Die Brüder LOTHAR I., KARL DER KAHLE und LUDWIG II. einigten sich 843 im Vertrag von Verdun auf eine Teilung des von LUDWIG DEM FROMMEN hinterlassenen Reiches. LOTHAR erhielt das Mittelreich und den Kaisertitel, KARL Westfranken und LUDWIG das ostfränkische Gebiet. Diese Teilung bildete die Grundlage für die spätere Entstehung eines französischen und eines deutschen Staates. Unter LUDWIGS Herrschaft entwickelte sich bereits ein Zusammengehörigkeitsbewusstsein der verschiedenen Völkerstämme. Das brachte ihm im 18. Jh. den Beinamen "DER DEUTSCHE" ein.
Herkunft und Erbe
LUDWIG DER DEUTSCHE wurde um 805/806 wahrscheinlich in Aquitanien geboren. Er war der dritte
Sohn KAISER LUDWIGS DES FROMMEN und seiner Gemahlin IRMINGARD. Seine Brüder
waren KAISER LOTHAR I. und PIPPIN I. Sein Halbbruder war der westfränkische
König und spätere Kaiser KARL
DER KAHLE.
LUDWIG verbrachte seine Kindheit bis 814 am Hofe des Vaters, den KARL
DER GROßE als Unterkönig in Aquitanien eingesetzt hatte. Nach
dem Thronfolgegesetz wurde dem noch minderjährigen LUDWIG Bayern
samt den slavischen Grenzgebieten zugewiesen. Er sollte dort als Teilkönig
unter der Oberherrschaft seines Vaters regieren. 826 wurde er nach Bayern
entsandt. Mit dem Zentrum Regensburg war hier während seiner ganzen Regierungszeit die wichtigste Machtbasis.
Zur Festigung seiner Macht und zum Aufbau des Landes stützte sich
LUDWIG auf den ihm ergebenen GRAFEN ERNST (bis etwa 860) und auf die bayerische
Kirche. Dieser bediente er sich auch bei der Slavenmissionierung. LUDWIG
DER DEUTSCHE wurde mit der Welfin HEMMA verheiratet. Sie war die jüngere
Schwester der zweiten Gemahlin des Kaisers LUDWIGS DES FROMMEN.
An den ersten Zwistigkeiten der Großen und seiner Brüder mit
dem Kaiser wegen der Erbausstattung des Halbbruders KARL nahm LUDWIG wenig
Anteil. Auf einer Reichsversammlung in Aachen - vermutlich 831 - wurde
seinem Bruder PIPPIN eine Vergrößerung des aquitanischen Herrschaftsbereichs
zugesagt, LUDWIG wurden neben Bayern auch Thüringen, Franken und
Sachsen als weitere Erbschaftsanteile in Aussicht gestellt. Da aber auch
der nachgeborene Bruder KARL DER KAHLE in dieser Erbschaftsteilung mit
einem Gebiet von der Mosel bis hin zur Provence bedacht werden sollte,
wehrten sich PIPPIN und LUDWIG dagegen. LUDWIG besetzte Schwaben und drang
bis zum Rhein vor. Die Auseinandersetzungen mit dem alten Kaiser wurden
schließlich mit dessen Sturz beendet.
LUDWIG erhielt außer Bayern wahrscheinlich Neustrien und alle rechts
des Rheins liegenden Gebiete zugesprochen. Es ist belegt, dass er ab 19.
Oktober 833 als selbständiger König in seinem Reich wirkte.
Kämpfe und Bündnisse um
die Erbschaftsanteile
LUDWIG DER FROMME, 833/34 als Kaiser wieder eingesetzt, übertrug seinem jüngsten
Sohn KARL DEM KAHLEN 837 ein von Friesland bis nach Burgund reichendes
Gebiet. Trotz heftiger Auseinandersetzungen zwischen LUDWIG DEM FROMMEN
und seinen älteren Söhnen LOTHAR und LUDWIG erhielt KARL DER
KAHLE ein Jahr später zudem noch Neustrien zugesprochen.
Bevor es deshalb erneut zum offenen Kampf kam, starb der alte Kaiser im
Juni 840. Der Streit wurde nun zwischen den Brüdern ausgetragen.
LUDWIG eroberte Alemannien, Thüringen und Ostfranken, und er verbündete
sich jetzt mit seinem ehemaligen Feind KARL DEM KAHLEN gegen LOTHAR I.
und PIPPIN II., den Sohn seines Ende
838 verstorbenen Bruders PIPPIN I. Nach dem Sieg über LOTHAR I. in
der blutigen Schlacht von Fontenoy am 25. Juni 841 trafen sich LUDWIG
DER DEUTSCHE und KARL DER KAHLE. Sie bekräftigten vor ihren versammelten
Heeren ein Bündnis, die Straßburger
Eide.
Als LOTHAR I. seine Oberherrschaftsansprüche aufgab, kam es 843 zwischen
ihm, LUDWIG DEM DEUTSCHEN und ihrem Halbbruder KARL DEM KAHLEN zum Vertrag
von Verdun. Er wies LUDWIG Alemannien,
Bayern, Franken, Thüringen und Sachsen zu.
Im 870 geschlossenen Vertrag von Meersen konnte LUDWIG seinen Herrschaftsbereich bis zu einer an Maas und Mosel
verlaufenden Linie noch vorschieben. Sie bildete jahrhundertelang die
Westgrenze des späteren deutschen Reichs.
Herrscher im ostfränkischen Reich
Auch wenn das ostfränkische
Reich wirtschaftlich nicht so weit entwickelt war wie das Westreich
seines Halbbruders Karl, hatte es doch eine größere Geschlossenheit.
Neben den älteren Herrschaftsmittelpunkt Regensburg, wo LUDWIG den
noch heute bestehenden Stift der Alten Kapelle gründete, trat nach 833 noch Frankfurt. Das geistige Leben, besonders die literarischen Tätigkeiten am Hof
LUDWIGS waren zwar nicht so prägend wie die am Hofe KARLS DES KAHLEN.
Aber in der Außen- und Innenpolitik war LUDWIG viel geschickter
als sein westfränkischer Halbbruder. So hatte er im hohen Adel stets
einen zuverlässigen Rückhalt, und die äußere Bedrohung
war geringer. In den nördlichen Grenzgebieten gelang es LUDWIG, die
Slaven weitgehend ruhig zu halten und die Grenze zu wahren. Stärker
auseinandersetzen musste er sich mit Schwierigkeiten im Grenzraum zu Böhmen und mit dem im Entstehen begriffenen großmährischen Reich.
Darin eingeschlossen waren die Bestrebungen nach einer unabhängigen
mährischen Kirche, wodurch Mähren in einen langwierigen Konflikt mit der bayerischen Kirche geriet. In diesen
Konflikt hatte sich LUDWIG offensichtlich nicht eingeschaltet.
856 betraute er seinen ältesten Sohn KARLMANN mit der Aufgabe, die bayerische Ostmark zu befehligen. Aber auch KARLMANN
machte alsbald wie sein Vorgänger mit RASTISLAV von Mähren gemeinsame
Sache und lehnte sich 861 sogar gegen seinen Vater auf, vermutlich um
einen größeren Herrschaftsanteil zu erhalten. LUDWIG DER DEUTSCHE
ging 863 gegen KARLMANN militärisch vor und nahm ihn ein Jahr in
Gefangenschaft. Anschließend wandte er sich mit Hilfe der Bulgaren
gegen Mähren und entmachtete RASTISLAV. Dennoch kam es in den Jahren
871 und 872 zu schweren Kämpfen und erst 874 zu einem Friedensschluss
in Forchheim.
Die Söhne Ludwig des Deutschen
Seinen zweiten Sohn, LUDWIG
DEN JÜNGEREN, hatte der König
854 und 856 ins westfränkische Reich geschickt. Dort war es zu einer
Revolte gegen KARL DEN KAHLEN gekommen. LUDWIG DER JÜNGERE wurde
aber zum Zurückweichen gezwungen und erst nach Kriegszügen gegen
die Abodriten 862 erhielt er die Aufsicht für die sächsischen
Gebiete. Um 859 übergab LUDWIG seinem jüngsten Sohn KARL
III. Alemannien. Und auf der Frankfurter
Reichsversammlung von 865 verfügte LUDWIG DER DEUTSCHE offiziell
eine Reichsteilung für den Fall seines Todes. Demzufolge sollten
Bayern und die angrenzenden Marken an KARLMANN gehen, Franken, Thüringen
und Sachsen an LUDWIG DEN JÜNGEREN und Alemannien und Churrätien
an KARL III. Obwohl LUDWIG seinen Söhnen schon vordem einzelne Reichsgebiete
in Verwaltung gegeben hatte - allerdings ohne eigenen Königstitel,
hatten diese wiederholt gegen den Vater revoltiert. So hatte sich 866
LUDWIG DER JÜNGERE erhoben, 871 und 873 ging er zusammen mit seinem
Bruder KARL III. gegen den König vor.
In den letzten Lebensjahren LUDWIG DES DEUTSCHEN gewann die Frage der
Nachfolge des dort kinderlos gebliebenen Herrschers LUDWIGS II., einem
Sohn KAISER LOTHARS I., im regnum Italiae an Bedeutung. LUDWIG DER DEUTSCHE fasste eine dynastische Erbregelung
ins Auge; es gelang ihm, seinen Sohn KARLMANN zum Erben des italienischen
Teilreichs designieren zu lassen. Aber auch sein Bruder KARL DER KAHLE
bewarb sich - gestützt durch die Päpste Hadrian II. und Johannes
VIII - um die Herrschaft in Italien und um die Nachfolge im Kaisertum.
Nach dem Tode LUDWIGS II. eilte KARL DER KAHLE nach Italien und ließ
sich von Papst Johannes VIII. am Weihnachtstag 875 zum Kaiser krönen.
Ehe es deshalb zum Krieg zwischen KARL DEM KAHLEN
und dem ostfränkischen Halbbruder kam, der seinen Anteil am Erbe des
verstorbenen Neffen einforderte, starb LUDWIG am 28. August 876 in Frankfurt
am Main. In seiner langen Regierungszeit, in der er die ihm zugesprochenen
Gebiete des ostfränkischen Reiches miteinander verband, legte er den
Keim für das spätere Deutschland.
LUDWIG DER DEUTSCHE wurde im Kloster Lorsch beigesetzt.