
Ein
großer Entdecker wächst heran - Biografisches
CHRISTOPH KOLUMBUS wurde
wahrscheinlich im Jahre 1451 als Sohn
eines Wollwebers im italienischen Genua geboren.
Seine zum traditionellen gewerblichen Mittelstand Italiens gehörende
Familie war sehr fromm und vermittelte ihm neben einem ausgesprochenen Familiensinn
auch Tugenden, wie den Glauben an Fleiß und harte Arbeit sowie Religiosität
und kirchlichen Gehorsam.
KOLUMBUS hat wahrscheinlich nie eine Universität, aber zumindest eine
Schule besucht. Seine Bildung, vor allem seine Kenntnisse
über die Seefahrt, dürfte er sich deshalb im Selbststudium
angeeignet haben. Bei seinen Studien setzte er sich sowohl mit Schriften
antiker als auch mit solchen mittelalterlicher Autoren auseinander. Die
höchste Autorität stellten für den tief religiösen Menschen
aber die Bibel und kirchliche Schriften dar, die er nie in Zweifel zog.
Im Alter von 22 Jahren ging KOLUMBUS nach
Lissabon und nahm erstmals an Hochseereisen nach Afrika und Nordeuropa
teil. In Portugal lernte er auch
seine spätere Frau aus wohlhabender Familie kennen, durch die er
nicht nur zu Ansehen gelangte. Die Bibliothek seines Schwiegervaters ermöglicht
ihm auch die Vertiefung seiner Studien.
Großen Einfluss übten auf ihn der berühmte Astronom und
Geograf TOSCANELLI und über diesen
MARCO POLO aus.
TOSCANELLI hatte dem portugiesischen
König anhand einer Karte schon
vor Jahren die Möglichkeit einer Westfahrt
nach Asien vorgestellt. An MARCO POLO
beeindruckten ihn dessen Reisebeschreibungen
über China und Japan so sehr,
dass für ihn eine Reise dorthin feststand.
Anders als POLO wollte er aber angesichts der Kugelgestalt
der Erde, einer Auffassung, von der er fest überzeugt war, beide
Länder von Westen her erreichen. Diese Auffassung, die schon seit
den antiken griechischen Gelehrten ERATOSTHENES und ARISTOTELES außer
Zweifel stand, teilte er mit gebildeten Zeitgenossen. So schrieb er an
den Rand eines Exemplars einer Weltgeografie: "Die
Welt ist rund und kugelförmig."
KOLUMBUS hat für die Unterstützung bzw. Verwirklichung seiner
Pläne an vielen Höfen Europas geworben, auch beim portugiesischen
König. Bei dem stieß das Vorhaben aber nicht auf Gegenliebe.
Deshalb wandte er sich schließlich an das spanische
Königshaus. Das hatte allerdings erst nach Abschluss der Reconquista,
der Rückeroberung Spaniens von den Mauren, und der Einigung des Reiches
für solche Vorhaben den Kopf frei und stimmte
dann zu.
Die Reisen des KOLUMBUS
Erste
Entdeckungsreise
Nach längeren Verhandlungen erhielt KOLUMBUS vom spanischen Königshaus
den Auftrag, eine Expedition nach Ostasien vorzubereiten. Das war mit
den Zusagen verbunden, dass er die Großadmiralswürde erhält,
Vizekönig und Gouverneur aller Inseln und Festlande wird, die er
für die spanische Krone in Besitz nimmt, und schließlich eine
Gewinnbeteiligung von 10 % bekommt.
Am 3. August 1492 stach KOLUMBUS mit
drei Schiffen von der spanischen Hafenstadt Palos aus nach Westen in See.
Die Karavelle "Santa Maria"
war sein Flaggschiff. Auf ihr, der "Pinta" und der "Niña"
begleiteten ihn 90 Mann Besatzung.
Landung in "Westindien"
Nach einem Zwischenaufenthalt auf den Kanarischen Inseln sichtete am 12.
Oktober 1492 ein Matrose Land: die Insel Guanahani der Bahamainseln,
die er als Erster betrat, sofort in San Salvador umtaufte und für
Spanien in Besitz nahm. Über die Landung auf den Bahamas gab KOLUMBUS
im Schiffstagebuch folgenden Bericht:
"Da die Karavelle Pinta schneller war als die anderen beiden Schiffe und mir vorgefahren war, so entdeckte man an Bord der Pinta zuerst das Land und gab auch die angeordneten Signale.
Als erster erspähte dieses Land ein Matrose, der Rodrigo da Triana hieß, wiewohl ich um zehn Uhr nachts vom Aufbau des Hinterschiffes ein Signal bemerkt hatte ...
Nachdem ich meine Beobachtungen gemeldet hatte, sah man das Licht ein-, zweimal aufscheinen; es sah so aus, als würde man eine kleine Wachskerze auf und nieder bewegen, was wohl in den Augen der wenigsten als Anzeichen nahen Landes gegolten hätte - allein ich war fest davon überzeugt, mich in der Nähe des Landes zu befinden ...
Um zwei Uhr morgens kam das Land in Sicht, von dem wir etwa acht Seemeilen entfernt waren. Wir holten alle Segel ein und fuhren nur mit einem Großsegel ...
Dann lagen wir bei und warteten bis zum Anbruch des Tages, der ein Freitag war, an welchem wir zu einer Insel gelangten, die in der Indianersprache Guanahani heißt.
Dort erblickten wir allsogleich nackte Eingeborene. Ich begab mich, begleitet von Martin Alonso Pizón und dessen Bruder Vicente Yáñez, dem Kapitän der Niña, an Bord eines mit Waffen versehenen Bootes an Land.
Dort entfaltete ich die königliche Flagge ...
Ich rief die beiden Kapitäne und auch die anderen, die an Land gegangen waren ... zu mir und sagte ihnen, durch ihre persönliche Gegenwart als Augenzeugen davon Kenntnis zu nehmen, dass ich im Namen des Königs und der Königin, meiner Herren, von der ernannten Insel Besitz ergreife ...
Sofort sammelten sich an jener Stelle zahlreiche Eingeborene der Insel an. In der Erkenntnis, daß es sich um Leute handelt, die man weit besser durch Liebe als mit dem Schwert retten und zu unserem Heiligen Glauben bekehren könne, gedachte ich sie mir zu Freunden zu machen und schenkte also einigen von ihnen rote Kappen und Halsketten aus Glas und noch andere Kleinigkeiten von geringem Werte, worüber sie sich freuten."
Von San Salvador aus kreuzte dann die kleine Flotte von KOLUMBUS monatelang
auf der Suche nach Gold von Insel zu Insel. Im Oktober wurde Kuba
und im Dezember 1492 die Insel Hispaniola,
beides Inseln der Großen Antillen, entdeckt. An der Nordküste
Hispaniolas erlitt die "Santa Maria" Schiffbruch. KOLUMBUS kehrte
mit den beiden anderen Schiffen nach Spanien zurück.
Er kehrte in seine Wahlheimat im festen Bewusstsein
zurück, sich in der Nähe von "Indien" befunden
und Westindien entdeckt
zu haben. An diesen Irrtum des großen Entdeckers erinnert
z. B. heute noch die Bezeichnung "Westindische Inseln" für
den karibischen Inselbogen Mittelamerikas, der sich von der Orinocomündung
in Südamerika bis zur Halbinsel Florida erstreckt.
Weitere Expeditionsreisen
KOLUMBUS erhielt vom spanischen Königspaar bald nach seiner Rückkehr
den Auftrag zu einer zweiten Reise, die er 1493 antrat. Mit 17 Schiffen und über 1200 Menschen an Bord
verließ er Spanien. Angesichts des Berichts über seine erste
Reise, der von friedlichen Eingeborenen erzählte und reiche Goldfunde
in Aussicht stellte, sollte KOLUMBUS im Auftrage des Königshauses
die Insel Hispaniola erkunden
und von dort aus weitere Erkundungsfahrten "nach Japan und zum indischen
Festland" unternehmen. KOLUMBUS entdeckte bei diesen Fahrten die
Inseln Puerto Rico und Jamaika.
Nach Streitigkeiten mit den Spaniern auf Hispaniola, die ihm u. a. Machtmissbrauch
und Misswirtschaft vorwarfen, kehrte er 1496 nach Spanien zurück.
Auf seiner dritten Reise, die bis
November 1500 dauerte, betrat KOLUMBUS auf der Höhe der Orinocomündung
und am Golf von Paria erstmals das südamerikanische
Festland.
In Hispaniola fand er die spanische Kolonie in Aufruhr. Nach Anschuldigung
der Siedler wurde KOLUMBUS als Gouverneur abgesetzt, mit seinem Bruder
in Ketten gelegt und nach Spanien zurückgebracht.
Dort konnte er sich wenigstens teilweise rehabilitieren und durfte zu
einer vierten Fahrt aufbrechen. Diese
führte ihn bis an die Küsten der Festlandsbrücke von Mittelamerika. Hier erfasste er auf der
Suche nach einer Durchfahrt nach "Indien" kartografisch die
Küste zwischen der Halbinsel Yukatán und dem an der heutigen
Grenze zwischen Panama und Kolumbien gelegenen Golf von Darién.
Nach seiner Rückkehr und weiteren Zwistigkeiten um die Rechte an
seinen Entdeckungen verbrachte KOLUMBUS seine letzten Lebensjahre verbittert
und tief enttäuscht. Am 20. Mai 1506 starb er in der spanischen Stadt Valladolid.
Fazit
KOLUMBUS blieb bis an sein Lebensende dem Irrtum verhaftet, Indien
erreicht zu haben. Einen neuen Kontinent entdeckt zu haben, das
wurde im nie bewusst.
Selbst der Name dieses Kontinents geht deshalb nicht auf ihn, sondern
auf seinen Landsmann AMERIGO
VESPUCCI zurück. Der aus Florenz stammende Kaufmann und Seefahrer hatte an spanischen Entdeckungsfahrten
teilgenommen und die neu entdeckten Gebiete Mittel- und Südamerikas
als "Neue Welt" bezeichnet.
Als später zwei deutsche Kartografen eine Weltkarte zeichneten,
gaben sie diesen Gebieten den Namen America,
der noch im 15. Jh. für den gesamten Kontinent gebräuchlich
wurde.
Weitere Erkundungsfahrten nach KOLUMBUS machten die gewaltige Ausdehnung
der Festlandsküsten Südamerikas deutlich, sodass sich die Erkenntnis
durchsetzte, dass noch die Entdeckung einer ganzen "Neuen Welt"
bevorstand.