
Reformatorisches
Wirken MELANCHTHONS
Ab 1518 vertrat MELANCHTHON die reformatorische
Theologie. An der Seite Martin LUTHERS nahm er 1519 an dem Religionsgespräch
in Leipzig teil.
Im Jahre 1521 entstand die Schrift "Loci communes",
"Hauptpunkte", die eine
Zusammenfassung von LUTHERS Rechtfertigungslehre
war. Sie stellt die erste evangelische Schrift dar, die eine Zusammenfassung aus
MELANCHTHONS Vorlesungen über die Römerbriefe war.
MELANCHTHON,
der Theologe und Pädagoge war, versuchte stets, beiden Fachbereichen gerecht
zu werden. So entstand aus diesem Bemühen seine Studienanleitung mit dem
Titel "Ratio discendi", "Rationell lernen". Des Weiteren veröffentlichte
MELANCHTHON in den Jahren 1522 bis 1525 religionspädagogische Schriften wie
Katechismen (Unterweisungen in der
christlichen Glaubenslehre). MELANCHTHON hielt während der Reformationszeit
seine Verbindung zu dem bekannten Humanisten ERASMUS
VON ROTTERDAM aufrecht, obwohl es zwischen LUTHER und ROTTERDAM theologische
Meinungsverschiedenheiten gab. LUTHER hatte aus diesem Grund seine Verbindung
zu ERASMUS abgebrochen. Hier äußerte sich bereits der mehr vermittelnde
Charakter MELANCHTHONs, der später die Reformatoren nach LUTHERs Tod in Lutheraner
und Philippisten spaltete.
In den Jahren
1525 bis 1528 führte MELANCHTHON im Kurfürstentum Sachsen eine überregionale
Kirchen- und Schulorganisation
ein. Danach widmete er sich weiter der Schaffung neuer Schulordnungen.
Hinsichtlich
der Durchsetzung der Reformation der
Kirche vertrat er das Kurfürstentum Sachsen und die evangelischen Stände
auf den Reichstagen in Speyer und Augsburg sowie in den Religionsgesprächen,
z. B. in Worms und Regensburg.
Im Jahre 1530 verfasste er die evangelische
Bekenntnisschrift, die "Augsburgischen
Bekenntnisse" sowie die "Apologie
des Augsburgischen Bekenntnisses". Diese Bekenntnisse, auch Augsburger
Konfession, hatte MELANCHTHON auf der Grundlage der Schwalbacher Artikel geschrieben.
Die Augsburger Bekenntnisse waren eine Zusammenstellung der evangelischen Lehre,
die von MARTIN LUTHER gebilligt wurden. Auf dem Reichstag in Augsburg 1530 wurden
diese Bekenntnisse verlesen. Sie sollten als Verständigungsgrundlage dienen,
um die Differenzen zwischen Katholiken und Protestanten zu verringern und die
Einheit der Kirche und des Glaubens zu bewahren. MELANCHTHON nannte in diesen
Bekenntnissen die Missstände, wie das Zölibat, das Klostergelübde,
die Beichte und die bischöfliche Gewalt, erwähnte jedoch päpstliche
Gewalt, Ablass und Fegefeuer nicht. Die Mehrzahl der protestantischen Reichsstände
unterschrieb das Augsburger Bekenntnis. Das Augsburger Bekenntnis wurde nach der
katholischen Ablehnung zum verbindlichen Bekenntnis des Protestantismus.
Große Verdienste erwarb
sich auch MELANCHTHON, indem er LUTHER aufgrund seiner Sprachkenntnisse bei der Übersetzung der Bibel ins Deutsche zur Seite stand. Zugrunde lag dieser Übersetzung die erst kurz
vorher erschienene Ausgabe des griechischen Neuen Testaments von ERASMUS VON ROTTERDAM. Am 21. September 1522 erschien in
Wittenberg "Das Neue Testament Deutzsch", das sogenannte Septembertestament.
Das aus dem hebräischen Urtext übersetzte Alte Testament wurde 1534
veröffentlicht. LUTHER feilte, stets unterstützt von MELANCHTHON, an
seiner Bibel unermüdlich weiter. Die vollendete Ausgabe erschien 1545. LUTHERS
Bibel wurde für Jahrhunderte die Bibel des Protestantismus. Ihr Einfluss
auf die Weiterentwicklung der deutschen Sprache war beträchtlich. Die von
LUTHER zugrunde gelegte kursächsische Hof- und Kanzleisprache wurde zur allgemeinen Hoch- und Schriftsprache.
Die
Würdigung der Leistungen MELANCHTHONS
Für seine Verdienste
auf dem Gebiet der Universitäts-
und Schulreform, die vom humanistischen Gedankengut geprägt war, wurde
MELANCHTHON mit dem Ehrentitel "Praeceptor Germaniae", zu Deutsch Lehrmeister
Deutschlands, geehrt. Zu seinen Verdiensten gehörte auch die Einführung
des Religionsunterrichts in
das allgemeine Schulwesen. MELANCHTHONS vermittelnde Art ebnete der evangelischen
Reformationsbewegung viele Wege. Andererseits hatte er auch eine große Gegnerschaft,
vor allem radikaler Reformer. Zu weiteren Leistungen MELANCHTHONS zählen
die Verfassung des ersten evangelischen Katechismus und dass er die Verbreitung der Reformation in Europa auf ökumenischer Basis
vertrat, d. h., dass im Vordergrund das Verbindende zwischen den Kirchen steht.