

Naturwissenschaft
und Natur
Naturwissenschaftler hatten die Natur
beobachtet und sie als "vernünftig"
angesehen. Dieses Vernunftsprinzip sollte nun auch auf die
gesellschaftliche Ebene des absolutistischen Staates angewendet werden:
Kategorien wie
Anakreontik
Das literarische Rokoko kultivierte die antike Anakreontik.
FRIEDRICH VON HAGEDORN, JOHANN GEORG JACOBI (1740-1814), der Zweite
Hallesche Dichterkreis um
besangen in ihren Gedichten
Die Hallenser wollten die Melancholie vertreiben und durch heitere
Literatur eine heitere Stimmung
hervorrufen.
Der heitere Mensch war gesellig und umgänglich. Dies sahen die
Anakreontiker als Voraussetzung dafür, dass die Menschen ihre
Arbeitspflichten mit Freude wahrnahmen.
Der Bürger selbst geriet plötzlich zum Objekt
der Betrachtung
CHRISTOPH MARTIN WIELANDs "Geschichte des Agathon" (1766) schildert
die Entwicklung eines jungen Menschen und gilt als Begründung des
deutschen Bildungsromans.
Die schöne Literatur (Belletristik) galt seit dem Meistersang als
erlernbar. Aufklärerische Literatur sollte darüber hinaus belehren
und unterhalten. Zugleich entwickelten Autoren der Aufklärung eigene
Poetiken, die das Besondere der Poesie herausarbeiten und ihre Einzigartigkeit
unterstreichen sollten. Aus der Idee, dass Poesie prinzipiell nicht erlernbar
sei, entwickelte sich der Geniegedanke des Sturm
und Drang.
JOHANN CHRISTOPH GOTTSCHED
Der Leipziger Professor für Poesie JOHANN CHRISTOPH GOTTSCHED
(1700-1766, Bild 1) hatte sich
mit den Ideen LEIBNIZ und seines Schülers CHRISTIAN WOLFF vertraut
gemacht. 1730 gab er seinen auf philosophisch-rationalistischen Vorstellungen
der Vorbilder LEIBNIZ und WOLFF fußenden "Versuch einer Critischen
Dichtkunst vor die Deutschen" in den Druck. Die letzten bedeutenden
Poetiken stammten aus dem Barock (OPITZ, HARSDÖRFFER) und waren eher
rhetorisch
fundiert. In seiner Poetik legte GOTTSCHED Regeln für die Produktion
von lyrischen und epischen Werken und für das Drama fest. Er fasste
Dichtung traditionsgemäß als erlernbar auf. Und in diesem Sinne,
als Lehrbuch der Dichtkunst ist der "Versuch..." abgefasst.
Die Hauptaufgabe
von Literatur war für GOTTSCHED die sittlich-moralische Erziehung
des Bürgertums. Im Sinne seines Vorbildes ARISTOTELES sah er die
Aufgabe des Künstlers in der Nachahmung der Natur (Mimesis):
Uberall aber gezeigt wird Daß das innere Wesen der
Poesie in einer Nachahmung der Natur bestehe.
Reform des Theaters
Als äußerst bedeutsam erkennt GOTTSCHED die Reform des Theaters.
Er wollte das deutsche Theater zur Formenreinheit der Antike zurück
führen. Das Theater des 18.
Jahrhunderts fand vorwiegend als Volksbelustigung auf Jahrmärkten
statt. Man kannte keine Textgrundlage, sondern spielte steigreifspielartig
mit spontanen Texten. Die Schauspieler stellten Typen dar:
Seit dem frühen 16. Jahrhundert diente der Hanswurst (Harlekin) der Belustigung des Publikums. Ursprünglich stammte er aus der Commedia dell'arte. 1737 hat GOTTSCHED ihn gemeinsam mit der Theaterprinzipalin CAROLINE NEUBER in Leipzig von den deutschen Bühnen verbannt. Stattdessen schuf er die in fünf Akte gegliederte sächsische Typenkomödie. Sie ahmte eine lasterhaften Handlung nach, die vom Publikum verlacht wurde (Verlachkomödie). Die Ständeklausel wurde beibehalten:
Die Handlung des Dramas sollte nach dem Vorbild der Wirklichkeit, der
Natur dargestellt werden.
GOTTSCHED bewertete die Tragödie
als die höchste Gattung der Poesie
und hielt die Bühne für das geeignete Medium zur moralischen
Belehrung des Publikums. In seinem Drama "Der Sterbende Cato"
(Uraufführung 1731) hat er seine theoretische Position in die Praxis
umgesetzt.
In seiner "Deutschen Schaubühne nach den Regeln und Exempeln
der Alten" veröffentlichte GOTTSCHED Übersetzungen aus
dem Französischen, eigene Stücke und die seiner Frau, der GOTTSCHEDIN,
sowie Werke von Freunden, ganz nach dem Prinzip "prodesse et delectare"
("nützen und erfreuen") aus der "Ars poetica"
des HORAZ.
Einen wirklichen Erfolg auf dem Theater war aber erst LESSING
mit dem ersten bürgerlichen Trauerspiel "Miss Sara Sampson"
beschieden.
Literarische Zentren der Aufklärung
Lessings Argumente gegen Gottsched
Ähnliche Angriffe (Bild 2) erfuhr
GOTTSCHED durch GOTTHOLD EPHRAIM LESSING (1729-1781, ). Dessen "Briefe,
die neueste Literatur betreffend" (1759-1765) und die "Hamburgische
Dramaturgie" wurden zur eigentlichen theoretischen Grundlegung des
deutschen Dramas. In seinem 17.
Literaturbrief griff LESSING GOTTSCHED persönlich an und warf
ihm vor, mit seiner Theaterreform eher Verschlimmerungen als Verbesserungen
bewirkt zu haben. GOTTSCHED habe verabsäumt zu untersuchen, ob das
französische Theater für das deutsche als Vorbild tauge. Hingegen
wird SHAKESPEARE und das englische Theater, weit entfernt von rationalistischen
Tendenzen, zum Vorbild für ein deutsches Nationaltheater erhoben.
SHAKESPEAREs Theater sei natürlich und ursprünglich, auch sei
das zeitgenössische englische Theater geeigneter, weil
"das Große, das Schreckliche, das Melancholische besser auf uns wirkt als das Artige, das Zärtliche, das Verliebte".
Mit der Hervorhebung der Bedeutung des englischen Theaters und insbesondere
SHAKESPEAREs leitete LESSING
eine lang anhaltende, vor allem für den Sturm und Drang und die Romantik
bedeutende Shakespeare-Rezeption ein.
LESSING strebte die Wandlung des Theaters vom Hoftheater zum Nationaltheater
an. Er nahm deshalb begeistert eine Stellung als Dramaturg am Hamburger
Nationaltheater an, kehrte aber der Hansestadt bald enttäuscht den
Rücken. Jedoch wurden seine Vorstellungen Jahrzehnte später
verwirklicht und bürgerliche Stadttheater gegründet.
Bürgerliches Trauerspiel
LESSING entwickelte in theoretischen Schriften und am praktischen Beispiel
sein bürgerliches
Trauerspiel. Diese dramatische Form ist eine während der Aufklärung
im 18. Jahrhundert entstandene dramatische Gattung. Sie stellt das Schicksal
des Bürgers ins Zentrum der Betrachtung.
Die in den Renaissance-und Barockpoetiken festgelegte
Ständeklausel im
Drama wurde überwunden. Die Ständeklausel
sah vor, dass in der Tragödie ausschließlich Mitglieder höherer
Stände (Adel) Handlungsträger sein durften.
LESSING gelang mit "Miß Sara Sampson" (1755), in nur
vier Wochen niedergeschrieben, und "Emilia Galotti" (1771),
das bürgerliche Trauerspiel in Deutschland zu etablieren.
Aufklärung in der Kunst
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden in Mitteleuropa
naturnahe Gärten nach englischem Vorbild (englische Gärten).
Sie lösten die nach französischem Vorbild streng symmetrisch
gestalteten Gärten ab, vermittelten Naturnähe: Die Natur wurde
selbst zum Mittel der Kunst. Bekannt wurde der Wörlitzer
Park des Fürsten FRANZ von Anhalt-Dessau (1740-1817), der die
größte und bedeutendste Kulturlandschaft des europäischen Kontinents schuf.
Die Architektur jener Zeit war durch den Klassizismus
geprägt. Profanbauten und Kirchen wurden nach griechisch-römischem
Vorbild errichtet. In Berlin schuf
KARL FRIEDRICH SCHINKEL
FRANZ KARL LEO VON KLENZE gestaltete die
in München und erbaute die Walhalla
in Donaustauf, Landkreis Regensburg.
FRIEDRICH WEINBRENNER schuf
in Karlsruhe.
Auch Malerei, Grafik und Plastik orientierte sich am griechischen Schönheitsideal. Auftraggeber von Kunstwerken waren seit Mitte des 18. Jahrhunderts nicht mehr nur begüterte Adlige und vermögende Kaufleute. Durch neue Vervielfältigungstechniken konnten sich auch Angehörige mittlerer Schichten Kunst leisten. Die Kunst hielt Einzug in den Alltag: Zeichnungen bebilderten die moralischen Wochenschriften, die seit 1750 verbreitet wurden. Erste Tageszeitungen suchten die Massenbasis. Hier begann die Illustration als eigenständige Kunstform ihren Siegeszug. Auch Malereien konnten nun vervielfältigt werden. "Mechanical Paintings" waren Farbdrucke auf Leinwand. Inhaltlich war diese Kunst durch antike Motive bestimmt.
Die Malerei kannte vor allem
Die bekanntesten Malerinnen der Aufklärung waren ANGELICA KAUFFMANN (1741-1807) und ANNA DOROTHEA THERBUSCH (1721-1782). Bekannte Maler waren:
Auch Schriftsteller betätigten sich in der Malerei/Grafik. JOHANN
WOLFGANG VON GOETHE (Bild 3) illustrierte
seine Reisetagebücher, SALOMON GESSNER war ausgebildeter Maler.
Im 19. Jahrhundert kopierte man im sogenannten Historismus
frühere Epochen (Gotik, Barock u.s.w.). Während der Romantik (ab
1792) bevorzugte man Ruinenlandschaften, die Darstellung des Unfertigen.
Neben RUNGE waren die bekanntesten romantischen Maler: