


Wissenschaft
in den Zwanzigerjahren
Nach dem Ersten Weltkrieg wurden in der Wissenschaft
bahnbrechende Entdeckungen gemacht. Die Ideen dafür waren oft bereits
während der Kriegsjahre entstanden,
da die Forscher ihr Land im Krieg durch neue Erfindungen unterstützen
wollten.
In Deutschland geriet die wissenschaftliche
Forschung nach Kriegsende vorübergehend in Schwierigkeiten.
Das lag vor allem daran, dass sich der Staat aus der finanziellen Förderung
von Wissenschaft zurückzog und die wissenschaftlichen Einrichtungen
ihr Finanzkapital während der Inflation
verloren. Außerdem hatte sich Deutschland im Versailler Vertrag
verpflichtet, bestimmte Waffengattungen
nicht mehr zu bauen, sodass daran vorerst auch nicht geforscht wurde.
Ab 1924 engagierte sich die Weimarer Republik jedoch wieder stärker
in der öffentlichen Finanzierung
der Wissenschaft. In den republiktreuen Parteien SPD und DDP war die öffentliche
Finanzierung umstritten, weil viele Hochschulen und Forscher antidemokratisch
gesinnt waren. Die wissenschaftliche Forschung
nahm bis zum Ende der Weimarer Republik einen rasanten Aufschwung, etwa
jeder dritte Nobelpreisträger
kam aus Deutschland, darunter so bekannte Namen wie ALBERT EINSTEIN und
WERNER HEISENBERG.
Auch außerhalb Deutschlands bewegte sich die Forschung ebenfalls
auf einem hohen Niveau. Eine der bedeutendsten wissenschaftlichen Entdeckungen
dieser Zeit war das Penicillin, das auch heute noch gegen viele Krankheiten
erfolgreich eingesetzt wird.
Geschichte des Penicillins
Der britische Bakteriologe ALEXANDER FLEMING entdeckte das Penicillin
1928 per Zufall. Eigentlich betrieb DR. FLEMING zu diesem Zeitpunkt Studien
über verschiedene Krankheitserreger,
unter anderem über das Bakterium Staphylococcus aureus. Zu
seinem Erstaunen war eines Tages eine der angelegten Bakterienkulturen
zersetzt worden. Eine kreisrunde Fläche rings um einen Schimmelfleck
enthielt keine Staphylococcen mehr, während die Bakterien in einem
weiteren Umkreis munter weiter wuchsen.
DR. FLEMING begann sich für dieses Phänomen zu interessieren
und stellte fest, dass der Schimmel zu den Schimmelpilzen
der Penicillium-Familie gehörte und eine Substanz ausschied, die
er Penicillin nannte. Er stellte fest,
dass diese Substanz eine wachstumshindernde (antibiotische) Wirkung besaß
und diese nicht nur auf die Staphylococcen-Bakterien ausübte sondern
auf zahlreiche weitere bakterielle Krankheitserreger. Außerdem zeigte
sich im Tierversuch, dass das Penicillin anscheinend kaum Nebenwirkungen
besaß.
Aus unbekannten Gründen ließ DR. FLEMING jedoch bald von der
weiteren Erforschung des Penicillins ab und widmete sich anderen Forschungsaufgaben.
Das Penicillin geriet bis zu seiner Wiederentdeckung
1938 in Vergessenheit.
Die Technik der Zwanzigerjahre
Auch in der Technik wurden in
den Zwanzigerjahren große Fortschritte gemacht. Viele Ideen die
ursprünglich militärischen Zwecken dienen sollten, wurden jetzt
für zivile Zwecke weiterentwickelt
und zur Marktreife gebracht. Das war vor allem im Flugzeugbau und der Nachrichtenübermittlung der Fall.
Die Firma DORNIER baute zum Beispiel das erste Großflugzeug der Welt, die DO-X.
Das für damalige Zeiten gigantische Flugzeug
konnte 169 Personen befördern und war mit zwölf Motoren ausgestattet.
Wegen der Beschränkungen des Versailler
Vertrages war die DO-X in Altrhein am Bodensee gebaut worden und zwar
auf einem Gebiet, das zur Schweiz gehörte. 1930 startete die DO X
zu einer Weltreise, die sie über
den Atlantik nach New York führte und einen beträchtlichen Imagegewinn für die deutsche Technik brachte. Den ersten Transatlantikflug vollbrachten jedoch andere.
Den Atlantik mit dem Flugzeug
zu überqueren, war eine der größten Herausforderungen
der Nachkriegszeit. Der erste Mensch, dem dies gelang, war der US-Amerikaner
Captain ALBERT C. READ. Er flog 1919
in einem NC-4 Wasserflugzeug der US-Marine namens "Lame Duck"
(Lahme Ente) und fünf Besatzungsmitgliedern von Neufundland nach
Lissabon mit einer Zwischenlandung auf den Azoren.
Die ersten Europäer, die dies
schafften, waren die beiden Engländer JOHN
ALCOCK und ARTHUR WHITTEN BROWN. Sie überflogen ebenfalls 1919 den Atlantik von Neufundland nach Irland
in einem zweimotorigen Weltkriegsbomber der Marke Vickers. Der Flug ging
über rund 3500 Kilometer und dauerte 16 Stunden.
Der Transatlantikflug,
der jedoch die größte Aufmerksamkeit erregte, war der
Alleinflug des amerikanischen Piloten CHARLES
LINDBERGH 1927. Für die erste Nonstop-Alleinüberquerung des Atlantiks war bereits 1920 ein Preisgeld in Höhe von 25000 US-Dollar
ausgelobt worden. Am 20. Mai 1927 startete LINDBERGH in New
York mit seinem einmotorigen Eindecker namens "Spirit of Saint
Louis", der extra für diesen Flug entwickelt worden war. Tausende
Zuschauer bejubelten seinen Start und weltweit verfolgten Millionen Menschen
die Berichte über den Flug in der Zeitung oder am Radioempfänger. LINDBERGH landete nach 33 Stunden und 32 Minuten in Paris. Das war eine
unglaubliche Leistung, denn LINDBERGH konnte in dieser Zeit nicht schlafen,
da er ja keinen Begleiter an Bord hatte, und hatte die ganze Strecke ohne
Navigationsgeräte bewältigt, was über dem Meer sehr schwierig
ist.
Eine weitere Pioniertat auf dem Gebiet
der Transatlantikflüge vollbrachte die Amerikanerin AMELIA
EARHART. Nur ein Jahr nach CHARLES LINDBERGH beweist sie der Welt,
dass Frauen das gleiche fliegerische
Talent haben wie Männer. In nur 20 Stunden und 40 Minuten überquert
sie mit einer dreimotorigen Fokker Friendship den Atlantik zwischen Neufundland
und Wales.
Die Anfänge des Rundfunks
Die Berichte über die Transatlantikflüge von LINDBERGH und EARHART
konnten 1927/28 bereits viele Menschen am Radio verfolgen. Die Entwicklung des Rundfunks war ein Abfallprodukt der militärischen Forschung der Kriegsjahre. Die deutschen Ingenieure
MEISNER und BREDOW hatten im Auftrag des deutschen Heeres an einer Möglichkeit
der drahtlosen Nachrichtenübermittlung mittels Röhrensendern geforscht. Bei Kriegsende war diese Technik
jedoch noch nicht ausgereift und deshalb für die kommerzielle Verwendung
nicht geeignet.
In ganz Europa arbeiteten Techniker in den nächsten Jahren daran,
den Rundfunk zum massentauglichen Medium weiterzuentwickeln.
Bereits 1922 beantragten die beiden Firmen Telefunken und Lorenz Lizenzen
zur Errichtung und zum Betrieb von Sende- und Empfangsanlagen in Deutschland.
Kurz danach wurde die erste Rundfunkgesellschaft
in Europa gegründet, die "Deutsche Stunde, Gesellschaft für
drahtlose Belehrung und Unterhaltung mbH".
Am 29. Oktober 1923 war es dann schließlich soweit, die erste deutsche
Rundfunkübertragung
begann mit ein paar einleitenden Sätzen und live gespielter Unterhaltungsmusik.
Zu diesem Zeitpunkt besaß aber fast niemand ein amtlich genehmigtes
Radiogerät, sodass vermutlich
nur sogenannte "Schleichhörer" mit selbst gebauten Empfängern
die Sendung verfolgen konnten. 1924 gab es dann schon zahlreiche Rundfunkanstalten
und die Zahl der Rundfunkempfänger stieg innerhalb von zehn Jahren
von etwa 10000 auf annähernd 5,5 Millionen Geräte. Wie auch
heute, wurde das Programm damals mit einer Mischung von Wortbeiträgen
und Unterhaltungsmusik bestritten.