

JOHANNES KEPLER lebte in einer Zeit beginnender wissenschaftlicher
Umbrüche. In der frühen Neuzeit, in der er lebte, hatte NIKOLAUS
KOPERNIKUS (1473-1543) seine Vorstellungen zum heliozentrischen
Weltbild entwickelt. Mikroskop und Fernrohr wurden erfunden. GALILEO
GALILEI (1564-1642) entdeckte die vier nach ihm benannten Jupitermonde,
der Astronom TYCHO BRAHE (1546-1601) führte zahlreiche Sternbeobachtungen
durch. Heftige Auseinandersetzungen gab es um das heliozentrische Weltbild.
Diese Auseinandersetzungen führten 1600 zur Verbrennung von GIORDANO
BRUNO in Rom und zum Inquisitionsverfahren gegen GALILEO
GALILEI.
In der Zeit, in der KEPLER lebte, wurde in England die Ex-Königin
MARIA STUART hingerichtet (1587), die spanische Armada scheiterte bei
ihrem Vorstoß gegen England (1588), der Prager Fenstersturz (1618)
löste in Böhmen einen Aufstand aus, der Dreißigjährige
Krieg begann. In der Kunst und Musik wirkten Personen wie der Dichter
W. SHAKESPEARE, der Baumeister L. BERNINI (Gestaltung des Petersdomes
Rom), der Maler RUBENS und der Komponist MONTEVERDI.
Noch vor Abschluss seiner theologischen Studien wurde
KEPLER nach Graz geschickt, um dort als protestantische Lehrkraft zu wirken.
So wurde er 1594 "Lehrer der Mathematik und Moral" am Gymnasium
in Graz und zugleich Mathematiker der neuen protestantischen Landesregierung.
Damit hatte er die Pflicht, jährlich einen amtlichen Kalender auszuarbeiten,
der auch astronomische Angaben über Sonne, Mond, Planeten und den
Tierkreis, den voraussichtlichen Witterungsablauf und zu erwartende besondere
Ereignisse enthielt. Diese Aufgabe, die auch astronomische Berechnungen
erforderte, hat KEPLER nach eigenen Aussagen endgültig zur Astronomie
und Mathematik hingeführt.
1599 wurde die Steiermark wieder katholisch und KEPLER
musste sich nach einer neuen Beschäftigung umsehen. Er fand sie in
Prag bei dem berühmten Astronomen TYCHO
BRAHE (1546-1601), dessen Mitarbeiter er wurde.
Nach dem Tod von BRAHE war KEPLER als Hofastronom
von Kaiser RUDOLF II. in Prag tätig und führte grundlegende
Untersuchungen zu Planetenbewegungen durch.
Der Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges 1618 hat Leben und
Arbeit von JOHANNES KEPLER wesentlich beeinflusst. So musste er zweimal
lange Reisen in seine Heimatstadt antreten, um seine von den Protestanten
als Hexe angeklagte Mutter vor Folter und Feuertod zu retten.
1628 trat KEPLER in die Dienste des kaiserlichen Feldherrn
WALLENSTEIN, der ihm als Herzog von Mecklenburg eine Professur an der
Universität in Rostock in Aussicht stellte. Ehe er sie antrat, machte
er sich auf eine weite Reihe nach Regensburg, wo der Reichstag versammelt
war und er wegen ausstehender Gehälter vorstellig werden wollte.
Geschwächt durch die Reise, starb JOHANNES KEPLER wenige Tage nach
seiner Ankunft im Alter von 59 Jahren in Regensburg.
Bereits 1594 entstand KEPLERs erstes astronomisches Werk, das unter dem
Titel "Mysterium cosmographicum" (Geheimnis der Weltbeschreibung)
herausgegeben wurde. In diesem recht spekulativem Werk werden die geometrischen
Eigenschaften regulärer Körper mit den Abständen der Planetenbahnen
in Verbindung gebracht und daraus der "göttliche Bauplan
des Universums" entwickelt.
Bei BRAHE beschäftigte sich KEPLER intensiv mit
der Berechung von Planetenbahnen, insbesondere der Berechnung
der Marsbahn. Vor allem ging es darum, die Beobachtungsdaten BRAHEs
mit den Berechnungen in Übereinstimmung zu bringen. Im Ergebnis seiner
mehrjährigen Arbeiten erschien 1609 ein Werk unter dem Titel "Astronomia
nova" (Die neue Astronomie). In diesem Werk ist die bedeutendste
wissenschaftliche Leistung KEPLERs dargestellt: Es sind dort die ersten
beiden Gesetze
der Planetenbewegung formuliert, die wir heute als 1. und 2. keplersches
Gesetz kennen. Der Inhalt der Gesetze ist unter dem Stichwort "Keplersche
Gesetze" ausführlich dargestellt. Während
KEPLER in frühen Werken als Ursache der Planetenbewegung himmlische
Intelligenzen oder Seelenkräfte annahm, geht er jetzt von magnetischen
Kräften aus, die die Sonne ausüben soll. So schreibt er:
"Wenn man anstatt Seele (anima) das Wort Kraft (vis) setzt, hat man genau das Prinzip, worauf die Physik des Himmels ... aufgebaut ist".
Neben Untersuchungen zu Planeten beschäftigte
sich KEPLER auch mit astronomischen Instrumenten. So entwickelte er ein
verbessertes Fernrohr mit zwei Sammellinsen, das wir heute als keplersches
Fernrohr kennen.
1619 erschien das Werk "Die Weltharmonien",
in dem das 3. keplersche Gesetz formuliert war. Um seine grundlegenden
Entdeckungen für die Astronomen nutzbar zu machen, widmete sich KEPLER
in seinen letzten Lebensjahren der Aufgabe, neue astronomische Tafeln
zu berechnen. Der letzte Band der nach seinem Förderer RUDOLF II.
benannten "Rudolfinischen
Tafeln" erschien in seinem Todesjahr.
Von den Gesetzen der Planetenbewegung bis zur Begründung
der Himmelsmechanik war
es noch ein weiter Weg. Die Entdeckungen KEPLERs wurden von der Mehrheit
seiner Fachkollegen keineswegs sofort anerkannt, sondern häufig nur
als Hypothesen angesehen. So hat z. B. GALILEI, der die keplerschen Gesetze
kannte, diese mit keinem Wort erwähnt. Entscheidende Schritte der
Begründung der keplerschen Gesetze ging erst NEWTON (1643-1727) mit der Entdeckung des Gravitationsgesetzes.