

"Man of the Millenium"
HENNE GENSFLEISCH
ZUM GUTENBERG, wie der eigentliche Name von JOHANN
GUTENBERG (Bild 1) lautet, erfand
um 1440 den Buchdruck mit beweglichen
Lettern. Dieser ermöglichte es, Bücher und Schriften, wie Reiseberichte,
Tagebuchaufzeichnungen, später Zeitungen und Zeitschriften, aber
auch Zeichnungen, Bilder sowie Karten schneller und in größeren
Auflagen zu vervielfältigen.
GUTENBERGS Erfindung fand nicht nur in seiner Zeit Anerkennung. Eine in
den USA erscheinende angesehene Zeitschrift anerkannte 1997 die Erfindung
des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch JOHANN GUTENBERG als bedeutendste
Entdeckung des 2. Jahrtausends. Ein Jahr später wurde GUTENBERG von
amerikanischen Journalisten zur wichtigsten Persönlichkeit des vergangenen
Jahrtausends gewählt, zum "Man
of the Millenium".
In seiner Geburtsstadt Mainz befindet sich u. a. deshalb das Weltmuseum
der Druckkunst, das Gutenberg-Museum.
Drucken statt Abschreiben
Im Mittelalter wurde die Tradition des Lesens
und Schreibens vor allem in den christlichen Mönchklöstern
bewahrt und gepflegt. Mönchen ist es auch zu danken, dass Texte aller
Art durch Abschrift überliefert
wurden. Dazu zählte vor allem die Bibel. Das Buch wurde als Ganzes
oder in Teilen sorgfältig und kunstvoll auf Pergament für Gottesdienste
abgeschrieben. Da jedes Kloster zumindest ein Exemplar einer vollständigen
Bibel besitzen musste, gab es viel zeitaufwendige Schreibarbeit. Häufig
waren Mönche ihr ganzes Leben mit der Abschrift einer Bibel beschäftigt.
Als GUTENBERG um 1450 in Mainz darauf kam, Bücher zu drucken, konnten
Informationen, Erfahrungen und Ideen in viel größerem Umfang
und viel schneller niedergeschrieben und verbreitet werden. Mit den aus
Blei gegossenen beweglichen Lettern
war es möglich, Bücher
zu vervielfältigen; konnten doch die einzelnen
immer wieder neu zu Wörtern, Zeilen und Seiten zusammengesetzt werden.
Pro Druckvorgang konnten nun 200 bis 300 Exemplare eines Buches hergestellt
werden, was damals die Kosten für ein Buch auf etwa ein
Fünftel senkte.
Die Kunst des Buchdrucks fand eine sehr schnelle Verbreitung, zunächst in Deutschland, dann
in ganz Europa. Der Buchdruck nahm einen derartigen Aufschwung, dass es
bereits 50 Jahre nach seiner Erfindung in rund 250 Städten Europas
Druckereien und Druckwerkstätten gab. In diesen waren etwa
40 000 Drucke erschienen.
Die Erfindung GUTENBERGs
GUTENBERG hielt sich von 1434 bis 1444 in Straßburg auf. Aus dem Jahre 1439 sind über ihn Prozessprotokolle überliefert.
Diese Protokolle eines Gerichtsverfahrens gegen ihn wurden zu einer wichtigen
Quelle unseres Wissens über sein Auftreten als Geschäftsmann
und Handwerker. Neben Aussagen über Geschäftsgesellschaften,
die er mit anderen Bürgern der Stadt eingegangen war, gibt es in
den Protokollen auch Hinweise auf eine geheime Kunst. Im Zusammenhang
damit wird von einer Presse und von Material gesprochen,
"... das zu dem trucken gehöret".
So ist es wahrscheinlich, dass GUTENBERG bereits zur Zeit seines Aufenthalts
in Straßburg an seiner Erfindung gearbeitet und erste
Druckversuche unternommen hatte.
Im Jahre 1448 kehrte GUTENBERG nach Mainz zurück und vollendete seine
Erfindung. Um sie in der Praxis nutzen zu können, errichtete er eine
Druckwerkstatt und stellte
auch Gehilfen ein. Die Errichtung und der Unterhalt der Werkstatt sowie
die benötigten Arbeitskräfte kosteten ihn eine Menge Geld. Der
Mainzer Advokat JOHANNES FUST lieh GUTENBERG dafür zunächst
800 Gulden. Bald darauf zahlte FUST noch einmal 800 Gulden und wurde Teilhaber
an den Unternehmungen GUTENBERGS.
Eines der bekanntesten und bedeutendsten Bücher, das GUTENBERG zwischen 1452 und 1454 druckte, war seine "Biblia Latina", eine lateinische Bibel, die auch als Gutenberg-Bibel bezeichnet wird. Dieses Buch gehörte künstlerisch und drucktechnisch zum Besten und Schönsten, was seinerzeit mit der neuen Drucktechnik geschaffen wurde und gilt als Meisterwerk der Druckkunst. Die Bibel umfasste zwei Bände mit einem Umfang von insgesamt 1282 Seiten. Die erste Auflage betrug wahrscheinlich nur etwa 180 Exemplare. Davon wurden etwa 30 Exemplare auf teurem Pergament gedruckt.
Den Unterhalt der Druckerei und die Bezahlung der Gesellen konnte GUTENBERG kaum aus den Verkaufserlösen der Bücher bestreiten. Er zahlte deshalb weder das geliehene Geld noch die anhängigen Zinsen zurück. Daher verklagte ihn sein Geschäftspartner FUST als Schuldner vor Gericht. Ein Dokument aus den Prozessakten, das vom 6. November 1455 datiert, wurde zur wichtigsten Quelle unseres Wissens über die Geschäftsbeziehungen von GUTENBERG zu FUST und über den Druck der Gutenberg-Bibel. Aus dem Dokument geht zwar nicht eindeutig hervor, wie der Prozess ausging. Sicher ist aber, dass GUTENBERG nach ihm keine kunstvollen Bibeln mehr drucken konnte und sich von großen Teilen seiner Druckerwerkstatt trennen musste.