Historische
Einordnung
Nachdem in Paris die Revolution gesiegt hatte, standen die Revolutionäre
der Hauptstadt vor der entscheidenden Frage,
wie das ganze Land, das städtische Bürgertum und die Masse der
Bauern, für die Revolution gewonnen werden konnte. Diese Frage war
der historische Hintergrund für die berühmten Augustdekrete,
die von der neuen Nationalversammlung beschlossen wurden:
Im Verlauf einer einzigen Nacht, der Nacht vom 4. August 1989, gaben
der eingeschüchterte Adel und die Geistlichkeit in der Nationalversammlung
alle ihre feudalen Rechte und Privilegien preis.
Das erste Dekret der Nachtsitzung erklärte
die alte Feudalordnung für "gänzlich abgeschafft".
Abgeschafft wurden alle persönlichen Rechte der feudalen Grundherren,
wie Feudalabgaben, Jagd- und Weiderechte, ihre Gerichtsbarkeit, der Kirchenzehnt
und, wo noch vorhanden, die Leibeigenschaft. Unangetastet blieben dagegen
die Besitzansprüche an den Ländereien und Schlössern. Diese
mussten jedoch vom Adel von den Revolutionsbehörden zurückgekauft
werden.
Dieses erste Dekret setzte in Frankreich eine gewaltige Umschichtung
von Besitz und Vermögen in Gang: Das Feudaleigentum wurde
zu bürgerlichem Privateigentum, das von der Nationalversammlung für
unantastbar erklärt wurde. Mit diesem Dekret wurden auch die französischen
Bauern auf die Seite der Revolution gezogen.
In der Nachtsitzung war jedoch ein Gegenstand unberücksichtigt geblieben,
der dem Marquis DE LA
FAYETTE, einem Kampfgefährten GEORGE WASHINGTONS und Helden des
amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, sehr am Herzen lag.
Die Erklärung der Menschen- und
Bürgerrechte
Drei Wochen später, am 26. August 1789, verkündete die französische Nationalversammlung die von DE LA
FAYETTE initiierte Erklärung
der Menschen- und Bürgerrechte. Sie fixierte in 17 Punkten bzw. Paragrafen die Rechte, die jedem Franzosen
unveräußerlich als Mensch und als Bürger Frankreichs zuerkannt
wurden.
Die Erklärung konnte die Unabhängigkeitserklärung
der USA als Vorbild nicht leugnen. Auch die Unabhängigkeitserklärung
erkannte jedem Menschen beispielsweise die unveräußerlichen
Rechte der persönlichen Freiheit, der Gleichheit vor dem Gesetz,
der freien politischen Betätigung und der freien Meinungsäußerung
zu.
Die Erklärung der französischen Nationalversammlung legte darüber
hinaus auch die Pflichten des Staates fest. Höchstes Ziel
des Staates sollte es sein, die genannten gesetzlich garantierten
Freiheiten zu schützen. Sollte der Staat dabei versagen oder zu diktatorischen
Zwangsmitteln greifen, billigte die Erklärung allen Staatsbürgern
das Recht auf Widerstand zu.
Der Inhalt der Erklärung wurde verkürzt in einer Losung zusammengefasst,
die noch heute als ein "Markenzeichen" der Französischen
Revolution gilt: "Freiheit,
Gleichheit, Brüderlichkeit!"
Die internationale Bedeutung
Die Menschenrechtserklärung hat über die Grenzen Frankreichs
hinaus weltweit Resonanz gefunden. Sie wurde zum Vorbild für viele
Befreiungsbewegungen von Völkern Europas und in der ganzen Welt.
Ihre internationale Bedeutung besteht
auch darin, dass die von der Französischen Revolution fixierten Menschenrechte
in alle gegenwärtigen demokratischen Verfassungen Eingang gefunden
haben. Sie bilden damit eine wesentliche Grundlage dieser Verfassungen.
Auch das Grundgesetz der
Bundesrepublik Deutschland erklärt die Menschenrechte für
unveräußerlich und unantastbar. Sie wurden dem Grundgesetz
als Präambel vorangestellt.