




Evolution und Evolutionstheorie
Unter Evolution wird der Prozess der
stammesgeschichtlichen Entwicklung der Organismenarten verstanden. Dabei wird
davon ausgegangen, dass sich die heutige Vielfalt der Organismenarten in langen
Zeiträumen aus wenigen einfach organisierten Arten entwickelt hat.
Die
Evolutionstheorie erklärt
die Entstehung und Umbildung der heute lebenden Organismen aus früheren primitiveren
Vorfahren. Für diesen Prozess der stammesgeschichtlichen Entwicklung der
Pflanzen, Tiere und des Menschen nimmt sie sehr lange Zeiträume sowie das
Wirken von Evolutionsfaktoren wie Isolation,
Auslese, Mutation und Neukombination an.
Geschichte
der Evolutionstheorie
Die Evolutionstheorie wird heute kaum noch infrage
gestellt. Das war nicht immer so. Kennzeichnend ist vielmehr, dass die Entwicklung
der Auffassungen zur Stammesentwicklung ein sehr langer historischer Prozess mit
vielen Irrtümern und Umwegen war.
Schöpfungsgeschichte
Die ältesten überlieferten Vorstellungen über die Entstehung der
Lebewesen fanden ihren Niederschlag in Schöpfungsmythen
(Bild 1). Nach einem solchen Mythos wurden
Pflanzen, Tiere und Menschen von Gott erschaffen; und zwar in ihrer endgültigen
Form. Alle von Gott geschaffenen Lebewesen wurden in der Arche
Noah über die in der Bibel dargestellte Sintflut hinweggerettet. Danach
waren alle Tier- und Pflanzenarten in einer begrenzten Zahl ein für alle
Mal festgelegt.
Von
der Antike bis zum Mittelalter
Bis ins Mittelalter hinein war das sich
entwickelnde naturwissenschaftliche Denken durch die Vorstellungen des griechischen
Philosophen ARISTOTELES geprägt
(Bild 2). Er glaubte an die sogenannte Urzeugung,
nach der niedere Pflanzen und Tiere durch das "Zusammenrinnen" eines
Urstoffes entstanden sein sollten. In diesem Sinne entstand Leben aus unbelebter
Materie. Beispielsweise entstanden (nach ARISTOTELES):
Eine
Entwicklung von Organismen im heutigen Verständnis gab es für ARISTOTELES
nicht. Vielmehr war bei ihm der Gedanke der Konstanz
der Arten bestimmend.
Alchemisten des Mittelalters deuteten in Anlehnung
daran die Entstehung von Krankheitserregern als Urzeugung von Blut und Eiter.
Auch andere mittelalterliche Darstellungen, wie die des Schafbaumes, sind vor
diesem Hintergrund verständlich.
Von
PASTEUR zu LAMARCK
Erst LOUIS
PASTEUR (Bild 3) widerlegte im 19. Jahrhundert
mit Experimenten die Auffassung von der spontanen Entstehung von Lebewesen. Durch
sein Sterilisationsexperiment mit Milch bewies er u. a., dass Lebewesen nicht
aus unbelebter Materie hervorgehen können.
Ebenso widerlegte er als Ergebnis
vieler tiefgründiger Naturbeobachtungen, dass wie beim Schafbaum Tiere ebenso
wenig aus Pflanzen entstehen können.
Für die Entwicklung des Evolutionsgedankens war die Theorie von JEAN BAPTISTE LAMARCK ein weiterer bedeutender Meilenstein. Lamarck (Bild 4) besaß eine umfassende Artenkenntnis, die ihn befähigte, einige wesentliche Aussagen zur Evolutionstheorie abzuleiten. Er erkannte u. a.
Aus seinen Erkenntnissen formulierte er
folgende Hypothese:
Umweltveränderungen erzeugen bei den Organismen neue
Bedürfnisse. Deshalb gebrauchen sie auch bestimmte Organe stärker oder
schwächer. Dadurch entwickeln sich diese Organe auch mehr oder weniger stark,
was zu den beobachteten Veränderungen bei den Organismen führt. Diese
Veränderungen sind erblich, d. h., erworbene
Eigenschaften sind vererbbar.Während
sich die oben genannten drei Erkenntnisse bestätigten, ist die lamarcksche
Hypothese von der Vererbbarkeit erworbener Eigenschaften falsch.
Die
darwinsche Evolutionstheorie
Von Fehlern und Irrtümer entkleidet
und gewissermaßen "vom Kopf auf die Beine" gestellt wurde die
Evolutionstheorie von CHARLES DARWIN
(Bild 5). Am 24. September 1858 erschien die
erste Auflage seines Werkes "Entstehung der Arten durch natürliche Auslese",
in dem er die Evolutionstheorie wissenschaftlich begründete.
Der im Vorwort formulierte Kerngedanke war:
" so kann ich doch keinen Zweifel mehr daran hegen, dass die Ansicht, die die meisten Naturforscher bis vor kurzem vertraten und die ich selbst früher vertrat, nämlich, dass jede Art unabhängig für sich geschaffen wurde, irrig ist. Ich bin vollkommen überzeugt, dass die Arten nicht umwandelbar sind, sondern dass die ein und derselben Gattung angehörenden in gerader Linie von anderen, gewöhnlich schon erloschenen Arten abstammen "
DARWIN ging dabei von der Beobachtung aus, dass unter den Nachkommen von Haustieren, z. B. Tauben, immer auch solche sind,
Er hatte auch beobachtet, dass die Zucht solcher Individuen mit besonderen Merkmalen im Laufe der Zeit zu Individuen führt, die von der Ausgangsform erheblich abweichen können.
Beide
Beobachtungen ließen ihn vermuten, dass in der Natur vergleichbare Prozesse
ablaufen müssten, die er als "natürliche
Zuchtwahl" oder Selektion bezeichnete,
und die zur Entstehung und Veränderung von Arten führten:
Die Lebewesen
erzeugen eine Überproduktion von Nachkommen, die ihrerseits nicht völlig
gleich sind (Merkmalsunterschiede, Variationen). Durch die "natürliche
Zuchtwahl" oder Selektion überleben und vermehren sich vorzugsweise
die Lebewesen, die sich aufgrund ihrer Merkmale am besten in der Auseinandersetzung
mit der Umwelt behaupten können. Somit wird das Überleben der bestangepassten
Nachkommen gesichert. Dies führt dazu, dass sich die Arten, denen die Lebewesen
angehören, über lange Zeiträume verändern. Auf diese Weise
haben sich alle Arten aus einfacheren Formen entwickelt.
Mit der darwinschen
Evolutionstheorie war endlich auch die Abstammung und Entwicklung der Gattung
Mensch widerspruchsfrei und ohne Mystifizierung erklärbar.
Ein
glühender Verfechter der Lehre von DARWIN
In Deutschland fand
DARWIN glühende Befürworter, u. a. den Jenaer Zoologieprofessor ERNST
HAECKEL (Bild 6), der an der Entstehung
des Lebens auf der Erde und der Entwicklungsgeschichte des Menschen forschte.
Im
September 1863, also etwa vier Jahre nach der Veröffentlichung von DARWINS
Hauptwerk "On the origin of species by means of natural selection",
hielt HAECKEL vor der 38. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte einen
Vortrag über DARWINS Evolutionstheorie. In diesem fasste er die wesentlichen
Aussagen der Abstammungslehre zusammen.
Daneben bezog er im selben Vortrag
den Menschen in die Evolutionsforschung mit
ein. Insofern ging HAECKEL noch über DARWIN hinaus. Im Jahr 1868 stellte
er einen Stammbaum des Tierreichs auf, in den auch der Mensch einbezogen war und
aus dem die Stammesentwicklung des Menschen ersichtlich war. Das brachte Haeckel
bei den damals noch zahlreichen Gegnern der Evolutionstheorie das Schimpfwort
"Affenprofessor" ein.
Spätestens
seit HAECKEL hat jedoch die Evolutionstheorie ihren Siegeszug in der Wissenschaft
angetreten. Sie gehört heute zum sicheren Theoriegebäude bzw. zum Grundbestand
des Wissens der menschlichen Gesellschaft.