
Zwischen 1519 und 1521 unterwarfen die Spanier das Reich
der Azteken im heutigen Mexiko. Im Februar 1519 stach der spanische Eroberer
HERNÁN CORTÉS
mit 11 Schiffen, über 600 Soldaten,
14 Geschützen und 16 Pferden in Richtung mittelamerikanischer Küste
in See. Bereits zwei Jahre später hatte die kleine spanische Streitmacht
die aztekische Hauptstadt Tenochtitlán
(heute Mexiko-Stadt) im Hochland von Mexiko erobert und weitgehend zerstört,
ein riesiges Heer vernichtend geschlagen und damit das Reich der Azteken ausgelöscht.
Das Volk der Azteken hatte nach dem Sieg der Spanier bis zu 240 000 Opfer zu beklagen.
Die Spanier kostete der Mexiko-Feldzug dagegen weniger als 1000 Mann an Verlusten.
Wenige Jahrzehnte später schon waren neun Millionen Azteken an den aus Europa
eingeschleppten Krankheiten, wie Pocken, Masern und Colera, gestorben. Die Azteken
hatten damit praktisch aufgehört zu existieren.
CORTÉS
auf dem Weg zur Hauptstadt der Azteken
Als CORTÉS (Bild 2) an der mexikanischen
Küste landete, gründete er die Stadt Veracruz. In Veracruz suchten ihn Häuptlinge der hier lebenden Totonaken auf. Das Volk der Totonaken wurde von den Azteken unterdrückt und grausam ausgebeutet wie zahlreiche
andere Indianerstämme auch.
In CORTÉS und seinen Soldaten sahen
diese Völker einen Helfer
im Befreiungskampf gegen die Azteken. CORTÉS musste sich darüber
im Klaren gewesen sein, dass er ohne solche Verbündete seine Ziele nicht
erreichen konnte. Er begab sich deshalb mit seinen Gefährten nach Cempoala,
der Hauptstadt der Totonaken. Hier konnten die Spanier verschnaufen und Kräfte
sammeln. Außerdem bekamen sie 1000 totonakische Träger für den
Transport der schweren Kanonen ins Hochland.
Noch im Küstengebiet hatte
es aber bereits die erste Schlacht gegeben. Die Spanier mussten hier den Widerstand der Chontala brechen. Ihren Sieg über dieses Indianervolk hatten sie, wie auch später
gegen die Azteken, nicht nur ihren überlegenen Waffen, sondern vor allem
auch Geschöpfen zu verdanken, die die Indianer noch nie gesehen hatten: Die Pferde der Spanier waren es, die die Indianer
in Angst und Schrecken versetzten und schließlich in die Flucht trieben.
Die Chontala glaubten nämlich u. a., wie andere Indianervölker in Mittel-
und Südamerika auch, Reiter und Pferd seien miteinander
verwachsen.
Auseinandersetzung
und Bündnis mit den Tlaxcalteken
Im Hochland von Mexiko musste
CORTÉS auf dem Marsch nach Tenochtitlán das Land der Tlaxcalteken durchqueren.
Die Konföderation von Tlaxcala war der einzige größere Staat im zentralen Mexiko, den die Azteken
niemals unterwerfen konnten, obgleich
er von allen Seiten von aztekischem Gebiet umgeben war. Obwohl die Spanier gegen
ihre Erbfeinde zogen, versuchten die Tlaxcalteken zunächst, das spanische
Heer am Durchmarsch durch ihr Land zu hindern. Zwar schlugen die Spanier auch
die Tlaxcalteken, doch CORTÉS war mehr an deren Freundschaft gelegen als
an einem Sieg über sie. Schließlich gelang es CORTÉS auch, die
Tlaxcalteken als indianische Bündnispartner zu gewinnen. Die Spanier konnten
nun neue Kraft schöpfen, sich mit Vorräten versorgen und ohne weitere
kriegerische Auseinandersetzungen das Land durchqueren. Außerdem unterstützten
mehrere Tausend tlaxcaltekische Krieger, die sich in der Kriegstechnik der Azteken
hervorragend auskannten, die Spanier auf ihrem weiteren Vormarsch.
In
Tenochtitlán
Nachdem CORTÉS 1520 die aztekischen Hauptstadt Tenochtitlán erreicht
hatte, berichtete er über ihre
Lage inmitten eines Sees:
"Die Hauptstadt Tenochtitlán liegt in einem salzigen Landsee, und von jedem Punkte des Festlandes, von welcher Seite man auch kommen möge, sind es zwei Leguas (etwa 11 km). Sie hat vier Zugänge, alle über Steindämme führend, die von Menschenhand erbaut und etwa zwei Reiterlanzen breit sind. Die Stadt ist so groß wie Sevilla und Córdoba. Ihre Hauptstraßen sind sehr breit und gerade, einige sind zur Hälfte fester Boden, zur anderen Hälfte aber Wasser, auf dem die Boote fahren. Alle Straßen sind in größeren Zwischenräumen durchschnitten, sodass zwischen ihnen eine Wasserverbindung besteht. Alle diese Durchschnitte, wovon einige sehr breit sind, haben ihre Brücken aus starken zusammenfügbaren Balken, sodass zehn Reiter in Front darüberziehen können."
Bei der Einnahme dieser großen, strategisch günstig gelegenen Stadt
wurde CORTÉS auch durch bestimmte religiöse Vorstellungen desr Azteken
unterstützt:
So glaubten die Azteken, ihr Gott Quetzalcoatl werde eines
Tages in Menschengestalt aus dem Osten wieder zu ihnen zurückkommen. A
ls
1519 das spanische Heer unter HERNÁN CORTÉS an der Ostküste
Mexikos landete, verbreitete sich deshalb rasch das Gerücht, Quetzalcoatl
sei blond und bärtig zurückgekehrt. Der König war im Falle der
Rückkehr des Gottes verpflichtet, diesen mit höchster Ehrerbietung zu
empfangen. Deshalb auch mussten die Spanier Tenochtitlán nicht mit Waffengewalt
erobern, sondern konnten die Stadt auf Einladung des aztekischen Herrschers MONTEZUMA
II. als Gäste betreten.
Im Palast von MONTEZUMA, aber
auch in dem Palast, den "die weißen Götter" von ihm als Quartier zugewiesen bekommen hatten, gingen denen die Augen über,
denn sie erblickten überall Gold in Hülle und Fülle.
CORTÉS
erhielt vom aztekischen Herrscher eine ganze Schatzkammer voll Gold für den
spanischen König, KARL V. Dieser Erfolg löste den Neid des spanischen
Gouverneurs in Kuba aus, der eine bewaffnete Streitmacht zur Verhaftung von CORTÉS
nach Mexiko in Bewegung setzte. CORTÉS zog dieser mit den wenigen ihm noch
verbliebenen Männern entgegen. Er konnte die Mehrzahl der Söldner des
Gouverneurs durch Bestechung für sich gewinnen und seine Truppen mit ihnen
stärken.
Flucht aus Tenochtitlán
Während CORTÉS' Abwesenheit kam es gegen den Willen MONTEZUMAs in
Tenochtitlán zu einem Aufstand
gegen die Spanier. Der zurückkehrende CORTÉS konnte den Aufstand
aber mit Tücke und Grausamkeit niederschlagen:
Auf deren Bitte hin erlaubte er den Azteken, einen Gottesdienst zu Ehren ihres
Gottes Huitzilopochtli abzuhalten. Bedingung
war aber, dass die Teilnehmer am Gottesdienst unbewaffnet erschienen. Als dann
die wehrlosen Teilnehmer des Gottesdienstes, 600 Adlige und Hohepriester,
d. h. die Blüte der aztekischen Oberschicht, vollständig versammelt
waren, wurden sie allesamt von den Spaniern gnadenlos
niedergemetzelt.
Allein MONTEZUMAs Autorität rettete die Spanier
nach diesem Verrat vor der Vernichtung durch das aztekische Heer. MONTEZUMA selbst,
der in den Kämpfen verwundet wurde und bald darauf starb, forderte die aztekischen
Heerführer auf, den Kampf zu beenden. Dennoch mussten sich die Spanier fluchtartig
aus der Stadt zurückziehen.
Auf dem Rückzug stellte sich ihnen
ein riesiges aztekisches Heer
in den Weg, dem CORTÉS und seine Söldner mit taktischem Geschick entkommen
konnten:
CORTÉS wusste, dass die Kampfkraft der aztekischen Krieger
stark von ihrem Heerführer abhing. Deshalb schlug er sich zu diesem durch,
tötete ihn, raubte das Schlachtbanner und konnte sich so von seinen verwirrten
und unschlüssigen Gegnern absetzen.
Die
Entscheidung
Nach dem Tod MONTEZUMAs II. war als Nachfolger und letzter
Herrscher der Azteken QUAUHTÉMOC
gewählt worden. Dieser ahnte, dass die entscheidende letzte Schlacht mit
den Spaniern noch nicht geschlagen war. Deshalb bereitete er sich und sein Volk
darauf vor.
Aber auch CORTÉS blieb nicht untätig:
Er ließ
in Tlaxcala dreizehn Brigantinen (kleine Segelschiffe) bauen. Diese wurden, in
Einzelteile zerlegt, von einigen Tausend indianischen Trägern ans Ufer des
Sees gebracht, in dem die Hauptstadt der Azteken lag. Hier wurden aus den Einzelteilen
wieder Brigantinen, aus den tlaxcaltekischen Trägern wurden Krieger.
Anfang
Juni 1520 begann CORTÉS die lang andauernde Blockade, und der Hunger und
Durst hatten die Verteidiger zunehmend geschwächt. Den Spaniern gelang es
deshalb, zunächst an einigen Stellen in die Insel-Stadt einzudringen, um
sie schließlich ganz einzunehmen. Nach der Einnahme gingen die Spanier brutal
gegen die Bevölkerung vor, metzelten fast eine Viertel Mio. Menschen nieder
und begannen, Tenochtitlán dem Erdboden gleichzumachen.
Mitte August
1521 eroberte dann eine der Brigantinen ein großes Boot, in dem sich weitere
führende aztekische Adlige befanden. Damit war das Schicksal
der Azteken und ihres Reiches endgültig besiegelt, das zur spanischen
Kolonie wurde.
1525 stand QUAUHTÉMOC
vor seinen spanischen Henkern. Zu diesem Zeitpunkt war er aber bereits zum
Christentum bekehrt und Tenochtitlán
zur spanischen Residenz Ciudad Real de México
geworden.