MUHAMMAD
IBN MUSA AL-CHWARIZMI (deutsch: Mohammed, Sohn des Moses, der aus
Chwarizmi; sein Name wird manchmal auch AL-CHARISMI oder AL-KHWARIZMI
geschrieben) war ein persisch-arabischer Geograf und Mathematiker, der
von 787 bis um 850 lebte. Er wirkte insbesondere am Hof des Kalifen
AL-MAMUN in Bagdad. Über sein Leben ist sehr wenig bekannt.
Aus seinem Namen geht hervor, dass einer seiner Urahnen ein Priester des
Zoroaster (Zaratustra) war. Er wurde in Chawarizm (im heutigen Usbekistan,
südlich des Aralsees) geboren.
Seine Eltern sollen, als MUHAMMAD
noch ein Kind war, in das Kalifat von Bagdad ausgewandert sein und in
einem Dorf in der Nähe der Hauptstadt gelebt haben. Er war einer
der bedeutendsten Wissenschaftler seiner Zeit. Ungefähr zu der Zeit,
als AL-CHWARIZM geboren wurde, bestieg HARUN-AR-RASCHID als fünfter
Kalif der Abbasidendynastie am 14. September 786 in Bagdad den Thron.
Damals erstreckte sich das arabische Großreich vom Mittelmeer bis
nach Indien. HARUN brachte die Kultur jener eroberten Länder in die
Hauptstadt seines Kalifats. Als HARUN 809 starb, übernahm sein jüngster
Sohn AL-MAMUN die Regierungsgeschäfte. Er hatte sich zunächst
gegen seinen älteren Bruder AL-AMIN durchzusetzen, der Thronansprüche
stellte. 813 wurde AL-AMIN im Zuge der Erbstreitigeiten getötet und
AL-MAMUN führte die Politik seines Vaters fort. Das "Haus
der Weisheit" von Bagdad, das von AL-MAMUN gegründet worden
war, funktionierte als Lehr- und Forschungsstätte und hatte zentrale
Bedeutung für die gesamte damalige islamische Welt. Es ist seiner
Bedeutung gemäß (als Stätte der Wissenschaft und der Lehre)
mit einer heutigen Universität zu vergleichen Im "Haus der Weisheit"
waren u.a. eine Bibliothek und ein Observatorium untergebracht, fertigten
die Wissenschaftler bedeutende Überrsetzungen aus dem Indischen,
Chinesischen und Griechischen in die arabische Amtssprache an. Die MAMUNsche
Bibliothek war die bedeutendste des Altertums nach der alexandrinischen.
Es wurden u.a. wichtige Werke aus Byzanz gesammelt. Im "Haus der
Weisheit" studierte auch AL-CHWARIZMI. Er übersetzte Werke aus
dem Griechischen und schrieb eigene Werke.
AL-CHWARIZMI ist der Verfasser von
So
Zwei seiner Texte widmete er dem Kalifen AL-MAMUN (u.a.
sein Werk zur Algebra "Hisab al'schabr wal mukábala").
Gemeinsam mit AL-CHWARIZM wirkten im "Haus der Weisheit
die damals ebenso berühmten "Banu Musa" (dt.: die Söhne
des MOSES) MUHAMMAD, AHMAD und AL-HASSAN, die mit AL-CHWARIZM als Lehrer
und Forscher im Dienste des Kalifen und organisierten und leiteten die
Arbeiten von Übersetzern an.
AL-CHWARIZM als Mathematiker
GEORGE SARTON (1884-1956; Stifter und Namensgeber der Sarton-Medaille)
schrieb über den Universalgelehrten AL-CHWARIZM, er sei der größte
Mathematiker seiner Zeit, wenn nicht gar einer der größten
Mathematiker überhaupt gewesen.
Auch seine Leistungen für
die Mathematik sind bedeutsam. Er führte die indische
Ziffernschreibweise und damit das dekadische
Positionssystem in den arabischen Kulturkreis ein und beschrieb
diese in seinem Lehrbuch "Hisab al'schabr wal mukábala"
("Das Buch vom Hinüberschaffen und vom Zusammenfassen"),
welches 820 erschien. Diese Buch wurde im 12. Jahrhundert in Spanien durch
ROBERT VON CHESTER übersetzt und von da aus traten die sogenannten
arabischen Ziffern (die eigentlich in Indien erfunden worden sind) ihren
Siegeszug in ganz Europa an.
Im erwähnten Buch findet man vor allem die Gesamtheit
der Regeln zum formalen Lösen von Gleichungen. Diese Regeln
(Handlungsvorschriften) bildeten lange Zeit die Grundlage für die
Gleichungslehre und für Handlungsvorschriften wurde der Begriff "Algorithmus"
aus dem Namen von AL-CHWARIZMI abgeleitet. "So sagt Al-Chwarizmi!",
war ein geflügeltes Wort unter Rechenmeistern im Mittelalter, um
die Korrektheit einer Rechnung zu unterstreichen. Aus dem Namen des Buches
"Hisab al'schabr wal mukábala" leitet sich auch der Begriff
Algebra für die Lehre von
den Lösungsmethoden algebraischer Gleichungen ab.
Der Algorithmusbegriff spielt insbesondere in der Informatik
eine herausragende Rolle, denn Grundlage für die Entwicklung und
Nutzung informationsverarbeitender Technik sind Algorithmen. Für
den "Hausgebrauch" reicht der auf AL-CHWARIZMI basierende Algorithmusbegriff
völlig aus:
Ein Algorithmus ist eine Verarbeitungsvorschrift,
die aus einer endlichen Folge von eindeutig ausführbaren Anweisungen
besteht, mit der man eine Vielzahl gleichartiger Aufgaben lösen kann.