
KARL I., DER GROSSE, (lateinisch Carolus Magnus, französisch Charlemagne) war
Er war Sohn PIPPINs III., DES JÜNGEREN, und der BERTHA (BERTRADA), 1).
KARL DER GROSSE war mit einer Langobardin (Desiderata?) verheiratet, 771 vermählte er sich mit der Alemannin HILDEGARD (vier Söhne, fünf Töchter), 783 mit der Fränkin FASTRADA (zwei Töchter), 4) und 796 mit der Alemannin LIUTGARD. Außerdem hatte er aus sechs Friedelehen noch sieben Kinder.
Karl
als König
KARL übernahm 768 die Regentschaft
im Frankenreich zusammen mit seinem Bruder KARLmann, nach dessen Tod (771) regierte
er allein. Der erfolgreiche Krieg gegen die Langobarden 773/774 brachte ihm den
Titel "König der Langobarden" (774)
ein. Der Kampf gegen das arabische Spanien (778) führte zur Errichtung der
Spanischen Mark. 781 setzte KARL seinen zweiten Sohn PIPPIN als König in
Italien ein. Im gleichen Jahr gab er das Königreich Aquitanien, das er wieder
mit dem Reich verband, seinem Sohn LUDWIG DEM FROMMEN.
Sachsenkriege
Die Kriege mit den Sachsen (772-804) waren die größte militärisch-politische Kraftanstrengung
des Frankenreiches unter KARL. 772 drang er in Sachsen ein, eroberte die Eresburg
und zerstörte das Heiligtum Irminsul. Nach einem Gegenschlag der Sachsen
774 gegen Fritzlar rüstete er zur Unterwerfung des Volkes, die in zwei Feldzügen
(775/776) erreicht schien. Als aber 782 ein gegen die Slawen gesandtes fränkisches
Heer von den Sachsen am Süntel vernichtet worden war und KARL eine große
Zahl sächsischer Geiseln bei Verden hatte hinrichten lassen, kam es zu einem
allgemeinen Aufstand unter Führung des Widukind. Nach zwei fränkischen
Siegen (783) brach der Aufstand zusammen (Taufe WIDUKINDs 785), ebenso die Aufstände von 792 und 804. Das Ergebnis war die Unterwerfung
und Christianisierung der Sachsen und ihre völlige Eingliederung in das Fränkische
Reich.
Ende der Agilofingerherrschaft
in Bayern
Die Bayern waren Mitte des 6. Jh. in merowingische Abhängigkeit
geaten und die merowingischen Herrscher hatten einen eigenen Herzog aus dem Geschlecht
der Agilofinger eingesetzt. 757 hatte
hatte sich Herzog TASSILO III. unabhängig gemacht: Er verweigerte deem König
die gefolgschaft. KARL nahm ihn 788 gefangen und vereinigte Bayern wieder mit
dem Reich. Zur Sicherung der Ostgrenze unterwarf KARL in mehreren Feldzügen
(791, 795, 803)
Mit dem nördlichsten Slawenstamm, den Abodriten, hatte er bereits in der
Zeit der Sachsenkriege ein Bündnis geschlossen, das erst 817, nach seinem
Tod, zerbrach. Im Osten und Norden sicherte er die Grenzen durch die Befriedung
der Dänen; nach dem Tod König GÖTTRIKs (810), der zur Abwehr
der Franken das Danewerk errichtet hatte, schloss KARL mit dessen Nachfolger HEMMING
einen Frieden (811).
Grenzsicherung
Die Grenzen sicherte er durch Einrichtung von Marken. Mit der Beseitigung selbstständiger
Herzogtümer und Stammesstaaten verband KARL die Einführung der Grafschaftsverfassung.
Von seiner Tätigkeit als Gesetzgeber zeugen die Kapitularien; er ließ
die Volksrechte der einzelnen Stämme aufzeichnen. Zur Aufsicht über
die örtlichen Beamten (Grafen, Bischöfe) bestellte er Königsboten,
die jährlich die Bezirke des Reiches bereisten.
Kulturelle
Erneuerung
KARL war für jede Art der Bildung aufgeschlossen, sprach
Latein und verstand Griechisch. Die kulturelle
Erneuerung förderte er durch die Heranziehung berühmter Gelehrter.
Das Haupt der Akademie am Hof KARLs war ALKUIN; neben ihm wirkten u.a. der langobardische
Geschichtsschreiber PAULUS DIACONUS, KARLs Biograf EINHARD, die Theologen THEODULF
und PAULINUS von Aquileja, der irische Gelehrte DUNGAL. Durch Zurückgreifen
auf die Werke der Antike belebte KARL deren Kenntnis (karolingische
Renaissance), auch bei seiner Bautätigkeit hielt er sich an die Vorbilder
des Altertums. Daneben ließ er aber auch die alten germanischen Heldenlieder
aufzeichnen.
Kaiserkrönung
Der europäischen Vormachtstellung als König
eines fränkischen Großreiches, das die Staaten der Völkerwanderungszeit
abgelöst und das Christentum weit nach Norden und Osten verbreitet hatte,
war sich KARL sehr wohl bewusst, ohne jedoch selbst den Kaisertitel
anzustreben. Diesen legte ihm durch Akklamation am 25.12. 800 erst Papst LEO III.
in Rom zu, nachdem er die Entwicklung zuvor gefördert hatte. Dieses neu erstandene
Kaisertum des Westens wurde erst 812 von Byzanz anerkannt.
KARL starb am 28.1. 814 in Aachen. Er wurde in der Aachener Pfalzkapelle
beigesetzt. Seit 1215 ruhen die Gebeine im KARLsschrein.
Bedeutung
KARL gilt als eine der größten europäischen Herrscherpersönlichkeiten.
Durch seine politische Konzeption, der Verschmelzung
hat er die geschichtliche Entwicklung Europas maßgeblich bestimmt. Kaiser Friedrich I. Barbarossa ließ KARL 1165 heiligsprechen.Das Mittelalter sah in KARL das Ideal des christlichen Herrschers, dessen Züge in Sage und Geschichtsschreibung verklärt wurden (Karlssagen). An seine Bedeutung für das Europa der Gegenwart erinnert der Karlsspreis.