

"Heim
ins Reich" - Österreich
Mit der Eingliederung
Österreichs in das Deutsche Reich hatte HITLER im März 1938
die Phase der gewaltsamen Ausdehnung Deutschlands zum "Großdeutschen
Reich" eröffnet.
Die deutschen Soldaten waren von der österreichischen Bevölkerung
mit großem Jubel begrüßt worden. Unter einem Meer von Fahnen
hatte HITLER in seiner österreichischen Heimat Einzug gehalten. Am
14. März 1938 war das "Gesetz über die Wiedervereinigung
Österreichs mit dem Deutschen Reich" in Kraft getreten. Die Propagandamaschinerie
von GOEBBELS verkündete lautstark: "Der Führer hat die "Ostmark"
heim ins Reich geholt!"
Das von vielen erträumte "Großdeutsche
Reich" war nun Wirklichkeit geworden. Die Bezeichnung "Großdeutschland"
wurde offizieller Staatsname.
Dabei war der "Anschluss" Österreichs nur der erste Schritt
von HITLER auf diesem Weg.
...die Tschechoslowakei
Die Popularität von HITLER
hatte nach dem so reibungslosen "Anschluss" Österreichs
- nur Mexiko und die UdSSR hatten Protest eingelegt - ihren
Höhepunkt erreicht. Alles, was
er anpackte, werde zu einem guten Ende geführt; diese Meinung war
unter den Deutschen weitverbreitet.
Von dieser Welle getragen, plante HITLER bereits seinen nächsten
Handstreich, die Zerschlagung der Tschechoslowakei.
Er wollte sich dabei der seit dem Ende des Ersten Weltkrieges in der
Tschechoslowakei lebenden Deutschen
bedienen.
Die deutschsprachigen Bewohner Böhmens, Mährens und österreichisch
Schlesiens, später "Sudetendeutsche"
genannt, waren 1918 durch die Siegermächte des Ersten Weltkrieges
der Tschechoslowakei zugeschlagen worden. In den 1930er-Jahren des vergangenen
Jh. waren sie zwar in mehreren Parteien im Prager
Parlament vertreten. Im normalen Alltag nahmen sie aber häufig
nur den zweiten Rang ein. Bodenreformen,
die Entlassung von Beamten und die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise
trafen häufig vor allem sie am stärksten.
Die andauernden Benachteiligungen steigerten den Unmut. Bis 1933 dachten
die in Böhmen und Mähren lebenden Deutschen aber nicht daran,
sich gegen den bestehenden Staat zu stellen. Unter dem Eindruck der Machtergreifung
von HITLER änderten jedoch viele ihre Meinung. So entstand
mit finanzieller Unterstützung des NS-Regimes in Deutschland beispielsweise
die "Sudetendeutsche Heimatfront",
ein Sammelbecken radikalisierter Deutscher.
Unter dem Deckmantel, die Forderungen der Sudetendeutschen
nach dem Selbstbestimmungsrecht unterstützen
zu wollen, stachelte sie HITLER noch an. Schließlich hatten die
Autonomieforderungen
der 3,5 Mio. Sudetendeutschen ein Maß erreicht, das für
den tschechoslowakischen Staat nicht mehr annehmbar war. Die Spannungen
hatten sich zur Sudetenkrise verschärft.
Die Sudetenkrise 1938
HITLER nahm die Verschärfung der Spannungen nun zum Anlass, die Abtretung
des vorwiegend von Deutschen bewohnten Sudetenlandes
an das Deutsche Reich zu fordern. Den Führer der "Sudetendeutschen
Partei", HENLEIN, forderte er
auf, die Prager Regierung unter Druck zu setzen und die Tschechoslowakische
Republik von innen sturmreif zu machen.
Vor der deutschen Wehrmachtsführung äußert HITLER im
Mai offen seinen "unabänderlichen Entschluss", die Tschechoslowakei
in absehbarer Zeit durch eine militärische
Aktion zu zerschlagen. Zugleich ließ er die Angriffspläne
für diesen "Fall Grün"
ausarbeiten, der spätestens im Oktober anlaufen sollte.
Die Reaktion der Westmächte -
das Münchener Abkommen
Die Westmächte hatten von den Plänen HITLERs durch eine Widerstandsgruppe
in der Wehrmachtsführung Kenntnis erhalten. Sie gaben aber erneut
seiner Aggressivität nach.
So vertrat der britische Premierminister
CHAMBERLAIN weiterhin seine sogenannte Appeasement-Politik.
Er glaubte, HITLER durch weitere Zugeständnisse der Regierung in
Prag von einer Aggression gegen das Land abhalten zu können.
CHAMBERLAIN bot dafür im Einvernehmen mit Frankreich seine Vermittlungsdienste
an und flog im September dreimal zu Besprechungen mit HITLER nach Berlin.
Dieser beharrt jedoch auf dem Einmarsch der
deutschen Wehrmacht in die Tschechoslowakei und auf der Abtretung
des Sudetenlandes an das Deutsche Reich.
Um doch noch zu einem Abkommen auf friedlichem Weg zu gelangen und den
drohenden Krieg zu verhindern, nahmen die Westmächte sogar die Hilfe
von MUSSOLINI in Anspruch. Auf
Vermittlung des Duce, wie der faschistische Diktator in Italien auch genannt
wurde, kam am 29.9. 1938 in München eine Konferenz zustande. An dieser Münchener Konferenz nahmen neben
MUSSOLINI die Regierungschefs des Deutschen Reichs, Frankreichs und Großbritanniens
teil.
Ohne Beteiligung der Tschechoslowakei wurden auf der Konferenz die Forderungen
von HITLER angenommen. Am 30. September 1938 wurde dann das Münchener
Abkommen unterzeichnet. Es verpflichtete
die Tschechoslowakei, ab 1. Oktober die Sudetengebiete zu
räumen, die gleichzeitig von deutschen Truppen besetzt wurden. Großbritannien
und Frankreich garantierten der Tschechoslowakei die Existenz ihres Reststaates.
Erst nach der Unterzeichnung des Abkommens wird dem tschechoslowakischen Regierungschef das Abkommen nahezu
kommentarlos zur Kenntnis gebracht... und zur Umsetzung übergeben.
Und danach?
Das Münchener Abkommen beseitigte zwar die von HITLER provozierte
Kriegsgefahr, aber nur für den Augenblick. Auf der Konferenz wurde von den Teilnehmern keine internationale
Garantie für die neuen Grenzen gegeben. Trotz seiner Beteuerungen
nach München, er habe keine weiteren territorialen Ansprüche,
war es deshalb sehr wahrscheinlich, dass HITLER die kleine Tschechoslowakei
angreifen würde.
Tatsächlich erging schon drei Wochen nach der Münchener Konferenz
seine Anweisung zur militärisch-operativen
Vorbereitung der "Erledigung der
Rest-Tschechei". Diese wurde im Frühjahr
1939 dann auch vollzogen.
In einer Nachtsitzung in Berlin wurde der tschechoslowakische Staatschef,
EMIL HACHA, von HITLER und GÖRING unter schwersten psychologischen
Druck gesetzt. Erst dann unterzeichnete er ein Abkommen, welches
"das Schicksal des tschechischen Volkes und Landes vertrauensvoll in die Hände des Führers des Deutschen Reiches legt."
Unmittelbar danach begann die Besetzung Böhmens und Mährens
durch die Wehrmacht. An die Stelle des tschechoslowakischen Staates trat
das "Reichsprotektorat
Böhmen und Mähren".
Für HITLER hatte das Abkommen von München also nur eine ärgerliche
Verzögerung seiner Pläne bedeutet.
