Indochina
als französische Kolonie
Der Begriff Indochina
(hinter China) ist eine französische Wortschöpfung für die Region,
in der die heutigen südostasiatischen Staaten Vietnam,
Kambodscha und Laos liegen.
Indochina
wurde im 19. Jahrhundert französische
Kolonie. Anfänglich waren es vor allem Missionare, die sich dort niederließen.
Später unterwarf sich mehr und mehr der französische Staat dieses Gebiet.
Dabei übte Frankreich sowohl die direkte Kontrolle durch französische
Gouverneure und Verwalter als auch die indirekte durch willigen einheimische Herrscher
aus.
Das Interesse der französischen Kolonialmacht
konzentrierte sich vor allem auf das östliche Indochina, das heutige Vietnam.
Neben der Ausbeutung einiger Rohstofflagerstätten war für Frankreich
auch seine geografische Lage von Bedeutung. Sie konnte als Sprungbrett für
die Ausdehnung des kolonialen Einflusses nach China dienen.
Entsprechend dieser Bedeutung
Vietnams für die Kolonialmacht spielte sich auch der nach
dem Zweiten Weltkrieg beginnende erste Indochinakrieg vor allem hier ab. Seine Wurzeln lagen im Widerstand der Vietnamesen gegen die
französische Kolonialmacht begründet, der bereits zu Beginn des 20.
Jahrhunderts eingesetzt hatte:
Die Revolte
wurde dann allerdings von den vietnamesischen Kommunisten fortgesetzt. Diese hatten
Anfang der 30er Jahre mit anderen kommunistischen Parteien der Region die Kommunistische
Partei Indochinas gegründet.
Die bewaffneten Auseinandersetzungen
mit der französischen Kolonialmacht gingen letztlich verloren. Die Kommunisten
konnten aber dennoch viele neue Anhänger und Mitglieder gewinnen. Der Grund
war, dass sie in jenen Gegenden, wo sie während des Aufstandes die Macht
übernommen hatten, oftmals soziale Reformen durchgeführten. Dazu gehörte
u. a. die Landumverteilung zugunsten von
kleinen Bauern und Landarbeitern.
Unter diesen Voraussetzungen
verband sich die Forderung nach Unabhängigkeit für viele Vietnamesen
bald mit den Kommunisten unter Führung von HO
CHI MINH.
Um der Forderungen eine noch stärkere soziale Basis zu
geben, schlossen sich die Kommunisten 1941 mit den bürgerlichen Nationalisten
des Landes zur Vietminh (Liga für
die Unabhängigkeit Vietnams) zusammen. Diese Liga spielte in den weiteren
Ereignissen nach 1945 eine wichtige Rolle.
Indochina
- das Jahr 1945
In den Jahren des Zweiten
Weltkrieges hatte sich der Widerstand der Vietminh vor allem gegen Japan gerichtet, dessen Truppen seit 1940 große Teile Indochinas besetzt hielten.
Die japanische Niederlage im Zweiten Weltkrieg
verschaffte den Vietminh dann 1945 eine günstige Gelegenheit zur Verwirklichung
ihres Wunsches nach Unabhängigkeit: Hatten
die japanischen Eroberer nämlich 1940 die französischen Kolonialbeamten
gegen die Zusage weitreichender Zugeständnisse zunächst noch im Amt
belassen, so verhafteten sie viele von ihnen im März 1945 überraschend.
Damit entstand ein Machtvakuum, in dem die Vietminh ihren Einfluss schnell
vergrößerte. So konnte HO CHI MINH am 2. September 1945 in Hanoi
im Landesnorden die unabhängige Demokratische
Volksrepublik Vietnam (DRV) ausrufen.
Damit jedoch war die nationale
Unabhängigkeit aber noch lange nicht erreicht. Auf der Potsdamer
Konferenz hatten die alliierten Sieger des Zweiten Weltkrieges u. a.
vereinbart, dass das von Japan besetzte Vietnam für eine Übergangszeit
in zwei Besatzungszonen geteilt werden sollte.
So gab es 1945 in Vietnam sehr verschiedene politische Gruppierungen, die um Macht und Einfluss in dieser Region strebten. Dazu kam noch die alte Kolonialmacht Frankreich, die auch Ansprüche auf Vietnam geltend machte
Der erste Indochinakrieg
1946-1954
In Frankreich gab es nach dem Zweiten Weltkrieg einen breiten gesellschaftlichen Konsens zum
Erhalt der kolonialen Besitzungen. Damit sollte
auch zur Wiederherstellung des durch den Zweiten Weltkrieg angeschlagenen Ansehens
Frankreichs als internationale Großmacht beigetragen werden.
Frankreich erreichte zunächst auch schnell einige
Fortschritte: 1946 gab es eine Übereinkunft mit China, nach der sich die
nationalchinesischen Truppen aus dem Norden des Landes zurückziehen mussten.
Im Gegenzug räumte Frankreich seine Besitzungen in China.
Andererseits
verstärkten sich in Vietnam die Unabhängigkeitsforderungen. Frankreich
musste schließlich am 6. März 1946 seiner Kolonie die formelle Unabhängigkeit gewähren.
Gleichzeitig installierte der französische Hohe Kommissar
für Indochina in Saigon im Süden
des Landes mit Unterstützung der vietnamesischen Oberschicht eine von Frankreich
völlig abhängige Marionetten-Regierung. Dieses als Gegenregierung zur rechtmäßigen Regierung in Hanoi geschaffene
Gebilde sollte die Demokratische Republik Vietnam unter HO CHI MINH politisch
isolieren. Sie verstärkte aber nur die Spannungen mit den Anhängern
der nationalen Unabhängigkeit.
Das Pulverfass explodierte schließlich
als französische Zollbeamte auf der Suche nach illegalen Waffenlieferungen
ein Schiff in Haiphong am Auslaufen hindern
wollten und die Hafenstadt danach zwei Tage lang mit Kriegsschiffen beschossen
wurde. Dabei starben über 6 000 Vietnamesen.
Im Gegenzug griffen
Einheiten der Vietminh die französische Militärgarnison in Hanoi an.
Damit hatte der erste Indochinakrieg im Dezember 1946 begonnen. Innerhalb von wenigen Monaten gelang es dabei den Vietminh,
große Teile des Nordens unter ihre Kontrolle zu bringen.
Zum Erfolg
der Vietminh, die sich kurze Zeit später in Vietnamesische
Volksarmee umbenannten, trug bei, dass sie in den von ihnen eroberten Gebieten,
die vor allem im Norden des Landes lagen, umgehend soziale Reformen zugunsten
großer Teile der verarmten Bevölkerung einleiteten. Aber auch in den
nicht von ihnen beherrschten, vor allem im Süden gelegenen Landesteilen,
fanden die Kämpfer der Volksarmee vielfältige Unterstützung. Häufig
griffen sie feindliche Einheiten überraschend an und verschwanden dann wieder
im Schutz der einheimischen Bevölkerung.
Nicht unerwähnt bleiben
darf jedoch der Einfluss, den der Kalte
Krieg auf den Indochinakrieg hatte:
Die Vietminh erhielten umfangreiche
Militärhilfe aus der 1949 gegründeten Volksrepublik China. Außerdem
wurde die Demokratische Republik Vietnam von der Sowjetunion und von China diplomatisch anerkannt.
Im
Gegenzug nahmen die USA und Großbritannien aus Furcht vor einem sowjetischen Machtzuwachs in Indochina Beziehungen zur Gegenregierung
in Saigon auf.
Die Regierungen im nördlichen Hanoi und im südlichen
Saigon waren damit auch in den Kalten Krieg eingebunden, zu Sachwaltern der großen,
diesen Krieg bestimmenden Mächte geworden.
Dien Bien Phu - die Entscheidung
Bis 1954 verschlechterte sich
die militärische Lage für Frankreich zusehends.
Um die Initiative
wiederzugewinnen, fasste der neue französische Oberbefehlshaber einen Plan.
Er wollte die im Norden zersplittert operierenden französischen Einheiten
in der in einem Tal gelegenen Militärfestung Dien Bien Phu im Nordwesten des Landes
zusammenfassen. Dadurch wollte er die Vietminh zur Entscheidungsschlacht zwingen.
Der Plan ging aber gründlich schief. Mit Hilfe der Bevölkerung,
die zum Beispiel unter großem Einsatz im unwegsamen Gelände ganze Artilleriebatterien
auf die umliegenden Berge in Stellung brachten, besiegten die Vietminh die Franzosen
nach 55-tägigem Kampf entscheidend. Allein auf französischer Seite gab
es dabei über 3 000 Tote.
Die militärischen
Niederlage beendete die französische Kolonialherrschaft in Indochina.
Auf der 1954 in Genf stattgefundenden Indochinakonferenz erklärte sich Frankreich schließlich
zum Rückzug aus Indochina bereit.
Insgesamt hatte Frankreich in dem achtjährigen Krieg 50 000 Soldaten
verloren und zudem über 100 000 Verwundete zu beklagen. Die Verluste
der Gegenseite sind schwer abzuschätzen. Sie gingen aber in die Hundertausende.