Der
zweite Koalitionskrieg und seine Folgen
Im Jahr 1798 gelang es dem englischen Premier WILLIAM PITT, mit Österreich,
Portugal und Russland eine zweite Koalition gegen das revolutionäre Frankreich zu schmieden.
Der als
zweiter Koalitionskrieg bezeichnete Waffengang von 1799-1802 bescherte
dem Bündnis auch zunächst ansehnliche Erfolge.
Nach dem Sieg des
englischen Admirals NELSONS (Bild 1) über die französische
Flotte bei Abukir an der Mittelmeerküste
Ägyptens beherrschte die englische Flotte wieder das Mittelmeer. Sie
blockierte außerdem erneut die französischen Häfen und die
Atlantikküste.
Schließlich waren Norditalien und Süddeutschland
wieder von Frankreich zurückgewonnen worden.
Mit der Rückkehr NAPOLEONS aus Ägypten 1799
und seinem Staatsstreich, durch den er sich zum Ersten Konsul der Republik
erhob, änderten sich die Voraussetzungen zugunsten Frankreichs grundlegend.
Das Jahr 1800 brachte der Koalition nun nur noch Rückschläge. So wurde Österreich in zwei Schlachten militärisch besiegt.
Hinzu kamen bündnisinterne Zerwürfnisse, vor allem zwischen
England und Russland. Der russische Zar zog sich daraufhin aus der Koalition
zurück.
Österreich und dem Deutschen Reich wurde von NAPOLEON schließlich
1801 der Frieden
von Lunéville aufgezwungen. Er bedeutete für Österreich u. a. den endgültigen
Verlust der Niederlande und von Teilen Norditaliens. Für das Deutsche
Reich brachte er den massivsten Umbruch seit dem Dreißigjährigen
Krieg: Der Rhein wurde nun endgültig zur durchgehenden Grenze zwischen Deutschland und Frankreich. Dadurch verloren eine ganze Reihe
der deutschen Kleinstaaten ihre linksrheinischen
Territorien und forderten deshalb Entschädigung auf dem rechten
Rheinufer.
Der Reichsdeputationshauptschluss
von 1803
Aus den Entschädigungsansprüchen resultierten folgende Fragen:
Wie sollte entschädigt werden, und wer sollte das Konzept hierfür
entwerfen? Von den Großmächten Europas kamen Österreich
und Preußen dafür nicht in Frage, da ihr gegenseitiges Verhältnis
zu dieser Zeit einfach zu angespannt war. Folglich blieben nur Frankreich und Russland: Frankreich besaß
als der Sieger mit den gewonnenen rechtsrheinischen Gebieten die nötigen
Faustpfänder für Entscheidungen. Russland dagegen übernahm
nur zu gern eine gewisse "Beschützerhaltung" gegenüber
unterlegenen Staaten.
Frankreich bzw. die französische
Diplomatie unter dem talentierten Außenminister TALLEYRAND ging
nach einem klar definierten Plan vor: Ziel des französischen
Plans war, zu verhindern, dass das Deutsche Reich je wieder zu
einer Gefahr für Frankreich werden konnte. Dafür sollte den
beiden deutschen Großmächten Preußen und Österreich
eine dritte Staatengruppe innerhalb
des Reiches als Kraft des Ausgleichs hinzugefügt werden. Allerdings sollte diese, weil allein zu schwach, Frankreich verpflichtet und auf dessen
Schutz angewiesen sein.
Diese dritte Kraft sollten deutsche Länder sein, die allerdings neu
gebildet werden mussten. Nach dem russisch-französischen Entwurf
waren das die Länder Baden, Bayern, Württemberg, Hessen-Darmstadt,
Hessen-Kassel, Mainz, Nassau, Hannover und Oldenburg. Als Entschädigung für die verlorenen linksrheinischen Gebiete sollten diesen Ländern
die Territorien aller geistlichen Fürstentümer und vieler kleiner Graf- und Herrschaften sowie die meisten Reichsstädte eingegliedert werden.
Über diesen Vorschlag beriet in Regensburg ein Ausschuss, dem Vertreter der wichtigsten und mächtigsten Reichsstände (selbstständige Länder und Territorien innerhalb des Deutschen
Reiches) angehörten. Entscheidendes konnte dieser Ausschuss am russisch-französischen
Plan allerdings nicht mehr verändern. Wahrscheinlich wollte er es
auch gar nicht, da den meisten der in Regensburg tagenden Reichsstände
die Aussicht auf Neuerwerbungen nur allzu verlockend erschien.
So nahm der Reichstagsausschuss im November 1802 das vorgelegte Konzept an. Im Frühjahr 1803 akzeptierten auch der Reichstag und der deutsche Kaiser die Entscheidung des Ausschusses. Sie ging als Reichsdeputationshauptschluss in die Geschichte ein. Aus ihm resultierte eine Reihe entscheidender Veränderungen im Deutschen Reich: