WIDUKIND VON CORVEY beschrieb in seiner "Sachsengeschichte" OTTO den Großen als vorbildlichen Herrscher und Menschen:
"Er selbst also, der großmächtige Herr, der älteste und beste der Brüder, war vor allem ausgezeichnet durch Frömmigkeit, war in seinen Unternehmungen unter allen Sterblichen der beständigste ... Seine Geistesgaben waren bewunderungswürdig, denn nach dem Tod der Königin Edgitha (Editha) lernte er die Schrift, die er vorher nicht beherrschte, so gut, dass er Bücher lesen und verstehen konnte ... Auf die Jagd ging er häufig, liebte das Brettspiel und nahm bisweilen mit Anmut und königlichen Anstand am Reiterspiel teil. Hinzu kam noch der gewaltige Körperbau, der die volle königliche Würde zeigte, das Haupt mit ergrauendem Haar bedeckt, die Augen funkelnd ... Seine Tracht war die heimische, die er nie mit Fremder vertauschte. So oft er aber unter der Krone gehen musste, bereitete er sich stets durch Fasten sorgfältig darauf vor."Kindheit
929 fand die standesgemäße Heirat zwischen OTTO I. und EDGITHA, der Schwester des angelsächsischen
Königs AETHELSTAN, statt.
Das
Königtum OTTO DES GROSSEN
Das Königtum von OTTO I. unterschied
sich maßgeblich von dem seines Vaters HEINRICH I.
OTTO I. sah sich
in unmittelbarer Nachfolge KARLs DES GROSSEN
, was sich bereits bei seinem Regierungsantritt zeigte, der
die Wiederaufnahme karolingischer Traditionen ankündigte. Während sich das Königtum bisher allein durch die Abstammung
legitimiert hatte, wurde OTTO I. nicht zuletzt durch seine kirchliche Segnung
über die anderen mächtigen Reichsfürsten gestellt.
Königs-
und Kaiserweihe wurden als Sakrament verstanden. Als Krönungsort wählte
OTTO I. Aachen, wo man ihn am 07.08.936 zum König erhob. Am Ende der Krönungszeremonie,
bei der OTTO I. eine fränkische Tracht trug, nahm er auf dem steinernen Thron
KARLs des Großen Platz.
Von besonderer Bedeutung war die Nachfolge
nur eines Königssohnes. Obwohl HEINRICH I. mehrere Söhne hatte,
wurde abweichend vom fränkischen Brauch die Herrschaft nicht mehr geteilt.
Davon waren 936 OTTOs Brüder THANKMAR und HEINRICH betroffen, die durch die
neue Unteilbarkeit des Reiches von der Thronfolge ausgeschlossen wurden.
Die
ersten Regierungsjahre des neuen Königs waren geprägt von zahlreichen Auseinandersetzungen mit seinen Brüdern sowie mit den Herzögen
von Franken, Bayern und Lothringen. OTTO I. gelang es jedoch die Aufstände
niederzuschlagen und die Überwindung dieser Krise ermöglichte ab 939
die Neuordnung im Reich durch die Besetzung von Schlüsselpositionen mit loyalen
Familienangehörigen.
Nach 941/942 begann eine ruhigere
Phase in der ottonischen Monarchie. Der König betrachtete die Herzogtümer
Franken und Sachsen weiterhin als eigentliches Königsgebiet und bemühte
sich, die übrigen Herzogsgewalten durch Heiratspolitik enger an das Königshaus
zu binden.
Im Jahre 946 starb nach siebzehnjähriger Ehe OTTOs Frau
EDGITHA.
Zweite Ehe und erster Italienfeldzug
Die Vormachtstellung
des Ostfränkischen Reiches bewegte OTTO I. bereits früh in die Verhältnisse
der restlichen Herrschaftsverbände innerhalb des ehemaligen karolingischen
Reiches einzugreifen.
951 zog er auf Bitten der Witwe des Langobardenkönigs ADELHEID über die Alpen und brachte
Oberitalien unter seine Herrschaft. Weihnachten 951 heiratete er in zweiter Ehe ADELHEID und erhielt damit die rechtmäßige
Herrschaft über Oberitalien. Die Eroberung des langobardisch-italienischen
Reiches schloss OTTO I. mit der Königskrönung
in Pavia ab.
953 machte OTTO seinen jüngsten Bruder BRUN zum
Erzbischof von Köln. Auf diese Weise vereinte OTTO I. geistliche und weltliche
Macht. Seinen 927 unehelich gezeugten Sohn WILHELM ernannte OTTO I. zum Erzbischof
von Mainz.
Doch selbst diese Familienbande schützten das Königtum
OTTO I. nicht vor weiteren Aufständen.
953 kam es zur letzten großen Bedrohung von OTTOs Herrschaft infolge der Auflehnung seines Sohnes LUIDOLF und seines
Schwiegersohnes Herzog KONRAD der Rote.
OTTOs Sohn LUIDOLF fürchtete
nach dem Tod seiner Mutter EDGITHA und der Vermählung seines Vaters mit ADELHEID
von Italien um seine Stellung als Thronfolger. Zudem fühlte er sich mit Zustimmung
des Königs durch seinen Onkel HEINRICH von Bayern von wichtigen politischen
Fragen ausgeschlossen. Nach kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Schwerpunkten Mainz und Regensburg, die für OTTO erfolglos blieben,
schwenkte 954 die Stimmung im Reich zugunsten des Königtums um, als LIUDOLF
beschuldigt wurde, mit den eindringenden Ungarn zusammengearbeitet zu haben. Im
Herbst 954 unterwarf sich LIUDOLF schließlich seinem Vater.
Schlacht
auf dem Lechtfeld
955 belagerten die Ungarn das von Bischof ULRICH
verteidigte Augsburg. Am 10.08.955 gelang es OTTO dem Großen die Ungarn
in der Schlacht auf dem Lechfeld bei Augsburg mit einem zahlenmäßig unterlegenen Reiterheer vernichtend
zu schlagen. Zwei Monate nach dem Sieg über die Ungarn bezwang er die Slawen
an der Recknitz. Mit diesen großen Erfolgen erwies sich OTTO I. als siegreicher Beschützer der lateinischen Christenheit und
sein imperialer Charakter war unbestritten.
OTTO
I. wird zum Kaiser gekrönt
Als Herr über andere Könige
war OTTO kaisergleich, ihm fehlte lediglich der "nomen
imperatoris", der Titel. Auf seinem zweiten
Italienfeldzug im Jahr 961 konnte er auch diesen erwerben.
OTTO I. wurde
am 02.02.962 durch Papst JOHANNES XII. in der Peterskirche in Rom zum
Kaiser gekrönt.
Für die europäische Geschichte hatte
dieses Ereignis weitreichende Folgen. Seither gehören Italienpolitik, Romzug
und Kaiserkrönung durch den Papst zum Regierungsprogramm der mittelalterlichen
deutschen Könige.
Die kaiserliche Herrschaft gipfelte in Rom in
der Beteiligung des Kaisers an der Besetzung des Papstthrones.
So lies OTTO Papst Johannes XII., der ihn 962 zum Kaiser gekrönt hatte, ein
Jahr später wegen dessen Verschwörung mit seinem Gegner BERENGAR vor
ein Gericht stellen und kurzerhand absetzen.
Der dritte
Italienfeldzug von OTTO I. 966-972 führte zu Spannungen mit dem Byzantinischen
Reich. Als Geste der Aussöhnung kam es zur Heirat von OTTOs Sohn und Nachfolger
OTTO II. mit der byzantinischen Prinzessin THEPHANU.
OTTO
I. als Vertreter Christi
Im Mittelalter verstanden sich Könige
und Kaiser als Vertreter Christi.
Wie schon KARL der Große, betrachtete auch OTTO I. die Heidenmission als Pflicht des christlichen Kaisers. Sein Ziel bestand in der Schaffung des Heiligen
Römischen Reiches, ein Europa unter dem Zeichen des Kreuzes.
Er verhalf der Kirche zu wirtschaftlicher und militärischer Macht und band
sie in das Staatsgefüge ein, indem er den Bischöfen große Bistümer
zuteilte, von ihnen gleichzeitig aber auch höhere Abgaben forderte.
Gründung
des Erzbistums Magdeburg
OTTO der Große war der Ansicht, dass
der Kaiser in seiner Herrschaft stets zu Demut gegenüber Gott und Milde gegenüber
seinen Untertanen verpflichtet sei. Mit der Begründung
neuer Bistümer wollte OTTO zur Verbreitung des Gottesdienstes beitragen.
Bedeutsam für die mittelalterliche Herrschaft waren die Verfügung über
kirchliche Ämter, mit denen Anhänger und Familienangehörige belohnt
werden konnten.
Nach vielen Mühen und Rückschlägen setzte der Kaiser 968 die Errichtung des Erzbistums Magdeburg durch. In der Gründungsurkunde heißt es:
"Auf der Förderung des Gottesdienstes beruht Heil und Ordnung unseres königlichen und kaiserlichen Reiches."
Der Kaiser veranlasste den Bau
einer mächtigen Gotteshauses und baute Magdeburg zu einem bedeutenden Missionsstützpunkt bei der Eroberung slawischer Gebiete und deren Christianisierung aus.
Mit
der Gründung der Bistümer Merseburg, Meißen
und Zeitz, die zusammen mit den bereits 984 errichteten Bistümern
Havelberg und Brandenburg zum Erzbistum gehörten, wollte OTTO I die Ostgrenzen
sichern.
Damit befand sich der Kaiser in der Tradition der unter KARL dem
Großen begonnenen Strategie von Eroberung
und Mission.
Tod von OTTO I.
Das Reich stand auf dem Gipfel seiner Macht, als OTTO I. am 07.05.973 in Memleben
verstarb. Er wurde im Dom zu Magdeburg beigesetzt.
Das lateinische Distichon
auf der Marmorplatte seines Sarkophags setzt ihm in knappen Worten ein Denkmal:
"König und Christ war er und der Heimat herrlichste Zierde, den hier der Marmor bedeckt: Dreifach beklagt ihn die Welt."