
Ausbildung und politisches Engagement
JUSTUS FREIHERR VON
LIEBIG wurde am 12. Mai
1803 in Darmstadt als Sohn eines Drogisten geboren. In den Jahren 1817
und 1818 war er als Lehrling bei einem Apotheker in Heppenheim. 1820 begann
er an der Universität in Bonn bei KASTNER sein Chemiestudium und
folgte ihm noch im gleichen Jahr nach Erlangen.
Als Mitglied einer verbotenen Burschenschaft und wegen seiner Teilnahme
an Studentenunruhen musste er im März 1822 sein Studium abbrechen.
Noch im gleichen Jahr kehrte er nach Darmstadt zurück, wo er sich
wiederum politisch betätigte. Er bekam Stadtarrest. Doch noch im
gleichen Jahr erhielt er durch ein großherzogliches Stipendium die
Möglichkeit, sein Studium in Paris fortzusetzen. Hier besuchte er
Vorlesungen bei DULONG, THENARD, GAY-LUSSAC und DESORMES. Er begann auch
mit seinen Forschungen und beschäftigte sich mit den Eigenschaften
von Knallquecksilber und den Salzen der Knallsäure.
Forschung in Paris und Rückkehr nach Deutschland
1823 trug GAY-LUSSAC die Ergebnissevon LIEBIGS Arbeiten an der französischen
Akademie der Wissenschaften vor. Unter den Zuhörern befand sich auch
HUMBOLDT, der JUSTUS FREIHERR VON LIEBIG persönlich mit GAY-LUSSAC
bekannt machte. GAY-LUSSAC nahm LIEBIG mit in sein Labor, wo er seine
Arbeiten über die Knallsäureverbindungen abschloss. Noch während
seiner Pariser Zeit wurde LIEBIG für seine Ergebnisse bei der Untersuchung
von Knallsäure von der Universität Erlangen zum Doktor phil.
ernannt.
1824 wurde LIEBIG auf Empfehlung von HUMBOLDTS als außerordentlicher
Professor an die Universität Gießen berufen. Hier richtete
er sein Labor im Waschraum einer alten Kaserne ein. Später sollte
dieses Labor weltbekannt werden. Ein Jahr später folgte die Berufung
zum ordentlichen Professor. Im gleichen Jahr begann er mit der Entwicklung
seines Planes für ein chemisch-pharmazeutisches Institut. Dabei orientierte
er sich am trommsdorffschen Vorbild in Erfurt. 1826 konnte er seinen Plan
als Privatunternehmen der Proff LIEBIG, Wernekinck und Umpfenbach verwirklichen.
JUSTUS FREIHERR VON LIEBIG zählte in Deutschland zu den ersten Chemikern,
die das chemische Praktikum als Ergänzung zur Experimentalvorlesung
in die Ausbildung einführten. Er selbst bildete dabei viele später
berühmt gewordene Chemiker aus, darunter auch STRECKER, HOFMANN,
KEKULÉ u.a.
Quantitative Analyse an verschiedenen Stoffen
1826 konnten LIEBIG und WÖHLER ihren Streit beilegen, und zwar mit
der Erkenntnis, das WÖHLERS Silbercyanat und LIEBIGS Knallsilber
die gleiche quantitative Zusammensetzung haben. Zwischen WÖHLER und
LIEBIG war das der Beginn einer lebenslangen, tiefen Freundschaft.
LIEBIG führte Versuche an Harnsäure, Kampfer, Kampfersäure,
Hippursäure und anderen Stoffen durch. Dabei stieß er auf viel
Grenzen und erkannte, wie unzureichend die damaligen analytischen Apparaturen
waren. Damit war sein Forschergeist geweckt, und er suchte nach Möglichkeiten,
die Apparaturen effektiver zu gestalten. 1831 gelang ihm die Entwicklung
des Fünf-Kugel-Apparates
für die quantitative Analyse. Später wurde das als die liebigsche
Elementaranalyse bezeichnet. Mit diesem Apparat konnte er die Zusammensetzung
verschiedener Stoffe klären, darunter Silicium, Koniin und Coffein.
LIEBIG und WÖHLER begründen die Radikaltheorie
1932 beschäftigte sich LIEBIG vorwiegend mit Alkohol und Chlor und
ihrer Umsetzung zu Chloral und Chloroform. Gemeinsam mit WÖHLER untersuchte
er das Öl der Bittermandel (Benzaldehyd) sowie seine Umsetzung zu
Benzolsäure. Diese Untersuchungen bildeten schließlich die
Grundlage für die Radikaltheorie der organischen Chemie, die von
LIEBIG und Wöhler begründet wurde. Im gleichen Jahr wurde LIEBIG
zum Mitherausgeber der "Annalen für Chemie
und Pharmazie", dem früheren "Geigers
Magazin für Pharmazie".
Inzwischen war man auch im Ausland auf die Arbeit LIEBIGS aufmerksam
geworden, und so erhielt er 1837 eine Einladung zur Versammlung der British
Association for the Advancement of Science in Liverpool. Die Reise nach
England nutzte LIEBIG, um gleichzeitig eine Rundreise durch England und
Irland zu unternehmen. Dabei besuchte er auch zahlreiche chemische Fabriken.
LIEBIGS Agrikulturchemie
Durch die British Association for the Advancement of Science erhielt LIEBIG
die Anregung, einen Bericht über den aktuellen Stand der organischen
Chemie und der Analytik zu verfassen. 1840 erschien dann seine Arbeit
"Die organische Chemie und ihre Anwendung auf
Agricultur und Physiologie", eine erweiterte Fassung folgte
1862. Mit diesem Werk schuf LIEBIG die Grundlage für die Agrikulturchemie.
Doch damit nicht genug. Ebenfalls 1840 beschrieb LIEBIG erstmals den Gedanken
eines Kohlenstoffkreislaufs
in der Natur. Auch erkannte er das Gesetz
des Minimums. Das bedeutet nichts anderes, als dass der Ertrag
von dem Nährstoff bestimmt wird, der in der kleinsten Menge vorhanden
ist. Im Folgenden versuchte er dem Nährstoffmangel entgegenzuwirken.
Hierzu stellte er eine Mischung aus verschiedenen, schwer löslichen
Salzen zusammen, die sich jedoch als wenig wirksam erwies. Später
erkannte er, dass leicht lösliche Salze aus der Erdkruste nicht ausgewaschen
werden, und konnte so einen wirksamen künstlichen
Dünger herstellen.
1842 unternahm er den ersten Versuch, mit der Veröffentlichung des
Beitrags "Organische Chemie und ihre Anwendung
auf Physiologie und Pathologie" eine naturwissenschaftliche
Grundlage für die Medizin zu schaffen.
LIEBIG und die Nahrungsmittelchemie
Im Folgenden wendet sich LIEBIG der Zubereitung von Fleisch und Fleischbrühe
zu. Aus diesen Erkenntnissen entwickelte er 1847 ein Fleischextrakt,
bekannt geworden als LIEBIGS Fleischextrakt. PETTENKOFER empfahl es schließlich
als Stärkungs- und Anregungsmittel. Der englische Ingenieur GILBERT,
der in Uruguay eine neue Heimat gefunden hatte, legte mit Zustimmung LIEBIGS
diese Erkenntnisse über das Fleischextrakt schriftlich nieder. Damit
schuf er die Grundlage dafür, dass die in Südamerika gehaltenen
Kühe und Schafe nicht mehr nur als Fell- und Fettlieferanten gehalten
wurden. Auch das Fleisch der Tiere fand seine Verwertung.
1852 wurde LIEBIG nach München berufen, wo er bis zu seinem Tod
am 18. April 1873 lebte. Auch hier stand die Lösung praktischer Probleme
im Vordergrund seiner Arbeit. So bemühte er sich um die Entsäuerung
des Roggenbrotes und machte sich um die Herstellung von Backpulver
und Säuglingsnahrung
verdient.
LIEBIG führte Gährungsprozesse allein auf Fermente zurück
und widersprach damit PASTEURS Theorie der bakteriellen Gärung von
1860. Erst 1897 gelang es BUCHNER, beide Theorien zusammenzuführen.
Wissenschaftliche Leistungen