Gegen
die Vorherrschaft der Weltmacht Spanien
Als ELISABETH I. 1558 Königin von England wurde, änderte sich das Verhältnis
des aufstrebenden protestantischen Englands
zur katholischen Weltmacht Spanien grundlegend.
Nach außen hin bemühte sich ELISABETH zwar um korrekte Beziehungen
zu König PHILIPP II., dem mächtigen Verteidiger der "alten"
Kirche.
Unter der Hand förderte sie nach Kräften aber den Kampf
gegen die spanische
Vorherrschaft. Ihre "Nadelstiche" gegen das spanische Weltreich
sollten dieses an seiner verwundbarsten Stelle treffen: in der
Neuen Welt. Spanien bezog mittels seines Handelsmonopols in ganz
Mittel- und Südamerika, das andere Nationen ausschloss, unermessliche
Reichtümer von diesen überseeischen Märkten.
Sich über Freiheiten des Völkerrechts hinwegsetzend, erlaubte
und förderte die englische Königin Angriffe ihrer Freibeuter,
zu denen JOHN HAWKINS und sein "Schüler"
FRANCIS DRAKE als berühmteste
gehörten, auf diese Räume.
Freibeuter, Sklavenhändler und
Entdecker
Damit es nicht zur direkten Konfrontation mit Spanien kam, nahm ELISABETH I. Freibeuter in den Dienst Ihrer
Königlichen Majestät. Diese führten den Krieg gegen spanische
Schiffe und Besitzungen auf eigene Rechnung. Dadurch wurde die englische
Krone nicht kompromittiert. Die Freibeuter waren anfänglich vor allem
auch Sklavenhändler,
da der gewinnbringende Handel mit afrikanischen Sklaven blühte.
Den meisten Gewinn konnte dabei der einstreichen, der es verstand, das
sogenannte "schwarze Elfenbein" mit den geringsten Verlusten von der Westküste Afrikas nach Amerika zu schaffen.
Die den Sklavenhandel zunächst dominierenden Portugiesen wurden
von den Engländern verdrängt.
Zu den ersten englischen Sklavenhändlern gehörte JOHN
HAWKINS aus Plymouth. HAWKINS transportierte erstmals 1563 etwa 300
Sklaven, die er von portugiesischen Schiffen geraubt hatte, vom westafrikanischen
Sierra Leone zur "westindischen" Insel Hispaniola. Dort tauschte er sie bei den spanischen Plantagenbesitzern gegen Häute,
Zucker, Ingwer und Perlen ein. Ihm war auf den Kanaren zu Ohren gekommen,
dass die Plantagen und Bergwerke auf Hispaniola förmlich nach afrikanischen
Sklaven hungerten.
Ein Jahr später organisierte HAWKINS den nächsten Sklaventransport
in die Neue Welt. Diesmal kaperte er aber keine portugiesischen Sklavenschiffe,
sondern begab sich selbst zur Sklavenjagd an Land. Zu den Gewinnern dieser Fahrt gehörte auch die englische
Königin, die einen Teil des Gewinns als Entgelt für den von
ihr ausgestellten Kaperbrief erhielt. ELISABETH I. wiederum wusste
HAWKINS' Verdienste zu würdigen. Er wurde zum Schatzmeister der königlichen Flotte ernannt.
HAWKINS bediente sich schon auf dieser zweiten Reise einer Methode, die
später allgemein üblich wurde: Die Sklavenjäger nutzten Stammesgegensätze und hetzten
verfeindete afrikanische Stämme aufeinander. Vom Sieger kauften sie
dann die menschliche Beute ab. Von einer der Sklavenfahrten HAWKINS' gibt
es dazu einen zeitgenössischen Bericht. Dieser gehört wahrscheinlich zu den ältesten schriftlichen
Zeugnissen über den Sklavenhandel. Von
seiner dritten Fahrt berichtet HAWKINS u. a.:
"Am 2. Oktober 1567 fuhren unsere Schiffe Jesus', Minion' neben vier anderen von Plymouth ab Auf den Kanarischen Inseln nahmen wir Wasser ein, fuhren am 4. November nach der Guineaküste und suchten bis zum 12. Januar sorgfältig die Flüsse vom Rio Grande bis Sierra Leone ab. Während dieses Zeitraumes nahmen wir nicht mehr als 150 Neger an Bord. Krankheit unserer Leute und fortgeschrittene Jahreszeit zwangen uns, an der afrikanischen Küste weiterzusegeln. Ich hoffte etwas Gold für unsere Waren zu erlangen und davon unsere Reise zu bezahlen. Aber gerade in diesem Augenblick kam ein Neger zu uns. Er meldete, daß sein Herr und König von einem ihm benachbarten Fürsten bedrängt werde und deshalb um Hilfe bitte; er versprach uns so viele Sklaven, als dieser Kampf an Gefangenen einbringen würde. Das bewog mich, helfend einzugreifen. Ich sandte daher 120 von unseren Leuten hin. Wir schrieben den 15. Januar 1568, als die Stadt des feindlichen Negerhäuptlings angegriffen wurde. Sie mochte ungefähr 8000 Einwohner haben und war außerdem nach ihrer Art stark befestigt und umzäunt. Sie wurde dazu noch so gut verteidigt, dass unsere Truppen nicht siegreich sein konnten, sondern sechs Tote und vierzig Verwundete hatten. Sie erbaten schnellste Hilfe, die ich sofort sandte, denn der Erfolg dieses Unternehmens konnte für unsere weitere Reise nur förderlich sein; dieses Mal ging ich selbst mit. Mit Hilfe der Gefolgsleute des Negerfürsten setzten wir der Stadt, deren Hütten mit trockenen Palmblättern gedeckt waren, von der Land- und Seeseite her stark mit Feuerbränden zu und erstürmten sie. Bei diesem Gefecht nahmen wir dem Gegner 250 Männer, Frauen und Kinder als Gefangene ab, unser befreundeter König machte mit den Seinen sogar 600 Gefangene, von denen wir eine Auswahl zu erhalten hofften Aber unser Verbündeter verließ während der Nacht seinen Lagerplatz mit seinen Gefangenen, so dass wir uns mit den wenigen Negern begnügen mußten, die wir selbst eingebracht hatten. Nunmehr hatten wir 400 bis 500 Neger an Bord und hielten es für das beste, die Küste Westindiens aufzusuchen" (aus: Heinrich Loth: Das Sklavenschiff. Die Geschichte des Sklavenhandels. Afrika - Westindien - Amerika. Union Verlag Berlin, 2. Auflage 1984, S. 83-84).
An Bord der Sklavenschiffe herrschten unglaubliche menschenunwürdige Verhältnisse, die vielen der Gefangenen das Leben kosteten.
FRANCIS DRAKE - Freibeuter und Entdecker
FRANCIS
DRAKE lernte sein Handwerk auf den Beutefahrten seines Cousins
JOHN HAWKINS. Er war dessen begabtester Schüler. Im
Jahre 1572 führte DRAKE zum ersten Mal ein Kommando als Freibeuter
in den spanischen Besitzungen Amerikas. An der Landenge von Panama
gelang es ihm, mit nur 50 Mann, einen Maultiertransport mit Silber
zu überfallen.
5 Jahre später war er bereits so erfolgreich,
dass er im Auftrag der englischen Königin spanische Schiffe im Pazifik
kapern und die spanischen Siedlungen an der amerikanischen Küste
überfallen durfte.
In den 10 Jahren zwischen 1576 und 1586 plünderte FRANCIS DRAKE die spanischen Besitzungen in
Südamerika. Dafür, vor allem aber für die gewaltigen
Reichtümer an Gold, Silber und Edelsteinen, mit denen seine Schiffe
den Reichtum Englands mehrten, erhielt er den Adelstitel und wurde zum Vizeadmiral ernannt. Als Vizeadmiral
war er 1588 auch an der Seeschlacht im Ärmelkanal beteiligt, in der
die als unbezwingbar geltende spanische
Armada PHILIPPS II. vernichtet wurde. Mit diesem historischen
Sieg über Spanien wurde die Grundlage für die künftige
englische Vorherrschaft auf See gelegt.
Im Geheimauftrag der Königin nach Spanisch-Amerika
Am 13. Dezember 1577 stach DRAKE mit einer Flotte von fünf Schiffen
und 166 Mann Besatzung im geheimen Auftrag der Königin ELISABETH I.
in See. Zwei Schiffe versanken später im Mündungstrichter des Rio de la Plata, ein weiteres kenterte
bei heftigem Sturm, und eines kehrte nach England zurück.
Der Auftrag der Königin bestand darin, die Magellan-Straße an der Südspitze Südamerikas zu durchsegeln und auf diesem Weg
die Pazifikküste Südamerikas zu erreichen. Dadurch sollte vor
allem dem spanischen Handel Schaden zugefügt werden. DRAKE sollte
in diesem Zusammenhang in Erfahrung bringen, wo an der Westküste
Südamerikas wertvolle Mineralien lagerten
und günstige Absatzmärkte für britische Waren vorhanden waren.
DRAKES Schiffe segelten von England
aus zunächst nach Süden, frischten bei einer Zwischenlandung
an der afrikanischen Küste ihre Vorräte an Trinkwasser und Nahrungsmitteln
auf und nahmen Kurs auf die Kapverdischen Inseln. DRAKE kaperte unterwegs
ein portugiesisches Schiff. Dessen Kapitän war ein erfahrener Lotse, der schon viele Jahre die Küsten Brasiliens und Argentiniens befuhr.
DRAKE beschlagnahmte seine detaillierten Karten und forderte den Portugiesen
auf, zu ihm an Bord zu kommen und sein Schiff durch die noch nicht oder
nur schlecht bekannten Gewässer zu führen. 54 Tage nach
dem Verlassen der Kapverdischen Inseln sichtete DRAKE die Küste
Brasiliens. Von hier aus segelte er weiter nach Süden und
durchfuhr die Magellan-Straße. Anschließend stieß er
weiter südwärts bis über den 57. Breitengrad hinaus zu
einer Meeresstraße zwischen Südamerika und Antarktika vor,
die als Drake-Straße heute seinen Namen trägt.
Mit der "Golden
Hind", dem einzigen ihm verbliebenen Schiff, segelte er nun die
Westküste Südamerikas nordwärts bis auf die Höhe von
Panama. Unterwegs brachte er spanische Schiffe auf und machte so reiche
Beute. DRAKE hoffte, eine östliche Durchfahrt zurück zum Atlantik
zu finden. Auf der Suche erreichte er wahrscheinlich sogar 48° nördlicher
Breite nahe der heutigen Grenze zwischen den USA und Kanada. Im Winter
1578/79 fand er Schutz in der Bucht von San
Francisco, der heutigen Drake's Bay. Hier wurde die angeschlagene
"Golden Hind" repariert.
Nachdem die Suche der "Ostpassage"
ohne Erfolg geblieben war, wandte sich DRAKE westwärts und überquerte
den Pazifik. Dabei gelangte er bis
zu den Philippinen und nach Celebes (Sulawesi). Danach machte er kehrt
und umfuhr das Kap der Guten Hoffnung. Auf diese Weise gelang ihm, wenn
auch nicht geplant, eine Weltumseglung,
die zweite nach MAGELLAN und die erste eines Engländers. Im Jahre
1580 kehrte DRAKE nach England zurück und wurde von der Königin
hoch geehrt.
1581 wurde er Bürgermeister von Plymouth, und bis 1585 war er Mitglied
des englischen Parlaments.
Die Weltumseglung des FRANCIS DRAKE gehörte zu den Bemühungen
der Engländer, einen eigenen Seeweg zu den Schätzen Asiens zu
finden. Die Suche der Engländer nach einem eigenen Seeweg
nach Indien hatte schon früher begonnen.
So versuchten die Seefahrer CABOTO, BYLOT und BAFFIN die sogenannte Nordwestpassage
vom Atlantik entlang der Nordküste Amerikas im Pazifik zu finden.
RICHARD CHANCELLOR versuchte, entlang der Nordküste Asiens eine nordöstliche
Durchfahrt zum Pazifik zu finden. Erst 1592 umsegelte schließlich
JAMES LANCASTER als erster Engländer das Kap
der Guten Hoffnung auf dem Weg nach Indien. Das konnte deshalb
gelingen, weil Portugal inzwischen mit Spanien vereinigt und beide für
die nunmehr führende Seemacht England keine allmächtigen Gegner
mehr waren.