Der
Deutsch-Französische Krieg
Kriegsverlauf
Als Anfang August 1870 der
Deutsch-Französische Krieg ausbrach, wollte der französische
Kaiser NAPOLEON III. eigentlich einen massierten Vorstoß entlang
des Tals des Main unternehmen, um so Nord- und Süddeutschland zu trennen.
Er hoffte auf diese Weise, auch die Unterstützung Österreichs
und Italiens in diesem Krieg gegen Preußen zu erlangen.
Die französischen Truppen waren jedoch nicht marsch- und kampfbereit.
Noch bevor alle Reserven für den Angriff
zusammengezogen und aufgestellt werden konnten, hatten sich schon deutsche
Truppen den Weg von der Oberrheinebene aus durch das Lothringische
Tor nach Frankreich hinein erkämpft. Für die Verteidigung
erwies sich die Aufstellung des französischen Heeres allerdings als
katastrophal. Da die deutschen Truppen den französischen auch zahlenmäßig
weit überlegen waren, konnten sie die französischen Verbände
einzeln angreifen und deren Vereinigung erfolgreich verhindern.
Nach mehreren mit großer Erbitterung geführten Schlachten,
in denen die Deutschen höhere Verluste erlitten als die Franzosen,
keilten sich die deutschen Verbände zwischen den Paris und die nördlich
stehenden Armeen der französischen Marschälle BAZAINE und MACMAHON
ein.
Die Armee von Marschall BAZAINE wurde nach Osten abgedrängt und in
der nordfranzösischen Stadt Metz
eingeschlossen. Sie kapitulierte schließlich im Oktober.
Zur Armee von MACMAHON war inzwischen auch der französische Kaiser
NAPOLEON III. mit
einer weiteren Armee gestoßen. Beim Versuch, BAZAINE zu Hilfe zu
kommen, wurden ihre südlichen Flanken bei Beaumont
von preußischen, bayerischen und sächsischen Einheiten gestellt
und aufgerieben. Die verbliebenen Restverbände
der Armee wurden schließlich bei Sedan
nahe der belgischen Grenze eingekesselt.
Schlacht bei Sedan
Die Schlacht bei Sedan
begann in den frühen Morgenstunden des 1. September. Die französischen
Truppen waren dem stundenlangen vernichtenden Artilleriefeuer der modernen
neuen Gussstahlgeschütze mit Hinterladung von Krupp ausgesetzt. Alle
Ausbruchsversuche scheiterten mit hohen Verlusten. Am Spätnachmittag
war die Lage der eingeschlossenen Franzosen dann so hoffnungslos, dass
auf den Trümmern des Schlosses von Sedan die weiße
Fahne gehisst wurde. Am Abend begannen dann bereits die Kapitulationsverhandlungen.
Sie dauerten bis in die Nacht hinein. Bei allen Verhandlungsrunden war
der preußische Kanzler BISMARCK
anwesend.
Frühmorgens am 2. September traf sich BISMARCK mit NAPOLEON III.,
der um ein Gespräch gebeten hatte. Das Gespräch fand in einem
Weberhäuschen statt und dauerte
etwa fünfundvierzig Minuten.
Beide sollen zunächst höfliche Phrasen darüber ausgetauscht
haben, dass keiner den Krieg gewollt habe. Bezüglich der Kapitulationsbedingungen
verwies BISMARCK den französischen Kaiser auf den zuständigen
General VON MOLTKE. Die Bitte um eine Unterredung mit dem preußischen
König WILHELM I. schlug er NAPOLEON allerdings ab.
Gegen Mittag mussten die Franzosen dann die von den deutschen Generälen
diktierten Kapitulationsbedingungen unterschreiben. Weit über 80 000
französische Soldaten und ihr Kaiser gerieten in preußische
Gefangenschaft. NAPOLEON III. wurde nach Wilhelmshöhe
bei Kassel gebracht, pikanterweise der ehemaligen Residenz seines Onkels
JÈROME in napoleonischer Zeit. Von dort aus ging er im März
1871 ins Exil nach England.
Ergebnisse
Mit diesem atemberaubenden deutschen Sieg
war zwar noch nicht das Ende des Krieges erreicht, zumindest aber das
Ende der napoleonischen Herrschaft. Am 3. September erreichte die
Nachricht von der Kapitulation der Armee und der Gefangennahme des Kaisers
Paris. Am nächsten Morgen wurde die Französische
Republik ausgerufen.
Damit war auch die Gefahr einer Intervention anderer europäischer
Mächte zugunsten des französischen Kaisers nicht mehr gegeben.
BISMARCK konnte nun auch die eigentlichen deutschen
Kriegsziele enthüllen und sie mit der von Frankreich ausgehenden
Gefahr einer "revolutionären Ansteckung"
deutscher Staaten begründen.
Die Schlachten bei Metz und Sedan waren die ersten Beispiele für
die neue militärische Strategie unter dem Chef des preußischen Generalstabes HELMUTH VON MOLTKE. Besonders
Sedan war das klassische Beispiel für diese Vernichtungsstrategie.
Hierbei wurden die modernen Mittel und Möglichkeiten für die
Bewegung eines Heeres mit der Strategie NAPOLEONS I. und den Kriegstheorien
des frühen 19. Jahrhunderts verknüpft.
Sedan wurde in den folgenden Jahrzehnten zu einem Symbol
deutsch-französischer Rivalität, die sich unheilvoll
auf Europa auswirken sollte. Für Frankreich war Sedan Symbol nationaler
Schande, für Deutschland ein Symbol der Überlegenheit
gegenüber dem Nachbarn, das ein übersteigertes
Nationalbewusstsein entfachte. Ausdruck fand dies in den alljährlich
stattfindenden Sedanfeiern überall im Deutschen Kaiserreich und in der Weimarer Republik.