





Der Schlieffenplan war ein Plan für die deutsche Militärstrategie im Falle
eines Zweifrontenkrieges im Osten gegen Russland und im Westen gegen Frankreich.
Dieser Plan war 1905 von dem Chef des Generalstabs der deutschen Armee Generaloberst
ALFRED GRAF VON SCHLIEFFEN erdacht
worden. Er sah vor, dass im Kriegsfall 35 Armeekorps durch Luxemburg, Holland
und Belgien nach Frankreich vorstoßen sollten, um die französische
Armee in Richtung Schweiz und Vogesen abzudrängen,
zu umzingeln und zu vernichten.
Der Generalstab war sich dabei bewusst, dass die
Verletzung der belgischen Neutralität
einen Kriegseintritt Großbritanniens
nach sich ziehen musste.
Dennoch sah der Plan keine
Maßnahmen für diesen Fall vor und war auch nicht mit der deutschen
Marine abgesprochen. An der deutschen Grenze südlich von Metz sollten lediglich
5 Armeekorps stationiert bleiben, um einen direkten französischen Angriff
auf das Deutsche Reich abzuwehren. Im Osten sollten lediglich schwache Verteidigungskräfte
stehen, da man nicht mit einem schnellen Angriff Russlands rechnete. Russland
sollte erst nach dem Sieg über Frankreich angegriffen werden.
Der
Plan wurde von SCHLIEFFENs Nachfolger, dem Generaloberst HELMUTH
VON MOLTKE abgeändert. Er veränderte das Verhältnis der Armeekorps
im Westen auf 26 zu acht, was eine beträchtliche Schwächung des rechten
Angriffflügels bedeutete.
Am 5./6.
September trafen die deutschen Truppen im Gebiet des Flusses Marne auf die vereinten englischen und französischen Streitkräfte, die den
Deutschen zahlenmäßig überlegen waren. Zwischen dem 6. und 9.
September tobten entlang der Front heftige Gefechte, in deren Verlauf die Alliierten
die deutschen Truppen mit einem Gegenangriff zum Stillstand brachten und teilweise
zum Rückzug zwangen. Zwischen der 1. und 2. deutschen Armee entstand eine
Lücke von rund 40 Kilometern, so dass der deutsche Generalstab am 10. September
den Rückzug der beiden Armeen um 80 km auf die Linie des Flusses Aisne anordnen
musste, damit die alliierten Truppen nicht in die Lücke vorstoßen konnten.
Die französischen Truppen rückten zögernd nach und in Frankreich
wurde das als "Wunder von der Marne" gefeiert.
Die Schwächung des rechten deutschen
Angriffflügels durch den abgeänderten Schlieffenplan hatte sich gerächt,
zudem waren Teile der Armee schon an die Ostfront verlegt worden, da dort bereits
der russische Angriff begonnen hatte. Der Chef des Generalstabs MOLTKE (Text
1) trat am 14. September 1914 auf Grund der Niederlage zurück, sein
Nachfolger wurde General ERICH VON FALKENHAYN.
An der Front, die sich nun über 700 Kilometer von der Nordsee bis an die schweizerischen Alpen erstreckte, entstand ein System von Schützengräben, das über Lauf- und Verbindungsgräben
vernetzt war. Auf beiden Seiten der Front lebten die Soldaten in einfachen Unterständen, meist Erdlöchern, die mit Brettern und anderen Materialien nur notdürftig gesichert waren. Niemand ahnte, dass dies das Zuhause für die nächsten Jahre werden würde, die meisten Soldaten hatten ursprünglich geglaubt, sie wären zu Weihnachten wieder bei ihren Familien.
Verdun
Nach der Marneschlacht wogten die Kämpfe an der Westfront hin und her, ohne das eine der Kriegsparteien einen entscheidenden Vorteil erringen
konnte. Für die Soldaten wurde der Stellungskrieg zur Hölle, denn die
militärischen Führungen glaubten, sie könnten mit steigendem Materialeinsatz
einen Vorteil erlangen.
Die Alliierten versuchten
das Jahr 1915 über, die deutsche Front zu durchbrechen. Die Planung sah vor,
die gegnerischen Schützengräben mit massivem Artilleriebeschuss quasi
einzuebnen, bevor dann Infanterieeinheiten nachsetzten, um eine Bresche zu schlagen.
Der Blutzoll war ungeheuerlich, alle Versuche scheiterten am undurchdringlichen
Sperrfeuer der deutschen Truppen. Seit April/Mai 1915 wurde an der Westfront erstmals
auch Giftgas eingesetzt, was hunderttausende
Soldaten jämmerlich krepieren ließ oder zu Krüppeln machte.
Im Frühjahr 1916 versuchte die Oberste Heeresleitung mit einem Großangriff die strategisch wichtige Festung Verdun an der Maas einzunehmen. Am 21. Februar begann die Großoffensive auf das stark befestigte Festungssystem. Die Schlacht wütete mehrere Monate lang, bis zum 21. Juli 1916. Die deutsche Planung sah vor, den Gegner im Sinne einer Ermattungsstrategie mit unglaublichem Menschen- und Materialeinsatz "ausbluten" zu lassen. Die Soldaten mussten um jeden Meter Boden und um jede Anhöhe kämpfen und obwohl die deutschen Truppen einige Teilerfolge errangen, gelang die Eroberung der Festung Verdun nicht.
I In der "Hölle von Verdun" starben
Verdun-sur-Meuse
Schilderung der grauenvollen Bedingungen vor Verdun:Tagsüber siehst du die feisten Verdunratten, groß wie Katzen... an die wassergefüllten Trichter schleichen... und kriechst selbst hin zum Wasserloch, um das Gesicht einzutauchen. Aber der Wasserspiegel sinkt innerhalb von drei, vier Tagen... und wenn du wieder hinkriechst, mit dicker Zunge, findest du einen Toten im Trichter. Der Mann muss schon lange drin gelegen haben; er ist bereits gedunsen. Du erbrichst dich vor Ekel, aber die Qual des Durstes ist größer... wenn du den Toten in der Dunkelheit nicht mehr siehst, kriechst du wieder hin und trinkst--
Da
die britischen Truppen im Sommer 1916 eine Offensive an der Somme begannen, mussten
Einheiten aus Verdun abgezogen werden, um die dortigen Verbände zu verstärken.
Sowohl in Frankreich als auch in Deutschland
steht der Name "Verdun" bis heute für die Sinnlosigkeit von Kriegen.
Der
Krieg im Osten