

Die
Zeit und ihre Quellen
Der Zeitraum von der Besiedlung des alten Griechenlands mit Beginn des 2.
Jahrtausends v. Chr. bis zur beginnenden Kolonisation ab etwa 800 v .
Chr. wird als griechische
Frühzeit bezeichnet.
Über diese Zeit und das Leben der frühen
Griechen wissen Historiker bis zum heutigen Tag nur wenig zu berichten.
Denn es gibt nur wenige Quellen, aus
denen solches Wissen geschöpft werden kann.
Zu den Quellen aus der Frühzeit der Griechern gehören einmal
die Funde bei Ausgrabungen, z. B. die
Reste der Städte Troja und Mykene, die durch den deutschen Forscher
HEINRICH SCHLIEMANN (1822-1890)
in der zweiten Hälfte des 19. Jh. freigelegt wurden.
Neben den Ausgrabungen waren es noch zwei umfangreiche Gedichte bzw. Dichtungen,
die Licht ins Dunkle zu bringen halfen. Es handelte sich dabei um die
als Epen (Heldengedichte, die häufig
Stoffe aus der Sage oder Geschichte behandeln) bezeichneten Dichtungen
Ilias und Odyssee
vom wahrscheinlich bedeutendsten griechischen Dichter des Altertums,
HOMER.
HOMER
Über HOMER (Bild 1) ist nicht
viel bekannt, außer dass er aus Kleinasien stammte und in der zweiten
Hälfte des 8. Jahrhunderts v. Chr. lebte. Im Altertum stellte man
sich ihn als blinden Greis vor, der als fahrender Dichter und Musikant
bei den Zechgelagen des Adels Lieder vortrug.
Über sein Leben gibt es ansonsten keine gesicherten Angaben. Selbst
sein Name ist nicht hinreichend belegt. Über seinen genauen Geburtsort
mutmaßte man schon in der Antike: Der Vers eines antiken Gedichts
zählt allein 7 Städte als Geburtsorte des Dichters auf, wobei
Smyrna (das heutige Izmir an der türkischen Ägäisküste)
oder die Insel Chios am wahrscheinlichsten sind.
Ilias und Odyssee
Beide Dichtungen wurden erst nach der Wiederentdeckung der Schrift im
8. Jahrhundert v. Chr. niedergeschrieben.
Darüber hinaus ist die Frage, ob beide Epen wirklich allein von HOMER
bzw. überhaupt in allen Teilen von ein und demselben Verfasser oder
doch eher von zwei verschiedenen Verfassern stammen, bis heute nicht zweifelsfrei
geklärt. Sie wird nach wie vor als sogenannte "homerische
Frage" diskutiert.
Die Ursprünge der Epen gehen weit zurück in Zeiten, in denen
die Griechen noch nicht schreiben konnten. Sie dürften deshalb von
Generation zu Generation mündlich von fahrenden Sängern weitergegeben
worden sein, wobei jeder der Sänger den überkommenen Versen
eigene Zeilen beigefügt haben mag.
Die Ilias ist dem Krieg der mykenischen
Griechen gegen die von König PRIAMOS regierte Stadt Troja um 1200
v. Chr. (Trojanischer Krieg)
gewidmet. In der Ilias wird berichtet:
Am Anfang des Krieges stand ein Streit der
griechischen Götter. Alle Götter und Göttinnen außer
der Streitgöttin waren zu einer Hochzeit geladen. Die Streitgöttin
erscheint ungeladen und wirft einen Apfel in die festliche Runde, den
die Schönste der anwesenden Göttinnen erhalten soll: Hera, die
Gattin des Zeus, Athene, die Göttin der Weisheit, oder Aphrodite,
die Liebesgöttin.
Erwartungsgemäß hebt ein heftiger Streit der Göttinnen
an. Um diesen zu schlichten, bestimmt Göttervater Zeus, dass der
trojanische Königssohn Paris über
die Vergabe des Apfels entscheiden soll. Das "Urteil
des Paris" spricht Aphrodite den Apfel zu. Sie verspricht
ihm dafür die schönste Frau der Welt zur Gattin.
Diese Schönste ist Helena, die
mit Menelaos, dem König von Sparta, verheiratet ist. Paris verliebt
sich dennoch in sie und entführt sie nach Troja. Daraufhin verlangen
die Griechen die Herausgabe von Helena, die ihnen aber verweigert wird. Agamemnon, der Bruder des Menelaos
und König von Mykene, versammelt deshalb ein griechisches Heer mit
berühmten Helden, wie Achilles, Ajax, oder Odysseus, dem König
von Ithaka, und zieht vor Troja.
Die Belagerung Trojas durch das griechische
Heer dauert zehn Jahre. Im zehnten Jahr streiten Agamemnon und Achilles
um eine Sklavin. Der unterlegene Achilles beteiligt sich danach nicht
mehr am Kampf. Von hier an schildert dann die Ilias den Kampf bis zum
Tod des trojanischen Prinzen Hektor.
Aus der Odyssee erfahren wir
das Ende des Krieges: Auf Vorschlag des listenreichen Odysseus verbergen
sich in einem hölzernen Pferd die gewaltigsten Krieger Griechenlands.
Als die Trojaner das Trojanische
Pferd hinter die Stadtmauer ziehen, ist der Krieg entschieden. Troja
wird erobert und dem Erdboden gleichgemacht.
Die Odyssee beschreibt dann weiter die leidensvolle Heimfahrt des Odysseus nach dem siegreichen Krieg, die so lange wie der Krieg selbst dauerte:
Die Götter, die mit Troja sympathisiert hatten, leiten sein Schiff
in die Irre und lassen ihn die gefährlichsten Abenteuer und Prüfungen,
z. B. im Kampf mit einäugigen Riesen, den Zyklopen, bestehen,
ehe er seine Heimat wieder sieht. Erst nach zehn langen Jahren enden die Irrfahrten des Odysseus.
HOMER und die Geschichte
Die Epen vom Trojanischen Krieg und der Heimfahrt des Odysseus galten
lange Zeit gänzlich als märchenhafte
Erfindungen von HOMER. Als jedoch Ausgrabungen deutscher und englischer
Altertumsforscher, z. B. die erwähnten von Troja und Mykene, manche
Verszeile HOMERS bestätigten, änderte sich das grundlegend.
Im ausgehenden 19. Jh. gingen manche Archäologen sogar von der absoluten
Richtigkeit und der historischen Verbürgtheit der Ilias und Odyssee
aus. Sie trachteten folglich danach, mit neuen umfangreichen Grabungen
die wahre "homerische Welt" wiederzuentdecken. Dass das seinerzeit zu zahlreichen Missdeutungen und
falschen Erklärungen führen musste, liegt auf der Hand.
Heute hat sich die realistischere Auffassung durchgesetzt, dass man, allerdings mit der gebotenen Vorsicht,
aus den Epen unzweifelhaft viele Einsichten darüber gewinnen kann,
wie die Griechen in der griechischen Frühzeit gelebt, gekämpft
und wie sie sich vergnügt haben.
So erfahren wir beispielsweise aus den Epen, dass Brot und Fleisch gegessen,
Käse hergestellt und mit Wasser vermischter Wein getrunken wurde.
Und wir können auch erfahren, dass in Verbindung mit religiösen
Praktiken bereits Drogen, denen magische Heilkräfte zugesprochen
wurden, bekannt waren und angewendet wurden.
