
Vorgeschichte
und Verlauf der Revolution
Am 7. November 1917 (nach dem damals in Russland geltenden julianischen
Kalender am 25. Oktober) übernahmen die Bolschewiki unter Führung
W. I. LENINS im Zuge der Oktoberrevolution
in Russland die Macht.
Zar NIKOLAUS II. hatte bereits im Februar abgedankt. Im Ergebnis der
Februarrevolution hatte
sich eine Doppelherrschaft der bürgerlichen
Provisorischen Regierung unter GEORGIJ J.
LWOW gebildet, der die Sowjets (Arbeiter-
und Soldatenräte) gegenüberstanden. Letztere hatten sich in verschiedenen
Städten gebildet und waren in Petrograd am stärksten.
LENIN war im Frühjahr 1917 aus dem Exil zurückgekehrt. Bereits
im Juli kam es zu Aufständen der Bolschewiki
gegen die Provisorische Regierung. Die Regierung schlug die Aufständischen
brutal nieder und verbot die bolschewistische Partei. LENIN musste nach
Finnland fliehen.
Doch wurde die Position der Bolschewiki gestärkt, als sie bei einem
Putschversuch von Revolutionsgegnern
die Provisorische Regierung unterstützten. Die Bolschewiki errangen
daraufhin im Petrograder Sowjet die Mehrheit.
LENIN konnte nun aus Finnland zurückkehren. Er organisierte den Kampf
zur Machtübernahme durch die Bolschewiki.
In der Nacht vom 24. zum 25. Oktober
besetzten Militäreinheiten und bewaffnete Arbeitertrupps wichtige Straßen,
Plätze und Gebäude in Petrograd. Die Gegenwehr war bis auf die
Einnahme des Winterpalais relativ
gering. Es gelang den Revolutionären, die meisten Mitglieder der Regierung
zu verhaften und die Regierung zu übernehmen. Sie bildeten den Rat
der Volkskommissare, dessen Vorsitzender LENIN wurde.
Die Bolschewiki hatten unter der Bevölkerung großen Zuspruch,
denn bereits in den Aprilthesen verkündeten
die Bolschewiki "Frieden um jeden Preis!"
und "Alle Macht den Sowjets!".
Festigung der Macht
Auf dem II. Allrussischen Sowjetkongress
verabschiedeten die Bolschewiki drei wesentliche Dekrete:
Unter dem Vorsitz LENINS waren
u. a. TROTZKI für die Außenbeziehungen und STALIN für
Nationalitätenfragen zuständig.
Am 15. November 1917 wurde in der "Deklaration der Rechte der Völker
Russlands" allen Nationen des ehemaligen Zarenreiches das Selbstbestimmungsrecht
gewährt.
Finnland, die Ukraine, die baltischen Länder, Georgien, Armenien
und Aserbaidshan erklärten daraufhin ihre Unabhängigkeit.
Weitere Dekrete führten zur Trennung
von Staat und Kirche, zur Verstaatlichung
von Banken und der Großindustrie sowie zur Kontrolle
der Presse unter dem Diktat der Bolschewiki.
Zur Sicherung ihrer Macht hatten die Bolschewiki am 20. Dezember
1917 die Tscheka (Außerordentliche
Kommission zum Kampf gegen Konterrevolution und Sabotage) unter Leitung
von FELIX E. DSERSCHINSKI gegründet.
Bürgerliche Parteien wurden verboten, Menschewiki und rechte Sozialrevolutionäre,
die anfangs an der Macht beteiligt waren, wurden vom politischen Leben
ausgeschlossen. Alleinherrschende Macht wurde die Kommunistische
Partei Russlands (Bolschewiki).
Mit der Übersiedlung der Regierung in den Moskauer Kreml am 10. Juli 1918 und der vom III. Allrussischen
Sowjetkongress verabschiedeten Verfassung war die Russische Sozialistische Föderative
Sowjetrepublik gegründet und die erste Phase der Revolution
abgeschlossen.
Friedensvertrag von Brest-Litowsk
Folgend dem Dekret über den Frieden vom 8. November 1917, schloss die bolschewistische Regierung noch
im Dezember 1917 einen Waffenstillstand mit den Mittelmächten: Deutschland und Österreich-Ungarn.
Im Februar 1918 wurden in Brest-Litowsk die Friedensverhandlungen geführt.
Russischer Verhandlungsführer war TROTZKI, der aufgrund unakzeptabler
Forderungen vor allem seitens Deutschlands die Verhandlungen zunächst
abbrach. LENIN jedoch setzte sich auch angesichts einer neuen deutschen
Offensive gegen TROTZKI durch und drang auf einen raschen Friedensschluss.
Am 3. März 1918 wurde der Friedensvertrag von Sowjetrussland und den Mittelmächten unterzeichnet.
LENIN benötigte den Frieden, der mit hohen Reparationszahlungen an
Deutschland und großen Gebietsverlusten verbunden war, um die Macht
im Innern Russlands zu festigen. Außerdem war er überzeugt,
dass in anderen europäischen Ländern es ebenfalls zu proletarischen
Revolutionen kommen würde. In mehreren Ländern, besonders
in Deutschland und Ungarn, waren revolutionäre Kämpfe ausgebrochen,
die jedoch alle nicht zum Sieg geführt hatten. So blieb vorerst Sowjetrussland der einzige revolutionäre Staat in Europa.
Bürgerkrieg in Russland
Nach der siegreichen Oktoberrevolution hatten sich mehrere antibolschewistische Zentren herausgebildet: In Sibirien war es der Admiral KOLTSCHAK, der eine diktatorische
Herrschaft errichtet hatte; im Ostseeraum übernahm General DENIKIN
die Führung der Konterrevolutionäre (Weißgardisten); im
Uralgebiet konstituierte sich im Sommer 1918 eine aus Sozialrevolutionären
gebildete antibolschewistische Regierung. Unterstützt wurden die
Konterrevolutionäre (Menschewiki, Sozialrevolutionäre, Bürgerliche,
konservative Monarchisten) von den Entente-Mächten England und Frankreich.
TROTZKI, der seit März 1918
Kriegskommissar war, baute gegen die konterrevolutionären Kräfte
eine "Rote
Arbeiter- und Bauernarmee" auf.
Ihr Führer während des Bürgerkrieges war SEMJON MICHAILOWITSCH
BUDJONNYI . Diese Rote Armee
entwickelte sich in kürzester Zeit zu einer schlagkräftigen Truppe.
Sie konnte im Laufe des Jahres den Vormarsch KOLTSCHAKS abwehren und eroberte
im Frühjahr 1919 die Ukraine.
Der Bürgerkrieg wurde
auf beiden Seiten mit äußerster Härte geführt. Es ging
für beide Seiten um Sein oder Nichtsein. Neben großen menschlichen
Verlusten waren auch hohe materielle Schäden zu beklagen.
So war am Ende des Bürgerkriegs die Industrie nahezu völlig zerstört. Der hohe Verlust in der Landwirtschaft
führte 1920/21 zu einer Hungersnot,
der 7 Mio. Menschen zum Opfer fielen. Im Lande gab es etwa 10 Mio.
Bettler und verwaiste, verwahrloste Kinder. Bürgertum und Adel waren
fast vollständig verschwunden. Die Intelligenz, Lehrer, Ingenieure, Ärzte u. a. waren zu 90 % umgekommen
oder ins Ausland gegangen.
Russland war um 1922 ein Land von Bauern;
Bauern, die in der Mehrheit Analphabeten waren. Auch das klassenbewusste Proletariat war zum größten Teil verschwunden - es war im Bürgerkrieg
gefallen, und die Überlebenden wurden zum großen Teil in den
Staatsapparat abgezogen. In dieser Situation galt für LENIN die Diktatur
des Proletariats nur als Diktatur
der Kommunistischen Partei. LENIN war überzeugt, dass die Partei
die einzige Kraft ist, die die Interessen der Arbeiter begriffen hat und
durchsetzen kann. LENIN sprach davon, wenn der Zar mit 130 000 Gutsbesitzern
das Land regieren konnte, warum sollten dann 240 000 Bolschewiki nicht
in der Lage sein, Russland zu regieren, es im Interesse der Armen gegen
die Reichen zu regieren.
Mit dem Prinzip des demokratischen Zentralismus (Konzentration aller Kompetenzen in einer zentralen obersten Instanz)
wurde den Leitungen große Macht in die Hände gegeben. Partei,
staatliche Institutionen, Armee und Polizei wurden nach diesem Prinzip aufgebaut.