
Der
General BONAPARTE
Die Familie BONAPARTE, ursprünglich BUONAPARTE, war eine korsische
Patrizierfamilie. Eigentlich aus Sarzana in der italienischen Provinz La
Spezia stammend, ließ sich die Familie 1529 in Ajaccio auf Korsika
nieder. Der Vater von NAPOLEON, CARLO MARIA (1746-1785), war Jurist
und kämpfte zunächst gegen Frankreich für die Unabhängigkeit
Korsikas. Er unterwarf sich aber dann und erlangte 1771 eine französische
Adelsanerkennung und wurde 1773 Königlicher Rat.
NAPOLEON BONAPARTE
wurde nach dem Willen des Vaters französisch erzogen und besuchte
Militärschulen. 1785 wurde er
Leutnant der Artillerie. 1793 schloss er sich ganz der in Paris herrschenden
Bergpartei an. Bei der Belagerung der von den Engländern besetzten
Hafenstadt Toulon zeigte dann schon der Hauptmann BONAPARTE seinem General,
wo man die Kanonen aufstellen müsse, um Erfolg zu haben. Auch wegen
dieses Fingerzeigs konnte die englische Flotte vertrieben werden. BONAPARTE
wurde daraufhin zum Generalmajor ernannt.
Nach dem Sturz ROBESPIERRES 1795 wurde er für kurze Zeit verhaftet
und war danach wegen Auseinandersetzungen mit der Regierung General ohne
Kommando.
Retter der Republik
Die Wende brachte für ihn ein Aufstand der Monarchisten und Konservativen
am 5. Oktober 1795 in Paris, zu dessen Niederschlagung er herangezogen
wurde. NAPOLEON ließ die Aufständischen mit Kanonen zusammenschießen.
Als Retter der Republik
wurde er daraufhin mit 26 Jahren zum Divisionsgeneral
und Befehlshaber der Heimatarmee ernannt. Im März des Folgejahrs
wurde er dann Befehlshaber der Italienarmee,
der mit 38 000 Mann kleinsten der drei französischen Armeen.
Erfolge in Italien
Während die beiden großen Rheinarmeen von den anrückenden
Preußen und Österreichern im 1. Koalitionskrieg bald geschlagen
wurden, begann BONAPARTE in Oberitalien einen atemberaubenden
Siegeslauf. Nach mehreren Siegen über die zahlenmäßig
weit überlegenen Österreicher eroberte er Mailand und Mantua.
Er verfolgte den Gegner bis nach Klagenfurt und erzwang im April 1797
den Vorfrieden von Leoben.
Sein Selbstbewusstsein gegenüber
der Pariser Regierung wuchs mit seinen Siegen: Eigenmächtig
schloss er am 17. Oktober 1797 mit Österreich den Frieden
von Campoformio. Österreich musste auf die Lombardei und die
Niederlande verzichten. Die Republik Venedig wurde zwischen Österreich
und der französisch beherrschten Cisalpinen Republik aufgeteilt.
Auch musste der Kaiser von Österreich den Rhein als die Ostgrenze
Frankreichs anerkennen. Der triumphale Italienfeldzug
1796/97 begründete den Aufstieg NAPOLEONS.
Gegen England
Nachdem Österreich besiegt und vertraglich eingebunden war, konzentrierte
sich das Interesse Frankreichs auf den Erzfeind
England. Eine direkte Invasion in Englands war wegen der Überlegenheit
der englischen Flotte ausgeschlossen. Deshalb sollte der Sieger von Italien
das unter englischem Einfluss stehende Ägypten angreifen. Für
das Direktorium in Paris brachte der Ägypten-Feldzug
zudem den Vorteil, dass er BONAPARTE für mehr als ein Jahr von
Frankreich fern hielt.
Am 19. Mai 1798 verließ die französische Flotte mit 35 000
Soldaten an Bord den Hafen von Toulon und erreichte unbemerkt von der
englischen Flotte unter Admiral
NELSON Ende Juni die Bucht von Alexandria. Am 21. Juli besiegte
NAPOLEON in der Schlacht bei den Pyramiden
die Truppen des ägyptischen Mamelucken-Königs.
Doch während der Sieger in Kairo einzog, vernichtete Admiral NELSON
die französische Flotte auf der Reede von
Abukir. Damit waren alle weiteren Expansionspläne hinfällig
geworden. NAPOLEON überließ seinen Soldaten die weitere Verteidigung
ihrer schwierig gewordenen Position in Ägypten und schlug sich selbst
auf einem kleinen Schiff über Malta nach Frankreich durch.
Der Konsul BONAPARTE (1799-1804)
Trotz der Niederlage in Ägypten wurde BONAPARTE bei seiner Rückkehr
am 9. Oktober 1799 vom Volk als Held gefeiert. Da sich Frankreich
außen- wie innenpolitisch in einer äußerst schwierigen
Situation befand, erschien vielen Franzosen NAPOLEON als der ideale Retter.
Vor diesem Hintergrund putschte dieser am 9. November 1799 gegen
das Direktorium und schwang sich mit einem Trick zum neuen Herrn Frankreichs
auf:
Unter dem Vorwand einer drohenden Verschwörung der Jakobiner war
die Versammlung des Parlaments, der Rat der
Fünfhundert, nach außerhalb von Paris verlegt worden.
NAPOLEON versuchte, die Versammlung zunächst von seinen Plänen
zu überzeugen, wurde aber von der Mehrheit der Deputierten massiv
am Reden gehindert. Sein Bruder LUCIEN rettete ihn, indem er als Präsident
der Versammlung die Sitzung schloss. NAPOLEON ließ daraufhin den
Saal mit Truppengewalt räumen. Die oppositionellen Deputierten flüchteten
durch die offen stehenden Sitzungsfenster, womit das Schicksal des Rates
besiegelt war.
An seine Stelle wurde eine vorläufige Konsularregierung
mit BONAPARTE an der Spitze eingesetzt. Im ganzen Land wurde der Staatsstreich
als der Beginn einer neuen Ära mit Beifall begrüßt. Wenige
Wochen später genehmigte das Land mit überwältigender Stimmenmehrheit
die neue Konsularverfassung. Sie gab
NAPOLEON als dem Ersten unter den drei an der Spitze des Landes stehenden
Konsulen für die nächsten 10 Jahre die volle Gewalt über
das Schicksal Frankreichs.
Als Erster Konsul besaß
NAPOLEON die alleinige Gesetzesinitiative, und er konnte alle staatlichen
Funktionsträger sowie die 80 Mitglieder des Senats ernennen. Der
von ihm ernannte Senat wiederum wählte dann die Repräsentanten
des Volkes für die beiden anderen Körperschaften aus, die gesetzgebende
Körperschaft und das Tribunat. Das wichtigste Organ des Konsulats
war der Staatsrat, eine äußerst
leistungsfähige Versammlung von Sachverständigen. Deren Mitglieder
wurden ebenfalls von den Konsulen ernannt.
Bei seinem Amtsantritt als Erster Konsul verkündete NAPOLEON:
"Bürger, die Revolution ist verewigt in ihren Prinzipien, die sie eingeläutet haben: sie ist beendet."
Neben dem klaren Bekenntnis zu den Errungenschaften der Revolution bedeutete
dies auch eine Kriegserklärung an alle seine Widersacher im Lande.
Gegen seine Gegner ging er alsbald auch militärisch vor. Diese wiederum
versuchten, NAPOLEON durch Komplotte, Attentate und Intrigen zu stürzen,
scheiterten aber. 1802 ließ NAPOLEON durch eine erneute Volksbefragung
sein Konsulat auf Lebenszeit verlängern.
NAPOLEON setzte zu Beginn seiner Herrschaft noch auf den inneren
Frieden im Lande. Im Vordergrund seiner Konsulatszeit stand der
soziale Ausgleich im Inneren, den er durch den Aufbau einer fundierten
zivilrechtlichen Verwaltung zu erreichen suchte. Dabei betrachtete er
die soziale Gleichberechtigung für
den neuen Staat als lebenswichtig; wurden doch vom Staat Tugenden bei
seinen Bürgern gefordert und belohnt, wie sie NAPOLEON mit seiner
Person wie kein anderer verkörperte. Jedem Talent sollte der Weg
nach oben offenstehen. Ein 1802 erlassenes Amnestiegesetz
erlaubte es außerdem den Emigranten zurückzukehren, wenn sie
den Treueeid auf die Verfassung leisteten. Schließlich gelang NAPOLEON
mit dem am 15. Juli 1801 unterzeichneten Konkordat auch der Ausgleich
mit dem Papst und der katholischen Kirche im Lande.
Das Kaiserreich
Am 18. Mai 1804 reagierte NAPOLEON auf eine Reihe royalistischer
Umsturzversuche, Attentate und Verschwörungen. Er führte die
erbliche Kaiserwürde
ein und gab damit seiner Herrschaft eine neue Grundlage, mit der er die
Sicherheit seines Regimes im Inneren verstärken und seine territorialen
Eroberungen auf Dauer schützen wollte.
Am 2. Dezember 1804 krönte er sich
im Beisein des Papstes in der Kathedrale Notre-Dame
in Paris selbst zum Kaiser. Einige
Jahre später führte NAPOLEON I.,
wie er sich nun nannte, auch den erblichen
Verdienstadel ein. Die von ihm ernannten Adligen machte er durch
die Ausstattung mit Titeln und Ländereien persönlich von sich
abhängig. Damit versuchte er eine neue führende Gesellschaftsklasse
zu schaffen, die republikanische Aristokratie.
Nach seinen Vorstellungen sollten sich deren Privilegien jedoch nicht
wie beim Adel auf Geburt und Herkunft gründen. Vielmehr sollten politischer
Einfluss, wirtschaftliche Macht und Reichtum deren Basis sein.
In dem Maße, wie die Verwaltung des Landes immer reibungsloser
funktionierte, nahm das Kaiserregime zunehmend diktatorische
Züge an. Die neue Monarchie regierte autokratisch mit den Mitteln
des Zentralismus und der Bürokratie und hatte ihre Bürger fest
im Griff. Pressefreiheit gab es schon bald nicht mehr. Die Wirklichkeit
des Kaiserreichs bestand vielmehr aus Pressezensur
und Einschränkung der persönlichen
Freiheiten durch ein landesweit operierendes System von Polizeispitzeln.
NAPOLEON hatte damit den Zenit seines grandiosen Aufstiegs in Frankreich
erreicht. Von nun an konzentrierte er sich auf die Ausdehnung seiner Macht
auf dem europäischen Kontinent.