
JUSTINIAN I., DER GROSSE (sein römischer Name lautet: FLAVIUS PETRUS SABBATIUS JUSTINIANUS), war zwischen 527 und 565 n. Chr. byzantinischer Kaiser in Doppelherrschaft mit seiner Gattin THEODORA (548). Er wurde 482 n. Chr. in Tauresium (in der Nähe von Skopje) geboren und starb am 11.11. 565 in Konstantinopel.
Justinian
und das Römische Reich
JUSTINIAN erbte von seinem Onkel JUSTIN I. das
römische Kaisertum. Er regierte in der Osthälfte
des Römischen Reiches einen Vielvölkerstaat: Im
Norden siedelten Reste
im Süden und im Osten waren
zuhause. Ihnen gemeinsam war eine hellenistische
Kultur, die auf der Sprache und Kultur Griechenlands fußte.
Obwohl sein Einfluss anfangs nur den östlichen Teil des Römischen
Reiches umfasste, gingen er und seine Vorgänger von der Unteilbarkeit
des Römischen Reiches aus. Erst spätere Historiker führten
den Begriff Byzanz (bzw. Byzantinisches
Reich) ein.
JUSTINIAN I. unterwarf mithilfe THEODORAs den Nikaaufstand einer gemeinsamen Revolte der beiden Zirkusparteien von Konstantinopel,
der "Grünen" und der "Blauen", vom 11. bis 18.1.
532 gegen die kaiserliche Zentralgewalt JUSTINIANs I. Kaiserin THEODORA
schlug mithilfe der Feldherren BELISAR und NARSES den Aufstand blutig
nieder, in dessen Verlauf u.a. der erste Bau der Hagia Sophia in Flammen
aufging.
JUSTINIAN war bestrebt, das
westliche Teilreich, das in jahrelangen Kämpfen an germanische
Stämme gefallen war, wieder in das Römische Reich einzugliedern.
Er eroberte durch seine Feldherren BELISAR und NARSES einen großen
Teil des heutigen Spanien. Die Ostgoten in Italien konnten dem Ansturm
der oströmischen Truppen jedoch noch 20 Jahre standhalten.
533 zog seine Armee gegen das Königreich der Wandalen in Nordafrika
und eroberte es 534. Mit Ausnahme von Gallien und Nordspanien gelangte
so Westrom wieder unter den Einfluss
des römischen Kaisertums.
Reform
von Staat und Kirche
JUSTINIAN I. begründete die Verflechtung von
im Byzantinischen Reich. Im Kampf gegen das Heidentum schloss er 529
die Athener Philosophenschule. Kirchenpolitisch suchte er den Ausgleich
mit den Monophysiten (Konzil 553). Er ließ von 532 bis 537 die Hagia
Sophia als Krönungskirche der oströmischen
Kaiser neu erbauen und gab dem Rechtsleben eine feste Grundlage
durch das Corpus Iuris
Civilis.
Das Corpus Iuris Civilis ist eine mit Gesetzeskraft ausgestattete Sammlung
des römischen Rechts, die Kaiser JUSTINIAN I. 528-542 zusammenstellen
ließ. Sie umfasst:
Das Corpus Iuris Civilis fasste zunächst ältere Gesetze zusammen:
Später (bis 534 n. Chr.) wurden hinzugefügt:
Das Corpus Iuris Civilis wurde im Mittelalter durch
die Rechtsschulen der Glossatoren und Kommentatoren bearbeitet und gelangte in
dieser Form auch in Deutschland zur Geltung (Rezeption). Als "Gemeines Recht"
galt es teilweise bis zum In-Kraft-Treten des BGB (1900).
Mit dem "Corpus Iuris Civilis" wurde die Rechtspolitik unter
Kaiser KONSTANTIN DEM GROSSEN fortgeführt, der ein Gesetz (codex
Theodosianus) erließ, die z. B. Homosexualität im Römischen Reich unter Strafe stellte. JUSTINIAN forderte für diesen Strafbestand den Tod durch das Schwert:
Novelle 77:".. das Laster sei eine Eingebung des Teufels, von der Jeder ablassen solle, damit nicht Gott das gesamte Volk deswegen strafe; denn wegen solcher Laster käme Hungersnot und Seuchen. Wer in dieser lasterhaften Gewohnheit verharre, solle getötet werden, damit nicht der Staat (durch göttliche Rache) Schaden erleide."
Dieses Gesetz wirkte durch das Mittelalter sogar noch bis in die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts nach.