OTTO I., DER HEILIGE, entstammte,
wie man heute annimmt, einem schwäbischen Rittergeschlecht. Er soll um 1060
geboren worden sein. Der Geburtsort ist heute nicht mehr bekannt. Manche nehmen
an, sein Geburtsort sei Mistelbach in Franken gewesen und er sei Abkömmling
der Grafen von Andechs-Meranien. Seine Eltern waren OTTO und ADELHEID.
geistliche
Ausbildung
Seine geistliche
Ausbildung soll OTTO in Hirsau, nach anderen Quellen im Kloster Wilzburg (Bistum
Eichstätt) oder im Kloster Michelsberg (Bamberg) erhalten haben. JUDITH SOPHIA,
die Schwester des Kaisers HEINRICH IV., berief den jungen Geistlichen OTTO als
Hauskaplan an den Hof des polnischen Herzogs WLADISLAW-HERMANN in Gnesen, mit
dem sie in zweiter Ehe verheiratet war.
Kanzler
des Kaisers
OTTO wurde im Jahre 1102 zunächst Kanzler
des Kaisers HEINRICH IV. Weihnachten 1102 investierte (setzte ein) der Kaiser
seinen Kanzler mit Ring und Stab zum achten Bischof von Bamberg. Am 31. Mai 1106
erhielt er von Papst PASCHALIS II. im italienischen Anagni die Bischofsweihe.
Im selben Jahr nahm er an der Synode von Guastalla teil. Hier wurde das Verbot
der Laieninvestitur bekräftigt. Da er sich sowohl der weltlichen Macht
des Kaisers als auch der kirchlichen Macht des Papstes fügte, wurde OTTO
vom Mainzer Erzbischof suspendiert, konnte jedoch erfolgreich zwischen Kaiser
und Papst vermitteln. Sein Wahlspruch lautete:
"OTTO, Bischof von Bamberg, der Gott gab, was Gottes ist, aber auch dem Kaiser, was des Kaisers ist."
Vom Papst erhielt OTTO am 15. April 1111, zwei
Tage nach der Kaiserkrönung HEINRICHs V., das Pallium, eine mit sechs schwarzen
Kreuzen verzierte Schmuckbinde, als Amtszeichen der Erzbischöfe.
OTTO
galt als geschickter Diplomat, weshalb ihm der Kaiser auch 1122 im Wormser
Konkordat eine erfolgreiche Vermittler- und Schlichterrolle zuwies.
Missionierung
der Pommern
1121 war Pommern (von "po morje" bzw. "po
morze", was "am Meer" bedeutet) von Polen erobert worden. Kaiser
LOTHAR VON SUPPLINBURG (1125-1137) belehnte daraufhin den Fürsten BOLESLAW
III. KRZYWOUSTY (sein Beiname bedeutet "Schiefmund") mit "de Pomerians
et Rugis" (mit Pommern und Rügen). BOLESLAW zwang die pomoranischen
Fürsten zur Annahme des christlichen Glaubens. Das Volk konnte er jedoch,
trotz drakonischer Strafen, nicht dazu zwingen. 1124 fand deshalb mit Wissen HEINRICHS
V., des damaligen Kaisers, OTTOs erste
Missionsreise nach Pommern statt. Auf Einladung des polnischen Herzogs BOLESLAW
bekehrte er die östlich und westlich der Odermündung siedelnden Pomoranen
zum Christentum. Er begab sich nach Gnesen, Stettin, Pyritz, Cammin, Lebbin, Cloden
und Wollin. Hier veranstaltete er - ganz nach den Traditionen der Missionare seiner
Zeit - Massentaufen.
Ein Stein in Kolberg
(poln. Kolobrzeg) erinnert noch heute an dieses Ereignis:
"Geweiht dem Andenken an Bischof OTTO von Bamberg, den Apostel der Pommern, der hier 1124 und 1125 taufte".
Zwar war OTTO vom pommerschen Herzog WARTISLAW I., dem ersten Herrscher des Wolgast-Stettiner Greifenhauses (das nach seinem Wappen benannt wurde), an den Landesgrenzen empfangen worden (WARTISLAW war zwischen 1119 und 1121 in polnische Gefangenschaft geraten und hatte sich verpflichten müssen, seine Untertanen zum Christentum bekehren zu lassen.). Und einige Landeskinder ließen sich auch freiwillig taufen. Viele Pommern nahmen die Christianisierung jedoch nicht kommentarlos hin. Es regte sich Widerstand gegen das Christentum. Deshalb unternahm OTTO 1128 die zweite Missionsreise nach Pommern. Nun besuchte er, von Merseburg über Magdeburg kommend, Demmin, Usedom, Wolgast und Stettin. Am 1. Pfingstfeiertag, dem 10. Juni 1128, kam es auch zu jenem denkwürdigen Treffen auf dem Schlossberg (Wendenwall) von Usedom, dessen 2003 auf der Ostseeinsel gedacht wurde: Der dorthin einberufene Landtag mit den wendischen Fürsten beschloss, dass OTTO, "Gesandter des Papstes und Lothars" (nach EBO, einem seiner Biografen), im Land das Evangelium predigen dürfe. Das bedeutete die Einführung des christlichen Glaubens in Pommern. OTTOs Wahlspruch soll gelautet haben:
"Gott will nicht erzwungenen, sondern freiwilligen Dienst".
Er
soll 22000 Menschen getauft haben. Ob diese sich aber freiwillig "unters
Kreuz" begaben, erzählen die Chroniken nicht. Seither gilt er jedenfalls
als Apostel der Pommern.
Rückkehr
aus Pommern und Lebensende
Nach der Rückkehr
aus Pommern widmete sich OTTO zunächst der Vermittlung zwischen Kaiser
LOTHAR und den opponierenden Staufern und seinen Aufgaben als Bamberger Bischof.
Seine Amtszeit ist die längste, die ein Bamberger Bischof bis heute hatte.
1081 war die Domkirche zu Bamberg durch einen Brand völlig zerstört
worden. Er ließ den Dom wieder aufbauen. Außerdem ließ er die
Bamberger Kollegiatstifte St. Stephan, St. Jakob und St. Gangolf vollenden.
Am
30.06.1139 starb Bischof OTTO I. Er wurde im Kloster St. Michael auf dem Michelsberg
in Bamberg beigesetzt.
Auf dem Reichstag
in Würzburg 1189 wurde Bischof OTTO I. im Namen des Papstes CLEMENS III.
heiliggesprochen.