


Der
Trojanische Krieg
ist ein zentrales Ereignis der
griechischen Mythologie.
Der Götterstreit
und die Entführung Helenas
Anlass für den Trojanischen Krieg gab die Entführung
Helenas durch den trojanischen Königssohn Paris; die Vorgeschichte
greift weiter zurück:
Zur Hochzeit des Peleus und der Thetis sind alle griechischen Götter
und Göttinnen eingeladen worden, außer Eris, der Göttin
der Zwietracht. Aus Rache kommt sie ungeladen und entfesselt einen Streit:
Mitten in die festliche Göttergesellschaft
wirft sie einen goldenen Apfel, auf dem "Der Schönsten"
geschrieben steht. (Von diesem Apfel leitet sich der sprichwörtlich
gewordene "Zankapfel"
oder "Erisapfel" her.) Es
entsteht ein heftiger Streit darum, wer die Schönste unter den Göttinnen
im Olymp sei - Hera,
die Gattin des Göttervaters Zeus, Athene,
die Göttin der Weisheit, oder Aphrodite,
die Göttin der Liebe. Zeus will
den Streit beenden. Deshalb überträgt er Paris,
dem Sohn des trojanischen Königs Priamos,
das Urteil darüber, wem der Apfel zustehe (auf dieses Urteil
geht das sogenannte "Parisurteil"
zurück). Paris spricht den Apfel der Göttin Aphrodite zu, da
diese ihm die schönste Frau der Welt dafür versprochen hat.
Das ist Helena, die aber mit Menelaos,
dem König von Sparta, verheiratet ist.
Paris verliebt sich in sie und möchte das Versprechen der Aphrodite
einlösen Deshalb entführt
er die schöne Helena nach Troja.
Kriegsparteien
Menelaos fordert Wiedergutmachung dieser Schmach, aber die Trojaner verweigern
die Rückgabe der Helena. Daraufhin zieht Menelaos' mächtiger
Bruder Agamemnon, der selbst König
von Mykene ist, ein griechisches Heer zusammen und führt den Oberbefehl.
Auf griechischer Seite sind viele tapfere Helden mit dabei, besonders Odysseus, König von Ithaka, und Achilles, Sohn
des Peleus und der Thetis. Auf trojanischer Seite stehen vor allem Hektor, Sohn des Königs Priamos, sowie Äneas, Sohn der Aphrodite und des Trojaners Anchises. Auch
die griechischen Götter ergreifen Partei: Hera und Athene unterstützen
die Griechen, Aphrodite und Apollon helfen den Trojanern.
Zorn des Achilleus
Troja wird zehn Jahre lang belagert,
aber es gelingt nicht, die Stadt einzunehmen. Im zehnten Jahr kommt es zu einem Zerwürfnis innerhalb
des Griechenheeres: Achilles ist von
Agamemnon seiner Sklavin Briseis beraubt worden. Aus Zorn zieht sich Achilles
vom Kampf zurück. Doch als sein bester Freund Patroklos von Hektor
getötet wird, will sich Achilles rächen und zieht wieder in den Kampf gegen Troja. Er war von seiner
Mutter durch ein Tauchbad im Wasser des Styx unverwundbar gemacht worden
- nur die Ferse, an der sie ihn gehalten hatte, blieb verwundbar
(daher nennt man die verwundbare Stelle bzw. den schwachen Punkt eines
Menschen übertragen "Achillesferse").
Achilleus besiegt und tötet Hektor und schleift ihn um das Grabmal
des Patroklos. König Priamos erbittet von Achilles den Leichnam seines
Sohnes, und der Leichenzug zieht sich zurück. Achilles selbst wird
von Paris, dessen Pfeil von Apollon gelenkt wird und Achilles' Ferse trifft,
getötet.
Das Trojanische Pferd
Das Ende des Krieges und die Eroberung Trojas wird schließlich durch
eine List des Odysseus herbeigeführt: Auf seinen Rat bauen die Griechen
ein hölzernes Pferd ("Trojanisches
Pferd"), in dessen Bauch sich die tapfersten Helden verstecken.
Das Pferd wird vor den Toren
der Stadt Troja platziert, die griechischen Schiffe fahren zum Schein
ab. Die Trojaner glauben, dass die Griechen nun die Belagerung
aufgegeben und den Trojanern das Pferd als Weihgeschenk überlassen
haben. Trotz der Warnungen des Laokoon holen sie es in die Stadt, um es
der Göttin Athene zu weihen. Nachts entsteigen die griechischen Kämpfer
dem hölzernen Pferd, rufen die Schiffe mit Feuerzeichen zurück
und öffnen den griechischen Kriegern die Tore. So kann Troja schließlich
erobert und zerstört werden.
Aeneas' Flucht
Der trojanische König Priamos, seine Familie und seine Krieger werden
getötet oder gefangen genommen. Doch Äneas kann aus der brennenden
Stadt entkommen, rettet dabei nicht nur seinen Vater Anchises, den er
auf den Schultern trägt, und seinen Sohn Ascanius, sondern auch die
heimischen Götterbilder. Nach langen Irrfahrten gelangt er nach Italien,
wo seine Nachkommen Rom gründen. So ist die Trojasage mit den Mythen um die Gründung Roms verknüpft.
Mythologische Quellen
HOMER, der im 8. Jahrhundert v.
Chr. gelebt haben soll, beschreibt in der "Ilias"
nur die entscheidende Schlussphase des zehn Jahre andauernden Krieges,
und zwar besonders von der Episode vom "Zorn des Achilleus"
an bis zu Hektors Tod und Bestattung. Die Vorgeschichte und der Anlass
des Trojanischen Krieges (der Götterstreit und die Entführung
Helenas) werden eher beiläufig in die Erzählung eingeflochten.
Ebenso wird das Ende des Krieges, die Eroberung und Zerstörung Trojas,
auch nur indirekt in der "Odyssee"
behandelt.
In seiner chronologischen Reihenfolge kann man die Sagen um den Trojanischen
Krieg bei GUSTAV SCHWAB nachlesen (Text 1).
Von dem Gründungsmythos Roms durch die Nachkommen des Aeneas
handelt Vergils Epos "Aeneas".
Geschichtlichkeit
Die beiden Epen "Ilias" und "Odyssee" sind lange Zeit
vor HOMER entstanden und wurden von Generation zu Generation mündlich
weitergegeben, bis HOMER sie schriftlich niederlegte. Mythos bedeutet überlieferte Dichtung und Sage, ist geschichtlich nicht
beweisbare Vergangenheit. Die Frage der Geschichtlichkeit des Trojanischen Krieges ist bis heute umstritten. Zwar sind die Kriegsereignisse nicht durch archäologische
Funde bestätigt, aber viele Wissenschaftler gehen davon aus, dass
dem Mythos reale Ereignisse in der Zeit der mykenischen Kolonisation in
Kleinasien (im 13. Jahrhundert v. Chr.) zugrunde liegen.
