Der
dritte Koalitionskrieg
Im August 1804 schuf der wieder ins Amt berufene britische Premierminister
WILLIAM PITT erneut eine
Koalition europäischer
Staaten
gegen das napoleonische
Frankreich
(dritter
Koalitionskrieg). In ihr waren
Großbritannien, Russland, Österreich, Schweden und Neapel vertreten.
Preußen blieb seiner Verpflichtung zur Neutralität gegenüber
NAPOLEON treu und war nicht in der Koalition vertreten.
Eigentliches Ziel
NAPOLEONS
war die
Invasion in
Großbritannien,
um den Erbfeind endlich zu besiegen. Dafür hatte er seine Armee
bei Bologne am Ärmelkanal zusammengezogen. Zwei Jahre wartete diese
allerdings dort vergeblich auf den Invasionsbefehl. Den konnte NAPOLEON
nicht mehr geben, weil seine Flotte am 21. Oktober 1805 in der
Seeschlacht
von Trafalgar durch den englischen Admiral NELSON vernichtet worden war. Obwohl der ruhmreiche
NELSON in der Schlacht sein Leben ließ, hatte sein Sieg die Seeherrschaft
Großbritanniens erneut gesichert.
Auf dem Festland hatte der Krieg bereits vorher begonnen. NAPOLEON hatte
seine
Grande Armée in Eilmärschen
von der Kanalküste nach Süddeutschland geführt. Dort überraschte
er die Österreicher, die sich noch nicht zum Kampf formiert hatten,
und zwang sie am 17. Oktober 1805 in Ulm zur Kapitulation. Kurze Zeit
später zog er in Wien ein.
Trotz seiner Niederlage in der Seeschlacht von
Trafalgar setzte NAPOLEON den Feldzug jedoch fort. In der
Dreikaiserschlacht
bei Austerlitz in Südmähren besiegte NAPOLEON am 2. Dezember 1805 die zahlenmäßig
weit überlegenen verbündeten russischen und österreichischen
Streitkräfte. Die Bezeichnung der Schlacht rührt daher, dass die
Armeen der beteiligten Länder Russland, Österreich und Frankreich
von ihren Monarchen befehligt wurden. Dieser Sieg der
Grande Armée brachte die endgültige Vorherrschaft Frankreichs auf dem europäischen
Kontinent.
Der Frieden von Pressburg und der Rheinbund
NAPOLEON diktierte nach Austerlitz dem österreichischen Kaiser demütigende
Friedensbedingungen. Im
Frieden
von Pressburg (Bratislava) vom 26. Dezember 1805 musste Österreich
seine Küstengebiete an der Adria an das neu geschaffene Königreich
Italien abtreten. Zudem fielen Tirol und Vorarlberg an Bayern. Auch die
beiden anderen süddeutschen Verbündeten Frankreichs, Württemberg
und Baden, wurden mit Landgewinnen auf Kosten Österreichs belohnt.
Der österreichische Kaiser musste außerdem NAPOLEON als Kaiser
von Frankreich und König von Italien anerkennen.
Eine unmittelbare Folge dieses
Friedensdiktats
von Pressburg war, dass 16 napoleontreue süd- und westdeutsche Reichsfürsten,
deren Fürstentümer etwa ein Drittel des Reichsgebietes umfassten,
aus dem Verband des Deutschen Reiches austraten. Sie schlossen sich am 12. Juli
1806 mit weiteren 20 Fürstentümern zum
Rheinbund
zusammen, der unter französischem Protektorat (Schutzherrschaft) stand.
Auf dem Höhepunkt der Machtentfaltung NAPOLEONS im Jahre 1808 gehörten
zum Rheinbund vier Königreiche, fünf Großherzogtümer,
elf Herzogtümer und 16 Fürstentümer, deren adlige Herrscher
aus ihrem Beitritt nicht geringe Vorteile gezogen hatten.
So erhielten zahlreiche Fürsten durch ihren Beitritt einen höheren
Stand. Die Herzöge von Bayern und Württemberg wurden beispielsweise
zu Königen erhoben, und aus dem Herzogtum Baden wurde ein Großherzogtum.
Der
Einfluss NAPOLEONS auf die Rheinbundstaaten
hatte aber auch für die Bevölkerung
positive
Wirkungen. So wurden viele Vorrechte des Adels beseitigt und das
Feudalsystem insgesamt zugunsten des Bürgertums zurückgedrängt.
Auch das fortschrittliche bürgerliche Zivilgesetzbuch NAPOLEONS, der
Code civil, trat in diesen Staaten in Kraft. Andererseits regte sich unter
der Bevölkerung der Rheinbundstaaten auch der Widerstand gegen die
französische Fremdherrschaft. Besonders
bedrückend war die erzwungene Teilnahme Zehntausender Soldaten an den
Kriegen NAPOLEONS.
Die Rheinbundstaaten verließen am 1. August 1806
das
Heilige Römische Reich Deutscher Nation. NAPOLEON entzog dem Reich
gewissermaßen die völkerrechtliche Anerkennung. Unter diesem
Druck
legte Kaiser
FRANZ II.
am 6. August 1806 auch die
Römische
Kaiserwürde nieder und erklärte
das Heilige Römische Reich für aufgelöst. Bereits 1804 hatte
er sich
als FRANZ I. zum
Kaiser
Österreichs proklamiert. Der Rheinbund wurde 1813, im Jahr der
endgültigen Niederlage NAPOLEONS, aufgelöst.