LUDWIG IV., der Bayer wurde im Jahre
1282 als Sohn des Herzogs LUDWIG DES STRENGENvon Bayern und der MARGARETE VON
HABSBURG geboren. Im Jahre 1301 trat LUDWIG nach dem Tode des Vaters zusammen
mit seinem Bruder RUDOLF die Herrschaft über das wittelsbachische Erbe in
der Rheinpfalz und in Oberbayern an. Im Streit um die Vormundschaft über
die niederbayerischen Vettern kam es im Jahre 1313 zu einer militärischen
Kraftprobe mit dem Habsburger FRIEDRICH DEM SCHÖNEN, Herzog von Österreich,
die LUDWIG durch einen glänzenden Sieg für sich entscheiden konnte.
Königliche
Doppelwahl
Durch die gewonnene Schlacht empfahl LUDWIG sich der luxemburgischen
Partei im Reiche, die nach dem Tode Kaiser HEINRICHs VII. versuchte, das luxemburgische
Hausinteresse zu wahren, als Thronkandidat. Allerdings kam es zu einer Doppelwahl,
in der ein Teil der Kurfürsten LUDWIG, ein anderer Teil aber FRIEDRICH DEN
SCHÖNEN zum König wählte. Wenn auch LUDWIG über die Mehrheit
der Kurstimmen verfügte, war dies damals noch ohne rechtliche Bedeutung;
über die Ansprüche der beiden Kandidaten mussten daher die Waffen entscheiden.
Diese Entscheidung fiel im Jahre 1322, als es LUDWIG gelang, seinen Rivalen in
der Schlacht bei Mühldorf entscheidend zu schlagen und gefangen zu nehmen. Um die Habsburger auf seine Seite
zu ziehen, verständigte er sich im Jahre 1325 mit FRIEDRICH DEM SCHÖNEN
und gestand diesem sogar die Mitregierung
als König zu, die allerdings kaum mehr praktische Auswirkungen haben
sollte, da FRIEDRICH bereits im Jahre 1330 starb.
Konflikt
mit dem Papsttum
Nach seinem Sieg bei Mühldorf entschloss sich
LUDWIG, durch die Entsendung eines Reichsvikars in Italien einzugreifen, wodurch
er allerdings einen für ihn verhängnisvollen Konflikt mit dem damals
in Avignon residierenden Papsttum auslöste. Papst JOHANNES
XXII. hatte bisher dem deutschen Thronstreit abwartend zugesehen, ohne einem
der beiden Kandidaten die päpstliche Anerkennung (Approbation) zu erteilen.
Da nach seiner Auffassung das Reich nach wie vor vakant war, nahm er selbst für seine Person in Italien die Rechte als Reichsvikar,
d.h. in Stellvertretung für den künftigen König, in Anspruch. Als
LUDWIG sich nun anschickte, die politischen Gegner der Kurie in Italien zu unterstützen,
eröffnete der Papst ein förmliches
Rechtsverfahren gegen ihn, mit der Beschuldigung, sich ohne
päpstliche Zustimmung die Königswürde angemaßt zu
haben und offenkundige Ketzer zu unterstützen, und verhängte im Jahre
1324 auch den Kirchenbann über
seinen Gegner, von dem sich dieser nie mehr lösen sollte.
Kaiserkrönung
LUDWIG
wehrte sich mit Appellationen an ein allgemeines Konzil, wobei die Auseinandersetzung
in der Folgezeit noch dadurch verschärft wurde, dass radikale Gegner des
Papstes, wie der Magister MARSILIUS VON PADUA, WILHELM VON OCKHAM und JOHANN VON
JANDUN, Zuflucht am Münchner Hof fanden. Ihrem Einfluss war es maßgeblich
zuzuschreiben, dass sich LUDWIG im Jahre 1328 in Rom von einem Laien, dem SCIARRA
COLONNA, in Vertretung des "römischen Volkes" zum Kaiser
krönen ließ und unter Berufung auf das Vorbild OTTOS DES GROSSEN die
Absetzung JOHANNES' XXII.
verkündete. Der vom römischen Volk gewählte Gegenpapst NIKOLAUS
V., von dem sich LUDWIG nochmals zum Kaiser krönen
ließ, sah sich allerdings bald nach dem Abzug LUDWIGs aus Rom genötigt,
Papst JOHANNES XXII. seine Unterwerfung anzubieten.
Wenn auch LUDWIG noch im
Jahre 1338 die Kurfürsten, die durch die päpstlichen Ansprüche
ihr Wahlrecht gefährdet sahen, zu einer beeindruckenden Solidaritätserklärung
veranlassen konnte (Rhenser
Kurfürstenweistum), so gelang es dem Papsttum doch bald danach, diese
Einheitsfront aufzubrechen, wozu LUDWIG selbst durch seine überzogene Hausmachtpolitik
entscheidend beitrug.
Markgrafschaft
Brandenburg und andere neue Besitztümer
Bereits im Jahre 1323 hatte
er die Gelegenheit, die sich durch das Aussterben des askanischen Herrscherhauses
bot, dazu genutzt, die Markgrafschaft
Brandenburg an seinen ältesten Sohn zu übertragen. Nachdem ihm im
Jahre 1342 Niederbayern zugefallen war, erwarb er durch seine Ehe mit MARGARETE
VON HOLLAND im Jahre 1345
Als er im Jahre 1342, um in den Besitz Tirols zu gelangen, die Ehe der Tiroler Erbin MARGARETE MAULTASCH mit dem Luxemburger JOHANN HEINRICH, dem Sohn König JOHANNs VON BÖHMEN, kurzerhand für ungültig erklärte und die Prinzessin mit seinem eigenen Sohn verheiratete, rückten die Luxemburger, seine bisherigen Parteigänger, von ihm ab, sodass nunmehr der Wahl eines Gegenkönigs nichts mehr im Wege stand, die dann im Jahre 1346, nachdem man in KARL VON BÖHMEN einen geeigneten Kandidaten gefunden hatte, auch vollzogen wurde. Es blieb LUDWIG erspart, seinen Thronanspruch noch einmal mit Waffengewalt verteidigen zu müssen. Bevor es zur Entscheidung kam, ist er im Jahre 1347 bei Fürstenfeldbruck auf der Jagd einem Herzschlag erlegen.