






| 1756 | Der
Krieg zwischen England und Frankreich wird weltweit in Amerika, Indien und zur
See geführt, weitet sich durch einen "Umsturz der Bündnisse"
auf Europa aus: König FRIEDRICH II. von Preußen schließt mit
England die Westmintisterkonvention
zum Schutz Hannovers, zieht sich dadurch die Feindschaft Frankreichs zu, das auf
Drängen der MARQUISE VON POMPADOUR im Vertrag
von Versailles ein Defensivbündnis mit Österreich eingeht. Schweden
(dessen König ADOLF FRIEDRICH ein Schwager FRIEDRICHS DES GROSSEN ist) und
die meisten Staaten des Reiches stellen sich auf Frankreichs Seite. FRIEDRICH II., der sich von seinen übermächtigen Gegnern eingekreist fühlt, kommt deren Angriff durch seinen Überraschungsangriff auf Sachsen zuvor, löst damit den Siebenjährigen Krieg aus. Die preußischen Truppen ziehen in Dresden ein, besiegen die Österreicher bei Lobowitz, erobern Pirna. Französische Truppen besetzen Hannover. Das seit 1746 mit Österreich verbündete Russland tritt unter Zarin ELISABETH dem Versailler Vertrag gegen Preußen bei. |
| 1757 | Preußischer
Sieg bei Prag über Österreich unter Prinz KARL VON LOTHRINGEN Niederlage bei Kolin gegen Österreich, Niederlage gegen Russland bei Großjägersdorf; Triumph über Reichsarmee und Franzosen bei Roßbach (Leipzig) Sieg bei Leuthen und 20 000 Gefangene gegen Österreich; Schweden greift von Schwedisch-Pommern aus in den Krieg ein |
| 1758 | Durch Herzog FERDINAND VON BRAUNSCHWEIG werden bei Krefeld die Franzosen besiegt und aus Hannover, Minden und Westfalen verjagt. Dank des verdienstvollen Kavalleriegenerals FRIEDRICHS II., FRIEDRICH WILHELM VON SEYDLITZ, werden die Russen bei Zorndorf besiegt. Von Österreichern unter Graf VON DAUN werden die Preußen besiegt (bei Hochkirch in Schlesien). Die Russen besetzen Ostpreußen, das der Zarin ELISABETH huldigt. FRIEDRICH II. gerät mehr und mehr in die Defensive. |
| 1759 | Nach einem Sieg über die Preußen bei Züllichau marschieren die Russen auf Berlin. Österreichische Truppen unter dem livländischen General Freiherr VON LAUDON und Russen unter Graf SALTYKOW sorgen für die schwerste Niederlage FRIEDRICHS II. bei Kunersdorf. |
| 1760 | Österreicher schlagen die Preußen bei Landshut, Russen besetzen Berlin; FRIEDRICH II.. erringt mit letzten Kräften preußische Siege bei Liegnitz und Torgau. |
| 1762 | Zar
PETER III., ein Bewunderer FRIEDRICHs DES GROSSEN, bringt nach dem Tod der Zarin
ELISABETH Preußen die Rettung, indem er Frieden schließt und Ostpreußen
zurück gibt (Mirakel
des Hauses Brandenburg). Am 5. Mai 1762 schließen Preußen und
Russland den Frieden von St.
Petersburg |
| 1763 | Austritt Russlands aus der Koalition beendet Siebenjährigen Krieg - Frieden von Hubertusburg zwischen Preußen, Österreich und Sachsen. |
Erster
Schlesischer Krieg
Nach dem Tod des deutschen Kaisers in Wien erbte
MARIA THERESIA die habsburgischen Länder. Während andere Staaten mit
der Anerkennung der neuen Herrscherin noch zögerten, handelte FRIEDRICH,
kühl seinen Vorteil ausnutzend, und marschierte noch im Dezember 1740 in
Schlesien ein, um es für Preußen zu erobern (erster
schlesischer Krieg). Sachsen und Bayern, selbst die Franzosen erklärten
nun ebenfalls Österreich den Krieg. Aber die Königin gewann die Hilfe
der Ungarn und konnte die Bayern und Franzosen aus Böhmen vertreiben. Mit
dem Preußenkönig aber musste sie verhandeln und ihm Schlesien abtreten.
Weil FRIEDRICH II.. wusste, dass MARIA THERESIA bei der ersten Gelegenheit die
Provinz zurückerobern würde, führte er noch zweimal Krieg gegen
sie, um Schlesien zu behaupten.
Als Folge des Kolonialkriegs zwischen Frankreich
und England in Nordamerika hatten sich Preußen mit England und Frankreich
in einer großen Koalition mit Österreich, Russland, Sachsen und Schweden
verbündet. Während es Österreich es um die Rückeroberung
Schlesiens ging, wollte die Koalition den preußischen Machtzuwachs
stoppen.
FRIEDRICH
II. über die Außenpolitik Preußens
FRIEDRICH II. von
Preußen schätzte bereits 1752 die Situation in Europa hinsichtlich
der Kräftekonstellationen und Zielsetzungen der Mächte ein. Über
die Außenpolitik Preußens schrieb er in seinem Politischen Testament,
Preußen sei der
"geographischen Lage zufolge Nachbar(n) der bedeutendsten Fürsten Europas; alle diese Nachbarn sind ebenso eifersüchtig wie heimliche Feinde unserer Macht.
Das Haus Österreich ist unbestritten die ehrgeizigste dieser Mächte. Der Hochmut der Kaiser vererbt sich in diesem Geschlecht vom Vater auf den Sohn. Das Gelüst, Deutschland zu unterwerfen, die Grenzen der eigenen Herrschaft zu erweitern und seine Familie überall festzusetzen, ist Grundlage aller seiner Pläne. Von allen Mächten Europas ist es diejenige, die wir am stärksten gekränkt haben...
Der König von England hat Europa nur von seinem Kurfürstentum Hannover her im Auge. Allem, was ihm für dieses Kurfürstentum günstig erscheint, ist er zugeneigt, alles, was ihm dort als nachteilig erscheint, bringt ihn auf. Der Haß, den er gegenüber Preußen hegt, hat seinen Ursprung in alten Zwistigkeiten zwischen dem hannoverischen Ministerium und dem in Berlin und zum Teil in der Mißgunst, mit dem er das Anwachsen der Macht seines Nachbars beobachtet.
Russland darf keinesfalls zu unseren echten Feinden gezählt werden. Mit Preußen hat es nichts zu begleichen, es ist nur von ungefähr ein Feind. Die Politik dieses Hofes zielt darauf ab, den Einfluß, den er auf Polen hat, zu erhalten, in leidlich gutem Einvernehmen mit dem Haus Österreich zu leben... und, soviel er nur kann, Einfluß auf die Vorgänge im Norden zu behalten.
Nehmen wir zu diesen Großmächten Sachsen dazu! Dieses Schiff ohne Kompaß ist ein Spielball des windes und der wellen. Ein bestochener Minister veranlasst seinen Landesherrn, den Vertrag von Petersburg zu unterzeichnen, durch den er sein Haus um den polnischen Thron bringt. Dieser Minister richtet mit seinem Aufwand und den Steuern... den Staat zugrunde zwingt dieser Narr (seinen König) in ein Bündnis hinein, das die königliche Familie allen Zufällen des Krieges aussetzt, ohne ihr die geringste Hoffnung zu lassen, von seinen Vorteilen einen Nutzen zu haben.Die Holländer haben nicht genug Einsicht, um zu erkennen, wen sie lieben oder wen sie hassen sollen. Schwach und ohne Kredit müsste sich ihre Regierung friedfertig verhalten, um sich zu festigen und ihre Schulden zu bezahlen; da sie aber alles zur unpassendensten Zeit tut, ist zu vermuten, dass sie wie immer weitermacht..
Sie haßt Frankreich, das ihr Beschützer sein könnte, und ergibt sich auf Gnade oder Ungnade England, das den Handel dieser armen Republik zunichte macht.
Alle diese Mächte sind mit ihren Interessen mehr oder weniger gegen die unseren eingenommen... Sachsen verhält sich (...), als ob es von seinen grausamsten Feinden regiert würde, und die Regierung in Holland ist nicht mehr als eine Mischung aus Dummheit und Schwäche.
Die Lebhaftigkeit der Franzosen bedingt, dass sie nur spontan handeln. Wenn sie etwas wollen, streben sie es mit Lebhaftigkeit an; aber schnell dämpfen sie auch wieder ihr Verlangen und wechseln von einer Meinung zur entgegengesetzten über...
Schweden treibt keine andere Politik, als sich Russland gegenüber so zu behaupten, wie es ist.. Schweden ist ein lästiger Verbündeter, der möglicherweise nach Hilfe verlangt, selbst aber keine leisten kann. Diese ebenso arme wie eitle Nation ist durch innere Zwietracht zerrissen...
Dänemark hat wie jedes andere Land seinen Ehrgeiz es wendet seine ganze Kraft an die Flotte, die in bestem Zustand gehalten wird, und vernachlässigt seine Landstreitmacht. Bei seiner Politik dreht es sich um die Erwerbung Holsteins. Von diesem Punkt aus kann man sich alle seine Schritte erklären." (Über die Außenpolitik. Politisches Testament von 1752. in: FRIEDRICH II. von Preußen: Schriften und Briefe, S. 187 ff.)
Die im Politischen Testament von FRIEDRICH
II. skizzierten "chimärischen Träume" (chimärisch/ chimära=in der griech. Mythologie)
Ungeheuer aus Löwe =Kopf, Ziege =Leib und Beine, und Schlange =Schwanz)
konnten durch Krieg einer Verwirklichung näher gebracht werden.
Der
Monarch leugnete später jede Eroberungsabsicht.
Als er die "Geschichte
des Siebenjährigen Krieges" schrieb, tat er dies mit dem ausdrücklichen
Ziel, der Nachwelt zu beweisen, dass die Vermeidung des Krieges nicht von ihm
abhing. Der Vorwurf der Aggression ließ
ihn nicht mehr kalt. Erst recht verwahrte er sich gegen Eroberungsabsichten. Den
Schwarzen Peter schob er den Habsburgern zu. Sie hätten ihm - was ja stimmte-
Schlesien wieder entreißen wollen, während er die neue Provinz nur
verteidigte. Die "Geschichte des Siebenjährigen Krieges" war allein
für die Öffentlichkeit bestimmt. Darin war über seine "chimärischen
Träume" nichts zu lesen. Er hielt sie geheim und unterrichtete erst
seine Nachfolger darüber.
Kriegsvorbereitungen
Die
hauptsächlichen Kriegsvorbereitungen galten zunächst und in erster Linie dem Militär. Unmittelbar nach dem
zweiten Schlesischen Krieg begann FRIEDRICH die "Generalprinzipien des Krieges"
auszuarbeiten. Als streng geheime Sache übergab er die in Französisch
abgefasste Schrift nach Übersetzung seinen Generalen. Darin waren entlarvende
Aussagen über den Charakter der preußischen Armee mit weiterführenden
Gedanken über die Kriegskunst der damaligen Zeit vermischt. Das ganze System
beruhte auf der "Schnelligkeit der Bewegung und auf der Notwendigkeit des
Angriffs."
Die militärischen und finanziellen Kriegsvorbereitungen
wurden durch diplomatische Aktivitäten ergänzt. Unter aufmerksamer Beobachtung des Kräfteverhältnisses in Europa ging es um Vorkehrungen, um bei der erwarteten Auseinandersetzung nicht
allein, ohne Bundesgenossen dazustehen. Während Österreich sich dem
ehemaligen "Erbfeind" Frankreich anzunähern begann und Brandenburgs/Preußens
Vertrag mit Frankreich im Jahre 1756 auslief, befürchtete FRIEDRICH, eine
Erneuerung des Bündnisses würde abgelehnt werden. FRIEDRICHs Sondierungen
in England zielten darauf ab, auch Russland auf seine Seite ziehen zu können.
Die
Konvention von Westminster
Seit 1754 schwelte der
überseeische Konflikt zwischen England und Frankreich um die kolonialen Besitzungen. Der englische König
fürchtete daher um sein Stammland Hannover und suchte nach Bündnispartnern
auf dem Kontinent. Im Preußen FRIEDRICHS DES GROSSEN fand er ihn, denn dieses
Land sah sich nach der Annexion Schlesiens immer neuen Versuchen Österreichs
ausgesetzt, eine kriegerische Koalition gegen das aufstrebende norddeutsche Königreich
zusammenzubringen. Am 16. Januar 1756 einigten sich Preußen und Briten auf
folgende Konvention von
Westminister:
"Je mehr die Differenzen, die sich in Amerika zwischen dem König von Großbritannien und dem Allerchristlichsten König erhoben haben und deren Folgen immer kritischer werden, für die allgemeine Ruhe Europas Anlaß zu Befürchtungen geben, haben Seine Majestät der König von Großbritannien, Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg, und Seine Majestät der König von Preußen, Kurfürst von Brandenburg, voller Aufmerksamkeit für eine so wichtige Angelegenheit und beide beseelt von dem Wunsche, den allgemeinen Frieden Europas und besonders Deutschlands zu erhalten, sich entschlossen, über die Maßnahmen, die am wirksamsten zu einem so wünschenswerten Ziel beitragen könnten, eine Vereinbarung zu treffen. Zu diesem Zweck ... sind sie über folgenden Artikel übereingekommen: Zwischen den genannten erhabenen Königen sollen aufrichtiger Friede und gegenseitige Freundschaft bestehen, ungeachtet der Wirren, die sich in Europa infolge der oben erwähnten Differenzen erheben könnten. Demzufolge wird keine der vertragschließenden Parteien das Gebiet der anderen direkt oder indirekt angreifen oder verletzen; vielmehr werden sie, jede von ihrer Seite, alle Anstrengungen machen, um ihre beiderseitigen Verbündeten daran zu hindern, irgend etwas gegen das genannte Gebiet auf irgendeine Art zu unternehmen."
Die unterzeichnenden Seiten gaben sich gegenseitige Garantien für die territoriale Integrität und für die Neutralität Hannovers. Der Abschluss der Konvention beschleunigte die Bündnisverhandlungen Österreichs mit Frankreich: Im Neutralitäts- und Vertreidigungsvertrag aus dem Mai 1756 versprach Österreich sein neutrales Verhalten im Falle eines Krieges zwischen England und Frankreich. Im Gegenzug hob Frankreich durch einen Geheimartikel seine Garantien für Preußisch-Schlesien auf. Unterdessen erreichte die österreichische Diplomatie Erfolge am russischen Zarinhofe. Der entstandenen Drei-Mächte-Koalition schlossen sich bald Sachsen und Schweden an.

Beginn
des Siebenjährigen Krieges
Mit seinem kühnen Handstreich gegen
Schlesien hatte Preußens König FRIEDRICH II. gleich nach Regierungsantritt
1740 die europäische Machtbalance erheblich verändert. Nachdem er in zwei Kriegen seine Beute hatte halten
können und mit seinem vorzüglich ausgebildeten Heer in den Rang einer
Großmacht aufgerückt war, sah er einen Entscheidungskampf mit der deutschen
Führungsmacht, Österreich, voraus. Im Sommer 1756 war es dann soweit:
Sichere Nachrichten kündigten ein bevorstehendes Bündnis zwischen Wien,
Petersburg und Paris an. Gegen wen sich das richten sollte, konnte niemandem zweifelhaft
sein. FRIEDRICH ließ Österreichs Herrscherin MARIA THERESIA eine Note
überbringen, in der er klar auf das Offensivbündnis hinwies und Garantien
forderte, dass es nicht gegen Berlin gerichtet sei. MARIA THERESIA stritt rundweg
ab, dass eine solche Allianz bestehe.FRIEDRICHs Forderung nach einer Nichtangriffserklärung
für jenes und das darauffolgende Jahr, überging sie mit Stillschweigen.
FRIEDRICH entschloss sich daher zu einem preußischen Präventivschlag gegen das ebenfalls mit Österreich verbündete Sachsen.
Am 28. August 1756 setzte sich sein Heer in Marsch und entfesselte
damit einen Krieg, der über sieben Jahre währen sollte und die halbe
Welt in Flammen setzte. Preußen geriet an den Rand der Niederlage, doch
letztlich konnte sich FRIEDRICH behaupten, der fortan "der Große"
hieß.
Sieg
bei Leuthen
Jene Schlacht
bei Leuthen konnte den Siebenjährigen Krieg nicht entscheiden, doch wurde
sie zum Musterbeispiel der Kriegskunst FRIEDRICHS DES GROSSEN: seine kleine Armee
besiegte im Dezember 1757 die dreimal größere österreichische
vollständig. diese Schlacht zeigt, wie FRIEDRICH sieben Jahre lang einer
erdrückenden Übermacht im Kampf um Schlesien standhalten konnte. Die
entscheidende Phase liest sich in der Darstellung des Generalstabs so:
"... Die Schlacht stand; der kurze Tag neigte sich zum Ende, ohne daß eine Entscheidung abzusehen war. Da sollte die Kavallerie den Sieg vollenden, wie sie die Schlacht ruhmvoll eingeleitet hatte."
15 Schwadronen Kürassiere und die Bayreuth-Dragoner stürmten in mehreren Reihen heran, 15 Eskadronen von Kürassiere brachen als Geschwader über die Österreicher her. Zwar wollte ein Teil der österreichischen Regimenter wieder zur Front einschwenken, um dem Anprall zu widerstehen, doch die entgegengesetzten Bewegungen erzeugten nur Verwirrung in den eigenen Reihen. 30 preußische Schwadronen der Reserve griffen nach einem Handgemenge ein, bis die österreichischen Geschwader den Widerstand aufgaben und in die eigene Infanterie hinein jagten, wo sie neue Verwirrung und Schrecken in deren Reihen trugen.
Schlacht
bei Zorndorf
1757 hatten russische Truppen Ostpreußen besetzt.
Sie drangen rasch weiter nach Westen vor und belagerten Küstrin, allerdings
vergeblich. Preußens König FRIEDRICH DER GROSSE marschierte in höchster
Eile mit einem Heer zum Entsatz herbei. Der russische Oberkommandierende General
FERMOR zog sich darauf von Küstrin zurück und erwartete die Preußen
in günstiger Stellung. FRIEDRICH aber ließ sie umgehen und zwang FERMOR
zum Frontwechsel, der dadurch eine Flanke entblößen musste. Dennoch
wären die unterlegenen Preußen in der am 25. August 1758 ausgefochtenen Schlacht bei Zorndorf geschlagen
worden, wenn nicht General VON SEYDLITZ in klugem Abwarten, später als vom
König gewünscht, die Kavallerie ins unentschiedene Treffen geschickt
hätte. SEYDLITZ zu seiner Befehlsverweigerung:
"Nach der Schlacht gehört mein Kopf Ew. Majestät. In der Schlacht hoffe ich, ihn noch für Ew. Majestät verwenden zu können."
Er durfte ihn auch nach der Schlacht behalten, die bei furchtbaren Verlusten doch noch ein Sieg FRIEDRICHS wurde. Er verlor 12000 seiner 36800 Mann, die Russen aber 18000 sowie 3000 Gefangene ihrer 44300 Mann. Der König schrieb über die Schlacht in seiner "Geschichte des Siebenjährigen Krieges":
"Am folgenden Morgen, am 25. August, rückte die Armee in vier Kolonnen beim Dorfe Batzlow in die Ebene vor. Zwischen Batzlow und Klein-Cammin hatte der Feind den Hauptteil seiner Bagage unter schwacher Bedeckung zurückgelassen. Hätte die Zeit nicht gedrängt, so hätte man sie mit leichter Mühe wegnehmen und den Feind durch einige Märsche zum Verlassen des Landes zwingen können. Indes mußte eine Entscheidung herbeigeführt werden. Angesichts der seltsamen Stellung, die der Feind seiner Schlachtordnung gegeben hatte, konnte man sich das Beste vom Angriff versprechen."
Die Armee hatte beim Marsch auf Zorndorf die Kavallerie des linken Flügels unter Benutzung von Bodenfalten so aufgestellt, dass sie vor der feindlichen Artillerie geschützt und doch stets bereit war, im Notfalle einzugreifen. Der Angriff wurde zurückgeworfen, und die Infanterie zog sich in ziemlich großer Verwirrung zurück. Da aber der Feind gleichfalls in Unordnung geraten war, ließ der König SEYDLITZ unverzüglich zur Attacke vorgehen. Der Angriff erfolgte in drei Kolonnen, die gleichzeitig in das russische Viereck einbrachen. In weniger als einer Viertelstunde war das ganze Schlachtfeld vom Feinde gesäubert. Die Kavallerie konnte wegen der Sümpfe in dem Galgen-Grunde nicht operieren, und so mussten die Preußen sich darauf beschränken, den Feind mit Kanonen zu beschießen.
Schlacht
bei Torgau
Am Montag, dem 3. November 1760, um halb sieben Uhr morgens
standen 52 000 Mann unter dem österreichischen Feldherr DAUN auf den Höhen
von Süptitz 48 500 Preußen gegenüber. ZIETENS Reiterei hatte Befehl, die Höhen von Süden anzugreifen, während
FRIEDRICH noch weiter nach Norden marschieren, umwenden und mit dem Hauptheer
DAUN von hinten fassen wollte. Gleichzeitig mit ZIETEN, das war der Punkt. Aber
während der König marschierte, wurde ZIETEN von einer kleinen österreichischen
Abteilung in ein Ablenkungsgefecht verwickelt. Nun war der preußische Plan
kein Geheimnis mehr. Nach schneller Umgruppierung und veränderter Hauptstoßerwartung
stürmten die preußischen Grenadiere und KLEISTS Husaren auf DAUN los
und gerieten in das mörderische Artilleriefeuer von 400 Geschützen,
gefolgt von österreichischen Reiterangriffen. Weitere Angriffe der Preußen
wurden abgeschlagen. Eine Kartätschenkugel verwundete FRIEDRICH, sein dicker
"Pelz" rettet ihm das Leben. Auch DAUN wird verwundet, er reitet nach
Torgau, um sich verbinden zu lassen. Die Höhen überließ der Feldherr
einem seiner Generale, in der Sicherheit, die Preußen seien geschlagen und
würden sich über Nacht zurückziehen. Um 6 Uhr in der Dämmerung
machte ZIETEN seinen Fehler wieder gut und rannte gegen die Süptitzer Höhen
an. Die aufziehende Dunkelheit wurde zum Verbündeten der Preußen. Gegen
9 Uhr flohen Österreichs gelichtete Reihen auf Torgau zu, von wo über
die Elbe gesetzt und zum Rückmarsch nach Dresden geblasen wurde.
Der
Krieg und die preußische Bevölkerung
Eine echte Meinungsbildung
war damals schwer. Die Tatsache, dass mit England-Preußen zwei
protestantische Mächte einer katholischen Koalition gegenüberstanden,
wurde ausgenutzt, um den europäischen Machtkampf in einen Religionskrieg
umzustilisieren und Angst vor einer neuen Gegenreformation anzufachen. Die Legende vom neuen Religionskrieg wurde mit preußischen Flugschriften
und königlichen Verlautbarungen gefördert. FRIEDRICH II. verfasste ein
Manifest gegen Österreich (1756), das mit dem Aufruf endete, "die Sache des Protestantismus und der deutschen Freiheit vor den Unterdrückungsgelüsten
des Wiener Hofes zu schirmen". Die Auseinandersetzung mit Frankreich
weckte "nationale Gefühle". Kreise der bürgerlichen Intelligenz,
besonders in Preußen, unterlagen der Illusion, in FRIEDRICH einen Interessenvertreter
des Volkes und der werdenden bürgerlichen Nation zu sehen. In entsprechender
Literatur wurde Preußen mit der Nation gleichgesetzt.
Der Nationalismus trieb seine Blüten,
noch bevor die Nation entstanden war.
Eine Flut von Propagandaliedern
überschwemmte die deutschen Territoialstaaten. Die auftraggebende Macht kommentierte
darin das Kriegsgeschehen. Ein Spottlied auf die Franzosen blieb nach der Schlacht
bei Roßbach bis heute bekannt:
Wenn unser Großer Friedrich kömmt
und klatscht nur auf die Hosen,
so läuft die ganze Reichsarmee
noch mehr als die Franzosen.
Der teils von den Herrschenden organisierte, teils als Reflex auf die Kriegszeit entstandene ideologische Druck erschwerte den Volksmassen die Orientierung. Die kriegsbereiten Propagandawerke verstummten erst in den späteren Kriegsjahren, bei zunehmender Not und Verelendung. Zur ausbreitenden Desillusionierung trugen selbst jene Autoren der Anfangsjahre bei.
Kriegsfolgen
Zu
den unmittelbaren Kriegsfolgen zählen 400000 Menschenopfer, was ein
Zehntel der Gesamtbevölkerung um 1756 bedeutete. Der Bevölkerungsrückgang
wirkte sich vor allem in
aus. Wohnhäuser, Ställe, Scheunen und Höfe lagen in Trümmern, es mangelte an Saatgut, der Viehbestand war stark dezimiert. Anforderungen der eigenen Armee sowie die Kontributions- und Fourageforderungen der feindlichen Truppenteile führten zu einer katastrophalen Lage der ländlichen Bevölkerung.
