum die Grundlage
für die Ansiedlung von Betrieben der metallverarbeitenden
Industrie und des Maschinenbaus.
Auf diese Weise entwickelten sich beispielsweise die Städte Birmingham
und Sheffield zu den damals weltweit bedeutendsten Industriestandorten.
Ausdehnung auf Deutschland
Die technischen und technologischen Neuerungen der industriellen Revolution
in Großbritannien wirkten sich zunehmend auf den europäischen
Raum einschließlich Deutschland aus. Zunächst profitierte
die Industrie in West- und Mitteleuropa vom Import britischer Industrieprodukte.
Hier wurde auch relativ schnell die industrielle Fertigung nach britischem
Vorbild eingeführt.
Im damaligen Deutschen Bund erfolgte jedoch die Industrialisierung mit etwa 100 Jahren Verspätung,
weil technische Neuerungen lange Zeit aus den verschiedensten Gründe
gescheitert waren. Beispielsweise fehlte durch die staatliche Zersplitterung
Deutschlands ein einheitlicher aufnahme- und nachfragekräftiger Markt.
Aber auch der Mangel eines leistungsfähigen Verkehrsnetzes, die weitverbreitete Technologiefeindlichkeit in Adelskreisen und vor allem das
Fehlen des erforderlichen Kapitals für große Investitionen
blockierten in Deutschland zunächst den technischen Fortschritt.
Erst in den Jahren nach 1830 begannen sich hier technische Neuerungen
durchzusetzen.
Im Vergleich zu Großbritannien ging die industrielle Entwicklung
in Deutschland allerdings rascher vonstatten, denn die grundlegenden Erfindungen
waren bereits erfolgt. So konnten technisches und technologisches Wissen
sowie Maschinen und Anlagen importiert oder nachgebaut werden:
Der Bau von Eisenbahnen war eine wichtige
Voraussetzung für das Wachstum der Eisen- und Stahlindustrie, denn
die Nachfrage nach Stahl, Kohle und Lokomotiven wuchs sprunghaft an. Große
Bedeutung erlangte die Eisenbahn als Transportmittel. Da im Vergleich zu Großbritannien die deutschen Staaten kein leistungsfähiges
Transportnetz hatten, kam dem Eisenbahnbau die Mittlerrolle für die flächenhafte Industrialisierung zu. Doch erst ab 1860 konnte schließlich die zunehmende Vernetzung
erfolgen, nachdem zuvor kleinstaatliche Konflikte die Verbindung einzelner
Strecken erschwert hatten.
Neue Fabriken und Industriestandorte wurden schwerpunktmäßig in Gebieten mit Kohle- und Erzlagerstätten
angesiedelt, z. B. im Ruhrgebiet,
im Saarland und in Oberschlesien, das heute in Polen liegt. Damit war
die Industrialisierung von großer Bedeutung für die Herausbildung
industrieller Ballungsräume.
Der Entwicklungsrückstand gegenüber Großbritannien wurde
ab Mitte des 19. Jahrhunderts aufgeholt. Insbesondere nach der Gründung
des Deutschen Reiches im Jahr 1871 kam es zu einer Vielzahl von
Erfindungen, vor allem in den Bereichen Elektrotechnik und Chemie. Zugleich
entwickelte sich Großbritannien zum wichtigsten Exportmarkt für
die deutsche Industrie.
Weitere "industrielle Revolutionen"
Etwa ab dem Jahr 1920 wurde weltweit die zweite
industrielle Revolution eingeleitet. Der Grad der Arbeitsteilung und
Rationalisierung von Fertigungsprozessen nahm durch die Halb- und Vollautomatisierung
immer weiter zu. Ermöglicht wurde das u. a. durch die Erfindungen
des Berliners WERNER VON SIEMENS. Er hatte 1865 das dynamoelektrische
Prinzip entdeckt und baute im Jahr 1866 die erste Dynamomaschine, aus
welcher man später leistungsfähige Elektromotoren
entwickelte.