

Hauptziel
in der Außenpolitik war die Errichtung eines "großdeutschen Reiches".
Die Vorstellung der Nationalsozialisten ging dabei weit über die Vorstellungen
der Konservativen hinaus. Letztere waren vorrangig auf die Revision des Versailler
Vertrages aus. Die Nationalsozialisten
dagegen strebten die globale Hegemonie an.
Die zentrale Idee der Außenpolitik
manifestierte sich in der "Eroberung neuen Lebensraumes", wie es im
Hoßbachprotokoll verankert wurde.
Wie kam es, dass so viele Deutsche Hitlers Politik folgten?
Verfolgung
und Gewalt waren eine Seite der Politik, die viele in Apathie und Anpassung drängten,
die andere Seite, und das war der Kern des nationalsozialistischen Erfolges, waren
das Ansprechen von Gefühlen und Auslösen von Emotionen. Beides stand
im krassen Gegensatz zur nüchternen, rationalistischen Demokratie.
So fand besonders der Appell
an Traditionen verführerischen Anklang
bei einem großen Teil der Bevölkerung. Beispiele hierfür sind
der "Tag von Potsdam" am 21. April 1933 oder die jährlich stattfindenden Erntedankfeste, wo glanzvolle Huldigungen bäuerlichen
Brauchtums zelebriert wurden. Der Tag von Potsdam verband nationalsozialistisches Sendungsbewusstsein mit preußisch-konservativem militärischem Nationalismus,
indem sich auf den Geist FRIEDRICHS DES GROSSEN berufen wurde. Kein Regime war
bisher so perfekt in der Inszenierung von Politik, von Theatralik, von sinnstiftenden
Symbolen wie das nationalsozialistische. Das zeigte sich in der Olympiade 1936 wie auch in den jährlich überwältigend choreografierten Massenaufmärschen
zu den Reichsparteitagen in München.
Das Hoßbachprotokoll
Seit 1936 waren die Vorbereitungen auf einen
Krieg endgültig angelaufen. In einer
geheimen Denkschrift HITLERS zum Vierjahresplan
begründet er, dass die deutsche Wirtschaft in vier Jahren kriegsfähig
sein müsse. Von diesem Zeitpunkt an war die wirtschaftliche Planung und Produktion
auf die Kriegsvorbereitung voll konzentriert.
In seiner Rede vor den Oberbefehlshabern der Wehrmacht, dem Kriegsminister
VON BLOMBERG und dem Außenminister VON NEURATH am 5. November 1937
gab HITLER seinen "unabänderlichen Entschluss" bekannt, die
"Lebensraumfrage"
spätestens 1943/45 auf dem Wege der Gewalt lösen zu wollen. Als erste
Ziele wurden Österreich und die Tschechoslowakei
genannt. Niedergeschrieben wurde diese Rede im sogenannten Hoßbachprotokoll.
Diese mitteleuropäische Ausdehnung sollte die strategischen Voraussetzungen
für den "Lebensraum"-Krieg im Osten schaffen. Widerspruch gegen
die Expansionspläne äußerten
der Reichsaußenminister FREIHERR VON NEURATH, der außenpolitische
Risiken sah, sowie Heeres-Oberbefehlshaber WERNER FREIHERR VON FRITSCH, der die
wirtschaftliche und militärische Leistungskraft Deutschlands bezweifelte.
Beide wurden ein Jahr später durch willfährige Nachfolger (RIBBENTROP
wird Reichsaußenminister) ersetzt.
Am 4. Februar 1938 ernannte
sich HITLER mit einem "Erlass über die Führung der Wehrmacht"
zum Führer der Wehrmacht:
"Die Befehlsgewalt über die gesamte Wehrmacht übe ich von jetzt an unmittelbar persönlich aus."
Das bisherige Wehrmachtamt wurde unter
Generaloberst WILHELM KEITEL (Oberkommando der Wehrmacht = OKW) HITLERS militärischer
Stab. Damit nahm das OKW die bisherigen Aufgaben des Reichskriegsministeriums
wahr.
Seine Ziele wiederholte HITLER auch in einer Geheimrede
am 23. November 1937 anlässlich der Einweihung der Ordensburg Sonthofen.
Er sprach von der Schaffung eines "Waffenstaates",
um das Problem "Lebensraum" zu lösen.
Kriegsvorbereitende außenpolitische Aktionen
Am 12. März
1938 marschierte die deutsche Wehrmacht in Österreich ein. Der Anschluss Österreichs an Deutschland zeigte, dass die Westmächte
HITLER freie Hand ließen. Dadurch ermutigt, fasste HITLER bereits am 28. März
1938 den Entschluss, die Tschechoslowakei zu annektieren. Auch hier erwiesen sich
die Westmächte als äußerst schwach. Auf der Münchener Konferenz
am 29. September 1938 erhielt Deutschland von England, Frankreich und Italien
das Sudetengebiet zugesprochen, in der Hoffnung, einen Krieg zu vermeiden. HITLER
jedoch ging von seinen Plänen nun erst recht nicht ab. So wurde der Z-Plan
zum Aufbau einer gegen England gerichteten Flotte
zur gleichen Zeit entwickelt, in der HITLER mit CHAMBERLAIN (Bild 1) über Frieden
sprach. Für HITLER waren diplomatische
Abkommen mit westlichen Demokratien wertlos, sie dienten nur als Feigenblatt für
seine wahren Absichten. Das zeigte sich schon am 15. März 1939, als
HITLER entgegen dem Münchener Abkommen die "Rest-Tschechei" besetzte.
Erst jetzt erkannten die Briten, dass Gegenmaßnahmen notwendig
wurden. Sie garantierten Polen die Unabhängigkeit
und versuchten mit Russland eine Allianz zu
schließen. Dem kam jedoch HITLER zuvor, indem RIBBENTROP am 23. August
1939 mit STALIN den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt (Hitler-Stalin-Pakt)
schloss.
Am 1. September 1939 marschierten deutsche Truppen in Polen
ein - damit begann der Zweite
Weltkrieg, der verheerendste Krieg des 20. Jahrhunderts.
Kriegsvorbereitende
innenpolitische Aktionen und Maßnahmen (Auswahl)
Die innenpolitischen
Maßnahmen waren immer den außenpolitischen Zielen, der Schaffung
eines großdeutschen Reiches, untergeordnet.
| 13.12.1933 | Das
"Gesetz über die Übernahme von Garantien zum Ausbau der Rohstoffwirtschaft"
garantiert der Industrie Preise und Absatz. Einen Tag später wird der sogenannte "Benzinvertrag" zwischen dem Reichswirtschaftsministerium und
der I.G. Farben über den Aufbau einer deutschen Mineralölindustrie
für wehrwirtschaftliche Zwecke mit staatlicher Unterstützung abgeschlossen.
Ziel ist die Produktion von synthetischem Treibstoff. |
| 18.12.1933 | Memorandum
der Reichsregierung zur Rüstungsfrage:
Es enthält die Forderung nach Gleichberechtigung und den Vorschlag einer
Umwandlung der Reichswehr in ein kurz
dienendes Heer von 300 000 Mann sowie Einzelvorschläge zur allgemeinen
"Rüstungsbeschränkung". |
| 06.06.1934 | HITLER gibt die geheime
Anweisung, die baldige Verdreifachung der Mannschaftsstärke
der Reichswehr vorzubereiten. |
| 24.09.1934 | SCHACHTS "Neuer Plan" führt ein Wirtschaftsprogramm der völligen Außenhandelssteuerung durch zentrale Devisenbewirtschaftung ein. Um die Rüstungsexpansion sicherzustellen, wird der Import nach einer Dringlichkeitsskala auf rüstungswirtschaftlich notwendige Rohstoffe und wichtige Nahrungsmittel beschränkt. |
| 13.01.1935 | Volksabstimmung
zur Rückgliederung der Saar in das Deutsche
Reich. Am 01.03. erfolgt die formale Eingliederung. |
| 26.02.1935 | Das "Gesetz über
die Einführung eines Arbeitsbuches"
dient der Kontrolle von Arbeitsverhältnissen und -kräften, um "die
zweckentsprechende Verteilung von Arbeitskräften in der deutschen Wirtschaft"
zu gewährleisten. |
| 14.03.1935 | Die Luftwaffe
wird durch einen Erlass HITLERS zum selbstständigen Wehrmachtteil. |
| 16.03.1935 | Das
"Gesetz über den Aufbau der Wehrmacht"
führt die allgemeine Wehrpflicht wieder ein. Damit werden die Bestimmungen
des Versailler Vertrages von HITLER aufgehoben.
Bis 1939 soll die Wehrmacht auf 36 Divisionen mit 580 000 Mann anwachsen. |
| 21.05.1935 | Ein geheimes Reichsverteidigungsgesetz
verpflichtet die Wirtschaft zur Rüstungsproduktion. |
| Februar
1936 | Der Deutschen
Industrie gelingt die Entwicklung synthetischer Produkte (Benzol, Buna, Chemiefasern). |
| 29.03.1936 | Die "SS-Wachverbände"
(3500 Mann) werden in "SS-Totenkopf-Verbände"
umbenannt. Sie sollen als rücksichtslos gehorchende, mitleidlose Vollstrecker
des Führerwillens Dienst in den Konzentrationslagern tun. Teile der Totenkopf-Verbände
gehen später in die Waffen-SS über. |
| 26.07.1936 | Aufstellung der Legion
Condor, um an Francos Seite am Spanischen Bürgerkrieg teilzunehmen -
HITLERS erste Probe für den Luftkrieg. |
|
Sommer 1936 | Aufgrund
der Fett-Krise wird die Parole herausgegeben
"Kanonen statt Butter". Ende August bezeugt HITLER in einer geheimen Denkschrift zum Vierjahresplan, dass im Zeichen der Aufrüstung die Wirtschaft auf eine "Kriegswirtschaft im Frieden" umgestellt werden müsse. HITLER forderet: "Die deutsche Armee muß in 4 Jahren einsatzfähig sein. (...) Die deutsche Wirtschaft muß in 4 Jahren kriegsfähig sein."Auf dem Reichsparteitag in Nürnberg (8.-14.9.) wird der Vierjahresplan verkündet, der eine systematische Aufrüstung zum Ziel hat. |
| 25.11.1936 |
"Antikominternpakt" mit Japan, dem 1937 Italien und bis 1941 Mandschukuo,
Ungarn, Spanien, Bulgarien, Kroatien, Dänemark, Finnland, Nanking-China,
Rumänien und die Slowakei beitreten. |
| 20.-26.09. 1937 | Erprobung der
Blitzkriegstrategie während
eines Wehrmachtmanövers in Mecklenburg. Gleichzeitig findet eine Luftschutzübung
nördlich der Linie Mannheim-Leipzig mit Verdunklung usw. statt. |
| 05.11.1937 | Die sogenannte Hoßbach-Niederschrift
über das Treffen HITLERS mit Oberbefehlshabern der Wehrmacht, Kriegsminister
und Außenminister über die gewaltsame Lösung des Problems "Lebensraum"-Krieg
im Osten. |
| 30.05.1938 | Die Wehrmacht
wird angewiesen, alle notwendigen Vorbereitungen zu treffen, um "die Tschechoslowakei
in absehbarer Zeit durch eine militärische Aktion zu zerschlagen". |
| Juni 1938 | Der Reichsarbeitsdienst
(RAD) und die neu gegründete Organisation Todt (OT) beginnen mit dem Bau
des 630 km langen, militärisch überschätzten "Westwalls",
einer Verteidigungslinie von der Schweizer Grenze bis in den Raum Aachen. Bis
September 1939 entstehen etwa 14 000 Bunker, Kampfanlagen sowie die charakteristischen
"Drachenzähne" zur
Panzerabwehr. |
| 26.08.1938 | Im Reichsgesetzblatt
wird die Kriegssonderstrafrechtsverordnung
veröffentlicht. Sie sieht drakonische Strafen für Vergehen und Verbrechen
in Kriegszeiten vor. Unter anderem wird der neue Straftatbestand der "Wehrkraftzersetzung"
eingeführt, auf den die Todesstrafe steht. |
| November
1938 | HITLER
fordert in einer Geheimrede vor etwa 400 Journalisten
und Verlegern die Deutschen auf, den Krieg vorzubereiten. Um eine Standardisierung
voranzutreiben, wird die "Schaffung neuer Typen von Lastkraftwagen"
von einer Genehmigung des "Generalbevollmächtigten für das Kraftfahrwesen"
abhängig gemacht. |
| 20.01.1939 | HJALMAR SCHACHT wird
als Reichsbankpräsident entlassen und durch Reichswirtschaftsminister Funk
ersetzt, weil er gegen die Rüstungsfinanzierung
Einspruch erhoben hat. |
| 10.02.1939 | In
einer geheimen Ansprache vor Truppenkommandeuren äußert sich HITLER
zu den ideologischen Motiven seiner Außenpolitik.
Es gehe um "das Schicksal unserer Rasse in kommenden Jahrhunderten", und deshalb werde "der nächste Kampf ... ein reiner Weltanschauungskrieg sein, d.h. bewusst ein Volks- und Rassenkrieg sein." |
| März 1939 | Eine Verordnung über
die Typenbegrenzung in der Kraftfahrzeugindustrie
wird erlassen. Sinn dieser Maßnahme ist die Kriegsvorbereitung: Vom 1. Januar
1940 werden nur noch 30 von bisher 52 PKW-Typen und nur noch 19 von bislang 113
LKW-Typen gebaut. Die Ago-Flugzeugwerke in Oschersleben stellen das 1000. Flugzeug fertig. |
| April
1939 | Die
Howaldtswerke in Kiel gehen in den Besitz der Kriegsmarine über und werden
mit dem Kriegsmarinearsenal zur Kriegsmarinewerft
Kiel vereinigt. |
| Mai 1939 | HITLER erläutert der Generalität seine Angriffspläne ("Schmundt-Protokoll"). Hier bekräftigt er seine Absicht, bei passender Gelegenheit Polen anzugreifen. Danzig allein sei "nicht das Objekt, um das es geht. Es handelt sich für uns um die Erweiterung des Lebensraumes im Osten und Sicherstellung der Ernährung, sowie die Lösung des Baltikum-Problems". Jedes Einzelgebäude im Reich
(Luftschutzgemeinschaft)
hat für Selbstschutzgeräte (Einreißhaken, Handfeuerspritzen, Feuerpatschen,
Hausapotheken, Wassereimer, Sandkisten, Äxte usw.) zu sorgen. Im ganzen Reich
sind Verdunklungsmöglichkeiten vorzubereiten. |
| August
1939 | Die Einrichtung
behelfsmäßiger Luftschutzräume
wird angeordnet. Ab 27.08.1939 wird die Rationierung von Lebensmitteln und anderen Waren durch die Bezugsscheinpflicht eingeführt. Es geht zunächst um: Brot und Mehl, Kartoffeln, Fleischwaren, Milch, Öle und Fette, Eier, Zucker und Marmelade, Hülsenfrüchte, Graupen, Grütze, Grieß, Sago und sonstige Nährmittel, Kaffee, Kaffee-Ersatzmittel, Tee und Kakao, Seife und Waschmittel, Hausbrandkohle, Spinnstoffwaren sowie Schuhwaren. Höchstabgabemengen pro Tag bzw. Woche sind z. B.: 700 Gramm Fleisch/Woche, 0,2 Liter Milch/Tag, 63 Gramm Kaffee/Woche, 20 Gramm Tee/Monat. Am 30.08. wird der Generalinspekteur für Straßenwesen, FRITZ TODT, mit der Leitung der Munitionserzeugung beauftragt. |
Alle wirtschaftlichen, politischen,
Bildungs- und Erziehungsaufgaben liefen darauf hinaus, das deutsche Volk auf einen
Krieg vorzubereiten. Da nach HITLERs Motivation es sich um einen Weltanschauungskrieg
handelte, müsste auch im deutschen Volk dieser "Krieg" geführt
werden.
Neben den genannten Aktivitäten und Maßnahmen arbeitete
eine Terrormaschinerie im Innern
des Landes, die Andersdenkende wie Kommunisten, Sozialdemokraten, bürgerlich-humanistisch
Gesinnte, aber auch Homosexuelle, Zeugen Jehovas, Freimaurer aufs grausamste verfolgte,
quälte und vernichtete. Besonderer Repression waren die Juden und Sinti und
Roma ausgesetzt. Die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen und ihre spätere
grausame Ermordung bleiben ein nie vergessendes Verbrechen
deutscher Geschichte.