JOSEPH GOEBBELS
Eine der übelsten Figuren in der nationalsozialistischen Bewegung und
im NS-Staat war JOSEPH GOEBBELS. Er war neben GÖRING der wichtigste Gefolgsmann von HITLER
und an allen wichtigen Entscheidungen des NS-Regimes beteiligt.
GOEBBELS stammte aus kleinbürgerlichen Verhältnissen, hatte Philosophie,
Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft studiert und promoviert. Nach
seinem Eintritt in die NSDAP schwenkte er bald völlig auf die politische
Linie von HITLER ein und stieg in
der NS-Bewegung rasch auf.
Im Jahre 1926 ernannte ihn HITLER zum Gauleiter
von Berlin-Brandenburg.
Hier, in einem Gebiet mit vielen von der KPD beherrschten Arbeitervierteln,
machten ihn bald seine speziellen Begabungen bekannt:
GOEBBELS verfügte über eine außerordentliche rednerische
Begabung, die noch dazu mit demagogischen
Fähigkeiten verknüpft war. So gelang es ihm mit leidenschaftlichen
Reden, in denen er nationalsozialistische Hetzparolen psychologisch geschickt
zu verpacken verstand, viele Deutsche zu verführen und für den
Nationalsozialismus zu gewinnen.
Das war auch der Grund, weshalb ihn HITLER 1929 noch zusätzlich
zum Reichspropagandaleiter ernannte.
Als die NSDAP mit dem Ermächtigungsgesetz vom März 1933 die
absolute Regierungsgewalt in Deutschland erzwang, erreichte GOEBBELS den
Gipfelpunkt seiner politischen Karriere. Er wurde Reichsminister
für Volksaufklärung und Propaganda.
In dieser Funktion verstand er es vor allem, alle zur Verfügung stehenden
Massenmedien, Rundfunk, Presse und Film, zur Stärkung der Machtposition
von HITLER zur Geltung zu bringen. Durch einen maßlos übersteigerten
Personenkult um die Person des "Führers" schuf er bei Millionen
Deutschen einen regelrechten "Führermythos".
Auch alle großen Propaganda-Veranstaltungen des NS-Regimes, z. B. Massenaufmärsche zu Gedenk- und Feiertagen,
die Reichsparteitage oder die Olympischen
Spiele von 1936, wurden von ihm organisiert. Nicht nur das deutsche
Volk, sondern die ganze Welt sollte von der Größe und der Einmaligkeit
der nationalsozialistischen Ideen und Erfolge überzeugt werden.
Als "Meister" der perfektionistischen Inszenierung hat GOEBBELS
auch die öffentlichen Ausschreitungen organisiert, so die ersten antijüdischen
Ausschreitungen 1933 bis hin zur sogenannten "Reichskristallnacht" 1938, aber auch die Bücherverbrennung vom Mai 1933.
Die Bücherverbrennung
Viele deutsche Wissenschaftler, Künstler, Schriftsteller und Publizisten
hatten eine sehr kritsche Position zum Nationalsozialismus und verstanden
diese sowohl mit den Mitteln der Kunst, aber auch offen auszudrücken.
Schon bald nach der Machtergreifung organisierte GOEBBELS deshalb auch
Aktionen der Nationalsozialisten gegen
missliebige deutsche Intellektuelle, die z. T. jüdischer
Herkunft waren.
Am 10. Mai 1933 flammten unter großem
propagandistischen Aufwand in Berlin und in anderen deutschen Universitätsstädten Scheiterhaufen zur "Verbrennung undeutschen Schrifttums" auf. Die Bücherverbrennung wurde von nationalsozialistischen Studenten durchgeführt, in Berlin
unter Teilnahme von GOEBBELS und anderen NS-Größen.
Die Studenten warfen als "entartet" und "undeutsch" bezeichnete
Bücher vieler bekannter deutscher Schriftsteller in die Flammen.
Den Wurf ins Feuer begleiteten sie mit "Feuersprüchen",
die die Schriftsteller bzw. die Dichter und ihr Werk schmähten.
Zu diesen geschmähten und von den Nationalsozialisten verfemten Künstlern
und Wissenschaftlern gehörten u. a. HEINRICH MANN, HEINRICH HEINE,
KURT TUCHOLSKY, ERICH KÄSTNER, SIGMUND FREUD, KARL MARX und viele
andere.
Allein vom 10. bis 20. Mai fielen dieser Aktion im gesamten
Reich etwa 1 Million
Bücher zum Opfer. Die Verbotslisten wurden in der Folgezeit noch fortgeschrieben. Anfang 1934 umfassten sie
bereits mehr als 3 000 deutsche Buchtitel. Außerdem begannen
überall in Deutschland Akademien Künstler
auszuschließen, deren Namen auf solchen Listen standen. So
begann beispielsweise die Preußische Akademie der Künste, alle
jüdischen Mitglieder auszuschließen, darunter den berühmten
Maler MAX LIEBERMANN.
Viele der vom NS-Regime Angefeindeten mussten fliehen oder wanderten
aus. Darunter waren fast alle bedeutenden deutschen Schriftsteller. Einige
begingen auch Selbstmord. Das Ausland reagierte auf diese Vorgänge in Deutschland entsetzt. In Deutschland selbst regte sich kaum
Protest. Schockiert war man nur dort, wo Angehörige oder Freunde
betroffen waren.