
SOKRATES war ein griechischer Philosoph, der im 5. Jahrhundert v. Chr. in Athen lebte und dessen Gedankengut und erkenntnisfördernde Lehrtechnik die abendländische Philosophie nachhaltig geprägt hat. SOKRATES selbst hat der Nachwelt keine Schriften hinterlassen. Das heutige Wissen über seine Persönlichkeit und seine Denkweise wurde ausschließlich den Schriften seiner Schüler entnommen, zu denen u.a. PLATON, ANTISTHENES, EUKLID VON MEGARA, ARISTIPOS, PHAIDON VON ELIS und XENOPHON gehörten. Besonders aufschlussreich sind in diesem Zusammenhang die nach ihm benannten "Sokratischen Dialoge" von PLATON.
Die Lebensgeschichte von SOKRATES
Details zur Lebensgeschichte
von SOKRATES sind wie geschildert nur aus den Schriften seiner Schüler
überliefert. Danach wurde SOKRATES im Jahr 469 v. Chr. in Athen als
Sohn des Steinmetzen SOPHRONISKOS und der Hebamme PHAINARETE geboren.
Seine Ausbildung war klassisch und umfasste Literatur, Musik und Gymnastik.
Außerdem beschäftigte er sich mit der Rhetorik und der Dialektik
der Sophisten sowie mit den Schriften anderer griechischer Philosophen.
SOKRATES arbeitete zunächst wie sein Vater als Steinmetz. Später
diente er als Infanterist im Peloponnesischen Krieg. Hier soll er sich
in verschiedenen Schlachten durch besondere Tapferkeit ausgezeichnet haben
(Schlacht von Potidaia: 432-430 v. Chr., Schlacht von Delium: 424
v. Chr., Schlacht von Amphipolis: 422 v. Chr.). Nach heutigen Erkenntnissen
hatte er nach dem Krieg verschiedene politische Ämter inne.
SOKRATES verbreitete seine Lehren auf den öffentlichen Plätzen
Athens und unterwies dort insbesondere junge griechische Knaben in der
Philosophie.
SOKRATES soll ein kleinwüchsiger und unattraktiver Mann gewesen sein,
der jedoch mit großer Selbstbeherrschung, Schlagfertigkeit und Sinn
für Humor ausgestattet war. Er war nach XENOPHON mit XANTHIPPE verheiratet,
mit der er drei Söhne, LAMPROKLES, SOPHRONISKOS und MENEXENOS, gehabt
haben soll. XANTHIPPE soll wesentlich jünger als SOKRATES gewesen
sein und wird als zänkisches Weib beschrieben. Nach der Überlieferung
von XENOPHON soll sie SOKRATES des öfteren vom Marktplatz nach Hause
gezerrt haben, damit er sich um den Lebensunterhalt der Familie kümmere,
statt um die Jünglinge, die er (im Gegensatz zu den Sophisten kostenlos!)
in Philosophie üben wollte.
399 v. Chr. wurde SOKRATES der Gotteslästerung (Einführung neuer
Götter) und der Verführung der Jugend angeklagt. Während
des Prozesses soll er selbst eine Verteidigungsrede gehalten haben. Die
wesentlichen Inhalte dieser Rede finden sich in PLATONS "Apologie".
Sokrates wurde im Prozess mit knapper Mehrheit für schuldig befunden.
Daraufhin schlug er dem Gericht vor, eine kleine Geldbuße zu zahlen,
die dem Wert des Philosophen für den Staat entspräche. Dieser
Vorschlag erzürnte das Gericht außerordentlich und es stimmte
nun fast geschlossen für die Todesstrafe.
SOKRATES hätte Gelegenheit gehabt, mithilfe von Freunden einen Fluchtversuch
aus dem Gefängnis zu wagen. Er lehnte jedoch das Hilfsangebot ab,
da er dem Gesetz gehorchen und für seine Sache sterben wollte. Er
starb 399 v. Chr. durch den giftigen Schierlingsbecher. Sein Ende wird
insbesondere in PLATONs Dialog "Phaidon"
beschrieben.
Die Lehrmethode von Sokrates
Neu für die damalige Zeit und auch aus heutiger Sicht interessant
war die Lehrmethode
von SOKRATES. Seine Unterweisungen auf den öffentlichen Plätzen
Athens führte er in Form von Lehrdialogen durch. Er wollte seine
Schüler durch seine Methode der Mäeutik
(griech.: Hebammenkunst)
zur Wahrheit führen. Er war der Meinung, dass jeder Mensch als ein
vernunftbegabtes Wesen die Wahrheit in sich trage, dass diese jedoch verborgen
liege und erst durch ein gezieltes Frage- und Antwortspiel "geboren"
werden müsse. Er soll gesagt haben, er übe die Kunst seines
Vaters, eines Bildhauers aus, indem er den Menschen Form zu geben versuche,
und er lasse sie wie seine Mutter, eine Hebamme, Erkenntnisse gebären.
Das war der Grund, warum er sich offen gegen die Sophistik
wandte, nach deren Dialektik nicht die Erkenntnis im Vordergrund steht,
sondern die Fähigkeit, den jeweiligen Gesprächspartner durch
Überredungskünste zu blenden.
An dieser Stelle sollte nicht unerwähnt bleiben, dass SOKRATES in
der Komödie "Die
Wolken" von ARISTOPHANES selbst als Sophist beschrieben wird.
PLATON ("Sokratische
Dialoge") beschreibt SOKRATES als jemanden, der seine eigene
Unwissenheit zur Schau stellte und dahinter sein wahres Gesicht versteckte
("Ich weiß, dass ich nichts weiß"),
der jedoch so scharfsinnig und klug war, dass er die Argumentation seines
Gegenübers mit Leichtigkeit zu durchschauen und zu unterwandern vermochte.
Die philosophische Lehre von SOKRATES
Die philosophische
Lehre von SOKRATES beeinflusste nachhaltig die gesamte griechische
Philosophie.
SOKRATES beschäftigte sich vor allem mit ethischen
Fragen und baute seine Lehre auf dem Gedanken auf, dass in jedem
Menschen dasselbe rationale Verständnis und dieselbe Definition für
Gerechtigkeit, Liebe, Tugend und Selbsterkenntnis verborgen sind. Er vertrat
die Meinung, dass allein Unkenntnis, nicht jedoch absichtliche Bösartigkeit,
die Ursache aller Laster sei. Unter Erkenntnis verstand er Tugend im Sinne
von Tüchtigkeit. Demnach müssten diejenigen richtig - d.h.
tugendhaft - handeln, die wissen, was recht ist. Der Grundgedanke
war, dass alles Tugendhafte nützlich und alles Lasterhafte schädlich
sei.
Neben diesen ethischen Fragen setzte sich Sokrates besonders mit Problemen
der Logik und in diesem Zusammenhang
mit der Formulierung allgemeiner Definitionen auseinander. Hinweise darauf
finden sich insbesondere in den Schriften des ARISTOTELES, eines Schülers
PLATONs.
SOKRATES beeinflusste Denker wie ANTISTHENES oder ARISTIPOS, auf die
die Strömungen der Kyniker und
der Kyrenaiker zurückgehen, aus
denen später wiederum EPIKUR seine Lehren entwickelte. SOKRATES war
darüber hinaus geistiges Vorbild für Stoiker wie den griechischen
Philosophen EPIKTET, den römischen Denker SENECA DEN ÄLTEREN
und den römischen Kaiser MARK AUREL.