

Eine
strategische Entscheidung
Als am Ende des 3. Jh. das große römische
Weltreich durch die Angriffe der Germanen und der Perser an seinen
"Rändern" zu zerfallen begann, erfolgte die Teilung des Reichs,
um dem Zerfall Einhalt zu gebieten. Doch trotz Reichsteilung in das Weströmische
Reich und das Oströmische Reich -
später Byzantinisches
Reich genannt (Bild 1) -, "brannte"
es an den Grenzen immer stärker.
Das war offensichtlich ein Grund für die Wahl und den Ausbau Konstantinopels
zum "zweiten Rom" im Osten. Denn von hier aus war es wesentlich
leichter als von Rom aus, das Reich zusammenzuhalten und den Abwehrkampf
gegen die Perser zu führen.
Gründung und Entwicklung der Stadt bis zum 6. Jh.
| Der
römische Kaiser KONSTANTIN
DER GROSSE hatte 324 n. Chr. den letzten seiner Mitkaiser
besiegt. Als alleiniger Herrscher des Römischen Reiches war er
nun auf der Suche nach einer neuen Kaiserstadt im Osten. Seine Wahl fiel dabei auf das von Griechen besiedelte Byzantion mit seiner strategisch günstigen Lage am Bosporus zwischen Schwarzem und Mittelmeer. Den Ausbau der durch vorausgehende Kriege stark zerstörten Stadt zum "zweiten Rom" verfügte er im Jahre 330. |
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Anzunehmen ist jedoch, dass die Stadt fächerförmig,
von einem zentralen Platz aus, angelegt
war, wie eine Rekonstruktion nach schriftlichen Quellen zeigt. In der
kurzen Zeit bis zu seinem Tod (337) konnte KONSTANTIN allerdings nur einen
geringen Teil der öffentlichen Bauten und Kirchen vollenden, u. a.
die Apostelkirche, die für ihn als Mausoleum gedacht war.
Seine Nachfolger setzten
in den folgenden Jahrzehnten das Aufbauwerk
fort: Die Landmauer wurde fertiggestellt. Weitere Kirchen, eine
große Thermenanlage und eine Fernwasserleitung wurden gebaut. Zentrale
Plätze entstanden, die es z. T. noch heute gibt. Sie wurden reich
mit Säulen und Skulpturen aus anderen Teilen des Reiches verziert
und ähnelten in der Fülle der Schmuckelemente bald Freiluftmuseen.
Auf diese Weise entwickelte sich die Stadt in wenig
mehr als 50 Jahren zur prächtigen Metropole, die als ständiger Regierungssitz der Kaiser von Byzanz nun die Bezeichnung "zweites
Rom" auch verdiente. Die Stadt
wuchs und platzte bald aus den Nähten. So wurden unter Kaiser THEODOSIUS II.
(408-450) zwei weitere Landmauerringe, ein äußerer und
ein innerer, fertiggestellt. Dadurch erweiterte sich nicht nur die Stadt.
Sie wurde auch zur damals mächtigsten
Festung Europas.
Gleichzeitig nahm in Konstantinopel seit dem 5. Jh. die Zahl der christlichen Kirchen und Klöster ständig zu. Als ein Brand im Zentrum Konstantinopels "Platz" schuf, konnte Kaiser JUSTINIAN (527-565) seine Vorstellungen von einem Zentrum verwirklichen, das der Macht und der Größe von Byzanz Ausdruck verlieh. Diese Vorstellungen fanden im Bau der Hagia Sophia, der Kirche zur "Heiligen Weisheit" (Bild 3), ihren Höhepunkt. Die Kirche ist das bedeutendste Bauwerk der byzantinischen Kunst. Sie wird von einer Hauptkuppel mit mehr als 30 m Durchmesser beherrscht, ist im Inneren überreich mit Marmor und Mosaiken geschmückt und gehört heute zum Weltkulturerbe der UNESCO.
Bevölkerung Kunst und Kultur
Die umfangreiche Bautätigkeit der byzantischen Kaiser zog viele Künstler
und Handwerker aus allen Teilen des Byzantinischen Reichs in die Stadt.
Neben der Architektur blühten die Malerei, die Mosaikkunst und die
Bildhauerei auf. Konstantinopel wurde so zwischen dem 4. und 6. Jh.
auch zum Zentrum des künstlerischen Schaffens im ganzen spätrömischen
Reich und zu seiner Kunstmetropole.
In die Zeit KONSTANTINS DES GROSSEN fiel auch die Ablösung
der Papyrusrollen, die seit dem alten Ägypten die "Träger"
von Handschriften waren. An ihre Stelle trat ein Pergamentkodex, der die
äußere Form unserer heutigen Bücher besaß. Beleg
dafür ist ein Brief, den ein byzantinischer Geschichtsschreiber überlieferte,
in dem KONSTANTIN 50 Bibeln in Buchform bestellte:
"Du sollst 50 Kopien der Heiligen Schriften bestellen, deren Bereitstellung und Benutzung, wie du weißt, in erster Linie nötig ist für die kirchliche Unterweisung, geschrieben auf gut zubereitetem Pergament von kundigen Kopisten in sorgfältiger und schöner Schrift. Die Kopien müssen gut lesbar sein und leicht tragbar, sodass sie auch (wirklich) benutzbar sind."