



Nach CAESARS Ermordung im Jahr 44 v. Chr. begann der Kampf um seine Nachfolge zwischen MARCUS ANTONIUS, dem treuen Weggefährten und Bewunderer CAESARS, und GAIUS OCTAVIUS, CAESARS Adoptivsohn und Erbe. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen trat OCTAVIAN schließlich dessen Nachfolge an. Die Vorgeschichte für den Konflikt zwischen beiden und für die Auseinandersetzungen im Senat und im Volk reicht in CAESARS Lebzeiten zurück.
CAESARS
Ermordung
GAIUS JULIUS CAESAR hatte nach Beendigung des Bürgerkrieges (49-45 v. Chr.) die unumschränkte
alleinige Macht im Staat. In den letzten Jahren dieser Alleinherrschaft
hatte er zahlreiche Ämter in seiner Person
vereinigt (z. B. Diktatur auf Lebenszeit) und sich mit Ehrungen überhäufen lassen (z. B. Pater patriae) - es war bereits ein religiöser Caesar-Kult im Entstehen.
Der Streit um die Nachfolge:
OCTAVIAN gegen ANTONIUS
Nach der Ermordung
CAESARS herrschten in Rom Unruhen und Unsicherheit. Die Gegensätze verschärften
sich: Die Republikaner, zu denen
große Teile des Senats gehörten - darunter der Politiker und Schriftsteller
MARCUS TULLIO CICERO -, hatten gehofft,
dass sich mit dem Tyrannenmord die alte Republik wiederherstellen ließe.
Auf der Seite der Caesarianer stand vor allem
CAESARS langjähriger Weggefährte und Konsul MARCUS
ANTONIUS und mit ihm der Großteil des Heeres und viele Provinzen. Die
beiden Seiten einigten sich darauf, die Caesar-Mörder einerseits nicht zu
bestrafen, andererseits aber CAESAR auch nicht zum Tyrannen zu erklären,
um seine Verfügungen nicht rückgängig machen zu müssen.
Nun
erschien der erst 18-jährige GAIUS
OCTAVIUS, der im Jahre 45 v. Chr. von seinem Großonkel CAESAR
adoptiert und zum Erben eingesetzt worden war. Er hatte sich in Apollonia in Griechenland
für einen Feldzug gegen die Parther bereitgehalten. Als er vom Tod CAESARS
erfuhr, kehrte er nach Rom zurück und beanspruchte die Nachfolge
CAESARS für sich. Von nun an nannte er
sich GAIUS JULIUS CAESAR OCTAVIANUS (deutsche
Schreibung OCTAVIAN). ANTONIUS aber verstand
sich selbst als politischer Nachfolger und weigerte sich, OCTAVIAN als Erben anzuerkennen.
OCTAVIAN konnte CAESARS
Soldaten für sich gewinnen und aus ihnen eine Privatarmee
rekrutieren. Da er gegen ANTONIUS zu stehen schien, gelang es ihm mithilfe von
CICERO, einem glühenden Gegner des ANTONIUS, auch den Senat für sich
einzunehmen: Obwohl er noch kein Amt bekleidet hatte, wurde er in den Senat
aufgenommen, der seine Ansprüche auf CAESARS
Nachfolge legitimierte. Seine Privatarmee stellte OCTAVIAN dem Senat zur
Verfügung, er wurde zum Heerführer mit prätorischem Rang ernannt.
Doch
die politische Macht im Staat hatte ANTONIUS, da er das Konsulat innehatte. Die
Caesar-Mörder hatten Rom verlassen müssen. Mit einem von ihnen, DECIMUS
BRUTUS, geriet ANTONIUS in einen Streit um die Provinz Gallia Cisalpina.
Als DECIMUS BRUTUS sich in Mutina (heute Modena) verschanzte und ANTONIUS ihn
belagerte, brach der Bürgerkrieg
Ende 44 v. Chr. offen aus (Mutinesischer
Krieg): CICERO forderte im Senat vehement das Vorgehen gegen ANTONIUS,
und im Auftrag des Senats zog OCTAVIAN darauf mit einem Heer nach Mutina. ANTONIUS
wurde besiegt und musste nach Gallien fliehen.
Da bei den Kämpfen die
beiden Konsuln ums Leben gekommen waren, forderte OCTAVIAN nun das nicht besetzte
Konsulat für sich, um gegen die Mörder CAESARS auf legalem Wege vorgehen
zu können. Als der Senat ablehnte und damit die Caesar-Mörder stützte,
erzwang OCTAVIAN 43 v. Chr. mit militärischen Mitteln seine Wahl
zum Konsul und richtete Sondergerichte
gegen die Caesar-Mörder ein.
Das 2. Triumvirat (43 v. Chr)
Wenige Wochen später bildeten ANTONIUS
und OCTAVIAN zusammen mit MARCUS
AEMILIUS LEPIDUS, dem reichsten Mann Roms, das 2. Triumvirat
("Dreimännerbund", von lat. "tres" = drei und
"viri" = Männer). Im Gegensatz zum 1. Triumvirat
zwischen POMPEIUS, CRASSUS und CAESAR im Jahre 60 v. Chr. handelte es sich
diesmal nicht um eine private Absprache: Das 2. Triumvirat wurde vom Senat
legalisiert und war damit ein staatliches Amt auf
fünf Jahre zur Wiederherstellung der staatlichen Ordnung. Jeder der drei
Triumvirn erhielt einen Teil des Reichsgebietes.
Als Erstes rächten
sich die Triumvirn an den Republikanern und veröffentlichten Proskriptionen
(Ächtungslisten), die den Verrätern und Mördern der Geächteten
finanzielle und statusmäßige Belohnungen zuerkannten. Im Zuge der Proskriptionen
wurden 200 Senatoren - darunter auch CICERO - und 2 000 Ritter
umgebracht. Die Triumvirn entledigten sich dabei nicht nur der politischen Gegner,
sondern töteten auch Unschuldige: persönliche Feinde und reiche Männer,
deren Vermögen sie einzogen.
Darauf machten sich ANTONIUS
und OCTAVIAN an die Verfolgung der Caesar-Mörder BRUTUS und CASSIUS. Beide wählten nach ihrer
Niederlage bei der Doppelschlacht bei Philippi in Makedonien 42 v. Chr. den Freitod.
OCTAVIAN war die schwierige Aufgabe
zugefallen, die Veteranen anzusiedeln. Darüber kam es zu einem Konflikt mit
dem Konsul LUCIUS ANTONIUS, dem Bruder des Triumvirs MARCUS ANTONIUS. Aus diesem
Streit entwickelte sich der Perusinische
Krieg (41-40 v. Chr.): OCTAVIAN nahm die Stadt Perusia (heute Perugia)
ein und ließ mit besonders kaltblütiger Brutalität 300 Senatoren
und Ritter ermorden, die sich dort verschanzt hatten.
Durch OCTAVIANS grausames
Vorgehen waren weitere Spannungen zwischen ihm und ANTONIUS entstanden, die schließlich
40 v. Chr. im Vertrag von
Brundisium (heute Brindisi) beigelegt wurden. Das Reich wurde nun aufgeteilt: ANTONIUS erhielt den
problematischen Osten, OCTAVIAN den vermögenden Westen des Reiches, und der
inzwischen schon nicht mehr gleichberechtigte Partner LEPIDUS behielt Nordafrika;
Italien wurde zur neutralen Zone erklärt. Das Bündnis wurde zusätzlich
gefestigt durch die Eheschließung zwischen ANTONIUS und OCTAVIA, der Schwester
OCTAVIANS.
Der letzte bedeutende Gegner
des Triumvirats, SEXTUS POMPEIUS, drohte mit
seiner Seestreitkraft von Sizilien aus die Getreidezufuhr für Rom abzuschneiden.
OCTAVIANS Feldherr MARCUS VIPSANIUS AGRIPPA zog deshalb mit einer Flotte gegen POMPEIUS und besiegte ihn 36 v. Chr. in
der Seeschlacht bei Naulochos.
Trotz
der Verlängerung des Triumvirats 37 v. Chr.
auf weitere fünf Jahre entfernten sich die drei Männer immer mehr voneinander.
Im darauffolgenden Jahr wurde LEPIDUS politisch ausgeschaltet; ihm wurde lediglich
das Amt des Pontifex maximus (Oberpriester) belassen. Mit der Entmachtung
des LEPIDUS brach das Triumvirat
36 v. Chr. vollständig auseinander, und in dem nun folgenden Machtkampf
standen sich OCTAVIAN und ANTONIUS allein gegenüber.
Der
Bruch zwischen OCTAVIAN und ANTONIUS
OCTAVIAN hatte in seinem östlichen Reichsgebiet einige militärische Erfolge erzielt,
hatte etliche Kolonien zur Landversorgung der Veteranen gegründet und auch
schon mit einer regen Bautätigkeit in Rom begonnen. Zudem hatte er seinem
Namen den Titel "Imperator" zugefügt, um seine Unantastbarkeit zu betonen.
ANTONIUS dagegen hatte im Westen zwar Reformen durchgesetzt und dadurch seine Machtstellung
stärken können, im Feldzug gegen die Parther 36 v. Chr. aber eine Niederlage erlitten.
Immerhin gelang es ihm 34 v. Chr., Armenien zu unterwerfen.
Ein besonderer
Anstoß des Ärgernisses für OCTAVIAN war ANTONIUS' Beziehung zu KLEOPATRA, der ägyptischen Königin
und früheren Geliebten CAESARS. Mit ihr lebte ANTONIUS seit dem Winter 41/40
v. Chr. offen zusammen. Aus dieser Verbindung wurden bereits im Jahr 40 v. Chr.
Zwillinge geboren, 36 v. Chr. dann das dritte gemeinsame Kind. ANTONIUS verhielt
sich wie ein hellenistisch-orientalischer Herrscher: Er schenkte KLEOPATRA römische Provinzen, kleidete sich orientalisch, nannte sich "König
der Könige" und stattete auch die gemeinsamen Kinder mit römischen
Provinzen aus. CAESARION, den illegitimen Sohn
von CAESAR und KLEOPATRA, ernannte er zum Mitregenten. Der Gipfelpunkt an Untreue
gegenüber Rom schien erreicht zu sein, als ANTONIUS 36 v. Chr. sich
von seiner Ehefrau OCTAVIA scheiden ließ und sich offiziell mit KLEOPATRA
vermählte.
Nun beschuldigte OCTAVIAN ihn, den Schwerpunkt des
Römischen Imperiums in den Orient verlagern zu wollen. Mit einem versuchten
Staatsstreich gelang es ihm, die Konsuln und etwa 300 Senatoren, die auf ANTONIUS'
Seite standen, in die Flucht zu schlagen. Er verschaffte sich widerrechtlich das Testament des
ANTONIUS, aus dem hervorging, dass er KLEOPATRAS Kindern römische
Territorien schenken und sie als Erben einsetzen wollte und dass er selbst in
Ägypten beigesetzt zu werden wünschte. Um den Konflikt mit ANTONIUS
zuzuspitzen, veröffentlichte OCTAVIAN das Testament und schürte damit
die Entrüstung auch unter den in Rom verbliebenen Anhängern des ANTONIUS.
Krieg zwischen Rom und Ägypten (32-30 v. Chr.)
Der Senat
unterstützte jetzt OCTAVIAN: Er wurde mit Sondervollmachten ausgestattet,
ANTONIUS wurden alle Ämter entzogen. Zudem ließ OCTAVIAN ganz Italien
und die Westprovinzen einen Treueid auf sich
schwören. Um einen offenen Bürgerkrieg zu vermeiden, erging die Kriegserklärung des Senats 32 v. Chr. nicht an ANTONIUS, sondern an KLEOPATRA und damit an Ägypten (Ptolemäischer
Krieg).
Zur entscheidenden Schlacht kam es 31 v. Chr. bei Actium an der Westküste Griechenlands. Wieder war es AGRIPPA, der bei der Seeschlacht über die
ägyptische Flotte siegte; das riesige Landheer ergab sich beinahe vollständig.
ANTONIUS und KLEOPATRA flohen nach Ägypten.
OCTAVIAN war noch mit
inneren Angelegenheiten befasst und nahm deren Verfolgung später auf. Als
er 30 v. Chr. in Alexandria einrückte, nahm sich ANTONIUS das Leben. KLEOPATRA soll noch einmal versucht
haben, nach CAESAR und ANTONIUS nun auch OCTAVIAN für sich zu gewinnen, aber
als diese Bemühungen fehlschlugen, nahm auch sie sich durch einen Schlangenbiss das Leben. OCTAVIAN spürte darauf CAESARS Sohn CAESARION auf und tötete ihn, um der Gefahr weitreichender Erb- und Herrschaftsansprüche
zu entgehen. Ägypten wurde römische Provinz.
Die
Herrschaft des AUGUSTUS
ANTONIUS war tot, der Bürgerkrieg beendet,
und OCTAVIAN hatte nun die alleinige Macht im Staat. Als er 27 v. Chr. die formal immer noch bestehende Triumviralgewalt
niederlegte, übergab ihm der Senat freiwillig die Führung
des Staates. Zum Dank wurde ihm der Ehrenname AUGUSTUS (= der Erhabene) zuerkannt. AUGUSTUS schuf das Prinzipat als neue Herrschaftsform, das in noch nicht gekannter Weise seine kaiserähnliche
Alleinherrschaft und die republikanische Verfassung miteinander vereinte. Tatsächlich
jedoch hatte die Republik der Monarchie Platz gemacht und mit AUGUSTUS' Herrschaft
begann die römische Kaiserzeit.
AUGUSTUS verkündete den Frieden
("Pax Augusta" = "Augusteischer
Frieden"), mit dem ein außerordentlicher wirtschaftlicher und kultureller
Aufschwung einherging: Rom wurde zur Finanz- und Handelsmetropole des Mittelmeerraums, Kunst und Literatur erlebten eine Blütezeit, und in Rom und den Provinzen wurden weitreichende Bauprogramme vorangetrieben. In den Provinzen
setzte eine Romanisierung ein, die noch die
kommenden Jahrhunderte bis heute beeinflusste. Die Regierungszeit des AUGUSTUS
ging als "Augusteisches Zeitalter" in die Geschichte ein und steht für Frieden, Wohlstand und kulturelle Blüte.