

Voraussetzungen für den Aufbau eines Kalenders
Um einen Kalender zu erstellen, sind drei
Zeitgeber notwendig:
Der
römische Kalender
Der römische
Kalender begann ursprünglich mit dem 1. März. Die Jahre wurden gezählt
seit der sagenhaften Gründung Roms durch Romulus und Remus 753 v. Chr. Damit
der Frühlingsbeginn immer im März war, wurden relativ planlos Schaltmonate
eingefügt. Diese oft willkürlichen Schaltungen hatten mitunter sogar
politische Gründe, um beispielsweise Amtsperioden künstlich zu verlängern.
Gegen Ende der römischen Republik war so das Kalenderwesen in völlige
Unordnung geraten.
Als CAESAR nach
seinen siegreichen Schlachten nach Rom zurückgekehrt war, musste er den römischen
Kalender gründlich reformieren. Aus Alexandria hatte er den griechischen
Astronomen und Mathematiker SOSIGENES nach Rom kommen lassen, der ihn bei der
Kalenderreform beriet. CAESAR hatte kompromisslos das Sonnenjahr eingeführt
und im Einzelnen Folgendes bestimmt:
CAESAR zu Ehren und zu seinem Andenken wurde der Kalender julianischer
Kalender genannt. Kurz nach seiner Einführung des Kalenders traten nochmals
Fehler auf, da bereits nach dem 3. Jahr der Schalttag eingeschoben wurde. Erst
Kaiser AUGUSTUS (63 v. Chr.-14 n. Chr., Großneffe und Adoptivsohn von
JULIUS CAESAR) beseitigte 8 v. Chr. endgültig die letzten Fehler. Der römische
Senat beschloss in Anerkennung der Verdienste CAESARS und AUGUSTUS' den fünften
Monat (gezählt nach dem ursprünglichen Jahresbeginn März in Julius
zu benennen und den sechsten Monat auf Augustus zu taufen.
Um die Monate gleichwertig
erscheinen zu lassen, erhielten beide je 31 Tage. Deshalb nahm man dem Februar
einen weiteren Tag, sodass er von da an nur noch 28 Tage im Gemeinjahr und 29
Tage im Schaltjahr hatte. Die Tageszahlen der übrigen Monate wurden beibehalten.
Der julianische Kalender war und ist ein reiner Sonnenkalender.
Jahreslänge und Jahresbeginn werden allein durch den Sonnenlauf bestimmt
und sind vom Mondlauf unabhängig. Das führte später zu Konflikten
mit dem erstarkenden Christentum. Für
die Christen wurde 325 n. Chr. im Konzil von Nicäa festgelegt, dass das Osterfest
am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond zu feiern sei. Dabei gingen
sie davon aus, dass der Frühling auf den 21. März fällt. Im Lauf
der Zeit wich der zyklisch berechnete Vollmond immer mehr vom wahren Vollmondtermin
ab. Grund dafür war, dass das Jahr 11 Minuten und 14 Sekunden kürzer
ist als das julianische. Im 16. Jahrhundert war diese Differenz auf 10 Tage angewachsen.
Der
gregorianische Kalender
Papst GREGOR
XIII. (geboren am 1. Januar 1502 in Bologna, gestorben am 10. April 1585 in
Rom, Bild 3) übernahm im Jahre 1572 nach
dem Tode von PIUS V. das Pontifikat. Jener hatte bereits 1568 vergeblich versucht,
eine neue Regelung für die Schaltjahre einzuführen. Auch GREGOR XIII.
war sich der Schwierigkeiten bewusst. Er setzte deshalb eine Kommission aus Fachleuten
ein, zu denen neben dem Berater EGNATIO DANTI der deutsche Mathematiker und Astronom
CHRISTOPHER CLAVIUS, der italienische Arzt und Mathematiker ALOIGI GIGLIO (ALOYSIUS
LILIUS) und dessen Bruder, Erzbischof von Peruga, ANTONIN GIGLIO (ANTONIUS LILIUS)
gehörten. Auf der Grundlage der Empfehlungen dieser Kommission ordnete Gregor
XIII. die Reform des Kalenders an, die er am 24. Februar 1582 in der päpstlichen
Bulle "Inter gravissimas" bekannt gab. Die inzwischen aufgelaufene Unstimmigkeit
von 10 Tagen wurde dadurch beseitigt, dass auf den 4. Oktober 1582 unmittelbar
der 15. Oktober folgte. Das Jahr 1582 heißt deshalb auch das Korrektionsjahr.
Der Frühlingsanfang wurde auf den 21. März festgelegt. Die neue Schaltregel
bestimmte, dass Schaltjahre alle die Jahre sind, deren zwei letzte Jahreszahlen
durch 4 teilbar sind, darüber hinaus aber im Verlauf von 400 Jahren jeweils
3 Schalttage auszufallen haben - es sind das die nicht durch 400 teilbaren
Säkularjahre (alle 100 Jahre wiederkehrend) wie 1700, 1800 und 1900. Das
Jahr 2000 war wieder ein Schaltjahr.
Damals stieß die Reform
nicht auf große Begeisterung, weder bei der Bevölkerung noch bei den
Gelehrten und am wenigsten in den protestantischen Ländern, wo man nicht
nach der Devise "Rom hat gesprochen, die Sache ist entschieden" verfuhr.
Die päpstliche Bulle hatte die Befehlsform eines Dekrets und gab keine weitere
Begründung. Diese wurde erst im Jahre 1603 durch die Schrift des CLAVIUS
nachgeholt. JOHANNES KEPLER, der dem evangelischen Bekenntnis nahestand, begrüßte
aus sachlichen Gründen den gregorianischen
Kalender. Papst GREGOR XIII. wurde in zahlreichen Schriften angegriffen.
Er würde den Gestirnen vorschreiben
wollen, sich nach seinem Kalender zu richten. Man steigerte sich bis zu der Behauptung,
er sei der leibhaftige Antichrist, der sich anmaße, durch den neuen Kalender
JESUS CHRISTUS derart zu verwirren, dass dieser nicht mehr wisse, wann der "Jüngste
Tag" sei.
In Italien, Spanien, Frankreich, Portugal, Luxemburg und Polen
wurde der gregorianische Kalender im Jahr 1582 gemäß der päpstlichen Bulle eingeführt. Bayern folgte 1583,
Österreich und die Schweiz 1584, Ungarn 1587 und Preußen 1610.
Das protestantische Deutschland ließ erst am
18. Februar 1700 sofort den 1. März folgen, ebenso Norwegen und Dänemark.
In Großbritannien ließ man auf den 2.
September 1752 gleich den 14. folgen und stellte damit auf den gregorianischen
Kalender um. Ein Jahr später wurde auch in Finnland und Schweden der neue
Kalender eingeführt. Japan folgte 1873 und China 1911. Russland stellte erst nach
der Oktoberrevolution 1917 seinen Kalender
um; auf den 31. Januar folgte der 14. Februar 1918. Griechenland ging 1924,
die Türkei 1926 und Ägypten erst 1928 zum gregorianischen Kalender über.
Heute wird der gregorianische Kalender international in Handel, Verkehr und Wirtschaft
benutzt und ist auch in den meisten Ländern gesetzlich verankert.
Andere
Kulturen - andere Zeitrechnungen
Neben den genannten Zeiteinteilungen
gab es Kulturen mit anderen Zeitrechnungen und mit unterschiedlichen Anfangspunkten
ihrer Chronologie.
Die Zählung im jüdischen
Kalender beginnt z. B. mit der angeblichen Erschaffung
der Welt, 3761 vor der christlichen Zeitrechnung, der islamische
Kalender nimmt dagegen seinen Anfang mit der Auswanderung
MMOHAMMEDs aus Mekka nach Medina im Jahre 622 n. Chr. Der islamische Kalender
ist ein Mondkalender. Eine Mondumdrehung der Erde beträgt danach 29,5 Tage.
Pro Jahr nimmt man 12 Monate an, die abwechselnd 29 oder 30 Tage haben. Damit
hat das Jahr 354 Tage, ist also um 11,2422 Tage unserem Jahr voraus. Wegen des
Vorauseilens im reinen Mondkalender entsprach das Jahr 2000 dem Jahr 2421. Da
der jüdische Kalender seine Zählung 3761 begann, war hier das Jahr 200
bereits das Jahr 5761.
Die Maya besaßen
zwei Kalendersysteme, eines für kultische Zwecke und eines für den Alltag.
Der kultische Kalender umfasste einen Zeitraum von 260 Tagen. Diese waren in 20
Einheiten zu je 13 Tagen eingeteilt, die je einer Gottheit entsprachen. Der Alltagskalender
oder profane Kalender umfasste 365 Tage. Diese waren in 18 Monate mit je 20 Tagen
und einen Monat mit 5 Tagen eingeteilt. Wahrscheinlich begann die Zeitrechnung
der Maya im September 3114 v. Chr.