

Als in Rom das Königtum abgeschafft und die Republik eingerichtet wurde, war der Staat noch klein. Im Verlauf der folgenden Jahrhunderte erweiterte Rom sein Herrschaftsgebiet in zahlreichen Kriegen gegen die Nachbarn und konnte bis etwa 270 v. Chr. seine Vorherrschaft über Mittel- und Unteritalien (von der Po-Ebene bis zur Südküste) sichern.
Überblick (Jahreszahlen v. Chr.)
Bei einem Blick auf die Jahreszahlen der kriegerischen Aktionen Roms fällt auf, dass das junge Imperium etwa seit der Mitte des 5. Jh. bis 272 v. Chr. fast ununterbrochen im Kriegszustand lebte.
Krieg
gegen die Latiner, die Bergstämme und die Etruskerstadt Veji
Rom
führte 498-493 v. Chr. gegen die Latiner
einen Krieg, der damit endete, dass Rom die Autonomie der Latinerstädte anerkannte.
493 v. Chr. schlossen sie ein Bündnis, das sogenannte "foedus
Cassianum". Den Latinern wurde damit gleichberechtigter Handelsverkehr
zugesichert und das Recht, mit einer Römerin eine legitime Ehe zu schließen.
(Das "foedus Cassianum" wird in manchen historischen Darstellungen für
das Jahr 370 v. Chr. angenommen und als Schutzmaßnahme gegen die
Bedrohung durch die Kelten gedeutet.) Durch das Bündnis mit den latinischen
Städten konnte Rom die Stämme der Äquer,
Volsker und Aurunker zurückdrängen,
die aus den Bergen im nord- und südöstlichen Hinterland vorgedrungen
waren.
406 v. Chr. entbrannte ein zehnjähriger Krieg gegen die im Norden
gelegene, mächtige Etruskerstadt
Veji. Er endete 396 v. Chr. mit der Eroberung und der Zerstörung
der Stadt und mit ihrer Eingliederung in das römische Territorium.
Nun hatte Rom bereits die regionale Vormacht
erlangt; sein Herrschaftsgebiet hatte sich von 800 auf 1 500 km²
erweitert.
"Gallier-Katastrophe":
Einfall und Sieg der Kelten
Mit der Einnahme Vejis war Rom ein Vordringen
nach Norden möglich. Doch die römische Eroberungspolitik erlitt durch
die sogenannte Gallier-Katastrophe 387 v.
Chr. einen schweren Rückschlag.
Die Kelten
(Gallier) stammten aus dem Gebiet an Oberrhein und Oberdonau. Ihre Stämme
standen unter der Führung eines kriegerischen Adels. Besonders starken Einfluss
hatten ihre Priester (Druiden), da ihnen die Entscheidung in allen Rechtsfragen
zukam. Gleichzeitig war das keltische Heer durch seine Waffen
aus Eisen besonders schlagkräftig. Durch strenge Führung und
gute Bewaffnung errangen sie schnell die Vormacht und drangen nach Frankreich,
Spanien, England und bis nach Italien (Po-Ebene) vor.
Unter dem Häuptling BRENNUS trafen die Kelten am 18. Juli 387 v. Chr. an dem kleinen Fluss Allia
auf das römische Heer. Die Kelten schlugen es vernichtend und drangen bis
nach Rom vor. Die Einwohner hatten die Stadt schon geräumt und die Kelten
konnten Rom kampflos einnehmen und niederbrennen. Das Kapitol, der religiöse und politische Mittelpunkt Roms, geriet zwar nicht
in die Gewalt der Angreifer, wurde jedoch völlig von der Außenwelt
abgeschnitten. Dieser Tag ging als "dies ater" (= "Schwarzer Tag") in die römische Geschichte ein.
Die
Römer konnten den Abzug der Kelten nur durch Zahlung eines hohen Lösegelds erkaufen. Beim Abwiegen der Summe soll BRENNUS ein falsches Gewicht benutzt haben.
Als die Römer sich darüber beschwerten, soll BRENNUS sein Schwert in
die Waagschale geworfen und "Vae victis!" (= "Wehe den Besiegten!") ausgerufen haben.
Als Folge der
römischen Niederlage durch den Kelteneinfall griffen umliegende Städte
an; die Römer verloren noch mehr an Macht. In den folgenden Jahren bauten
sie ihre Stadt wieder auf und errichten 380 v. Chr. einen später als "Servianische
Mauer" bezeichneten Mauerring um die
sieben Hügel Roms.
1. Krieg gegen
die Samniten
Der erste Krieg gegen
den Volksstamm der Samniten aus dem Süden
Italiens (343-341 v. Chr.) soll mit einem Kompromiss geendet haben. Doch
ob dieser Krieg tatsächlich stattgefunden hat, ist umstritten.
Krieg
gegen die Latiner und die Volsker
Im Jahr 340 v. Chr. erhoben sich
die Latinerstädte gegen
Rom. Diese Aufstände mündeten in einen Krieg zwischen Latium auf der
einen Seite und Rom mit den verbündeten Samniten auf der anderen. Die latinischen
Städte verloren ihre Autonomie und wurden in das römische Territorium
eingegliedert. Nach der Seeschlacht 338 v. Chr. führten die Römer Schiffsschnäbel als Kriegsbeute nach Rom
und befestigten sie an der Rednertribüne auf dem Forum
Romanum, die seitdem "rostra" (= Schiffsschnäbel) heißt.
Auch der Volksstamm der Volsker musste
sich 329 v. Chr. Rom endgültig unterwerfen.
2. Krieg gegen die Samniten
In die fruchtbaren Ebenen drangen samnitische
Bergstämme des Hochapennin vor und bedrohten die Küstenstädte.
Da die Römer in den Samniten langfristig auch für sich eine Gefahr sahen,
folgten sie einem Hilferuf Neapels und griffen
326 v. Chr. ein.
Die erste Kriegsphase endete in einer Katastrophe,
denn die langen und starren Schlachtreihen
der Römer erwiesen sich als ungeeignet für die Kämpfe in den Bergregionen.
321 v. Chr. wurde das römische Heer von den Samniten in den Caudinischen
Pässen eingeschlossen. Es musste den Gegnern freien Abzug gewähren,
aber noch schmachvoller war, dass jeder einzelne Soldat durch ein aus drei Speeren
gebildetes Joch hindurchgehen musste ("Caudinisches
Joch").
Der Krieg wurde nach einem weiteren Hilferuf der Apuler
316 v. Chr. wieder aufgenommen. Inzwischen hatten die Römer das
Heer reformiert und sowohl Strategie als auch Bewaffnung den Erfordernissen der
Bergkämpfe angepasst: Die unbeweglichen Schlachtreihen wurden durch kleinere
Truppenverbände (Manipel) ersetzt, die
nun nicht mehr mit Lanzen, sondern mit handlichen Spießen bewaffnet waren.
Außerdem baute
der Zensor APPIUS CLAUDIUS CAESUS 312 v. Chr. eine Straße nach
Südosten bis nach Capua und über die Caudinischen Pässe. Diese
nach ihm benannte Via Appia sicherte
den schnellen Aufmarsch der Truppen. Zudem hatte Rom Wehrsiedlungen (Kolonien)
an den gegnerischen Grenzen gegründet, mit denen die Samniten eingekreist
werden konnten. Der zweite Samnitenkrieg
führte 304 v. Chr. zu einem Friedensvertrag, der die Samniten zwar nicht
unterwarf, deren Vordringen aber verhinderte.
3. Krieg gegen die Samniten und ihre Verbündeten
298 v. Chr. brach
der dritte Krieg gegen die Samniten aus, die
diesmal im Verbund mit den alten Feinden Roms, den Etruskern,
Kelten, Sabinern und anderen Volksstämmen kämpften. Rom konnte
nach erbitterten Kämpfen einige Siege erringen, schloss 295 v. Chr.
aber Frieden mit den Etruskern und unterwarf 290 v. Chr. schließlich
auch die Samniten. Sie wurden römische Bundesgenossen
und mussten Heeresfolge leisten.
Die Samniten, unter denen sich auch sehr
wilde Unterstämme befanden, erwiesen sich als die härtesten und ausdauerndsten
Gegner Roms. Ihre Unbeugsamkeit führte dazu,
dass die Römer sie später ganz ausrotteten.
Krieg
gegen die Kelten
Schwere Kämpfe gegen die Kelten zogen sich von
285 bis 282 v. Chr. hin. Sie endeten mit der Eroberung des Gebietes,
das keltische Senonen bewohnten.
Mit diesem Sieg hatte Rom die Vorherrschaft über
Mittelitalien erlangt.
Krieg
gegen den Molosserkönig PYRRHOS
Trotz gegenteiliger
Vereinbarung hatte eine römische Flotte den Hafen des süditalienischen
Handelszentrums Tarent angelaufen. Als
die römischen Schiffe daraufhin überfallen wurden, kam es 282 v. Chr.
zum offenen Konflikt, der in einen zehn Jahre andauernden Krieg mündete.
Tarent rief nun den Molosserkönig PYRRHOS II. aus dem griechischen Epirus zu Hilfe.
Der ehrgeizige Staatsmann und Feldherr PYRRHOS verstand sich als Nachfolger ALEXANDERS
DES GROSSEN, der dem sich auflösenden Alexander-Reich wieder Macht verschaffen
wollte. In dem Hilferuf der Tarentiner sah er eine Chance, ein griechisches Königreich
im Westen zu errichten und rückte mit einem großen Heer und 26 Kriegselefanten
nach Tarent.
PYRRHOS gewann mehrere Schlachten, darunter 280 v. Chr.
bei Herakleia und 279 v. Chr. bei Ausculum (Asculi) in Apulien. Doch besonders der Sieg in Ausculum war auch für Pyrrhos
so verlustreich, dass er ausgerufen haben soll: "Noch
einen solchen Sieg, und wir sind verloren!" (Daher spricht man heute
noch von einem "Pyrrhossieg" als einem Sieg, der zu teuer erkauft wurde.).
Als zwischenzeitlich die griechischen
Städte auf Sizilien in Streit mit Karthago kamen, riefen sie PYRRHOS um Hilfe. Doch auch dort kamen PYRRHOS' anfängliche
Erfolge ins Stocken, und die nun gegen ihn aufgebrachten Griechenstädte einigten
sich insgeheim mit Karthago. PYRRHOS musste nach großen Verlusten 276 v. Chr.
wieder aus Sizilien abziehen.
In Tarent wurde PYRRHOS' Hilfe schon erwartet,
da Rom sich inzwischen mit neuen Kriegstaktiken vertraut gemacht hatte. Die Schlacht 275 v. Chr. bei Malventum endete unentschieden.
Rom machte daraus später einen Sieg und nannte die Stadt um in "Beneventum"
(Benevento). PYRRHOS wurde von etlichen Verbündeten im Stich gelassen, zudem
mangelte es ihm an Nachschub. So sah er sich noch im selben Jahr dazu gezwungen,
nach Epirus zurückzukehren.
Rom siegte 272 v. Chr. endgültig.
Tarent musste Gebiete abtreten und wurde zusammen mit anderen süditalienischen
Städten in die römische Bundesgenossenschaft eingegliedert. Damit hatte
Rom seinen Einflussbereich auch auf Unteritalien ausgedehnt.
Sicherung der Vormachtstellung
In mehr als 200 Jahren hatte die kleine Stadt Rom ihre Vorherrschaft auf ein Staatsgebiet von etwa 130 000 km² ausgeweitet. Die militärischen
Erfolge mussten politisch gestützt werden, um die Herrschaft auf
Dauer zu sichern. Dazu hatte Rom ein abgestuftes Bundesgenossensystem mit unterschiedlichen Einzelverträgen entwickelt, das sich den politischen
Erfordernissen in den einzelnen Städten und Gebieten anpassen konnte.
Die römische Wehrgemeinschaft bestand nun aus: