Die Stadt Jericho liegt 10 km nordwestlich der heutigen Mündung des Jordan in das Tote Meer. Am Stadtrand Jerichos erhebt sich der Tell es-Sultan, der 20 m hohe Ruinenhügel des prähistorischen Jericho. Der Tell (arab.: Hügel) von Jericho enthält unter anderem die Überreste einer der neben dem türkischen Catal Hüyük ältesten städtischen Siedlungen der Welt. Der Tell wuchs dadurch auf seine stattliche Höhe, dass die dortige Siedlung, die im Laufe der Jahrtausende immer wieder zerstört und zeitweise aufgegeben wurde, dennoch immer wieder auf demselben Siedlungsplatz und über den Resten der Vorgängersiedlungen neu errichtet wurde. Die ältesten Siedlungsschichten Jerichos sind ca. 11000 Jahre alt.
Geografie:
Die geografische
und topografische Lage Jerichos war für die frühgeschichtlichen
Menschen von einmaliger Qualität. Der Ort liegt im
Jordangraben auf einem Niveau von -250 m. Das garantiert
die ständiges Pflanzenwachstum erlauben. Jerichos Umgebung im Jordangraben ist zwar eine extrem aride (trockene) Wüste, da die Berge von Judäa den Regen bringenden Westwind abfangen. Der klimatisch bedingte Wassermangel der Umgebung wird aber lokal durch Fluss- und Quellwasser ausgeglichen. So sind die Voraussetzungen für Oasenlandwirtschaft mit höchsten Erträgen gegeben. Dafür sorgte in frühgeschichtlicher und historischer Zeit der Jordan. Er durchfloss als bis zur nach 1984 von Israel unterhalb des Sees Genezareth vorgenommenen Abflussregulierung als ganzjährig wasserführender Fremdlingsfluss seine Jericho fast berührende Flussoase. Jericho selbst erhält Bewässerungs- und Trinkwasser aus der am Tell es Sultan gelegenen Quelle. Sie wird nach einem alttestamentlichen Propheten Elisa Quelle genannt und ist so produktiv, dass hier die wasserreichste natürliche Oase des Vorderen Orients entstehen konnte.
Das
neolithische Jericho
Jericho gehört zu den ältesten
Fundplätzen der Jungsteinzeit (Neolithikum) und ist daher von großer urgeschichtlicher Bedeutung. Bereits im 8. Jahrtausend v. Chr. begannen
Jerichos steinzeitliche Bewohner damit, ihre Siedlung stadtähnlich auszustatten. Um die für ihre neu errichte Dauersiedlung lebenswichtige Quelle
zu schützen, errichteten sie eine steinzeitliche Befestigung. Das beeindruckendste
Relikt des ältesten neolithischen Jericho ist ein 13 m hoher fester Steinturm
mit einem kreisförmigen Querschnitt von 10 m Durchmesser. Der Turm wurde
aus mächtigen kaum bearbeiteten Felssteinen ohne Mörtel errichtet und
diente als Wachtturm und zur Verteidigung. Zusätzlich erhielt die Siedlung
eine 3 m mächtige Steinmauer
und einen vorgelagerten Verteidigungsgraben. Die steinzeitlichen Fortifikationen
lassen erkennen, dass der für die Geschichte des gesamten Vorderen Orient
prägende Konflikt zwischen sesshaften Vertretern von Hochkultur auf der einen
und nomadisierenden Gruppen schon in frühester Zeit aufgebrochen ist und
zu starken Spannungen und Konfrontationen führte.
Die frühe "Stadt"
Jericho hatte bis zu 3000 sesshafte Bewohner.
Sie besaßen Hunde als Haustiere und vielleicht auch domestizierte
Schafe, sicher aber schon domestizierte
Ziegen. Sie begannen auch schon - zunächst aber eher noch versuchsweise
- den Ackerbau zu entwickeln.
Vermutlich bot ihnen die Quelloase und die nahe natürliche Flussoase
des Jordan zunächst eine ausreichende Versorgungsbasis für ihren Bedarf
an pflanzlicher Kost. Ihre Speisezettel bereicherte zunächst noch sehr stark
das Fleisch auf der Jagd erlegter wilder Tiere wie Gazellen, Rinder und Schweine.
Die Einwohner lebten in festen runden Hütten
und Häusern aus natürlichen bestenfalls grob bearbeiteten Steinen.
Diese Behausungen erinnerten noch sehr stark an ihre Vorbilder, die ebenfalls
runden und fellbespannten Zelte der umherstreifenden steinzeitlichen Jäger
und Sammler. Jerichos Bewohner kannten die Verwendung Ton und Lehm als Werkstoff,
stellten aber daraus noch keine Gebrauchskeramik her. Bemerkenswert ist vor allem die Verwendung des Werkstoffs Gips zu religiösen
Zwecken.
Ihre Religion kannte offensichtlich
den Glauben an ein Leben nach dem Tod und frönte einer nicht näher bekannten
Variante des Ahnenkults. Dementsprechend
präparierten sie die Schädel ihrer Toten. Sie trugen Gips auf die Schädelknochen
auf. Damit rekonstruierten sie die Gesichtszüge der gerade Verstorbenen so
lebensecht wie möglich. In die lehmgefüllten Augenhöhlen setzte
man in Jericho als Augapfelimitationen Muschelschalen aus dem Jordan. Den Gips
bemalte man mit hautähnlichen Farbtönen. Die präparierten Ahnenschädel bestattete man unter den Fußböden
der Häuser. Unter dem Lehmboden eines der Häuser wurden allein 8 dieser Mumienschädel entdeckt.
Die britische Archäologin KATHLEEN KENYON, die die Ausgrabungen in Jericho nach dem Zweiten Weltkrieg leitete, hielt es durchaus für legitim, den neolithischen Ort Jericho schon als Stadt anzusprechen. Immerhin erfüllte die Steinzeitsiedlung einige Merkmale von Städten.
Ohne eine anerkannte, mächtige und zu effektiver Organisation fähige Hierarchie hätten keine - für die Entwicklungsstufe beispiellosen - Pläne zur Befestigung Jerichos entwickelt und schließlich auch realisiert werden können. Eine derartige Hierarchie war auch nötig, um die Verteilung des lebenswichtigen Quellwassers zu regulieren und eine geordnete Bewässerung zu ermöglichen.
Trotz seiner Befestigung
wurde bereits das frühe Jericho zweimal erobert
und zerstört.
Die erste steinzeitliche
Erobererwelle, die den Ort um 7000 v. Chr. übernahm, führte eine architektonische Innovation ein:
Nachdem
Jericho 150 Jahre unbesiedelt blieb, wurde es 1400 und 1325 v. Chr. in einem kleinen unbefestigten Dorf wieder
besiedelt. Zur Zeit der israelitischen Landnahme (13.-12. Jh. v. Chr.)
war Jericho unbesiedelt. Die Israeliten bauten die Stadt unter König
AHAB in der Mitte des 9. Jh. weiter aus. Unter König
JOSIA kam Jericho zum Reich Juda.
Das westlich hiervon gelegene hellenistisch-römische Jericho wurde von HERODES DEM
GROSSEN im Jüdischen Krieg 68 n. Chr. von den Römern erobert.
Es bestand als byzantinische Stadt und Bischofssitz bis zur arabischen Eroberung
im 7. Jh. Im 6.Jh. endete die Besiedlung.
In hellenistisch-römischer
Zeit wurde die Siedlungsgeschichte im Ortsbereich der heutigen Stadt fortgesetzt.
Westlich der alten Stadt Jericho wurde von den Hasmonäern (Priestergeschlecht
nordwestlich von Jerusalem) eine Palastanlage errichtet, die HERODES DER GROSSE
weiter ausbaute.
Was wurde aus Jericho?
Im 13./12. Jh. v. Chr. wanderten die Israeliten in Jericho ein und fanden den Ort fast verödet vor. Dass sie die Stadt durch
den "Schall der Posaunen von Jericho" einnahmen, ist eine Legende:
Das Alte Testament berichtet,
wie göttliche Posaunen die Mauern von Jericho einstürzen ließen:
"Jericho aber war verschlossen und verwahrt vor den Israeliten, so daß niemand heraus- oder hineinkommen konnte. 6,2 Aber der HERR sprach zu Josua: Sieh, ich habe Jericho samt seinem König und seinen Kriegsleuten in deine Hand gegeben. 6,3 Laß alle Kriegsmänner rings um die Stadt herumgehen einmal, und tu so sechs Tage lang. 6,4 Und laß sieben Priester sieben Posaunen tragen vor der Lade her, und am siebenten Tage zieht siebenmal um die Stadt, und laß die Priester die Posaunen blasen. 6,5 Und wenn man die Posaune bläst und es lange tönt, so soll das ganze Kriegsvolk ein großes Kriegsgeschrei erheben, wenn ihr den Schall der Posaune hört. Dann wird die Stadtmauer einfallen, und das Kriegsvolk soll hinaufsteigen, ein jeder stracks vor sich hin." (DAS BUCH JOSUA, Kapitel 6, Vers 1)
Diese Begebenheit wird im Rahmen der "Landnahme" des Heiligen Landes erzählt. Das Volk der Israeliten war gerade aus der ägyptischen Sklaverei befreit worden und auf der Suche nach dem versprochenen "gelobten Land". Joshua erhält nun einen Auftrag von Gott::
"...zieh über den Jordan, du und dies ganze Volk, in das Land, das ich ihnen, den Israeliten, gegeben habe."